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Von Gottfried Duttweiler bis zu Graf Zeppelin

Anekdoten über Unternehmerpersönlichkeiten, gesammelt von Heinz Scholz

Gottlieb Duttweiler: Sozialpionier, Visionär und Gründer der „Migros“
Gottlieb Duttweiler (1888–1962) war eine der bedeutendsten Schweizer Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, ein Sozialpionier, Politiker und Gründer der „Migros“, das heute grösste Detailunternehmen der Schweiz. 1940/41 wandelte er die Aktiengesellschaft in Genossenschaften um. Der Firmengründer verschenkte die Migros an über 75 000 Hausfrauen (mit Anteilscheinen à 30 Franken). Der damalige Verkaufswert betrug etwa 16 Millionen Franken. – Es ist unglaublich, aber wahr: Trotz seines immensen Erfolgs als Unternehmer erhielt er in seinem Land keine Ehrendoktorwürde oder sonstige Ehrungen. Auszeichnungen bekam er ausschliesslich im Ausland. – Im Folgenden sind einige kleine Episoden aus dem Leben Gottlieb Duttweilers aufgeführt.

Boykotte und öffentliche Anprangerungen
Nach Gründung der Migros AG (Migros = zusammengesetzt aus „demi“ und „en gros“) begann Gottlieb Duttweiler mit 5 Verkaufswagen in Zürich und Umgebung. Er hatte diese Wagen in Amerika kennen gelernt. Seine Devise war, weniger Gewinn, grosser Umsatz. Er konnte sein Ziel durch ein kleines Sortiment, schnellem Warenumschlag und Verzicht auf teure Ladenmieten verwirklichen. Er verkaufte zu jener Zeit nur Zucker, Kaffee, Teigwaren, Reis, Kokosfett und Seife zu niedrigen Preisen. Kein Wunder, dass sich die Verbände der Teigwaren-, Fett- und Seifenfabrikanten organisierten und mit Vehemenz gegen Duttweiler vorgingen. Eine der Hauptvorwürfe waren, die Migros sei unhygienisch. Sie riefen zu Liefersperren gegen die Migros auf, Zeitungen wurden aufgefordert, keine Annoncen von Migros mehr zu veröffentlichen. Abgesandte des Detailhandels fotografierten sogar Migros-Kunden. Waren Beamte oder Handwerker darunter, wurden diese mit Boykotten oder öffentlichen Anprangerungen belästigt. Ein katholisches Pfarrblatt antwortete auf eine wohl fingierte Leseranfrage, die Migros sei ein jüdisches Unternehmen.

PR-Gag oder Bescheidenheit?
Als Gottlieb Duttweiler immer mehr Erfolg mit seinen günstigen und hervorragenden Waren hatte – die Mitarbeiterzahlen und Umsätze stiegen ständig – blieb es nicht aus, dass dieser Mann auch Millionär wurde. Er wohnte in einer Luxusvilla am Zürichsee, fuhr einen Martini-Wagen und hatte eine ansehnliche Kunstsammlung. 1920 wurde seine Firma liquidiert. Alle seine Vermögenswerte gingen in die Konkursmasse. Später, als er wieder erfolgreich und zum 2. Mal Millionär wurde, blieb er lange Zeit bescheiden. Wenn er mit der Eisenbahn fuhr, benutzte er nur die 3. Klasse, ansonsten fuhr er einen winzigen Fiat Topolino und wohnte in einer bescheidenen Dreizimmerwohnung in Rüschlikon ZH. „Ich suchte meine Sicherheit auf der untersten Stufe“, wie er einmal seinem Biografen Curt Riess anvertraute.

Feier trotz Verlust
Am Ende des ersten Geschäftsjahres als AG (dies war im Jahre 1926) schloss die Migros mit einem Verlust ab. Gottfried Duttweiler lud trotzdem seine engsten Mitarbeiter an Weihnachten zu einem Poulet-Essen ein. Er meinte nur: „Wir feiern, solange wir noch können!“

Kampf gegen die Markenartikelindustrie
Da die Boykotte der Markenartikelindustrie lange anhielten, entschloss sich Duttweiler, eigene Produkte, die anfangs von kleineren Firmen hergestellt wurden, auf den Markt zu bringen. So staunten die Konsumenten nicht schlecht, als „Eimalzin“ in die Läden kam. Der Name war eine Eindeutschung des Markennamens „Ovomaltine“. Aus „Kaffee Hag“ wurde bei Migros „Kaffe Zaun“, aus „Persil“ wurde „Ohä“ (auf den Familiennamen des Persilherstellers Henkel gemünzt: „Ohne Henkel“). Mit diesen und anderen Aktionen ärgerte er die Grosskonzerne bis zur Weissglut.

Quelle: „Gottlieb Duttweiler – eine Idee mit Zukunft“ von Karl Lüönd, Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik“, Verein für wirtschaftshistorische Studien, Meilen 2000.

Menschenfreund und Wohltäter
Als die französische Besatzungsmacht die gesamte Kirschenernte im Landkreis Lörrach beschlagnahmte, liess der damalige Landrat Rudolf Kraus (1882–1955) und ehemalige Bürgermeister von Weil am Rhein, seine guten Beziehungen zu Gottlieb Duttweiler spielen. Da sämtliche Telefongespräche zu jener Zeit abgehört wurden, schickte der Landrat seinen Sohn, Julius Kraus, zur telefonischen Kontaktaufnahme ins schweizerische Riehen. Nach einigen Mühen hatte er den Nationalrat am Telefon. Als Duttweiler von der Schikane hörte, war er ziemlich ungehalten und sagte: „ Das ist ja unglaublich, was sich da die Franzosen wieder einmal leisten. Jetzt nehmen sie auch euch hungrigen Menschen die paar Kirschen noch weg. Gehen Sie nach Hause und sagen Sie dem Landrat, er soll sich keine grossen Sorgen machen. Ich werde die Sache in die Hand nehmen.“

Und es geschah auch etwas. Die Schweizer verhängten innerhalb weniger Stunden ein totales Einfuhrverbot für Kirschen. Die Franzosen sahen dumm aus der Wäsche, denn nun konnten sie die Kirschen nicht mehr in die Schweiz liefern. Die köstlichen Früchte wurden daraufhin an die hungernde Bevölkerung verteilt. Am nächsten Tag gab es jedoch ein Nachspiel. Ein Basler Obstgrosshändler beschimpfte den Landrat: „Sie, Herr Landrat, sind verantwortlich und schuld, dass ich die Kirschen nicht in die Schweiz einführen kann. Sie haben mir einen sehr grossen geschäftlichen Schaden zugefügt. Das werden Sie noch büssen.“

2 Tage später erhielt der Landrat eine Vorladung zur Militärregierung nach Freiburg. In einem Vorzimmer musste er warten und schlief dabei ein. Von einem Offizier wurde er geweckt: „Sie, Herr Präfekt, müssen kein schlechtes Gewissen haben, wenn Sie hier schlafen können.“ Der Landrat erwiderte ihm: „Es gibt ein deutsches Sprichwort, das heisst: ‚Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen.“ Ohne den Herrn Oberst gesehen zu haben, trat der Landrat seine Heimreise an.

Dazu Julius Kraus: „Wie sich dann später herausstellte, war die Beschlagnahme ein privates, abgekartetes Spiel zwischen dem Oberst und dem Basler Obstgrosshändler unter Umgehung der obersten Militärbehörden. Diese wollten auf gar keinen Fall irgendwelche diplomatischen Verwicklungen mit der Schweiz haben.“

Quelle: „Gottlieb Duttweiler“ von Julius Kraus, „Das Markgräflerland“, Band 2/2001.

Einige Zitate von Gottlieb Duttweiler
„Trotz allen Verleumdungen ist die Migros das christlichste aller Zürcher Detailgeschäfte, denn siehe da, sie tut auch denen Gutes, die über sie schelten.“

„Ja, ja, man hat’s nicht leicht, wenn man den Gewinn nicht selbst behalten will.“

„Wir haben herausgefunden, dass es eine viel heiklere Aufgabe ist, Geld zu verschenken, als Geld zu verdienen.“

„Wir aber meinen, die Natur selbst ist der beste Arzt und die beste Medikamentenfabrik.“

„Wer für den Schwachen kämpft, hat den Starken zum Feind.“

„Es ist im Leben nun einmal so geregelt, dass eine Mischung von Erfolg und Misserfolg, von Dank und Undank jene Herzensnahrung ist, die den Menschen vorzüglich im Gleichgewicht hält.“

„Das Plakat der ‚Saffa’ zeigt den Kopf einer Frau, das ist überaus sinnig, denn in der Vergangenheit wurde mit dem Kopf der Frau zu wenig gerechnet.“

„Ist es doch das beschämendste Zeichen geistiger Armut, wenn man mit dem Segen der Natur nicht fertig wird, wenn man es nicht versteht, den Überfluss dorthin zu leiten, wo der Mangel herrscht.“

„Je dunkler es in der Welt aussieht, um so deutlicher steht die Aufgabe vor uns, dem Menschen seinen Teil Lebensfreude zu verschaffen. Das Leben ist so kurz, leben wir dieses Leben für uns und für den Nächsten!“

„Am schlimmsten ist das böse Beispiel von oben. Wer soll im Kleinen Disziplin halten, wenn im Grossen ungestraft gefrevelt werden darf? Wo nimmt der Richter seine Autorität gegen kleine Sünder her, wenn die grossen Sünder ‚reingewaschen’ stolz das Gericht verlassen?“

„Den Financiers und Grosskonzernen der Gewinn – dem Steuerzahler das Risiko? Soll dies das letzte Wort staatspolitischer Weisheit sein?“

„Wir sprechen gern von unentwickelten Ländern. Wir hätten aber in vielen von ihnen gewaltig zu lernen.“

Quelle: „Überzeugungen und Einfälle“ von Gottlieb Duttweiler, Ex Libris Verlag, Zürich 1962 und 1978.

Sparsamer Robert Bosch
Robert Bosch (1861–1942) ist Erfinder der Magnetzündung für Verbrennungsmaschinen und Gründer der Robert Bosch GmbH in Stuttgart. Robert Bosch war wegen seiner Sparsamkeit bekannt. Als er sich einmal während eines Rundganges durch eine Fabrikhalle nach einem Groschen bückte, äusserte sich sein Begleiter abfällig wegen eines solchen Geldstückes. Entrüstet meinte Bosch: „Nur ein Groschen? So geht ihr nun mit meinem Betriebskapital um! Das sind die Dreijahreszinsen von einer Mark!“

Robert Bosch fuhr als Jungunternehmer oft mit dem Fahrrad zu den Auftraggebern. Er wurde von den Passanten eher für einen Missionar oder Sektenprediger gehalten als für einen Erfinder. Dem Lehrling brachte er höchstpersönlich das Radfahren bei.

Emil Fein berichtet, dass früher (1891) im Betrieb oft gesungen wurde. „Wir hatten hier ein wirksames Mittel entdeckt“, so der Arbeitnehmer, „gegen die uns oft lästige Besichtigung durch Herrn Bosch zu wehren. An manchen Tagen ist er nicht von unsrer Seite gewichen. Die Leser werden nun vermuten, wir hätten zu singen angefangen, und zwar so, dass wir Herrn Bosch damit vertrieben hätten; das hätten wir uns aber doch nicht erlaubt. Wir haben vielmehr gesungen, wenn Herr Bosch nicht da war, das heisst, wenn er auf dem Kontor war, wo er es gut hören konnte. Wir hatten nämlich in Erfahrung gebracht, dass Herr Bosch nicht kam, wenn gesungen wurde. Er kam vielleicht deshalb nicht, weil er befürchtete, wir würden bei seinem Eintritt aufhören ... Ein Kollege ... liess uns einmal etliche Lieder vortragen. Am Schluss trat Herr Bosch auf ihn zu, klopfte ihm auf die Schulter und sagte: ‚Wenn Sie wieder einmal Ihren Gesangverein leiten, lassen Sie nicht immer in forte singen, lieber pianissimo, damit die Leute, die auf der Strasse vorbeigehen, meinen, hier sei ein Konservatorium.’“

Robert Bosch war kein begeisterter Schüler. Rückblickend bemerkt er: „Im so genannten Einjährigen-Examen, mit dem ich abging, habe ich den pythagoräischen Lehrsatz nicht beweisen können. Um den Mangel später auszugleichen, war ich wohl zu faul, und so bin ich durch mein Leben gegangen und habe sogar Erfolge gehabt, die ich eigentlich nicht hätte haben sollen. Es ist lediglich ein technisches Gefühl, das mir durchgeholfen hat.“

Robert Bosch war ein sparsamer Mensch. Dies bestätigt seine Tochter Margarete, die ihm nach dem Ersten Weltkrieg den Haushalt führte. Er meinte, sie müsse zum Zubinden der Marmeladengläser gebrauchtes Pergamentpapier nehmen. Die ebenfalls dickschädlige Schwester konnte ihn jedoch überzeugen, dass schimmlige Marmelade letztendlich teurer wäre als die Verwendung von frischem Pergamentpapier.

Auch in seinem Betrieb stellte er seine Sparsamkeit auf die Probe. Er machte Rundgänge und achtete streng darauf, dass nicht unnötig elektrisches Licht brannte. Immer, wenn Bosch auftauchte, riefen die Mitarbeiter: „Löschet’s Licht – d’r Vadder kommt, mr hört ihn scho!“

Robert Bosch war ein einfacher Mensch, er legte keinen Wert auf Titel. Als er in das Fremdenbuch eines Hotels seinen Beruf angeben sollte – vor ihm trugen sich Kommerzienräte, Direktoren, Konsuln, Senatoren und Fabrikanten ein – , schrieb er einfach: „Mensch.“

Nach einem Gespräch mit Adolf Hitler im Jahr 1933 meinte er zu einem Vertrauten: „Das will ein Staatsmann sein und weiss nicht, was Gerechtigkeit ist.“ Robert Bosch hatte übrigens ein instinktives Misstrauen gegen Hitler.

Quelle: „Baden-Württembergische Portraits“ von Hans Schumann (Herausgeber; Episode über Robert Bosch von Götz Küster), Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1988.

„Wollprofessor“ Jäger
Der Stuttgarter Gustav Jäger galt als Gesundheitsapostel und propagierte schon in den 70er-Jahren des 19. Jahrhunderts das Tragen von wollener Unterwäsche anstelle des damals üblichen „Streifleinenen“. Trotz Anfeindungen und Sticheleien konnte er die Brüder Wilhelm und Gottlieb Benger, Inhaber einer Strumpfwarenfabrik in Stuttgart, überzeugen, wollene Unterwäsche zu produzieren. In einer Anzeige aus den Jahren 1891/1892 wurde das Produkt wegen seiner Wetterfestigkeit, Seuchenfestigkeit und Affectfestigkeit gepriesen. Unter Affectfestigkeit lasen die Leser Folgendes: „Man bleibt in gleichmässiger Ruhe, verfällt weniger leicht in Launen, Zorn, Aufregungen.“ Des Weiteren wurde auf die schützende, heilsame und „wohlthätige“ Wirkung der wollenen Unterwäsche hingewiesen.

Heinrich Lahmann aus Bremen wurde zum schärfsten Widersacher des „Wollprofessors“. Er liess beim Reutlinger Wattehersteller Heinzelmann baumwollene Produkte fabrizieren und pries in Anzeigen die Vorzüge der „Reformbaumwoll-Kleidung“. Die Kunden kauften nun vermehrt Trikotagen aus Baumwolle, da diese billiger und beim Waschen strapazierfähiger waren. Später nahm die Firma Benger auch Produkte aus Baumwolle in ihr Sortiment.

Caroline Märklin – ein Verkaufstalent
Caroline Märklin , die Frau des Göppinger Klempnermeisters Wilhelm Märklin, war Mitte des 19. Jahrhunderts eine der ersten weiblichen Handelsvertreter „Süddeutschlands und der Schweiz mit Spielwaren“. Sie zeichnete sich durch eine vorzügliche Organisationsgabe und durch ein hervorragendes Verkaufstalent aus. Diese Gaben brauchte sie, um die von ihrem Mann hergestellten Puppenküchen und Kindergeschirr an den Mann oder die Frau zu bringen. Ihr Mann nahm übrigens ein unrühmliches Ende, als er im Jahre 1866 durch die offen gelassene Falltür in den Keller stürzte. Erst 20 Jahre später übernahmen die beiden Söhne Eugen und Karl aus 2. Ehe die Firma und von nun an liefen die Geschäfte wesentlich besser. Sie erweiterten das Warensortiment. Von nun an erschienen Schiffe, Karusselle und Miniatureisenbahnen in der Produktepalette. Sie kreierten als erste das Systemspielzeug. Die Spielzeugloks mit Uhrwerk, Waggons und zusammensetzbaren Schienen waren die damaligen Renner. Später wurde die Modellbahn elektrifiziert, und man einigte sich auf die HO-Bahn (HO = „Halb Null“, Spurbreite von 16,5 mm), die noch heute die Standardnorm für Spielzeugbahnen ist.

Nobelmarke „Mercedes“
Emil Jellinek , österreichischer Grosskaufmann, war indirekt an einer Programmbereinigung bei der Daimler-Motoren-Gesellschaft beteiligt. Der Motorsportfan mit Rennerfahrung machte Stimmung für einen neuen Autotyp mit stärkerem Motor, Bosch-Zündung, verlängertem Radstand und tiefergelegtem Schwerpunkt. Also für die damalige Zeit ein Hochleistungsauto. Er war auch dafür, dass dieser Wagen nach dem Namen seiner Tochter Mercedes benannt werden sollte. Der Kaufmann wollte dann 36 Stück bestellen. Die Daimler-Herren willigten ein. Bereits 1901 sausten die neuen Flitzer über die Pisten von Nizza. 2 Jahre später wurden bereits 400 Fahrzeuge abgesetzt, und 1906 verliessen 3000 Mercedes das Cannstatter Werk.

Knopf im Ohr
Als Margarete Steiff 1880 die ersten Filz-Elefanten mit ihrer Nähmaschine schuf, ahnte sie nicht, dass ihre Kreationen sich zu einem Riesengeschäft entwickeln sollten. Dabei spielte der Zufall eine entscheidende Rolle. Die 5 Neffen erkannten schon sehr früh die Vermarktungschancen. Sie animierten die Schöpferin der Elefanten, doch mehr zu produzieren. Auch kamen nach und nach andere Tierchen, insbesondere Bärchen, dazu. Die geschäftstüchtigen Neffen boten zunächst die filzigen Tierchen auf Jahrmärkten an. Aber das Geschäft verlief zunächst sehr mühsam. Dann kam die Idee, doch die Produkte 1903 auf der Leipziger Messe anzubieten. Als Steiff-Neffe Richard am Ende der Messe schon einpacken wollte, kam plötzlich ein amerikanischer Einkäufer und orderte 3000 Stück der Bärenbabys. Es entstand eine regelrechte Teddy-Bären-Hysterie. Schon 1903 verliessen 12 000 Teddys die „Bärenfabrik“ in Giengen.

Quelle der letzten 4 Episoden: „Über die Anfänge der Industrie in Baden und Württemberg“ von Günter Arns, DRW-Verlag, Stuttgart 1986.

Philippe Suchard und die Schokolade
Philippe Suchard (1797–1884), der 1826 den Grundstein für das weltweit bekannte Suchard-Unternehmen legte, musste in jungen Jahren für seine kranke Mutter Schokolade aus der Apotheke besorgen. Die Schokolade galt nämlich in jener Zeit als Medizin. Sie sollte so manchem Kranken wieder auf die Beine helfen. Schon damals reifte in ihm der Entschluss, preiswerte Schokolade für jedermann auf den Markt zu bringen. Die Schokolade aus der Apotheke hatte nämlich einen stolzen Preis.

Zunächst eröffnete er ein Confiserie-Geschäft in Neuenburg, dann stellte er in einer leerstehenden Mühle in Serrières die erste Knetmaschine auf. 1826 produzierte er bereits 30 kg Schokolade täglich. Der Geschäftsmann war voller Tatendrang. Er konzentrierte sich nicht nur auf die braune Köstlichkeit, nein, er förderte den Schiffsverkehr auf dem Neuenburger See und auf dem Rhein, unterstützte den Abbau von Asphalt für den Strassenverkehr und die Seidenraupenzucht zur Gewinnung von Seide im eigenen Land. Die Schokoladenproduktion kam jedoch nie zu kurz. Seine Schokolade errang auf Weltausstellungen die höchsten Auszeichnungen.

Philippe Suchard und seine Nachfolger setzten sich immer für Schokolade von höchster Reinheit ein. Dies war nicht selbstverständlich. Um die Schokoladenmasse zu strecken, waren früher folgende Beimischungen üblich: Kartoffelstärke, Sago, Getreidemehle, Kleiemehle, Eichelkaffee, Kastanien-, Bohnen-, Linsen- und Erbsenmehl.

Die erste Alpenmilchschokolade „spécialité“ kam 1898 auf den deutschen Markt, 3 Jahre später folgte die „Milka“. Bis in den 20er-Jahren stand auf den Packungen „zum Rohessen“.

Die damalige Schokolade schmeckte natürlich nicht so wie heute. Im Laufe der letzten 100 Jahre haben sich die Geschmäcker verändert. „Die zarteste Versuchung“ entstammt aus einer verfeinerten Rezeptur von 1995. Heute produziert das Werk in Lörrach 122 000 Tonnen Schokolade jährlich, das ist die 100fache Menge der im Jahre 1900 hergestellten Menge.

Soziale Leistungen – der Zeit weit voraus
Philippe Suchard, Philippe Suchard Sohn (1834–1883) und später der Schwiegersohn Carl Russ-Suchard (1828–1925) waren punkto sozialer Leistungen ihrer Zeit weit voraus. Die Mitarbeiter lagen den Firmenchefs sehr am Herzen. Sie schufen billige Wohnungen, eine Unfallversicherung für alle Mitarbeiter gab es bereits 1876, bei Erkrankung wurde die Hälfte des Lohnes vergütet. Weitere segensreiche Massnahmen: Übernahme der Arzt- und Apothekenkosten, Schaffung einer Betriebskrankenkasse (1882) und Versorgungskasse zur Unterstützung in Notfällen, bezahlte Ferien und Militärdienstzeit. Den Mitarbeitern standen auch Warmwasser-, Bade- und Duschanlagen zur Verfügung. Auch wurden zu jener Zeit Familienabende und Betriebsausflüge durchgeführt.

Heute sind diese Errungenschaften oft selbstverständlich, in der damaligen Zeit waren diese revolutionär.

Philippe Suchard verlangte jedoch von seinen Mitarbeitern sehr viel. Sie mussten je nach Bedarf 13 oder 15 Stunden am Tag arbeiten. Als 1877 das eidgenössische Fabrikgesetz in Kraft trat, wurde die vorgeschriebene Stundenzahl auf 11 reduziert. Es herrschte eine eiserne Arbeitsdisziplin im Betrieb. Wer 5 Minuten zu spät kam, der musste 30 Rappen Strafe bezahlen, bei einer halben Stunde Verspätung musste doppelt so viel berappt werden. Die Bussen kamen jedoch in Not geratenen Arbeiterinnen und Arbeitern zugute.

Hugenottische Vergangenheit
Die Vorfahren Philippe Suchards waren Hugenotten und wurden nach dem Widerruf des Ediktes von Nantes im Jahr 1685 aus dem kleinen Dorf Combeau-Vin in der Dauphine vertrieben. Tausende Hugenotten kamen in die Schweiz und gaben diesem Land wertvolle geistige und wirtschaftliche Impulse. Philippe Suchard war stolz auf seine hugenottische Vergangenheit. Eines Tages rächte er sich auf seine Art und Weise. Er reiste inkognito nach Combeau-Vin und lud alle einflussreichen Bürger ins Dorfgasthaus ein. Nach einem üppigen Mahl verkündete er feierlich: „Ich danke euren Vorfahren, dass sie die meinen vertrieben haben. Sie haben mir damit wirklich einen Dienst erwiesen. Denn wenn meine Väter unter euch geblieben wären, wäre ich jetzt so unwissend wie ihr. Auf euer Wohl!“ (Jules Sandoz, ältester Biograph Suchards).

Hausbursche und Lehrling
Als 13-Jähriger wurde Philippe Suchard im Haushalt des Lenzburger Pfarrers Johann Heinrich Hünerwadel untergebracht. Mit Hausarbeiten verdiente er sich einen kargen Lohn. Die 2 Jahre waren die härtesten seines Lebens, wie er betonte. Er bekam wenig zu essen. Mit Grausen erinnerte er sich daran, wie sein Kostgeber ihn zwang, die Pflaumen samt Steinen zu essen. Er war der Meinung, nur so könne er länger satt bleiben.

Mit 17 Jahren trat Philippe Suchard eine Lehre als Zuckerbäcker in der Confiserie Frédéric Suchard in Bern an. Die Lehre war kein Zuckerschlecken. Schon am ersten Tag musste er nach einem zehnstündigen Fussmarsch noch bis spät in die Nacht arbeiten. 8 Jahre arbeitete er bei seinem Bruder täglich im Durchschnitt 14 Stunden. Sein Bruder war nicht nur ein knallharter Geschäftsmann, sondern auch ein knausriger Mensch. Als er eines Morgens aus Versehen Milch verschüttete und aus der Ladenkasse Geld nehmen wollte, um neue zu holen, meinte Frédéric: „Da die Milch vergeudet wurde, verzichten wir eben auf das Frühstück.“

Keiner wollte Schokolade
Für die einfache Bevölkerung war Schokolade früher Luxus. Die armen Leute ernährten sich hauptsächlich von Kartoffeln, Mehlmus und Mais, das oft sehr teure Brot kam nur an Festtagen auf den Tisch. 1830 schickte Philippe Suchard einen Handelsvertreter in der deutschen Schweiz 6 Wochen auf Reisen, um seine Schokolade an den Mann zu bringen. Die Ausbeute war jedoch sehr mager: Der Vertreter kam mit nur einer einzigen Bestellung für 6 Pfund Schokolade nach Serrières zurück. In den oberen Gesellschaftsschichten Neuenburgs fanden sich jedoch viele Anhänger der süssen Nascherei.

Ein grosser Liebhaber der Schokolade war auch der preussiche König Friedrich Wilhelm III., ausserdem verfolgte er mit Interesse die wirtschaftliche Entwicklung in seinem Fürstentum (Neuenburg war bis 1857 preussisches Fürstentum, obwohl 1814 Neuenburg als 21. Kanton in die Eidgenossenschaft aufgenommen wurde). Als der Monarch 1840 starb – so nach Erzählungen in Neuenburg – soll er noch ein Stückchen Schokolade im Mund gehabt haben.

Der widerborstige Kunde ...
Ein Glücksfall für das Unternehmen war die Anstellung des äusserst tüchtigen Preussen Carl Russ (1838–1925). Er entdeckte schon sehr früh, dass das Schokoladengeschäft ausbaufähig war, wenn man einen offensiven Verkaufsstil praktizieren würde. Sein Sohn Willy Russ schrieb in einer Biographie, wie sein Vater auf Kundenfang ging: „Der widerborstige Kunde wird einfach nicht losgelassen; er wird geknetet, bearbeitet, gedrillt, bis er endlich einschnappt, und hat er einmal eine Bestellung aufgegeben, dann ist er für immer gewonnen. Carl Russ lässt ihn nicht mehr los; er bedient ihn so, dass der Mann von selbst zur Einsicht gelangt, besser könne er seinen Bedarf nirgends decken. Suchard sei die einzige Schokolade, deren Verzehr sich lohne.“

Lila Kuh
Schon die erste Milka aus dem Jahre 1901 hatte eine lilafarbene Verpackung. Das Markenbild zeigte schon zu jener Zeit eine Kuh samt Sennhirte vor einem Alpenpanorama. Der Namenszug änderte sich und später wurde die „Kuh lila“. Auf die Frage eines Journalisten, wie denn eine gute Werbung auszusehen hat, antwortete ein Werbefachmann 1991: „Wenn ich in die Alpen fahre und meine Kinder mich fragen, wo denn die lila Kuh bleibt.“

Quellen der Anekdoten über Philippe Suchard : „100 Jahre Suchard GmbH Lörrach“ von Bruno Frisch, Lörrach 1980, „Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik – Philippe Suchard“ von Christa Edlin-Sutz, Verein für wirtschaftshistorische Studien, Meilen 1992, und diverse Firmenschriften der Kraft Foods.

Julius Maggi – ein Markenartikelpionier
Julius Maggi (1846–912), der Gründer der weltberühmten Firma Maggi, erfand bereits im Jahre 1886 die ersten kochfertigen Suppen aus Hülsenfrüchten. Der Müllerssohn war arbeitseifrig, weitsichtig, ideen- und phantasiereich. Er erkannte schon sehr früh den Nutzen einer Produktprofilierung und die Wirkung moderner Werbung. Er entwarf persönlich die typische Form der braunen Flasche und kreierte das Etikett in gelb-roter Farbe. Um Handel und Verbraucher über neue Produkte besser informieren zu können, gründete er 1886 ein „Reclame- und Pressebureau“. Als erster Vorsteher dieses Büros fungierte der später berühmt gewordene Dramatiker Frank Wedekind (1864–1918). Dieser prägte die frühe Maggi-Werbung mit folgenden Worten: „Die Poesie ist die Würze des Lebens, der Witz die Würze der Unterhaltung, wie Maggi’s Suppen- und Speisenwürze diejenige eines jeden guten Mittagstisches.“

1887 wurde bereits in Singen die deutsche Niederlassung gegründet. Schon damals wurde „Maggi zum Würzen der Suppen“ in der später so berühmten braunen Flasche abgefüllt. Die kleinen Fläschchen erhielten bald den alemannischen Namen „Gütterli“, und das Häuschen, indem die Würze abgefüllt wurde, nannten die Singener „Gütterli-Hüsli“. Dieses Haus steht noch heute auf dem Areal der Maggi-Werke und beherbergt das Maggi-Museum.

Bemerkenswert waren die sozialen Leistungen der Firma bereits um die Jahrhundertwende. So gab es ein Ferienheim für Mitarbeiter, eine Fabrikkantine, Gratifikationen für Arbeiter, Dienstaltersprämien für Arbeiterinnen und die erste Arbeitsordnung.

Julius Maggi sammelte Uhren, Pfeifen, Fotoapparate und liebte Tiere. So erhielten die Kühe auf seinem Gutsbetrieb neben einer Ordnungsnummer seinen Namen. Als der Firmenchef aus Norwegen die Kunde erhielt, man könne mit Brettern über den Schnee gleiten, liess er sofort welche kommen und stellte seine Kinder auf Ski.

Noch eine Besonderheit: Wegen der geschmacklichen Ähnlichkeit der Maggi-Würze mit Liebstöckel erhielt diese Pflanze vom Volk die Bezeichnung „Maggikraut“. In der Maggi-Würze ist jedoch kein Liebstöckel. Die Würze besteht vielmehr aus aufgeschlossenem pflanzlichem Eiweiss, Wasser, Salz, Aroma, Glutamat und Hefeextrakt.

Quelle: „Magginalien von A bis Z“, Herausgeber: Maggi GmbH, Hauptabteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Frankfurt am Main, 1997.

Bertha Benz – erste Fernfahrerin der Welt
Am 3. Juli 1886 fuhr Carl Benz mit seinem dreirädrigen Patent-Motorwagen erstmals durch Mannheim. Das erste Auto der Welt wurde den Velozipeden zugerechnet. Ein spöttischer Zeitungsschreiber bemerkte damals, es wird wohl kaum einer Lust verspüren, sein Leben auf schmutzigen Landstrassen mit launenhaften Motoren zuzubringen. Auch sagte er dem Gefährt keine Zukunft voraus. Die Mode würde nur kurze Zeit anhalten. Trotz der Spötteleien verzagte der Erfinder des ersten Automobils nicht. Seine Frau war jedoch unternehmungslustiger. Sie wollte es allen zeigen. Sie wurde schliesslich die erste Fernfahrerin der Welt. Immer wieder erzählte sie die folgende Geschichte:

„Als da meine Buben Richard und Eugen in den Sommerferien eine Reise machen wollten, da dacht ich dran, dass ich meiner Mutter eine grosse Freude machen würde, nach Pforzheim zu fahren. Aber der Vater hätte es nie erlaubt. Denn von Mannheim aus sind das 180 Kilometer (Hin- und Rückfahrt). So haben wir eine richtige Verschwörung angezettelt. Ganz früh am Morgen sind wir losgefahren, so dass wir schon stundenweit waren, als der Papa aufwachte. Benzin oder – wie man damals sagte – ‚Ligroin’ hatten wir in einer Milchflasche als Reserve mit.“

Das mitgeführte Ligroin war jedoch schnell aufgebraucht. In Wiesloch kauften sie in einer Apotheke einen Vorrat an „Treibstoff“, der zu jener Zeit als Fleckenwasser diente. Auf der Fahrt mussten einige Steigungen überwunden werden. Da der Wagen (mit einem 2 PS starken Zweitakter) noch keinen kleinen Gang hatte, wurde das Vehikel über Steigungen geschoben. Als die Bauern mit ihren Pferdefuhrwerken das Ungetüm sahen, riefen sie, es komme der Teufel in einer Kutsche ohne Pferde, später sprach man nur vom „Hexenkarren“. Auf dem Weg gab es 2 Pannen, das eine Mal verstopfte die Benzinleitung, das andere Mal brach die Zündung entzwei. Mit einer Hutnadel sorgte sie wieder für Benzinnachschub und mit einem Strumpfband reparierte sie die Zündung. Als sie glücklich in Pforzheim ankamen, telegraphierte sie mit ihrem Mann. 3 Tage später fuhr die unternehmungslustige Frau wieder nach Mannheim zurück. Bertha Benz hat als erste gezeigt, dass man mit dem Automobil auch weitere Strecken fahren kann. Sie schlug ihrem Mann vor, einen 3. Gang für Bergfahrten einzubauen. Das geschah dann auch.

Quelle: „Lauter Frauen – Aufgespürt in Baden-Württemberg“, Kapitel über Bertha Benz von Ursula Schwedler, Theiss Verlag, Stuttgart 2000, und „Baden-Württemberg“, Klett Verlag, Stuttgart 1992.

Albert Nothdurft – Gründer der ALNO-Werke
In seinen „Erinnerungen eines Unternehmers“ (Pfullendorf 1985) berichtet der Gründer der ALNO-Werke auch über einige amüsante und bemerkenswerte Erlebnisse aus seinem arbeitsreichen Leben. Albert Nothdurft wurde am 25. Januar 1905 in einem kleinen Bauernhaus in Wangen, Landkreis Göppingen, geboren. Über seine Lehrjahre schreibt er: „Die Lehrjahre waren im Gegensatz zu heute eine schwere Zeit und wahrhaftig keine Herrenjahre. Die Arbeitszeit betrug damals täglich von 7 Uhr bis 18 Uhr, 11 Stunden bei einem Fussmarsch von 10 Kilometern bei Sonne, Regen, Schnee und Eis. Damals gab es noch keinen freien Samstag.“ Erst nach abgeschlossener Lehre konnte sich der angehende Schreiner ein vollgummibereiftes Fahrrad leisten. Auch die Anfangszeit als selbstständiger Handwerker war mit Schwierigkeiten verbunden. Er hatte nur das allernotwendigste Handwerkszeug. So fuhr er mit einen mit Brettern beladenen Handwagen nach Holzhausen bei Göppingen, um sie dort hobeln und fräsen zu können. Anschliessend ging es wieder zurück. Zunächst hatte er seine Werkstatt im Dachstock des elterlichen Wohnhauses untergebracht. Als diese Räumlichkeit zu klein wurde, verlegte er einen Teil der Werkstatt in das Wohnzimmer der Eltern. Später konnte er seinen Betrieb in die freiwerdenden Nebengebäude des Bauernhauses seiner Eltern verlegen. Später verkaufte er das elterliche Anwesen und baute eine grössere Werkstatt. Zu jener Zeit – im Gegensatz zu heute – hatten die Banken für junge Unternehmer keine offene Hand. „Man sagte mir glatt ins Gesicht: ‚Erst sparen, dann bauen!’“

Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete er zunächst in Wangen ein Werk, später baute er 1957 in Pfullendorf ein Werk, das sich im Lauf der letzten 4 Jahrzehnte zu einem der führenden Küchenmöbelhersteller entwickelte.

Anfangs fuhr der Chef mit einem alten Ford-Taunus von Wangen nach Pfullendorf. Dazu Albert Nothdurft: „Solange ich vorne auf Gummi und hinten auf Wechsel fahren musste, wollte ich mir keinen teuren Mercedes leisten.“

Während seines Lebens unternahm er immer wieder Reisen in ferne Länder, um seinen Horizont zu erweitern. Als er von einer Israel-Reise zurückkehrte, fragte ihn sein Sekretär: „War’s jetzt wirklich so, wie man es sich nach der Bibel vorstellt?“ Darauf antwortete ihm der Chef: „Ois verstand i nett. Wenn Gott sein Sohn Jesus so geliebt hot, worom hot er ihn nett in onserem schöne württaberger Ländle auf d’ Welt komma lassa.“

Anlässlich des 50-Jahre-Firmenjubiläums erzählte Direktor M. Petersen der Karstadt AG Essen folgenden Witz: Ein Professor der Theologie aus Hamburg und ein schwäbischer Pfarrer machen einen Besuch im Krankenhaus. Der erstere fragt:

„Ist jemand im Saal, der eine persönliche Seelsorge wünscht? Niemand? Nun, so werde ich eine Andacht halten.“ Der zweite setzt sich an ein Bett: „Nun, Mütterchen, wo fehlt`s denn?“ – „Am Bläsle, Herr Pfarrer.“ – „Nu, unser Herrgott kann auch ans Bläsle klopfe.“ Anschliessend bemerkte der Festredner: „Der Schalk sitzt dem Schwaben also im Nacken, man denke nur an Mörike.“

Bei der Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt Pfullendorf erzählte Bürgermeister Hans Ruck eine Geschichte aus dem Leben des Fabrikanten: „Damals begeisterte auch die Luftschifffahrt die Jugend der ganzen Welt. Mit einem NSU-Motorrad fuhren er und sein Kollege Otto Straub neugierig nach Friedrichshafen, um den Traum eines Fluges zu verwirklichen. Der Rundflug des Dornier-Wasserflugzeuges kostete jedoch 15 Reichsmark pro Person. Beide zusammen hatten Sie das Geld beieinander, weil es aber nur für einen gereicht hat, flog keiner; ein Verzicht, welcher um der lieben Freundschaft willen geschah.“

Zeppelin: Höhenflüge und Katastrophen
Ferdinand Graf von Zeppelin (1838–1917), der das erste lenkbare Starrluftschiff konstruierte, hatte immer wieder unliebsame Begegnungen mit Neidern und Behörden. Das Volk jedoch liebte den unerschrockenen Luftschiffkonstrukteur, der trotz Rückschlägen seine Idee mit zähem Durchsetzungswillen weiterverfolgte. Als jedoch LZ4 bei Echterdingen 1908 zerstört wurde, war er nahe daran, aufzugeben. Eine Nationalspende, die über 6 Millionen Mark einbrachte, half dem Unternehmer weitere Luftschiffe zu bauen.

Einige kleine Anekdoten aus dem Leben des Grafen sollen hier erwähnt werden:

Heftige Auseinandersetzung
Eine Reihe prominenter Gäste und viele Zuschauer warteten gespannt am Morgen des 20. Juni 1908 auf einen Zeppelinaufstieg. Es herrschte jedoch stürmisches Wetter, ausserdem gab es technische Probleme am Luftschiff. Als man das Ereignis abblies, fühlte sich besonders der Kriegminister von Einem genarrt, es kam zu einer heftigen Auseinandersetzung mit dem Grafen an Land. Grollend verliess daraufhin der Minister Friedrichshafen. Ein Journalist berichtete über dieses Ereignis: „Unerhört, wie überheblich dieser preussische General den alten Herrn behandelt! Der braucht ja nicht herzukommen, wenn er nicht Zeit hat! Was ist der? In naher Zukunft schon wird man nur noch von Einem was wissen, aber dieser Eine wird nicht der General von Einem sein!“

Als nach Abreise des Ministers der Start doch noch erfolgte, berichtete der Simplizissimus: „Der Aufstieg des Grafen Zeppelin erfolgte in Abwesenheit des Kriegsministers von Einem; infolgedessen ist das Luftschiff als nicht geflogen zu betrachten.“

Dankbares Volk
Am 4. August 1908 stieg LZ4 zu der schon lange geplanten Vierundzwanzigstundenfahrt auf. Der Weg ging rheinabwärts bis Basel, dann über Strassburg Richtung Mainz, wo das Luftschiff umkehren sollte. Es wurde jedoch wegen technischer Probleme eine Zwischenlandung bei Oppenheim durchgeführt. Es konnte jedoch nach einer Reparatur weitergefahren werden. Nach Mitternacht erreichte das Schiff seinen Wendepunkt, und es begann die Rückreise. In der Nähe von Mannheim fiel ein Motor aus, das Schiff wurde immer langsamer. Mit dem intakten Motor wurde Echterdingen am 5. August am frühen Morgen erreicht, wo das Schiff verankert wurde. Eine Gewitterbö riss jedoch das Schiff los. Hugo Eckener: „Das Fahrzeug wurde etwa 150 bis 200 Meter emporgerissen, kam dann, wohl infolge Ventilziehens, wieder herab und streifte mit der Spitze den Gipfel eines Baumes. In diesem Augenblick loderte an der Berührungsstelle eine Flamme auf, die sich schnell über das ganze Schiff verbreitete und es mit ungeheurer Geschwindigkeit verzehrte. Ein Haufen rauchender Trümmer lag auf dem Feld.“

Graf Zeppelin war am Boden zerstört. Er sah schon die Mittel, die ihm versprochen wurden, schwinden. Als er jedoch nach einer Zugfahrt von Stuttgart nach Friedrichshafen zurückgekehrt war, fand er etliche Depeschen vor. Dazu sein Mitarbeiter Hugo Eckener:

„Aber was war das? Er las und las weiter und konnte es zunächst kaum fassen, was ihm da aus allen Teilen Deutschlands telegraphiert wurde: Ein erstaunliches Geschehen, ein Wunder fast war es, was in den deutschen Landen vor sich ging! Von allen Seiten wurden ihm Mittel dargebracht, sein Werk zu vollenden, Mittel in so reichem Masse und aus so warmen Herzen gegeben, wie er es nie in kühnsten Träumen für möglich gehalten hätte. Überwältigt von Gefühlen des Glücks und des Dankes sank er in seinen Sessel zurück, und heisse Tränen der Rührung und Ergriffenheit liefen über seine bleichen Wangen. Wie prachtvoll in seiner spontanen Regung und Handlung war doch dieses Volk, wie instinktsicher in seinem Bekenntnis zu einem grossen Charakter, den es zu bewundern und zu verehren immer ein unstillbares Verlangen trägt, oft enttäuscht, aber immer wieder bereit und gläubig.“

Auch der Kaiser war unzufrieden
Mit dem LZ5 im Jahre 1909 unternahm Graf Zeppelin eine Dauerfahrt mit unbekanntem Ziel. Es wurde das Gerücht in die Welt gesetzt, er würde in Berlin landen. Zehntausende versammelten sich am vorgesehenen Landeplatz. Auch das Kaiserpaar mit den Prinzen und Prinzessinnen war anwesend. Aber das Schiff kam nicht. Nach stundenlangem Warten kam die Nachricht, dass das Schiff bei Bitterfeld umgekehrt sei. Enttäuschung und Zorn machte sich bei den Zuschauern und auch beim Kaiser breit. Wie Hugo Eckener berichtet, wurde eine falsche Nachricht ausgestreut. Graf Zeppelin hatte nie die Absicht, in Berlin zu landen. Er versprach jedoch dem frustrierten Kaiser und dem Volk bei anderer Gelegenheit nach Berlin zu kommen. Dies geschah auch im August mit LZ6. Dazu Hugo Eckener: „Das Schiff war eigentlich noch nicht in allen Teilen genügend ausprobiert, insbesondere war der neue Stahlbandantrieb ein Sorgenkind, das leicht zu einem völligen Misserfolg hätte führen können. Aber es ging, obgleich unterwegs ein Propeller abflog, noch gnädig ab, und das Schiff erreichte nach einer Zwischenlandung in Bitterfeld, wo der Graf selbst an Bord kam, glücklich Berlin. Der Empfang hier war über alle Massen enthusiastisch und herzlich, und der vom Kaiser ins Schloss geführte alte Herr durfte hier vom Balkon aus die lebhaftesten Ovationen der Reichshauptstädter entgegennehmen.“

Was ein entzückter Schweizer ausrief
Wenn ein Zeppelin auftauchte, versammelten sich zigtausende Menschen. Der Jubel war unbeschreiblich. So konnte man in der „Freiburger Zeitung“ vom 4. 8. 1908 lesen: „Es war ein unbeschreiblicher Augenblick, den niemand wieder vergessen wird, der ihn miterlebte.“ Ein Journalist berichtete euphorisch: „Eine Hingerissenheit, eine mächtige Ergriffenheit zeigte sich auf allen Gesichtern. ‚Deutschland, Deutschland über alles!’ hörte ich einen französischen Schweizer neben mir entzückt ausrufen.“

Mit Gratulationen und Bittgesuchen wurde Graf Zeppelin förmlich „überschüttet“. Mit den sonderbarsten Wünschen trat die Presse an den Grafen heran. So wollte das „Berliner Tagblatt“ wissen, ob er frei von Aberglaube sei, ob er vermeide, an einem Freitag, dem 13., aufzusteigen und an die schützende Kraft von Amuletten glaube. Zeppelin antwortete: „Ja! Nein! Nein!“ Er fügte hinzu, er glaube an den Schöpfer und Erhalter der Welt.

Ein Redakteur des „Leipziger Tagblatts“ wollte seine Meinung zum Frauenstimmrecht wissen, und ein Schreiber der Zeitschrift „Salonblatt“ was er von dem Wert der Ernährung halte. Wiederum andere wollten von ihm hören, was er nach Erschöpfung der Steinkohle von einem Sonnenmotor halte.

In Zeiten seines grössten Erfolges wurde Zeppelin gnadenlos vermarket. Das Bild des Konstrukteurs wurde auf allen möglichen und unmöglichen Gegenständen abgebildet. So auf Flaschenkorken, Brieföffnern, vergoldeten und versilberten „Medaillen“, Anstecknadeln, Anhängseln, Zigarrentaschen, Spiegeln. Es gab etwa 60 Objekte, wie Zeppelin-Puppen, Zeppelin-Nussknacker, Büsten, Mundharmonika, Stehaufmännchen, Butterbrottrommel, Bleistiftspitzer, Sparbüchsen, Kalender, Biergläser, Zierteller usw.

Damit noch nicht genug. Im Friedrichshafener Archiv sind viele Briefe mit Bitten um Erlaubnis zur Namens- oder Bildverwendung abgelegt. Hier eine kleine Aufzählung: Zeppelin-Peitschen, Briketts, Viehfutter, Fliegenfänger, Taschenuhren, Malzkaffee, Bier, Rachenputzer, Likör, Sekt, Magenbitter, Teppichkehrer, Ölsardinen, Sandalen, Brötchen, Rosenzüchtungen, Spiele, Regenschirme, Würste, Glacé-Handschuhe, Zukunfts-Seifen, Höhenluft-Parfüm und Bratheringe.

Als die „Cigaretten-Fabrik Imperial Stuttgart“ ihn für eine Zigarrenwerbung missbrauchen wollte, lehnte der Nichtraucher Zeppelin ab, ebenso eine Kekswerbung der Bahlsen-Werke. Uhland schrieb damals an die Firma Bahlsen: „Seine Exzellenz, jeder Reklame abhold, liebt es nicht, seinen Namen noch mehr als es schon geschieht, in der Öffentlichkeit zu sehen, zumal nicht in Gestalt von Waren, die ihm nicht bekannt sind.“

Quellen: „Graf Zeppelin“ von Hugo Eckener, J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart 1938, und „Zeppelin – Die Geschichte eines unwahrscheinlichen Erfolges“ von Karl Clausberg, Schirmer/Mosel Verlag, München 1979.

Firmenchef auf dem Hochkamin
Der aus Lyon stammende Alexander Clavel-Linder (1805–1873) erwarb nach Zahlung von 300 Franken das Basler Bürgerrecht. Er entwickelte einen unglaublichen Ehrgeiz, Farben für seine Seidenfärberei selbst herzustellen. Als Erster stellte er in Basel Anilinrot und im Sommer 1859 Fuchsin her. Er legte den Grundstein für die Basler Chemie. Aus seinem Betrieb entwickelte sich später das Weltunternehmen CIBA. Aber damit noch nicht genug. Als ein Pionier des technischen Fortschritts errichtete er den ersten Hochkamin in Basel. Selbst im hohen Alter erkletterte er das Bauwerk. Er konnte jedoch die Aussicht nicht in vollen Zügen geniessen, da ihn ein Schwindel erfasste. Retter brachten den Firmenchef wieder sicher zur Erde.

Theodor Heuss zu Gast
Nachfahren des erwähnten Firmenchefs, Alexander Clavel und Fanny Clavel-Respinger, publizierten 1957 die beachtliche und interessante Lebensbeschreibung und Hauschronik „Das Buch vom Wenkenhof“. Der in Riehen bei Basel gelegene Landsitz wurde von den beiden mit viel Liebe, Ausdauer und Opfer ausgebaut und verschönert. Der Wenkenhof mit seiner grosszügigen Gartenanlage und Pferdestallungen war zu Lebzeiten der Besitzer immer ein beliebter Treffpunkt berühmter Persönlichkeiten. Zu Gast waren Rainer Maria Rilke, Hugo von Hofmannsthal, die Pariser Künstler Armand Rateau, Jean-Gabriel Domergue und Jean Dunand, ferner Robert Piguet, Erzherzog Eugen, Fürst Franz Josef von Liechtenstein und Bundespräsident Theodor Heuss. Auch Oberst Louis Podhajsky, damaliger Leiter der Spanischen Hofreitschule, kam zweimal bei der Durchreise nach England und Amerika vorbei und führte einige seiner herrlichen Lipizzaner vor. Über die Begegnung mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss berichtete Fanny Clavel-Respinger wie folgt:

„... Bei seinen Aufenthalten in Lörrach, dem Wohnsitz seines Sohnes, weilte er häufig auch in Riehen zu Besuch und kannte daher den Wenken von aussen schon längst, bevor wir ihn einmal, durch Vermittlung unseres Neffen Hans Thieme, baten, im kleinsten Kreise unser Gast zu sein. Professor Heuss nahm die Einladung mit grosser Liebenswürdigkeit an; er erschien mit seinen Angehörigen zum Lunch und äusserte sich mit seiner tiefen, wie eine Orgel tönenden Stimme in ‚heimeligem’ Schwäbisch sehr anerkennend über unser Haus, die Stallung und den Garten. Seine umfassende Bildung, die sich auch im Vertrautsein mit Basler Art und Geschichte äusserte, war ebenso eindrucksvoll, wie seine ungezwungene Menschlichkeit. Damals wurde gerade die Gründung des deutschen Südweststaates durch den Zusammenschluss der Länder Baden und Württemberg lebhaft erörtert, und Professor Heuss bekundete sein Erstaunen über die Haltung der Basler Presse, die lieber das alte Grossherzogtum Baden wieder hergestellt gesehen hätte. Er meinte, die Basler seien doch von den freundschaftlichen Beziehungen zu ihrer nächsten Nachbarschaft, dem Wiesental und Markgräflerland abgesehen, viel enger als mit Nordbaden mit seiner schwäbischen Heimat verbunden, und wusste dafür allerhand Beweise anzuführen, unter anderem die Basler Mission, die sich aus den Pfarrhäusern Württembergs rekrutierte ...“

Italienischer „Aufmarsch“ in Basel
1928 war auch die italienische Equipe für die Olympiade in Amsterdam im Wenkenhof. Als die Offiziere und Mannschaften in Uniform einmal einen Ausritt durch Basel unternahmen, war man bei der Basler Polizei über diesen militärischen Aufmarsch verwundert und bezeichnete ihn als Mussolini-Propaganda. Daraufhin verbot der Polizeichef jeglichen Ausritt ausserhalb des Wenkenhofs.

Sehr temperamentvoll ging es bei einem Frühstück zu. Da gerieten sich der Capitano Borsarelli und Capitano Lequio wegen Meinungsverschiedenheiten in die Haare. Als Worte nicht mehr als Argumente ausreichten, schleuderten sie sich gegenseitig den heissen Espresso ins Gesicht.

Quelle der letzten 3 Episoden : „Das Buch vom Wenkenhof“ von Alexander Clavel und Fanny Clavel-Respinger, Riehen 1957.

Zorniger Vater warf Werkzeug aus dem Fenster
1833 liess sich Christian Messner vom Oberamt Tuttlingen einen Reisepass für Baden und die Schweiz ausstellen, um seine Mundharfen zu verkaufen. Mit der Produktion der Mundharmonika begann der Tüftler bereits Jahre zuvor. Sein Vater war mit dieser Tätigkeit nicht einverstanden, er hätte ihn lieber als Weber gesehen. So kam es vor, dass das Familienoberhaupt öfters das Werkzeug aus dem Fenster warf. Die Zornesausbrüche seines Vaters nützten wenig, er hatte nicht mit dem Dickkopf seines Sohnes gerechnet. Er machte sich selbstständig und nahm mit Johannes Bilger die Produktion auf. Matthias Hohner übernahm später das „Know-how“ und gründete 1857 seine Harmonika-Fabrik. Bald folgten Grossaufträge aus den USA. In einer Festschrift zum 50. Gründungsjubiläum der Firma war zu lesen: „Die Nachfrage aus den Vereinigten Staaten von Amerika war so gross, dass die Fabrik jahrzehntelang fast ausschliesslich für dieses Land beschäftigt war.“

Quelle: „Neckarreise“ von Ehrenfried Kluckert, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1999.

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