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20. Ausgabe www.textatelier.com 16. 12. 2007

Mäh’n Äbte Heu?

Eine Leserzuschrift

Lieber Herr Hess

Ihr neuer Rundbrief hat mich gleich zu einer Replik herausgefordert:

Um die Schwierigkeiten der neuen deutschen Rechtschreibung zu illustrieren, erwähnen Sie den schönen Nonsens-Satz, den ich in folgender Form kenne:

„Mäh’n Äbte Heu? – Nie mäh’n Äbte Heu. – Mäh’n Äbte, mäh’n Äbte Gras.“

Der Witz dieses Satzes besteht ja nicht darin, dass er eventuell mit Regeln der Rechtschreibung kollidiert, sondern darin, dass er verwirren soll. Er gehört zu den Sätzen, die nur ausgesprochen, nicht geschrieben wirken.

Wenn man ihn nämlich in hoher Geschwindigkeit aufsagt, und zwar so wie oben geschrieben: Nicht „Mä-h-en“, sondern „Mähn“, und alle Wörter schön aneinander bindet, entgegen der deutschen Gewohnheit, jedes Wort schön einzeln auszusprechen, dann hört man die einzelnen Wörter nicht mehr. Wenn man also seine Zunge in dieser Hinsicht ein wenig geübt hat, entsteht ein Satz, der exotisch klingt und den niemand versteht! Der listige Sprecher kann seinen Zuhörern dann vorgaukeln, was ihm gefällt, das sei die Sprache in Urumqi oder was ihm gerade einfällt ...

Oder liegt hinter den Äbten, die beeten, ein anderer Witz, den ich nicht erkannt habe?

Zu dem Kummer mit der unpraktischen neuen Rechtschreibung noch eine kleine Bemerkung:

Diese verwirrenden Regeln werden zusammen mit der zunehmenden Zahl von Flüchtigkeitsfehlern beim Schreiben dazu führen, dass wir uns wieder wie in vergangenen Jahrhunderten unsere Rechtschreibung selbst erschaffen. Konrad Duden mag sich in seinem Grabe grämen oder nicht, in den Jahrhunderten vor seinem Werk schrieb man auch nach vielen verschiedenen Regeln oder so, wie einem der Schnabel gewachsen war. Trotzdem ist in jenen Jahrhunderten grosse Dichtung entstanden, sind tiefsinnige Traktate geschrieben und wichtige Verträge zu Papier gebracht worden, gelesen und verstanden von allen, die sich darum bemühten.

Ihnen wünsche ich vor allem unzählige anregende Ideen für Textatelier.

Mit herzlichen Grüssen

Maja Petzold ( E-Mail: maja.petzold@freesurf.ch)

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