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     May 23, 2013 04:45 CET
 


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Die Philosophie dahinter:

Zirkulare müssen gut ankommen und wirken
Alles muss rund gehen: Der Rundfunk ist ein Funk, der in die Runde ausgestrahlt wird. Und Rundbriefe oder Rundschreiben sind Texte in Briefform, die rundum oder an genau definierte Empfänger(-gruppen) versandt werden, ähnlich den Infoblättern. Vor rund einem Jahrhundert nannte man sie treffend Cirkulare oder Cirkularschreiben, abgeleitet aus dem Lateinischen circulor (einen Kreis um sich bilden; umherziehen; sich gruppenweise unterhalten); dementsprechend war der Trödler oder Marktschreier ein Circulator.

Zu den Zirkularen gehören beispielsweise Informationen der Eltern durch Schulbehörden, Briefe aus dem Partei-, Vereins- oder Verbandsvorstand an alle Mitglieder, Mitteilungen aus der Chefetage an die Belegschaft, die dem Lohnkuvert beigelegt werden, sodann Briefe an Geschäftskunden, Orientierungen der Mitglieder und der Medien durch Schutz- und Hilfsorganisationen, Informationen von Staatsangehörigen im Ausland durch nationale Organisationen, flächendeckende Mitteilungen von Gemeindebehörden etwa über Kehrichtabfuhrzeiten und die Entsorgungsgebühren sowie viel anderes mehr. Rundschreiben sind auch dann nötig, wenn keine Gewähr besteht, dass gewisse Botschaften im vollen Wortlaut in die Medien eingerückt werden können oder aber wenn es sich um reine Interna handelt, die ausdrücklich nicht für die breite Öffentlichkeit, sondern für eine Zielgruppe bestimmt sind. Auch viele Publikationen in Magazinform werden Rundbriefe genannt.

An der althergebrachten Form des Rundbriefes muss auch im Internet-Zeitalter mit seinen E-Mails (elektronischen Briefen) und Newsletters zwangsläufig immer dann festgehalten werden, wenn sich der Bezügerkreis nicht aus lauter elektronisch Vernetzten besteht oder aber wenn dem Brief etwas Gegenständliches beigelegt werden soll, etwa ein Gutschein, ein altes Rappen- oder Centstück, ein Beutelchen mit Samen zum Pflanzen von Bäumchen oder ein kleines Muster aus der eigenen Produktion. Was sich nicht digitalisieren lässt, kann sich nur auf den guten alten Postvertriebskanälen bewegen. Das erklärt auch, weshalb das Post-Zustellpersonal noch nicht arbeitslos geworden ist.

Rundschreiben sind für eine grössere bis sehr grosse Empfängerzahl bestimmt, was eine erhöhte Sorgfalt gerade auch bei der sprachlichen Gestaltung rechtfertigt. Oft behält deren Inhalt seine Gültigkeit während einer langen Zeitperiode, weil daraus allgemeiner Nutzen gezogen werden kann. Dann werden die Zirkulare aufbewahrt. In solchen Fällen kann es nicht schaden, wenn die Aufmachung des Wiedererkennungswertes wegen über Jahre beibehalten wird, was laufende kleine Verbesserungen und Anpassungen an veränderte Mitteilungsbedürfnisse selbstverständlich nicht ausschliesst.

Es gibt gute Gründe, um aus Rundschreiben Sammlerobjekte werden zu lassen, kleine Kostbarkeiten, die mehr sind als eine trockene Erledigung der Informationsaufgabe. Dazu können auch kleine feuilletonistische Beigaben, Lebensweisheiten und/oder gezielt eingesetzte Illustrationen beitragen. Das muss gekonnt, mit Bedacht und Einfühlungsvermögen in die Empfängerbedürfnisse gemacht sein und darf nicht einfach aus Firlefanz bestehen. Es soll aber auch Memoranden (Denkschriften) geben, die angeblich nur dazu dienen, den Namen des Verfassers bekannter zu machen. Wenn dieser genügend Gründe für die Annahme hat, dass seine Memos ohnehin nicht gelesen werden, ist der Inhalt vollkommen belanglos...

Vielleicht kommt es im digitalen Zeitalter zu einer Renaissance von lesenswerten Zirkularen, die den Empfängern dienlich sind und einen als angenehm empfundenen, verlangsamenden, beruhigenden und in die Tiefe gehenden Gegenpart zu all den kommunikativen Oberflächlichkeiten setzen.

Der Leser erkennt in diesen Darlegungen die durchgehende Philosophie der Textatelier-Schreiber: Qualität mit dem Reiz des Besonderen zu adeln, im Sinn und Geist einer ehrwürdigen Goethe-Maxime: "Das Besondere unterliegt ewig dem Allgemeinern; das Allgemeine hat ewig sich dem Besondern zu fügen."

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