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15. Ausgabe www.textatelier.com 18. 07. 2005

Kniffliges rund um die 3 Punkte . . .

Die 3 nacheinander folgenden Punkte ( ... ) zeigen an, dass zum Beispiel innerhalb eines Zitats etwas ausgelassen worden ist, oder aber ein Wortteil wurde unterdrückt: „Du bist ein Vollid...“. Wird ein ganzes Wort oder werden mehrere Wörter ausgelassen, stehen die Punkte frei, das heisst es gibt einen Abstand nach dem vorangegangenen Wort. Auf diesen Abstand muss verzichtet werden, wenn nur einige Buchstaben eines Worts weggelassen sind: „So eine Sch...“ – hier um die Fäkalsprache teilweise zu umgehen.

Die Auslassungspunkte werden bei längeren Auslassungen ( ... ) meistens in eine Klammer gesetzt.

Man spricht von Auslassungspunkten oder vom Auslassungszeichen, wenn man die Gesamtheit der 3 Punkte meint. Im Schriftsatz stehen sie gemeinsam auf einer Letter; sie sind also ein einziges Schriftzeichen. Allerdings kann auch der Apostroph ein Auslassungszeichen sein, weshalb wenn immer möglich das Wort Auslassungspunkte gewählt werden sollte; dann ist alles klar.

Um das Auslassungszeichen korrekt darstellen zu können, braucht es ein geeignetes Satzprogramm. In der Software, wie sie für die Druckvorstufe (für Bücher und andere gepflegte Schriftsätze) eingesetzt wird, ist das Auslassungszeichen (auch Ellipse genannt) enthalten. Die verbreitete Schreibsoftware „Word“ kann das bedingt ebenfalls:

Die Taste Alt drücken und festhalten und auf der Nummerntastatur 0133 eingeben. Wer keine separate Nummerntastatur hat, muss seinen Laptop auf Num einstellen. Zwischen die so produzierten 3 Punkte kann nicht geklickt werden; es ist also ein eigenes, zusammenhängendes Zeichen.

Steht das Auslassungspunkte-Trio am Ende eines Satzes, gilt der letzte Punkt als Schlusspunkt – denn 4 Punkte nacheinander wären dann des Guten doch etwas allzu viel. Doch können die Auslassungspunkte auch am Anfang eines Satzes stehen. Dann ist in ihnen niemals auch der Schlusspunkt des vorangegangenen Satzes inbegriffen: „Man sollte bei der Diskussion über Punkte allmählich einen Punkt machen. ... zwar wäre dann die Thematik nicht abschliessend behandelt.“ Andere Satzzeichen sind von den Auslassungszeichen nicht betroffen: Hole dich der ...!

Es ist durchaus möglich, die Auslassungspunkte jeweils mit einem geschützten Zwischenraum zu spreizen (der auf dem Computer mit Ctrl Shift Leerschlag herzustellen ist). Diese Tastenkombination ergibt allerdings ein (ganzes) geschütztes Leerzeichen und keinen „kleinen Zwischenraum“ im typographischen Sinn. Ein „kleiner Raum“ (Spatium, Zwischenraum, meistens 1/8-Geviert) lässt sich nur in einem Satzprogramm herstellen (wie QuarkXPress, Indesign usw.). Der kleine Raum entspricht etwa einem Achtelgeviert, also etwa der Hälfte eines Leerschlags. Das lässt sich mit Word und ähnlicher Software nicht bewerkstelligen.

Ob man die 3 Punkte jeweils etwas auseinander treiben will, ist eine Ermessenssache, wird ausserhalb des professionellen typographischen Bereichs meistens unterlassen. In vielen Büchern, z. B. Taschenbüchern von Rowohlt, dtv, Goldmann usf., findet man diese Spreizung – und zwar als vollständiger Zwischenraum. Die Auslassungszeichen erhalten dadurch mehr optisches Gewicht, das Schriftbild kann damit ein wenig modifiziert werden, je nach der gewählten Schriftart, ihrer Breite und dem ästhetischen Empfinden des Gestalters.

Unser Textatelier-Hauskorrektor Hans Kurt Berner verlangt in seinen Korrekturanweisungen konsequent zwischen den 3 Punkten ein Spatium (1/8-Geviert, also keinen ganzen, sondern lediglich einen kleinen Zwischenraum). Aber wenn Word-Texte ohne Übertragung in ein professionelles Format weiterverarbeitet werden, lässt sich das nicht machen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Auch Punkte haben ihre Geheimnisse und Tücken und können sowohl unterdrückende Verschleierungen als auch Gestaltungselemente sein. Sind jetzt alle Klarheiten beseitigt ...?

Walter Hess



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