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     20. August 2018, 20:09 Uhr
 


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Schlechtes Wetter

Hitzesommer 2003: Die Sonne brannte gnadenlos auf verdorrende Pflanzen nieder, wochenlang. Bauern fürchteten um ihre Ernte, und wer sein Gärtchen nicht fleissig wässerte, produzierte bei diesen Temperaturen Trockenfutter, dem Stroh ähnlich. Die Pflanzen litten offensichtlich, lechzten nach dem lebensnotwendigen Nass.

Manchmal bildeten sich Quellwölklein, oder es verirrten sich einige herangewehte Wolkenberge ins Land. Die „Wolken-Gefahren“ wurden von den Wetterkommentatoren unverzüglich heruntergespielt: Keine Angst, es bleibt schön, war das Motto. Das Badiwetter war weiterhin ungetrübt. Auch die herkömmliche meteorologische Terminologie blieb intakt: Gutes Wetter ist sonniges Wetter, und Regen bedeutet schlechtes Wetter. Punkt. Zu jener Zeit der sich abzeichnenden Dürre am Übergang vom subtropischen zum tropischen Klima hörte man vom DRS-Radio, es sei „kein Regen zu befürchten“.

Viele Medienschaffende, die sich anhand der offiziellen Zustandsbeschreibungen und Prognosen im Happysound übers Wetter auslassen, bedienen sich strikte der Sichtweise von Inhabern von Ausflugrestaurants, Glacéverkäufern oder umsatzbeteiligten Badmeistern. Allerdings weiss jeder weitsichtige Betreiber eines Schwimmbades, dass ohne Wasser mit dem besten Willen kein Schwimmen ist.

Wir könnten ohne das Sonnenlicht nicht leben. Aber wohin es führt, wenn die Sonne auf Dauer Oberhand hat und durch ein noch immer wachsenden Ozonloch weniger gebremst wird, kann in vegetationslosen oder -armen Trockenwüsten beobachtet werden. Und an den zahllosen Waldbränden in vielen Ländern. Solch ein Anschauungsunterricht lehrt, dass auch Wasser im ökologischen Gefüge eine tragende Rolle spielt.

Die Wertschätzung gegenüber dem Wasser müsste also endlich auch in die Wettersprache Eingang finden. Die meteorologische Wasserscheu und -verachtung müssen endlich überwunden werden: Regen ist nicht schlecht. Der mildernde Umstand: Viele Prognosen kommen aus den Grossstädten, wo die Natur kaum noch stattfindet.

Doch nachdem die Zusammenhänge hier schwarz auf weiss festgehalten sind, wird sich in Zukunft niemand mehr damit herausreden können, er habe es nicht gewusst.

h.

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