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BLOG vom 07.12.2019
Wirksame Wurzeln (I): Bitteres für den Magen

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim

 


Baldrian (Foto: Heinz Scholz)
 

In Wurzeln sind viele Wirk- und Nährstoffe gespeichert. Einige der unterirdischen Pflanzenteile bringen Genusserlebnisse, wiederum andere liefern eine sanfte Medizin. Zubereitungen von Wurzeln sind hilfreich bei Husten, Magen- und Darmbeschwerden, rheumatischen Erkrankungen. Sie steigern sogar die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit und sind hilfreich bei Reisekrankheiten. Eine Wurzel macht sogar einen wachen Kopf und gute Nerven. In 2 Teilen stelle ich die wichtigsten Wurzeln vor.

Alant hilfreich bei Husten
Alant enthält in seiner Wurzel wie Topinambur, Artischocke, Schwarzwurzel und Klette das Polysaccharid Inulin, einen Reservestoff, der sättigt, aber nicht vom Körper aufgenommen wird. Er erhöht auch nicht den Blutzuckerspiegel. Aus diesem Grunde wird Inulin in der diätetischen Behandlung des Diabetes eingesetzt. Die Wurzel des Alants hat eine schleimlösende, hustendämpfende und leicht krampflösende Wirkung. Er ist Bestandteil von Hustenmischungen.

Innerliche Anwendung: Tee aus der Wurzel: Husten, beliebt ist auch folgende Teemischung: Alantwurzel (20 T.), Thymian (15 T.), Lungenkraut (10 T.) und Schlüsselblumenwurzel (5 T.).

Teebereitung: 1 Teelöffel der oben genannten Mischung mit 250 ml Wasser ansetzen, zum Sieden erhitzen, etwa eine halbe Minute sieden lassen, dann abseihen. Täglich 2-3mal eine Tasse Tee trinken.

Baldrian sorgt für guten Schlaf
Jedem mit Einschlaf- und Durchschlafstörungen kann geraten werden, es immer zuerst mit Baldrian zu versuchen. Aber Vorsicht: Baldrian muss richtig dosiert werden! Bei zu geringer Aufnahme zeigt er kaum Wirkung, bei zu hohen Mengen den gegenteiligen Effekt. Wenn Baldrian in hohen Dosen und länger als 4 Wochen eingenommen wird, muss die Dosis langsam wieder verringert werden.

Da bei Kindern unter 12 Jahren, Schwangeren und Stillenden keine ausreichenden Untersuchungen vorliegen, sollten diese Baldrian nicht einnehmen. In den ersten Stunden nach der Einnahme kann Baldrian die Reaktionsfähigkeit beeinflussen. Baldrian nicht zusammen mit Alkohol einnehmen. Oft wird eine Schlafförderung erst nach 5 bis 14 Tagen beobachtet.

Press-Saft aus frischen Baldrianwurzeln (z.B. von Schoenenberger): Wird zur Förderung des Schlafes ausschließlich aufgrund langjähriger Anwendung empfohlen.

Einschlaffördernder Tee 1: 30 g Johanniskraut, 20 g Weissdornblüten, 20 g Melissenblätter, 10 g Kamillenblüten, 5 g Hopfenzapfen und 10 g Baldrianwurzel.

Einschlaffördernder Tee 2: 10 g Lavendelblüten, 20 g Orangenblüten, 10 g Lindenblüten, 5 g Melissenblätter, 20 g Hopfenzapfen, 10 g Baldrianwurzel.

Zubereitung: 1 bis 2 gehäufte Teelöffel der jeweiligen Mischung mit 150 ml heissem Wasser übergießen, nach 10 bis 15 Minuten abseihen. Täglich 2- bis 3-mal eine Tasse trinken. Eine Tasse Tee mit Honig gesüsst oder ungesüsst vor dem Schlafengehen zu sich nehmen.

Kräuterkissen: Füllen Sie ein Leinensäckchen zu gleichen Teilen mit Baldrianwurzelstücken, Hopfenblüten, Thymiankraut und Lavendelblüten und legen Sie es unter oder neben das Kopfkissen. Sie können das Leinensäckchen auch auf dem Nachtschränkchen platzieren. Die Düfte beruhigen und bringen einen gesunden Schlaf.

Beinwell heilt Wunden
Phytotherapeuten sind voll des Lobes über die Wurzel mit der entzündungshemmenden, zusammenziehenden, schleimhautschützenden, wundheilungsfördernden Wirkung. Zur Anwendung kommen Umschläge, Abkochungen, Balsame und Salben bei Arthrose, Arthritis, Entzündungen im Unterhautzellgewebe, Krampfaderstauungen, Sehnenscheidenentzündung, Furunkel, bei Quetschungen, Verrenkungen, Verstauchungen, Nervenschmerzen nach Verletzung, Ischias, Narbenschmerzen nach Wetterwechsel, Blutergüssen. Sportler profitieren besonders von einer Anwendung.

Es gibt etliche Studien mit einer Beinwellsalbe bei Sportlern mit Sprunggelenksverletzungen. Es wurde die Beweglichkeit verbessert, eine Schmerzreduzierung und eine Abschwellung erzielt.
Zudem wurde die Verträglichkeit der Behandlung als ausgezeichnet empfunden.

In einer Studie, die H. Pabst durchführte, erhielten 362 Patienten mit Rückenschmerzen eine Kombinationssalbe. Die erste Gruppe bekam alle 8 Stunden ca. 4 g Salbe, bestehend aus 35 % Beinwellwurzel-Extrakt und 1,2 % Nicotinsäuremethylester auf die schmerzenden Stellen. Die zweite Gruppe erhielt eine Salbe mit 1,2 % Nicotinsäuremethylester ohne Beinwellzubereitung. Die dritte Gruppe bekam eine Placebo-Salbe.

Ergebnis nach 5 Tagen: Der Bewegungsschmerz war mit der Kombisalbe um 27 % geringer als im Vergleich zur Nicotinsäuremethylester-Gruppe und um 50 % geringer zur Placebo-Gruppe. Auch der Schmerz im Ruhzustand war ähnlich geringer. Die Studie wurde sehr gut von der Carstens-Stiftung beurteilt.

Eibisch – nimmt Husten den Reiz
Heute kommt besonders der Kaltwasserauszug der Wurzel bei Reizhusten, Entzündungen im Magen, Darm und Rachenraum zur Anwendung.
Besonders die Schleimstoffe wirken hustenreizlindernd und erleichtern das Abhusten.

Innerliche Anwendung: Eibischsirup: bei Husten, Wurzel: gekaut bei Halsweh, Tee aus Wurzeln: bei Magen- und Darmstörungen; Tee mit Honig gesüßt: bei Reizhusten. Klysma: bei Entzündungen im Enddarm (Proktitis).

Äußerliche Anwendung: Tee: Umschläge bei Wunden, Gurgelmittel bei Entzündungen im Rachenraum. Heiße Umschläge mit der Abkochung: Furunkeln, Karbunkeln.

Teebereitung: 1-2 Teelöffel fein geschnittene Eibischwurzel mit 250 ml kaltem Wasser ansetzen, 30 Minuten stehen lassen (öfter umrühren!), dann durch ein Teesieb oder feines Tuch abseihen und auf Trinktemperatur erwärmen.

Enzian – Bitteres für den Magen
Der stattliche Gelbe Enzian (Gentiana lutea L.), den Sebastian Kneipp als eines der ersten Magenmittel bezeichnete, blüht erst vom 10. Jahr an und wird bis 60 Jahre alt. Die Wurzel der Pflanze weist eine ganze Reihe Bittermittel auf. Noch in einer Verdünnung von 1:20 000 schmeckt man das Bittere heraus. Zubereitungen mit Enzianwurzel haben sich bewährt bei Magenschwäche mit mangelnder Magensaftbildung, Appetitmangel, Blähungen, Krampf- und Erschlaffungszustände von Magen und Darm; zur Schleimlösung bei Atemwegsinfekten.

Gelbwurz gut für Magen und Darm
Die Gelbwurz (Kurkuma) ist Bestandteil des Currygewürzes. Sie ist jedoch mehr als ein Gewürz. Sie lässt die Galle fließen, lindert Brechreiz, Blähungen, Krämpfe und Entzündungen. Wie Ursel Bühring in ihrem Werk „Kuren für Körper und Seele“ erwähnt, profitieren vor allem ältere Menschen mit „schwachen Magen“. Die Gelbwurz soll auch bei Reizmagen und Reizdarm helfen.

In einigen neuen Studien wurde die Wirksamkeit von Kurkuma bei Arthritis, Darmentzündungen ermittelt. Das gelbe Gewürz soll auch die Leberfunktion und die Symptomatik von depressiven Patienten verbessern.
Wie die Carstens-Stiftung (www.carstens-stiftung.de) berichtete, sind jedoch noch weitere Studien mit einer größeren Probandenzahl notwendig.
Zur Beachtung: Bei Gallensteinen sollte man vor Anwendung Rücksprache mit dem Therapeuten halten. Nicht einsetzen bei Verschluss der Gallenwege und Darmverschluss.

Ginseng – Wurzel der „ewigen Jugend“
Es ist durchaus etwas dran an dem guten Ruf von Ginseng. Eine Wunderarznei und ein Allheilmittel ist die asiatische Wurzel jedoch nicht. Auch ewige Jugend kann sie nicht spenden. Aber Ginseng stimuliert unbestritten die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit bei Schwäche- und Erschöpfungszuständen. Die Widerstandskraft ganz allgemein und die Anpassung des Organismus bei Stress kann durch die Wurzel günstig beeinflusst werden.

Die europäische Expertenkommission „European Cooperative on Phytotherapy“ (ESCOP) anerkennt zwar nicht alle Heilwirkungen an, jedoch diese:

  • Ginseng wirkt bei Müdigkeit und Schwächezuständen.
  • Ginseng ist wirksam bei nachlassender Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit.
  • Die Wurzel ist empfehlenswert in der Rekonvaleszenz und bei Erschöpfung in den Wechseljahren.
  • Die Wurzel ist hilfreich bei leichten depressiven Verstimmungen im Alter.

Wie ältere Anwender berichteten, werden sie nach Aufnahme von Ginseng gelassener und ausgeglichener.

Teil 2 folgt (Infos über Ingwer, Löwenzahn, Meerrettich, Rosenwurz, Süssholz, Taigawurzel, Teufelskralle).

 

Internet
www.schoenenberger.com
www.ulmer.de
www.at-verlag.ch
www.carstens-stiftung.de

Literatur
Bühring, Ursel: „Alles über Heilpflanzen“ (Erkennen, anwenden und gesund bleiben), Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2018.
Bühring, Ursel: „Kuren für Körper und Seele“, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2012.
Scholz, Heinz; Hiepe, Frank: „Arnika und Frauenwohl“, Ipa-Verlag, Mühlacker/Mühlhausen, 2. Auflage 2013.
Scholz, Heinz: „Heilkräftige Wurzeln“ (Kurzbericht in „natur&heilen“, 11/2019).
Vonarburg, Bruno: „Heilen mit Pflanzenessenzen“, AT Verlag, Aarau und München 2017.

 


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