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     20. August 2018, 20:10 Uhr
 


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Stupiditäten und Rücksichtslosigkeiten

Zahlen und Fakten aus dem Buch „Querschüsse“ von Michael Moore
Zusammengestellt und kommentiert von
Heinz Scholz

Das Buch „Querschüsse“ ist der geniale Vorläufer von Stupid White Men. Der Autor ist Dokumentarfilmer und Publizist. Stupid White Men. Eine Abrechnung mit dem Amerika unter George W. Bush ist der grösste Sachbuch-Erfolg in Deutschland seit Jahren. Die beiden Bücher sind im Piper Verlag erschienen. Moore wird als „der letzte Rebell Amerikas“ bezeichnet. Seine Kommentare sind bitterböse. Er nimmt scheinbar nichts ernst, erzielt damit aber eine durchschlagende Wirkung.

Wie aus der kurzen Zusammenstellung ersichtlich, sind Konzerne die grössten Arbeitsplatzvernichter. Die verantwortlichen Manager lassen sich ihre Massnahmen fürstlich honorieren. Unglaublich was hier passiert. In Europa sind inzwischen ähnliche Verhältnisse an der Tagesordnung.

Fakten zur Arbeitsplatzvernichtung
Nahezu 20 Millionen Menschen in den USA verdienen nicht das Minimum, das sie zum Leben brauchen.
Dafür verdienen die Chefs der grössten 300 Unternehmen je das 212fache eines durchschnittlichen Arbeiterlohns.
Der Chairman von AT & AT Robert Allen entlässt 40000 Arbeiter und bekommt dafür 16 Millionen Dollar im Jahr.
Louis Gerstner von IBM feuert 60 000 Arbeitnehmer und verdient 2,6 Millionen Dollar.
Scott Paper entlässt 11000 Arbeiter, fusioniert mit Kimberly-Clark. Der verantwortliche Chef Albert Dunlap kassiert 100 Millionen Dollar.
General Motors hat in den letzten 15 Jahren 34 Milliarden Dollar Gewinn eingefahren, dafür aber 240 000 Arbeitsplätze vernichtet.

Folgen einer Arbeitsplatzvernichtung
Nach einer Untersuchung der University of Utah stieg bei Entlassungen die Selbstmordrate um 6,7 %, Gewaltverbrechen nahmen um 3,4 %, die Eigentumsverbrechen um 2,4% und Todesfälle durch Herzversagen oder Hirnschlag um 5,6 bzw. 3,1 % zu.

Auch bei uns wurden als Folge von Entlassungen nach Fusionen etliche Selbstmorde registriert (auch in der Schweiz).

Den Entlassenen klingen immer noch die heute nicht mehr geltenden Sprüche von Politikern und Managern in ihren Ohren, die sagten: „Wenn du hart arbeitest und es deinem Unternehmen gut geht, dann geht es dir auch gut.“

Heute kursiert ein ganz anderer Spruch. Er lautet: „Du arbeitest hart, dem Unternehmen geht es gut – und du wirst entlassen!“

Fusionen in Deutschland und in der Schweiz
Auch in Deutschland und der Schweiz sind Fusionen an der Tagesordnung. Die Konzerne erwiesen sich auch hier als die grössten Arbeitsplatzvernichter. Auf Einzelschicksale wird keine Rücksicht genommen. Bei einer Entlassung spielt auch eine langjährige Arbeitszeit keine Rolle. Aber eine „positive“ Seite hat dieser Kahlschlag: Der jeweilige Konzernchef, der durch seine „unglaublichen Ideen“ zur Kostenreduzierung auf Kosten der Arbeitnehmerschaft beiträgt, streicht dicke Prämien ein.

Aus eigener Erfahrung* kann ich Folgendes bestätigen: Für 55- bis 60-Jährige gab bzw. gibt es zwar eine finanzielle Absicherung mittels Altersteilzeitvertrag und Firmenrente, aber die etwas jüngeren Arbeitnehmer bekamen oder bekommen nur eine geringe Abfindung und anschliessend Arbeitslosengeld. Was blieb den Gefeuerten übrig, als sich umzuschulen, da sie in ihrem Beruf keine Anstellung mehr bekamen. Sie gehörten zum „alten Eisen“. Dazu ein Beispiel: Ein 52-Jähriger Kaufmann, der 8 Kinder hat, liess sich zum Versicherungsvertreter umschulen. Die Entlassungen bei Novartis nach der Fusion von Ciba-Geigy und Sandoz wurden u.a. damit begründet, dass die Kosten für die Produktion der Arzneimittel zu hoch seien. Aber satte Gewinne werden immer noch eingefahren.

*) Der Autor wurde – zusammen mit weiteren über 58-Jährigen – nach einer 25-jährigen Dienstzeit bei Novartis vorzeitig in den Ruhestand geschickt. Zum Glück erfolgte bei dieser Altersgruppe eine finanzielle Absicherung durch Firmenrente und den Altersteilzeitvertrag (mit Rentenabzug bei der staatlichen Rente).

Subventionen für reiche Firmen
Unglaublich, aber wahr: McDonald`s erhielt zwischen 1986 und 1994 1,6 Millionen Bundesmittel, um die Vermarktung von Chicken McNuggets in Singapur zu ermöglichen.
Westinghouse sparte durch eine schnellere Abschreibung von Maschinen 1993 Steuern in Höhe von 215 Millionen Dollar. Gleichzeitig entliess die Firma 24 700 Arbeitnehmer.
Die Technik von Amoco, AT&T, Citicorp, General Electric, General Motors und IBM wurde zwischen 1990 und 1994 mit 278 Millionen Dollar subventioniert. Gewinn der Firmen: 25,2 Milliarden USD!
Pillsbury erhielt vom Staat 1 Million USD, um seine Werbekampagne für Teigmännchen im Ausland zu machen.
42 der 500 grössten Unternehmen der Welt bezahlten lange Zeit keine Einkommenssteuer.

Kriminelle Konzernchefs
In seinem Buch listet Michael Moore 8 besonders kriminelle Konzernchefs auf, die Millionen im Monat verdienen, aber die grössten Arbeitsplatzvernichter sind. Viele Firmeninhaber nehmen es nicht so genau mit der Ehrlichkeit. Aus diesem Grunde ist die Wirtschaftskriminalität weit verbreitet.
„TV Nation“ startete eine telefonische Umfrage bezüglich Wirtschaftskriminalität. Es gingen über 30 000 Hinweise zu dieser Art von Kriminalität ein.
Auch die mangelnde Sicherheit in Betrieben prangert der Autor an. So gab es im letzten Jahr 15 000 Tote durch Handfeuerwaffen, aber 56 000 Tote durch mangelnde Sicherheit am Arbeitsplatz und durch Berufskrankheiten.

Dies war nur eine kleine Auswahl von Zahlen, Fakten und Themen aus dem Buch. Ein Kapitel möchte ich aber noch erwähnen. Es lautet: „Meine heimliche Liebe zu Hillary Clinton.“ Diese Äusserung ist natürlich ironisch gemeint. Zu Beginn des Kapitels bringt er folgenden Witz:

Bill und Hillary besuchen das erste Baseballspiel der Saison. Kurz vor Spielbeginn packt Bill die First Lady und wirft sie auf das Spielfeld. „Nein! Nein!“ schreit ein Berater. „Mr. President, Sie haben da etwas falsch verstanden. Sie sollten den ‚First Pitch' werfen.“
(Dieser Witz, gehört bei einem republikanisch eingestellten Radiosender; beruht auf dem Gleichklang Pitch/Wurf und Bitch/Schlampe).

* * *

 
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