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13. Ausgabe www.textatelier.com 17. 03. 2005

Binde- und Gedankenstrich – das ist nicht das Gleiche

Beim Korrigieren von Texten ist es eine in den meisten Fällen mühselige Knochenarbeit, dort die vielen Bindestriche in Gedankenstriche umzuwandeln, wo sie nicht hingehören, etwa weil sie die Bedeutung von Bisstrichen haben. So kam mir die Idee, die Unterschiede einmal aufzulisten – und zwar in der Hoffnung, dadurch unsere Korrekturarbeiten in Zukunft etwas erleichtern zu können. Unser Hauskorrektor Hans Kurt Berner erwischt mich allerdings auch immer wieder auf frischer Tat …

Das ist ein Bindestrich: -

Der Bindestrich, der von Typografen auch der Divis genannt wird, ist ein kurzer Querstrich, der 2 oder mehrere zusammenhängende Wörter miteinander zu Komposita verbindet: Max-Havelaar-Produkte, Wasserstoff-Tankstelle, Paris-Ost, deutsch-englisches Verhältnis, 20er-Jahre, Herr Hans Müller-Sennhauser. Auch bei Datumsangaben (nach DIN 5008) wird der gewöhnliche Bindestrich verwendet: 2005-02-13. Bei sehr langen Wortzusammensetzungen gewährleistet er eine bessere Lesbarkeit: Tunichtgut-Verhaltensweise. Zudem verwendet man ihn auch für einen ausgesparten Wortteil: Fensterläden und -scheiben oder Auto- und Veloverkehr. Er wird in diesem Zusammenhang auch als Ersatzstrich bezeichnet.

Der Trennungsstrich entspricht dem Bindestrich – er ist al-
so kurz und bündig.

Das ist ein Gedankenstrich: –

Dieses denkwürdige Satzzeichen, der Gedankenstrich, hat eine ganz andere Funktion als der Bindestrich. Er ist länger und damit bedeutungsvoller. Er dient nämlich zur Kennzeichnung einer Pause:

Diese Zigarre hat die richtige Feuchtigkeit – ein richtiger Rauchgenuss.

Auch am vorderen und hinteren Ende eines eingeschobenen Satzes setzt man einen Gedankenstrich:

Dieser Montag war – man wünscht es sich immer so – ein herrlicher Auftakt zur jungen Woche.

Dieser Gedankenstrich – er ist, wie gesagt, länger als ein Bindestrich – kann auch für ein ausgelassenes Wort stehen:

Die ständigen Fehlleistungen meiner Angestellten sind zum – Sie wissen schon, was ich meine. Ich würde hier zwar 3 Auslassungspunkte … vorziehen.

Der Gedankenstrich ist in diesen Fällen immer links und rechts von einem Leerzeichen begleitet, was ihm noch mehr Gewicht verschafft.

Die weit verbreitete Schreibsoftware Word wandelt den Bindestrich automatisch in einen Gedankenstrich um, wenn es angezeigt ist; manchmal auch an unpassender Stelle, und manchmal eben auch nicht. Wenn in einen bestehenden Text ein Bindestrich (Minuszeichen) eingesetzt wird, passiert nichts. Für alle Fälle findet man den Gedankenstrich unter Einfügen – Symbol.

Es geht auch so:
Alt 0150 (Bindestrich) -
Alt 0151 (Gedankenstrich) –

Der nur selten so genannte Bisstrich (Bis-Strich, hier mit Bindestrich) sieht gleich wie der Gedankenstrich aus: 1912–1989, die Bahnstrecke Zürich–Olten. Man spricht in diesem Fall auch von Streckenstrich; hier braucht es üblicherweise hinten und vorne keine Leerräume. Bei geläufigen Jahreszahlen kann stattdessen übrigens auch ein Schrägstrich eingesetzt werden: 1939/45, auch bei Hausnummern: Hohlestrasse 12/18 (oder eben Hohlestrasse 12–18).

Wenn die Präposition bis durch einen Strich ersetzt werden soll, drängt sich immer der Gedankenstrich (ohne Leerschläge) auf: Diese Boutiqueartikel kosten 10–25 Euro. Die Ladenöffnung dauert von 8–17 Uhr. Der Bisstrich sollte aber nicht mit anderen Zeichen gepaart sein, also bitte nicht zwei- –dreimal, sondern zwei- bis dreimal – man kann ja schliesslich alles übertreiben.

Der Gedankenstrich wird auch für „gegen“ angewandt, zum Beispiel im Sport: FC Aarau – FC Basel 2:7.

Der Gedankenstrich kann bei Währungsangaben auch die beiden Nullen hinter dem Komma ersetzen, also ausnahmsweise gewissermassen zum Nullereignis werden: CHF 300.– .

Beim Webdesign kommen noch verschiedene spezielle Regeln dazu, um unerwünschte Trennungen zu verhindern; zudem müssen auch gewisse Abstandsregeln eingehalten werden, damit ein Text schön aussieht und besser lesbar wird; man verwendet dazu das Viertel- oder Achtelgeviert (kleiner Abstand) – in meinen Buch „Kontrapunkte zur Einheitswelt“ wird das so gehalten. Die alten Schriftsetzer beherrschten das noch aus dem Effeff – doch das ist ein anderes endloses Kapitel, über das unter http://de.wikipedia.org/wiki/Plenk nachzulesen ist (ein fälschlicherweise angebrachtes Leerzeichen vor Satzzeichen wird Plenk genannt, und wer solche Fehlleistungen vollbringt, der plenkt).

Für den Alltagsgebrauch genügt aber die Unterscheidung von Binde- und Gedankenstrich. Diese Differenzierung gehört unbedingt zu einem gepflegten Text und erhöht das Lesevergnügen.

Zudem kennt man übrigens auch noch den langen Gedankenstrich —, den man in Tabellenzellen ohne Inhalt einfügt.

Ich füge ihn (herausgefischt aus den Sonderzeichen) hier ein, weil ich den Rest des Platzes ohne Inhalt so stehen lassen will, damit ich Ihnen nicht auf den Strich gehe:

—

Walter Hess

Bemerkungen von Heinz Scholz
Es ist schade, dass der Gedankenstrich nicht auf der Tastatur vertreten ist. Er muss immer mühsam aus dem Verzeichnis „Symbol“ geholt werden. Man sollte den Gedankenstrich unbedingt auch auf der Tastatur platzieren.

In einigen Büchern wird bei Jahreszahlen entweder der Bindestrich verwendet (z.B.: Plinius 23-79 u. Z.) oder es wird mit einem „bis“ verbunden ( Plinius 23 bis 79 u. Z. ). In anderen Büchern wird zwischen den Jahrszahlen ein breiterer Strich, eben der Gedanken- oder Bisstrich, gesetzt.

Wer den Gedankenstrich, der ja vor und nach eingeschobenen Satzstücken und Sätzen, die das Gesagte erläutern, nicht mag, kann versuchen, sich anders auszudrücken oder den Gedanken in Klammern setzen. Das dürfte manchmal mit Schwierigkeiten verbunden sein, weil meistens erklärende Zusätze in Klammern gesetzt werden.

Für die Erhöhung des Lesevergnügens tun wir Autoren doch alles. Bisher war es so, dass ich immer nur den Bindestrich verwendet habe, schon wegen der Schnelligkeit des Schreibens mit dem Zehn-Finger-System. Wer seinen Elan beim Schreiben nicht gern unterbrechen möchte, kann ja am Schluss seiner Arbeit falsch geschriebene Bindestriche löschen und durch Gedankenstriche ersetzen.

Aber es gibt ja nicht so viele Gedankenblitze, die mit Gedankenstrichen in Sätze eingeschoben werden müssen. In Zukunft werde ich darauf achten, wo ein Binde- und Gedankenstrich platziert werden muss.

 



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