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     19. Oktober 2018, 00:41 Uhr
 


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Da werden Weiber zu Hyänen…

„Es genügt, einem Menschen eine Uniform anzuziehen, ihn von seiner Familie zu trennen und die Trommel zu rühren, um ein wildes Tier aus ihm zu machen“, schrieb Leo Tolstoi in seinem Roman „Krieg und Frieden“ .

Ich höre sie immer wieder, gedankenlos hergesagt, solche unwahren Worte, selbst von grossen Geistern wie dem russischen Dichter Tolstoi. Wer immer sie ausspricht oder niederschreibt, kann kein Tierkenner sein, sonst wüsste er, dass dieses gängige Klischee, mit dem das Tier als Sinnbild für unmenschliches Verhalten erniedrigt wird, völlig falsch ist.

Haben denn Tiere in der Wildnis je - wie es der Mensch im Krieg tut - sinn- und zwecklos getötet und Leichenberge hinterlassen, ohne die Notwendigkeit, entweder ihren eigenen Hunger oder den ihrer Jungen stillen zu müssen? Haben Tiere je bewusst mit sadistischem Vergnügen andere Tiere erniedrigt und gequält, um irgendwelche aggressiven Emotionen zu befriedigen? Nein, das kann nur der Mensch.

Und doch schreibt Friedrich Schiller in seiner Ballade „Die Glocke“: „Da werden Weiber zu Hyänen und treiben mit Entsetzen Scherz.“ Ich möchte bloss wissen, welcher Hyäne es einfallen würde, ein Lebewesen ihrer eigenen Spezies mit raffinierter Perversität zu foltern und dabei über die Qual ihres Opfers noch lustvoll zu lachen. Kein Raubtier, selbst das blutrünstigste nicht, wäre imstande, mit Seinesgleichen so umzugehen, wie wir es auf den Bildern aus dem berüchtigten irakischen Gefängnis gesehen haben und wie es nicht nur dort, sondern überall auf der Welt geschieht.

Ich glaube, die Hyänen, die Tiger und so weiter würden sich, wenn sie es könnten, dafür bedanken, mit der Bestie Mensch in einen Kübel geworfen zu werden. Und auch Friedrich Schiller muss schliesslich zugeben: „Doch der schrecklichste der Schrecken ist der Mensch in seinem Wahn“. Tatsächlich…

Lislott Pfaff

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