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     16. August 2018, 20:11 Uhr
 


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Das letzte Veteranentreffen in Lörrach

Eine Ergänzung zum Buch „Wilma, das Hafenkind aus Senigallia“ von Thomas Jancke

Vor 18 Jahren kamen sie zum ersten Mal nach Lörrach, die Veteranen aus Senigallia. Damals hatte Lörrach schon 21 Jahre lang eine lebhafte Partnerschaft mit dem französischen Städtchen Sens dans l’Yonne, einem Bischofssitz mit einer gewaltigen, gotischen Kathedrale (und diesen besass es schon früher als Paris mit Notre Dame). Der Lörracher „Reichsbund“ hatte eine herzliche Verbindung mit den dortigen Veteranen geschaffen.

Im Zuge der allenthalben aufkeimenden Städtepartnerschaften waren auch Sens und Senigallia eine Partnerschaft eingegangen, begründet auf 2200 Jahre zurückliegende Ereignisse, als in den Gallischen Kriegen ein Volk aus Sens an die Adria auswanderte und dort bald einen blühenden Handelsplatz eröffnete. Das waren die gallischen „Senonen“, die diesem Handelsplatz den Namen Senigallia gaben.

Durch die Partnerschaft mit Sens erfuhren die Senigalliesen von Lörrach, der Stadt am Rheinknie bei Basel, so schön zwischen Schwarzwald, Vogesen und der Schweiz gelegen, dass die Senser davon schwärmten.

Als die nächste Reise der Senser nach Lörrach bevorstand, wandte sich die Veteranenorganisation der Bersaglieri, dieser traditionsreichen, rennenden Truppe mit den flachen Federhüten, an unseren „Reichsbund“ mit der Bitte, doch auch einmal nach Lörrach kommen zu dürfen, und der Reichsbund hatte trotz bescheidener, finanzieller Ausstattung nicht Nein sagen wollen.

Ursel Vollmer , Stadt- und Kreisrätin, Oberbürgermeister(OB)-Stellvertreterin, Nachbarin und Freundin, u. a. auch Mitglied im „Reichsbund“, kam zu mir: „Ihr sprecht doch so gut italienisch, könnt ihr uns nicht helfen, die Italiener zu betreuen, wir wissen nicht, was wir mit ihnen anfangen sollen.“

Und so wurde ich am Ankunftstage ins „Turmcafe“ gegenüber vom Rathaus zitiert, wo sich – nach dem Empfang im Rathaus – die Honoratioren der italienischen Gruppe, u. a. 2 pensionierte Generale, 2 Präsidenten und ein Bürgermeister, jeweils mit ihren Damen, nach dem Rathausempfang niedergelassen hatten.

Ich hatte von der Exklusivität dieser Gesellschaft keine Ahnung, begrüsste sie arglos und stellte mich als Lörracher Bürger vor, der gebeten worden sei, sich zusammen mit seiner Frau, die etwas später eintreffen würde, den Gästen aus Senigallia zu widmen.

Es war seltsam, vom ersten Moment dieser Begegnung an schlug uns eine Welle von Sympathie entgegen; wir wurden schnell Freunde, und es entstanden daraus treue Freundschaften, die unser Leben in ungeahntem Masse bereicherten, denn sie eröffneten uns das Land, wo die Zitronen blüh’n und bescherten uns dort jahraus, jahrein immer neue, selige Zeiten. Denn wir fuhren nun nicht nur zu den offiziellen Treffen, sondern darüber hinaus noch in jedem Jahr 2 Mal nach Italien.

Von den Freunden der Stunde Null leben leider nur noch Franco, seine Frau Maria und unsere liebe, winzige Gina. Wenn auch solche Persönlichkeiten wie Adriano, Luly und Celso ebenso unvergesslich wie unersetzlich sind, so wurden zum Glück doch neue Freundschaften geschlossen. Es ist die treue Gruppe der „Associazioni“, der Kriegsopferverbände, welche die Verbindung mit uns aufrechterhielt, und deren Initiatoren unsere Freunde wurden.

Anfänglich fand jedes Jahr ein Treffen statt, einmal in Senigallia, einmal in Sens, einmal in Lörrach. Nach dem 3. Treffen in Sens fand sich dort allerdings niemand mehr zu einer weiteren Gegeneinladung bereit, und so blieben für die Begegnungen der alten Kriegsteilnehmer nur 2 Städte übrig. Aus Sens kamen nur noch wenige getreue Teilnehmer.

Auch in Lörrach gab es eine Zäsur mit dem Tod des Vorsitzenden im „Reichsbund“, und die mühsam gefundene neue Vorsitzende weigerte sich, zu unserer grossen Enttäuschung, weitere Treffen zu organisieren. Joseph Zipfel, ein alter Recke, den die Franzosen ebenso wie die Italiener liebten und hochschätzten, wenn er auch keine der Fremdsprachen verstand, gründete daraufhin einen „Freundeskreis“, welcher mit privatem Einsatz und Spenden die weiteren Treffen organisierte. Nachdem sich Zipfel aus Altersgründen zurückzog, anderseits aber unsere jungen Freunde Toni und Wilma zu uns stiessen, haben wir 5 seit 8 Jahren die Treffen veranstaltet, wobei die Abstände zwischen den Begegnungen mit zunehmendem Alter der Veteranen grösser wurden.

Im vorigen Jahr (2004) hätten wir eigentlich einladen sollen, aber ich war noch rekonvaleszent und Renzi mit Herpes schwer behindert. Bei unserem Besuch im Mai klopften unsere Freunde schon mal auf den Busch: „Werden wir denn Lörrach noch mal wiedersehen?“

Ich entschloss mich nicht leicht und mit erheblichen Besorgnissen. So stark wie vor 5 Jahren fühlte ich mich ganz und gar nicht mehr, und wenn eine Gruppe von 40 älteren Italienern eine Busreise von zirka 2000 km auf sich nimmt, um uns zu besuchen, dann bedarf es finanzieller Mittel sowie einer umfangreichen Planung und Organisationsarbeit, damit es keine Enttäuschung wird. Man ist ja schliesslich kein professioneller Reise-Unternehmer.

Endlich schickte ich eine Einladung in der stillen Hoffnung, dass es den Senigalliesen nicht mehr gelingen würde, eine Busreise zu organisieren, denn auch das ist für die alten Herren keine Kleinigkeit, wie wir aus Erfahrung wissen. Aber je mehr Zeit ins Land ging, umso deutlicher wurden die Signale, dass sie kommen würden und ihnen auch der Termin Ende September 2005 recht wäre.

Renzi hatte unsere liebe Freundin Anna vom Palace Hotel dringlich aufgefordert, doch einmal mit nach Lörrach zu kommen, es sei das letzte Mal, und Gina sei doch auch dabei. Aber ich konnte nicht daran glauben. Anna ist nicht leicht zu haben, sie hängt in einem Netz von Verpflichtungen und lebt privat sehr isoliert. Dennoch, als schliesslich die Teilnehmerliste kam, stand auch Anna mit darauf.

Bevor die Geldbettelei wieder losging, gründete ich mit Hilfe des Finanzamts einen gemeinnützigen Verein, den „Freundeskreis“, welcher nur aus uns 5 Mitgliedern besteht, und der berechtigt ist, Spendenbescheinigungen auszustellen.

Dann verfasste ich wieder 100 anrührende Bettelbriefe an ehemalige Teilnehmer unserer Treffen, an Freunde und Geschäftsinhaber, an Lörracher Firmen, an Banken und Sparkasse und mehrere Ärzte, bei denen wir Patienten sind oder waren. Ursel machte nach besten Kräften ihren Einfluss geltend, und Toni und Wilma waren Schriftführer und Kassenwart.

„In diesem denkwürdigen 60. Jahr nach Kriegsende (...) die ehemaligen Frontkämpfer, die als erste die Brücken schlugen (...) unsere immer so grosszügigen Gastgeber in Senigallia (...) die völkerverbindenden Städtepartnerschaften (...) unser kleiner, mittelloser ‚Freundeskreis’, usf.“

Wir waren besorgt. Die Zeit hatte sich sehr geändert, die Spendenfreudigkeit stark nachgelassen, Krieg und Frontsoldaten waren nicht mehr „in“. Wenn es uns trotzdem gelang, gut 3500 Euro zusammenzubetteln, so waren es vor allem unsere treuen Freunde und Ursels guter Name bei den Firmen. 2 Firmen, die uns immer unterstützt hatten, wollten nun allerdings von den alten Kriegern nichts mehr wissen. Mit diesem finanziellen Grundstock konnten wir 4 Mahlzeiten und einige Geschenke und schöne Erinnerungsmedaillen finanzieren.

Unsere zähe Sammelarbeit bescherte uns dieses Mal recht unterschiedliche Eindrücke. Gutsituierte Bürger, die bei unserer letzten Reise in Senigallia tagelang üppig verwöhnt worden waren, konnten sich kaum 20 Euro vom Herzen reissen, mein Chirurg und mein Onkologe, die mit unserer Sache eigentlich nichts zu tun hatten, gaben 50 und sogar 100. Richtig reiche Geschäftsleute, bei denen wir seit Jahrzehnten gute Kunden sind, waren z. T. sehr kleinlich, und oberflächlich bekannte Nachbarn oder Freunde von unseren Freunden gaben uns grosszügige Spenden. Toni und Wilma waren beeindruckt von Renzis und meinen Erfolgen; das Ergebnis aus ihrem Kreis war etwas frustrierend.

Es war das 12. Treffen, wovon 5 in Lörrach stattgefunden hatten, und das bedeutete, dass wir unseren Gästen so nach und nach alle Sensationen unserer Region geboten hatten. Lörrach als Stadt, so angenehm es sich hier auch lebt, hat ja kein historisches Zentrum und ansonsten hauptsächlich Bahnschranken. Aber wir waren in Freiburg im Breisgau, im Schwarzwald, in Badenweiler, in Colmar und Strassburg, in Cernay auf den Soldatenfriedhöfen und in der Gedenkstätte auf dem Hartmannsweilerkopf; wir waren in Schaffhausen am Rheinfall und am Bodensee und hatten letztes Mal sogar die grosse Vergünstigung einer Besichtigung der Suchard-Schokoladenfabrik. Was konnte man denn nun noch machen?

Auf unseren Fahrten nach Freiburg zum Zahnarzt war Renzi das hübsche Heitersheim an der B3 aufgefallen mit seinem Schloss, dem Schlosspark und den Hinweisen auf die ausgegrabene Römervilla. Durch Ursels Vermittlung bot uns der Bürgermeister des Städtchens eine Besichtigung der römischen Ausgrabungen und des Malteserschlosses an, und das liess sich gut mit Staufen und St. Trudbert verbinden.

Dann hatte ich mir eine Schifffahrt auf dem Rhein von Basel nach Rheinfelden ausgedacht, und diese Ideen fanden auch die Zustimmung unserer Freunde von den Associazioni. Sensationen waren es ja nicht gerade, aber bei unserem letzten Besuch in Senigallia waren die Sehenswürdigkeiten, Loreto, Urbino, Palazetto Baviera und die Grotten von Frassassi auch schon ausgeschöpft, und es blieb nur noch ein Besuch in Gubbio.

Unser ganzes Programm, einschliesslich der – möglichst preiswerten – Mahlzeiten, wurde von uns, soweit möglich, in allen Einzelheiten durchgespielt.

Natürlich brauchten wir dringend gutes Wetter. Unsere Italiener hatten schon ihre Besorgnis geäussert, es sei im September/Oktober schon zu kalt, aber wir konnten ja nichts anderes tun als hoffen. Im September war wochenlang das schönste Spätsommerwetter, das man sich nur wünschen konnte, aber als unsere Italiener nahten, näherte sich auch ein Tief und drohte, uns alles zu vermasseln.

Gina rief nahezu weinend an, sie könne nicht mitkommen, es ginge ihr zu schlecht. Es tat uns unendlich leid, und nun war ausserdem zu befürchten, dass auch Anna absagen würde. Stattdessen erhielt ich eine E-Mail aus dem Rathaus, Frau Sabatini habe sich zur Teilnahme angemeldet. Wir waren ebenso erstaunt wie empört. Sie war ja überhaupt nicht eingeladen und kommt nun quasi durch die Hintertür über unser Rathaus in diese Gruppe.

Wir kannten sie seit vielen Jahren, „die Lola“. Sie war lange Zeit Stadträtin und Präsidentin der Partnerschaftskommission in Senigallia gewesen, aber sie war aus irgendwelchen, für uns nicht ganz durchschaubaren, lokalpolitischen Gründen die Intimfeindin von Celso und einigen anderen, uns nahestehenden Freunden, und entsprechend distanziert hatten auch wir uns ihr gegenüber immer verhalten, wenn sie uns im Café Meridiana oder im Palace-Hotel begegnete und mit gleissendem Lächeln begrüsste.

Aber ich stellte Renzi vor, dass die Lola als Teilnehmerin ja auch Vorteile für uns hätte; als prominente Persönlichkeit sei sie doch eine Aufwertung unserer Veranstaltung, und insbesondere hätte Anna auf diese Weise jemanden, den sie gut kenne und der ihrem Niveau entspräche. Und nachdem unsere Freunde von den Associazioni 2 Absagen hatten, waren sie wohl auch froh über eine weitere Teilnehmerin.

Endlich kam der Ankunftstag, und es regnete, als wir zu dritt im dicksten Berufsverkehr mit unseren Schirmen in Riehen am Zoll standen, wo wir in der Vergangenheit immer den Bus in Empfang genommen hatten.

Armando hatte sich an unserem häuslichen Telefon gemeldet, sie seien eine Stunde vor Basel. Aber der Bus kam und kam nicht, und mir dämmerte der Verdacht, ein nicht ortskundiger Fahrer könnte den Autobahnzoll genommen haben. Die Telefonnummer des Hotels hatte ich Armando gegeben. Also rief ich mit dem Handy das Hotel an und gab meine Handynummer auf, falls sich der Bus melden sollte. Und tatsächlich bekam ich schon kurz darauf einen Anruf, sie stünden am Autobahnzoll und wüssten nicht weiter. Ich verabredete einen Treffpunkt auf dem Wege nach Lörrach. Wir fuhren hinauf, und alsbald erschien nicht etwa einer der altbekannten Busse von Bucci, sondern ein ganz unbekannter, schokoladenfarbener Bus. Aber er hatte das italienische Kennzeichen, und er war es. Renzi stieg ein, wurde stürmisch begrüsst und leitete den Fahrer hinunter nach Lörrach und vor das Hotel.

Durch diese Irrfahrt war es Abend geworden, und es blieb nur gerade genug Zeit zum Einrichten und Umziehen, bis wir zum Empfangsabendessen mussten. Vom Rathaus hatte ich 40 Milka-Schokoladentäfelchen bekommen, die wir als Betthupferl hatten verteilen lassen. Anna, Armando und Giuliano hatten die besten Zimmer und einen Blumenstrauss bekommen.

Das Abendessen hatten wir im alten Stettener Rathaus organisiert. Dazu muss man wissen, dass der Ortsteil Stetten schon vor vielen Jahrzehnten zu Lörrach eingemeindet wurde und das alte Rathaus ungenutzt und dem Verfall preisgegeben war. Aber die Einwohner von Stetten wurden nur dem Namen nach Lörracher; in ihrem Herzen blieben sie bis heute „Stettemer“, was man deutlich merkt, wenn man dort einkaufen oder auf den Wochenmarkt geht. Sie haben auch verschiedene geschichtliche Wurzeln. Vor 100 Jahren noch war das markgräflerisch-protestantische Lörrach von dem vorderösterreichisch-katholischen Stetten durch eine Landesgrenze getrennt, so wie auch manch andere Gemeinde im Kreis.

Und so fand sich vor etlichen Jahren eine Bürgerinitiative, um das Rathaus zu retten. Mit Spenden, Kreis- und Landesmitteln wurde in grossartiger Eigenleistung ein sehr schönes, charakteristisches Haus geschaffen, mit einem reizvollen Museumssaal im Dachgeschoss mit prachtvollem, altem Gebälk und Naturstein-Giebelmauern. Durch gute Beziehungen zu den Hausverwaltern hatten wir diesen stilvollen Saal zur Verfügung gestellt bekommen.

Unsere Italiener waren an 2 langen Tischen in dem anheimelnden Raum versammelt, und einer der Herren von der Initiative gab einen kleinen, geschichtlichen Überblick über die Entstehung dieses Saales mit seinen Sammlungen, den ich ins italienische übersetzte. Das Essen lieferte der „Engelmetzger“ von schräg gegenüber, und viele hilfreiche Hände portionierten und verteilten es. Obwohl wir aus der Bäckerei der Gewerbeschule eine Art Antipasto in Form von warmen, gefüllten Blätterteig-Happen besorgt hatten, blieb es doch ein typisch deutsches Essen: 2 Bratenscheiben mit Sosse, Salzkartoffeln und frisches Gemüse, alles auf einem Teller. Schmackhaft, aber sehr ungewohnt für unsere Italiener, die 3 oder 4 Gänge daraus gemacht hätten. Dazu roten und weissen Wein und auch, wie in Italien üblich, Leitungswasser in Krügen auf dem Tisch. Ein üppiges, von Toni und Wilmas Freunden gespendetes Dessert aus Eis und Früchten beschloss das Abendessen. Inzwischen hatte sich auch unser einziges französisches Paar aus Sens, Madame und Monsieur Supper, eingefunden, und Ursel war endlich von ihrer Ratssitzung eingetroffen.

Alles war satt und zufrieden. Die Stimmung hob sich, und man sang italienische Lieder zu meiner Akkordeonmusik. Fotos aus der Bauzeit des Saales gingen herum, und mancher interessierte sich für die alten Fotos, Urkunden und Abzeichen der Militärvereine oder Feuerwehren.

Ausser uns Fünfen waren kaum deutsche Gäste gekommen, der Saal war auch so bis zum letzten Platz ausgelastet. Diesen ersten Abend konnte man getrost als gelungen bezeichnen.

Der nächste Tag bescherte uns in dieser Schlechtwetterperiode ein kleines Zwischenhoch, sehr klein, aber für uns doch ein grosses Glück, denn wir fuhren bei Sonnenschein ins Markgräfler Land in das „Malteser“ Städtchen Heitersheim. Ich hatte einen italienischen Vortrag über die Geschichte des Malteserordens vorbereitet, den ich während der 45-minütigen Busfahrt vorlas. Heitersheim war der bedeutendste Sitz des Malteserordens in Deutschland und besitzt aus dieser Zeit ein grosses Schloss mit Schlosspark, dazu ein schönes Museum. Eine 2. Sehenswürdigkeit ist die Ausgrabungsstätte einer römischen Villa unter einem grossen Glashaus.

Der Bürgermeister, ein Kollege von Ursel aus der Kreispolitik, hatte uns seine persönliche Führung zugesagt, hatte dann aber zu unserem Bedauern wegen einer Einladung nach Stuttgart absagen müssen, weil dort am gleichen Tage eine grosse Römerausstellung eröffnet wurde, zu der er als bekannter Archäologe und Ehrengast geladen war.

Umso erfreuter waren wir, dann doch vom Bürgermeister Ehret persönlich empfangen zu werden, der doch tatsächlich unseretwegen die ehrenvolle Einladung ausgeschlagen hatte. Er empfing uns liebenswürdig in dem grossen Glashaus mit einem Gläschen „Römerwein“ und führte uns dann durch die mustergültigen Anlagen, die bei vielen unserer Italiener lebhaftes Interesse erweckten. (Die unter dem Glasfussboden des „Teatro Fenice“ in Senigallia zu besichtigenden Ausgrabungen sind vergleichsweise kümmerlich).

Ich hatte den sympathischen Herrn Ehret gebeten, seine Ausführungen so einfach wie möglich zu halten, damit ich imstande wäre, sie zu übersetzen, und das ging auch ganz gut.

Auch der Schlosspark und das kleine, aber mit Hingabe ganz neu gestaltete Museum wurden durch die einnehmende, humorvolle Art der Führung zu einem Erlebnis. So schieden wir in allgemeiner, dankbarer Fröhlichkeit.

Nach kurzer Fahrt bogen wir von der Chaussee in ein enges, ländliches Strässchen ein, welches zum „Gotthardhof“ hinauf führte und unserem Busfahrer einiges abverlangte. Äste und Zweige klapperten auf dem Dach, während die Räder in den Kurven nur knapp auf dem festen Untergrund blieben. Nicht einmal ein Radfahrer hätte uns begegnen dürfen.

Aber wir erreichten unser Ziel und hatten in der sehr hübschen Veranda einen weiten Blick über die Rheinische Tiefebene mit ihrem Rebland und der Burgruine von Staufen, die auf einer unvermutet steil aufragenden Bergspitze in der Sonne lag. Von allen 4 Mahlzeiten, zu welchen wir unsere Gäste einluden, war diese hinsichtlich Qualität und Preis die beste.

Eine hübsche Dekoration der hierzulande typischen Zierkürbisse erregte so grosses Interesse, dass Wilma am Ende einen ganzen Korb voll kaufte und verteilte. Von diesem abgelegenen Gasthof hatten wir durch einen Zufall gesprächsweise erfahren.

Unsere nächste Station war das reizende deutsche Städtchen Staufen, in welchem der Sage nach seinerzeit Doktor Faustus definitiv vom Mephisto geholt wurde, und zwar, man weiss es genau, im Gasthaus Löwen.

Gottseidank musste der Busfahrer nicht den gleichen Weg zurückfahren, sondern erreichte auf einer besseren Strasse den Staufener Busparkplatz, nachdem wir mit vereinten Kräften einen Treckeranhänger von der Strasse geschoben hatten.

Renzi führte die Lola, Anna und einige Damen in den reizvollen Geschenke-Laden der berühmten Schnapsfirma Schladerer. Man promenierte durch die historische Altstadt oder sass im üppigen Café Decker mit seinem einmaligen Kuchen- und Konfitüren-Angebot.

Von dort fuhren wir ein Stück hinauf in den Schwarzwald, durch die anheimelnde, alte Ortschaft Münstertal zur Klosterkirche St. Trudbert.

So schön und eindrucksvoll die grosse, spätbarocke Klosterkirche auch ist, wirkliche Begeisterung erweckte der darüber gelegene Klostergarten, ein gärtnerisches Wunderwerk im grünen Schwarzwaldtal mit einer Fülle der schönsten Blumen und Stauden sowie einem mustergültigen Gemüsegarten mit ausgefallenen Spezialitäten. Hier in würziger Schwarzwaldluft in der Sonne zu wandeln mit dem Blick über die Kirche ins idyllische Tal, das fanden unsere Gäste überwältigend.

Von dort fuhren wir eine knappe Stunde nach Huttingen, einem bescheidenen Dörfchen auf dem Rückweg nach Lörrach, wo Toni das Abendessen bei seiner von Vesperpausen auf Wanderungen geschätzten „Lore“ bestellt hatte. Der Gastraum ist gross genug und ganz behaglich, entspricht aber mit seinem etwas abgetakelten Sammelsurium von Mobiliar, alten Wohnzimmer-Polstermöbeln und Flohmarktgegenständen ziemlich genau dem Gepräge seiner Wirtin und ihres lymphatischen Partners und Helfers.

Ich hatte deshalb Bedenken hinsichtlich Tonis Absprachen und wollte vor Eintreffen unserer Gäste am liebsten noch einmal persönlich hinfahren, um einer für unsere Italiener geeigneten Abendmahlzeit sicher zu sein. Es war ein kaltes Buffet mit einer kleinen, warmen Einlage abgesprochen. Wir wurden enttäuscht; Lore hatte eigenmächtig ein warmes Essen fabriziert mit einer seltsamen, dicken, derben Roulade aus Puterfleisch, gefüllt mit einem Inhalt, den man erst nach und nach vorsichtig als Pflaumen und andere unvermutete Vegetabilien definierte. Für Italiener eine Zumutung, und entsprechend viel blieb auf den Tellern. Die als Antipasto gereichten heissen Blätterteig-Stücke schmeckten uns hungrigen Gästen zwar gut. Man musste sie aber mit Hilfe der Serviette aus der Hand essen, eine ungewohnte und schwierige Sache.

Aber die Stimmung blieb fröhlich. Wir waren vollkommen unter uns, und meine Akkordeonmusik gelang mir so gut wie in meinen besten Zeiten, und Toni schmetterte in seinem hohen Tenor „Oh Sole mio“. Nachdem ich das Instrument seit Jahren kaum noch zur Hand nehme, war diese Erfahrung für mich sehr erfreulich.

Das Glück mit dem schönen Wetter war, wie erwartet, am nächsten Tage vorbei, der Himmel grau und mit Wolken verhangen. Renzi war mit dem Käfer hinuntergefahren, um Anna und Lola erst die Gärtnerei Schmitt, und dann unser Haus zu zeigen.

Mit der Gärtnerei hatte sie sich etwas ausgedacht, auf das so leicht niemand gekommen wäre, womit sie aber den Nagel auf den Kopf traf. Nicht die Pflanzen und Blumen sind die Attraktion, sondern die riesige Ausstellung von reizenden Entbehrlichkeiten. Überall Tischgruppen mit Stoffen und Kissen, Geschirren, Bestecken und Servietten, Dekorationen, farblich abgestimmt, leuchtend und glitzernd in Farben und Formen, Flitterwerk und Glaskugeln, Bronze und Messing, Porzellan- und Stofftiere, Vasen und Gefässe, ausgefallene und elegante Gartenstühle und Tische, dazwischen Pflanzen-, Blumenkübel und Rankgewächse, Kleinkunst und Kunstgewerbe unter den grossen Glasdächern der Hallen sonnenhell ausgeleuchtet, kurzum, Gartenluxus und Gartenkitsch für die Reichen und die Möchtegern-Reichen, aber auch Qualität und manches geschmackvolle Detail, abgesehen von dem erstklassigen Gartenbau-Angebot, von dem wir auch regelmässig Gebrauch machen. Immer sind die Parkplätze überfüllt, vielfach auch mit Auswärtigen und Schweizern.

Die Damen gerieten in Verzückung, nein, so etwas gäbe es ja in ganz Italien nicht! Das Handy klingelte, Senigallia am Telefon, und nun versuchte Anna diesen überwältigenden Eindruck zu schildern: „Hier eine Gruppe, alles so elegant in Rosa abgestimmt, dort eine andere, alles in Blau, oder da hinten, dieses sonnige Gelb, unbeschreiblich schön, usw.“

Es reichte gerade noch für einen kurzen Aufenthalt hier oben bei uns, einen Blick auf den Gartenhang hinterm Haus, auf dem mit den ersten 4 Bäumen die „Foresta Nera“ beginnt, vorn vom Balkon über das weite Tal mit der Stadt und Burg Rötteln bis zu den Vogesen.

Die übrige Gruppe hatte freie Zeit für einen Stadt- und Einkaufsbummel, bis wir uns alle um 11.30 Uhr im Rathaus zum offiziellen Empfang einfanden. Diese Empfänge finden für alle eintreffenden Gruppen aus den Partnerstädten als Stehparty im Vestibül des Rathauses statt, zu denen, je nachdem ob es sich um Schüler- oder Erwachsenengruppen handelt, entsprechende Getränke und bescheidene Häppchen angeboten werden.

In unserem Falle war die Situation insofern problematisch, als wir uns um 13.30 Uhr auf dem Rheindampfer in Basel einzufinden hatten, auf welchem für alle Teilnehmer ein Nudelgericht vorbestellt war. Toni hatte das alles sorgfältig organisiert, mir aber erschien das Nudelgericht, so unverschämt teuer es auch war, doch als recht bescheiden, und deshalb hatte ich über unseren Verein „Lörrach International“ eine Initiative einiger bereitwilliger Damen von den „Freien Wählern“ mobilisiert, welche das Angebot des Rathauses bereichern sollten.

Es war dann mit einer reichen Auswahl an leckeren Broten, Brötchen, Wein, Torten und Getränken u. a. m. fast zu üppig geworden und reichte auch für alle sonstigen Lörracher Gäste und Gastgeber beim Empfang, so dass man später auf den teuren und nicht besonders reizvollen Nudelteller auf dem Dampfer um so mehr hätte verzichten können, als die Dampferfahrt absprachegemäss zu Lasten der Gäste ging.

Unsere Oberbürgermeisterin hatte erst zu-, und später kurzfristig abgesagt, so dass Ursel als OB-Stellvertreterin die Ansprache in Italienisch und auf Deutsch hielt, auf die sie sich gottlob prophylaktisch vorbereitet hatte. Auf unsere Veranlassung hin wurde dem Präsidenten der Associazioni durch Fernand Supper das Europakreuz verliehen, welches Giuliano stellvertretend in Empfang nahm.

Die Presse war anwesend, was ich leider versäumte, angemessen zur Kenntnis zu nehmen und mich darum zu kümmern, statt mich an den leckeren Brötchen zu erfreuen. Die Strafe folgte dann auch gleich am Montag auf dem Fusse, als zwar schöne, bebilderte Artikel von dem Veteranentreffen erschienen, wir Veranstalter aber mit keiner Silbe erwähnt wurden.

Während der Dampferfahrt regnete es, was bedauerlich war, obwohl wir unter Deck einen geräumigen Saal für uns hatten. Wir fuhren rheinaufwärts, also in Richtung Bodensee, bis nach Rheinfelden, wobei wir 2 Mal in Schleusen hochgehoben wurden. In Rheinfelden, wo das Wasserkraftwerk keine weitere Schifffahrt mehr zulässt, war ein Bummel durch das sehr hübsche, antike Altstadtzentrum geplant, aber nun regnete es ja.

Es war nicht nur für unsere Gäste der 3. Tag einer anstrengenden Reise, auch ich bekam - nach einem kleinen Vortrag über Ursprung und Verlauf des Rheines – eine solche Krise, dass ich mich dem Ende nahe fühlte. Ich sank in einem versteckten Eckchen auf einen Sitzplatz und erwartete, wenn nicht Schlimmeres, so doch zumindest eine Ohnmacht. Nachdem ich dann aber doch nicht verschied, bereitete ich die Gruppe darauf vor, dass der Stadtbummel wegen des schlechten Wetters ausfallen müsse, und ich bemerkte mit Befriedigung eine allgemeine Erleichterung. Es stand uns ja noch ein Abschiedsabend bevor, der durchgestanden werden musste.

Als wir dann aus unserem Bus im Vorbeifahren einen Blick in das schöne Zentrum werfen konnten, sahen wir nichts als Regenschirme und ein undurchdringliches Gedränge, denn Rheinfelden feierte sein Stadtfest. Wir hätten gar nicht aussteigen können.

Für den Abschiedsabend hatte uns, wie schon 2 Mal in der Vergangenheit, der Lörracher „Fanfarenzug“ sein Heim zur Verfügung gestellt. Diese Musikzüge mit Landsknechtstrommeln und Fanfaren gab es zwar schon in den Jugendbewegungen vor Hitler, aber erst in der Hitlerjugend liefen sie zu grosser Form auf. Ich hatte nie Sympathien, weder für ihren Stil, noch für die Musik. Aber hier sind es brave junge Leute, auch Jugendliche und Kinder, die Freude daran haben, gemeinsam eine Musik zu machen, die vor allem laut sein muss. Sie blasen nicht Fanfaren, sondern Trompeten und andere Blasinstrumente und haben dadurch wesentlich mehr Möglichkeiten. Wir haben schon Abende mit unseren Italienern dort erlebt, die akustisch an die Schmerzgrenze gingen. An einem Sommerabend in San Angelo bei Senigallia im Freien war es aber nicht nur laut, sondern auch sehr lustig und hat unseren Gastgebern grossen Spass gemacht.

Diese hatten auch dieses Mal wieder nach dem Fanfarenzug gefragt, und wir hatten die Anregung gern aufgegriffen, denn sie entlastete unsere angespannte Finanzlage. Das Heim wurde uns kostenlos zur Verfügung gestellt, und das Essen bezogen wir preiswert von einer Grossküche.

Ich hatte mir grosse Sorgen wegen des Abschiedsabends gemacht. Es war immer üblich, dass an einem solchen Abend etwas Besonderes geboten wurde, etwa ein buntes Programm mit Musik und Darbietungen, aber dieses Mal fehlte uns Geld und Zeit für solchen Aufwand. Nichtsdestotrotz, der Abend wurde ein voller Erfolg, die 3 Gänge der Mahlzeit waren schmackhaft und reichlich, der Wein war gut und billig, der Barackenraum von Wilma hübsch italienisch dekoriert, und Ursel hatte im letzten Moment doch noch einen Musikanten mit Keyboard aufgetrieben, der nette Tanzmusik machte.

Und so lief ein unvorhergesehenes Programm ab, das man gar nicht besser hätte planen können. Zum Essen etwas Akkordeonmusik, und während ich danach eine kleine Ansprache mit Überreichung einiger hübscher Lörracher Zinnbecher an besonders verdiente Gäste hielt, erschien überraschend unsere ansehnliche Oberbürgermeisterin. Es freute mich sehr, dass sie doch noch zu uns gekommen war und ich sie dem vollen Saal präsentieren durfte. Wie immer beeindruckte sie mit einer freundlichen Ansprache in ihrem recht guten Italienisch, begrüsste natürlich auch Anna und Lola und erlebte auf diese Weise mit, wie ich dann ehrenvoll beschenkt wurde, aus Senigallia mit einer Statuette des Neptuns vorm Rathaus, aus Sens mit einer verkleinerten Nachbildung eines antiken Kopfes vom Portal der Kathedrale, von den Bersaglieri mit dem guten Bianchello-Wein – es war wie Weihnachten.

Es wurde getanzt, und es freute mich festzustellen, dass Anna eine ideale Tanzpartnerin war, leicht wie eine Feder. Dann griff der Fanfarenzug zu seinen Instrumenten und hatte mit einigen flotten Stücken einen geradezu durchschlagenden Erfolg. Die Trommler schlugen einen gewaltigen, packenden Rhythmus, die Bläser beeindruckten ebenso durch ihr z. T. kindliches Alter, als auch durch ihre Disziplin. Es konnte sich niemand dieser akustischen Droge entziehen, alle klatschten stehend mit, und der Beifall war gewaltig. Es war eine tolle Steigerung des Abends, und man hätte gern noch mehr gehört.

Es gab feinste Kuchen, Torten und Kaffee, übrig geblieben vom Rathaus-Empfang und am Ende ein grosses, herzliches Abschiednehmen, bis der Bus unsere Italiener wieder zur letzten Nacht in ihr Hotel brachte.

Früh um 9.00 Uhr versammelten wir uns am Sonntagmorgen im Nieselregen am Ehrenmal auf dem Friedhof zur Kranzniederlegung. Natürlich konnte man nicht damit rechnen, dass sich viele unserer Lörracher Freunde zu dieser etwas tristen Stunde einfinden würden, aber einige Getreue waren gekommen. Es wird nicht mehr viel an die Gefallenen der Kriege gedacht, und wir immer weniger werdenden, nun schon hochbetagten Veteranen können uns fragen, ob denn ausgerechnet wir es wert waren, ein langes, schönes Leben zu leben, das Millionen junger Menschen verwehrt blieb.

Dass aber der gepriesene, für ein üppiges Salär bestellte junge Trompeter ohne ersichtlichen Grund nicht erschien, war schmerzlich. Nach den kurzen Ansprachen hätte das „Il silenzio“ und „Ich hatt‘ einen Kameraden“ aus dem Hintergrund überaus gut zu dieser kleinen, ernsten Gedenkfeier gepasst. Aber der junge Mann, der uns später anrief, war erst um 12 Uhr mittags aus seinem Babyschlaf erwacht.

Von dort fuhren wir zur Kirche, in der ein sehr gut besuchter Erntedank-Gottesdienst stattfand, und wo Wilma die 3 Fahnen der Partnerstädte wirkungsvoll dekoriert hatte. Leider wurde unser – auch italienisch sprechender – Pfarrer durch einen unbekannten Kollegen vertreten, und daher wurde unsere Gruppe nicht angemessen begrüsst und erwähnt. Ich kann nur hoffen, dass es unseren italienischen Freunden nicht so gefehlt hat wie uns. (In Senigallia gibt es so viele Kirchen, dass wir immer eine fast nur für uns allein hatten; ein hochbetagter Pfarrer und Kriegsveteran gestaltete die Messe, im Hintergrund standen die prächtigen, bunten Fahnen und eine Blasmusik, und beim letzten Mal wurde ich – improvisamente – auf die Kanzel gebeten, um einen Teil der italienischen Predigt ins Deutsche zu übersetzen.)

Für die lange Rückreise, die ja nun vor dem Mittagessen begann, hatte Renzi mit Hilfe von Kirsten, Heide und Ingrid 40 Lunchpakete mit Getränken bereitet, die nun verteilt werden mussten, getrennt für die Damen mit Wasser, für die Herren mit Bier. Gottlob kamen sie nicht alle auf einmal, weil jeder noch mal aufs Klo musste, und so kam es bei der Verteilung nicht zu dem befürchteten Stress.

Dann der Abschied am Bus mit zahllosen Küsschen links, Küsschen rechts – grazie mille di tutto – ma niente, grazie per la vostra visita – ich umarmte Anna, wir standen etwas abseits, und sah plötzlich mit tiefem Erschrecken, wie sich ihre Züge ganz fürchterlich zu einem Weinen verzogen. Die Anna, die reiche, immer beherrschte Chefin des grossen Palace-Hotels! Sie aber musste wohl im gleichen Moment das Erschrecken in meinen Zügen gesehen haben und beherrschte sich augenblicklich. So etwas ist nichts für mich! – und es bleibt eine seltsame, zwiespältige Erinnerung.

Gestern haben wir 5 ein gemeinsames Abschlussessen im Gotthardhof über Staufen gemacht, zu dem wir unsere treuesten Helferinnen Ingrid und Elsa eingeladen haben. So hatte ich eine passende Gelegenheit zum Verlesen der inzwischen eingetroffenen Dankschreiben aus Senigallia und zu einem Dankeschön an alle. Bemerkenswert war ein Satz aus Lolas (der ehemaligen Präsidentin der Partnerschafts-Kommission in Senigallia) Brief, sie sei nun schon so oft in Lörrach gewesen, aber so etwas an Freundschaft und Herzlichkeit und persönlicher Betreuung habe sie noch nie erlebt.

November 2005


 
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