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     18. August 2018, 10:03 Uhr
 


Schlossportal
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      Der Komposthaufen

      Hinter grünbemoosten Brettern,
      wo der Garten sich verliert,
      hebt sich aus verjährten Blättern
      abgeschieden das Geviert.

      Kürbisschalen, Blumenreste,
      faule Frucht und welkes Kraut,
      nasse Strünke, dürre Äste,
      Eingeweide, Schuppenhaut,

      bleiche, preisgegebne Dinge,
      abgeschabt und ausgebeult –
      Würmer, Asseln, Engerlinge
      wimmeln, Wesen engverknäult.

      Oben summen Tausendschwärme
      bläulich schillernd durch den Dunst,
      unten in der dunklen Wärme
      gärt und brodelt stumme Brunst.

      Unablässiger Entfaltung
      urgeheimes Schöpfungsbett –
      und in heiliger Umgestaltung
      quillt es schwärzlich, feucht und fett.

      Wage nur, dem schwarzen Schosse,
      Liebender, dich anzutraun!
      Wirst die alterslose, grosse
      Mutter, Braut und Schwester schaun.

      Leben preist sich überschwänglich!
      Wie ein ewiges Lobgebet
      ist die Wollust unvergänglich,
      und die Brautnacht dauert stet.

      Werner Bergengruen

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