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     16. August 2018, 02:03 Uhr
 


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    Grabgesänge

        I

    Was ich im Grab
    erlebet hab':
    Ein Würmlein aus der Blumenvase
    kroch abwärts gegen meine Nase,
    und als es mich von nahem sah,
    da rief das Würmlein froh: "Aha,
    es handelt sich um eine Frau!"
    und fügte bei, das Würmlein schlau:
    "Ich hab' da oben in dem Grabesrasen
    ein Dutzend Kindlein aus verschiedenen Vasen,
    die können nun um Gottes willen
    an einer Frauenbrust den Hunger stillen."

    Ich aber dachte:
    Sachte, sachte!,
    zerfiel in Staub
    und wurde nicht
    der Würmlein Raub.

      II

    Auf ihrem Grabe
    steht ein Stein
    und darein
    gemeisselt fein
    eine Eule und ein Rabe,
    auf ihrem Grabe.

    In ihrem Grabe
    liegt allein
    sie unter ihrem Grabesstein.
    Sie lag allein schon – eben eben –
    in ihrem Leben.

      III

    Übers Grab
    zieht eine Wolke
    weiss wie frisch gemachte Molke,
    hüllt das Grab
    und seinen Stein
    zärtlich ein.

    Lislott Pfaff

    *
    * *

 
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