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     14. Dezember 2018, 12:11 Uhr
 


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Die Heilkraft der Bäume

Autor: Heinz Scholz

Die Baumheiltherapeuten – es wurden in den letzten 8 Jahren über 100 aus der Schweiz und Deutschland ausgebildet – sind überzeugt, dass die grüne Medizin der Bäume eine Medizin für Körper, Seele und Geist ist. Es ist eine sanfte Heilweise. Das ganzheitliche Heilen erfolgt mit Baum-Elixieren oder mit dem direkten Kontakt von Mensch zu Baum. Die Bäume und Sträucher liefern uns aber auch viele Heilmittel, die in der Phytotherapie, Aromatherapie, Homöopathie eine breite Anwendung finden.

In der Bibel und anderen Glaubensbüchern wird der Baum als Symbol des Lebens, der Gesetze und der Schöpfung bezeichnet. Die tiefe Bedeutung des Baumes (innige Beziehung zwischen Mensch und Baum) wird schon in der altnordischen Liedersammlung „Edda“ aufgeführt. Auch in vielen nordamerikanischen bzw. indianischen Liedern wird der Baum verehrt.

Volksbräuche rund um den Baum
Es gibt zahlreiche Volksbräuche rund um den Baum, die auch heute noch praktiziert werden. Sie dienen dazu, Krankheiten, Unglück, Blitzschlag, Hagel und Feuer von Haus und Hof fernzuhalten. Bei uns im Schwarzwald werden am Palmsonntag so genannte „Palmen“ in die Kirche gebracht und dort geweiht. Die Palmen bestehen meist aus mehreren zusammengebundenen Haselgerten oder Weidenruten, in denen kunstvoll Stechpalmen, Stechpalmenfrüchte, Lebensbaumblätter und Wacholderzweige eingebunden sind. Wer den schönsten Palmen hat, wird Palmkönig. Nach dem Kirchgang wird der Palmen im Garten oder am Haus aufgestellt. Später kommen Zweige in den Stall, auf den Speicher oder in den Herrgottswinkel. Andere Bräuche werden beispielsweise am Frühlingsanfang, an bestimmten Feiertagen und an Erntedank praktiziert.

Früher war es Brauch, einen Baum bei Geburt eines Kindes zu pflanzen. In einigen Ländern wird dieser schöne Brauch heute noch gepflegt. Dazu eine Geschichte: Eine Mutter pflanzte einen Feigenbaum nach der Geburt ihrer Tochter. Der Baum wuchs jedoch sehr kümmerlich. Nach einigen Jahren erkrankte die Tochter. Eine Untersuchung ergab, dass sie schon seit ihrer Geburt die Krankheit in sich trug. Nach einer Behandlung ganas das Kind. Von da an erholte sich auch der Feigenbaum und wuchs kräftig heran. War es Zufall oder die Naturverbundenheit zwischen Mensch und Baum?

Anno dazumal war man der Meinung, die Zwetschge heile die Gelbsucht. So schreibt Paul Guggenbühl in seinem Werk „Unsere einheimischen Nutzhölzer“ augenzwinkernd: Gegen Gelbsucht verschluckte man eine gedörrte Zwetschge, in die man, je nach Landesgegend, 2–7 lebende Läuse gesteckt hat.“

Bei uns im Südschwarzwald war noch bis Ende des 19. Jahrhunderts folgender Brauch üblich: Ein Kranker bohrte einen Erbereschenstamm an und steckte ein mit einem Tropfen Blut versehenes Stück Tuch hinein. Der Betreffende wurde dann von der Krankheit befreit. Wer jedoch das Tuch entfernte, bekam die gleiche Krankheit.

Gichtkranken wurde folgende Empfehlung gegeben: Am Morgen soll der Kranke in den Wald gehen und 3 Tropfen seines Blutes im Spalt einer jungen Fichte versenken. Die Öffnung wird mit Wachs und Honig verschlossen. Dann soll der Kranke sagen: „Guten Morgen Frau Fichte, da bring ich dir die Gichte.“
Damals waren die Menschen überzeugt, dass man bestimmte Krankheiten auf Bäume und Pflanzen übertragen könne. In anderen Gegenden hatte man Vertrauen zu seinem Baum. So schrieben Kranke ihr Leiden auf einen Zettel, faltete diesen zusammen und steckte ihn in einen Spalt oder in ein gebohrtes Loch des Baumes.

Bäume als Kraftspender
Bäume können Kraftspender und Krafträuber sein. Als Kraftspender wird besonders die Eiche genannt. In der Türkei gilt beispielsweise der Walnussbaum als Lebenskrafträuber.

„Welcher Baum Kraftspender oder aber Krafträuber ist, ist vom einzelnen Menschen abhängig. So kann auch eine Eiche zum Krafträuber werden, wenn sie missbraucht wird. Im Grunde lässt sich das ganz einfach ausdrücken: Jede Eigenschaft oder Wirkung hat eine ihr entgegengesetzte Wirkung“, so René A. Strassmann in seiner „Baumheilkunde“.

Des weitern betont er, dass man nicht unbedingt Pflanzenteile verarbeiten muss, da die Baumheilkunde mit dem lebenden Wesen des Baumes heilt. „Sie heilt mit der Kraft, die den Baum zu dem wachsen lässt, was er ist.“ Der Autor betont, man solle durchaus auch eine Zwiesprache mit dem Baum halten.

René A. Strassmann empfiehlt folgende Vorgehensweise: Man geht zu seinem Baum. Die Fussspitzen berühren den Stamm und die Arme umfassen den Baum. Wichtig ist, dass man sich unbeobachet fühlt und nicht unter einem inneren und äusseren Druck steht. Der Baum wird dann ganz langsam wahrgenommen. „Als Lebewesen vermittelt er uns Kraft, Stille, Ruhe, Sammlung, aber auch Traurigkeit, Melancholie, alte Erinnerungen, Sorgen und Hoffnungen ... Sein Vermitteln erleben wir im grobstofflichen Organismus als Heilungsprozess“, so der Baumheilkunde-Therapeut. Man kann auch den Kontakt durch einfaches Berühren eines Astes, Blattes oder einer Blüte herstellen. Dies ist besonders bei Sträuchern und Krautpflanzen der Fall. Er empfiehlt auch einen „Sonnentee“ (Teile des Baumes werden in Wasser gelegt und den Sonnenstrahlen ausgesetzt, dann wird dieser Auszug getrunken).

Beobachtungen einer Kräuterfrau
Marlene Müller aus Ibach im südlichen Schwarzwald hat sich mit Leib und Seele den Heilkräutern verschrieben. Seit 25 Jahren vermittelt sie in Kursen der Volkshochschule und in Kneipp-Vereinen und in Seminaren in ihrem Haus „Tannenhof“ die Heilwirkungen von Heil-, Wild- und Küchenkräutern. Sie befasst sich auch mit der Baumheilkunde und Pflanzenmeditation.

„Geht zu einem Baum oder Strauch, zu dem ihr euch hingezogen fühlt“, sagt sie immer zu ihren Gästen zu Beginn einer Exkursion. Die Teilnehmer gehen zu „ihrem“ Baum oder sammeln unbewusst Kräuter, die ihrem Charakter entsprechen.

Marlene Müller machte erstaunliche Beobachtungen. So fühlen sich Menschen zu einer Espe hingezogen, die nervös und schreckhaft sind, während geschwächte Personen mit schwachen Nerven oder Atembeschwerden die Fichte oder Tanne bevorzugen. Die Fichte oder Tanne bewirkt Ruhe und Ausgeglichenheit. Unruhige und gehetzte Menschen bevorzugen die Linde. Immer wieder schildern Kursteilnehmer die Wirkungen der Linde so: „Wenn ich unter einem Lindenbaum sitze, dann kann ich wieder klar denken und verspüre schon nach kurzer Zeit eine beruhigende Wirkung.“

Wer unter Gicht und Wasserverhaltung leidet, der fühlt sich zur Erle hingezogen, da die Erle bei diesen Krankheiten gute Heileigenschaften zeigt. Geschwächte gehen gerne unter die stärkende und regenerationsfähige Eiche.

Auch bei anderen Pflanzen liegen der Expertin schon einige interessante Beobachtungen vor. Die Teilnehmer bekommen die Aufgabe, die Pflanzen zu sammeln, zu denen sie sich hingezogen fühlen. So bevorzugen Menschen, die geistig sehr rege sind, hochwachsende Pflanzen mit lila Blüten (z. B. Storchenschnabel, Wald-Weidenröschen). Leute, die sich übergangen fühlen und sehr schnell neidisch („gallig“) werden, zieht es zu gelben Blüten. Wer überwiegend Grünes (Blätter) sammelt, der hat ein ausgeglichenes Wesen.

Rat für jähzornige Menschen
Pauline Felder ist eine im schweizerischen Mittelland bekannte und auch originelle Naturheilerin. Sie ordnete in ihrer Auflistung „Von der Heilkraft unserer Bäume“ dem Zwetschgenholz beruhigende Kräfte zu und rät jähzornigen Menschen, Zwetschgenbäume zu umarmen.

Sebastian Kneipp empfahl in seinem Buch „So sollt ihr leben!“ Menschen mit schwachen Lungen und solchen, die berufsmässig viel sprechen müssen, eine Lungengymnastik und Spaziergänge. „Man bleibe unterwegs einige Minuten stehen und ziehe ganz langsam, tief Atem holend, die frische Luft ein, halte sie ein wenig in den Lungen zurück und atme sie dann ebenso langsam wieder aus. Am günstigsten geschieht dieses in einem Walde, besonders in einem Fichtenwalde...“

Der Schweizer Heilpflanzenexperte Bruno Vonarburg schrieb in seinem Buch „Natürlich gesund mit Heilpflanzen“ seine Erfahrungen mit Bäumen so: „Jedesmal, wenn Trübsal in mein Haus einkehrt, wenn ich es manchmal nicht mehr aushalte und die Decke über dem Kopf zusammenbricht, mache ich mich frei, gehe in das Grün der Wälder und bringe frische Luft in das wunde Herz, lasse Sonne in die trüben Gedanken hineinscheinen ... Das schweigende Paradies schenkt mir Ruhe, Erholung, Besinnlichkeit, es weckt in mir die Inspiration und die Lebensfreude.“

Über die Tanne bemerkte Vonarburg Folgendes: „Im Tannenbaum steckt Atem, Wärme, Ruhe und Besinnlichkeit, aber auch grosse Heilkräfte für die körperliche Gesundheit des Menschen.“

Der Schweizer Journalist Walter Hess teilte mir mit, dass er eine starke Beziehung zu Bäumen habe. „Der Anblick und auch das Anfassen von Bäumen tut mir gut, gibt Gelassenheit, vermittelt Ruhe – es sind auch Inspirationsquellen.“

Eine Frau aus meinem Bekanntenkreis äusserte, sie habe zwar keine Heilerfahrungen mit Bäumen, aber sie bewundert diese starken Gewächse. Sie meint, Bäume bringen ihr Wohlbefinden und Entspannung und sie hat ein Gefühl mit Freunden zusammen zu sein. „Sie machen uns vor, was Leben ist. Ihr Aufwachsen und allen Stürmen und Anfechtungen Stand zu halten, ist Vorbild für mich.“

Er biss in den Pfirsich-Ast
Als sich ein Arbeitnehmer über seine Firma ärgerte, meinte er, er müsse wahrscheinlich in Zukunft ein altes chinesisches Mittel einnehmen, nämlich Pfirsichbaumrinde. Diese helfe gegen Wutausbrüche. Da er noch einige Jahre bis zur Pensionierung in der hektischen und manchmal unmenschlichen Arbeitswelt verbringen muss, entschloss er sich , einen Pfirsichbaum in seinen Garten zu pflanzen. „Immer, wenn ich wütend bin, gehe ich dann in den Garten und beisse in den Pfirsichast“, meinte der gestresste Arbeitnehmer.

Ruhige Frau, verträglicher Chef
Ein weiteres Beispiel, wie Bestandteile von Bäumen und Sträucher eine Heilwirkung entfalten, führte Walther Schoenenberger in seinen Schriften auf: Eine 35-jährige Frau, berufstätig, 2 Kinder, kommt völlig aufgelöst in die Praxis. Sie ist mit den Nerven völlig am Ende. Die Patientin ist mit der Doppelbelastung Hausfrau und Beruf überfordert. Die Frau ist für Mann und Kinder unausstehlich. Die Ärztin verordnet Weissdorn- und Johanniskrautsaft. Schon nach kurzer Zeit ist die Frau ruhiger und ausgeglichener.

Auch ihr Ehemann hat Probleme – nicht mit seiner Angetrauten, sondern mit seinem unausstehlichen Chef. Als der Vorgesetzte ihn eines Tages wieder anschreit, platzt ihm der Kragen. Und er schreit zurück: „Nehmen Sie Weissdornsaft, damit Sie endlich wieder ein Mensch sind!“ Eisiges Schweigen folgte diesem Gefühlsausbruch. Der Chef jedoch befolgte den Rat und siehe da, er wurde verträglicher.

Auch Tiere begeben sich zu Bäumen
Von Tieren kann man eine ganze Menge lernen. Wenn sie sich unwohl fühlen, gehen sie zu bestimmten Pflanzen oder Bäumen. So legten sich beispielsweise Kühe, die Gliederbeschwerden hatten, in Hahnenfuss und verwundete Gemsen wälzten sich in Alpenwegerich.

Eine ehemalige Arbeitskollegin berichtete mir auch Erstaunliches: Immer wenn sich ihr Hund den Magen verdorben hatte, ging er zu einem Thujabaum und nagte an den schuppenartigen Blättern. Kurze Zeit später musste er erbrechen und es ging ihm bald darauf wieder gut.

René A. Strassmann erwähnt in seiner „Baumheilkunde“ Interessantes zur kraftspendenden Eiche. Eine Bäuerin erzählte dem Autor von der Heilwirkung einer Eiche, die in der Nähe ihres Bauernhofes wuchs. Wenn immer sich Tiere nicht wohlfühlten, gingen sie zu dieser Eiche. Als die Bäuerin selbst erkrankte, dachte sie sich: „Was den Tieren gut tut, wird auch mir nicht schaden.“ Sie ging zum Baum und bald verspürte sie eine Besserung ihres von der Krankheit geschwächten Körpers.

Nach diesen Erfahrungen möchte ich auf die Heilwirkungen einiger Bäume eingehen. Aus Platzgründen beschränke ich mich auf die naturwissenschaftliche Beschreibung der Heilwirkung und die baumheilkundliche Anwendung. Es gibt jedoch noch ganz andere Anwendungen wie die esoterische, kosmetische, pflanzenastrologische, volksheilkundliche. Verordnet werden auch so genannte Blütenessenzen (Bach-Blüten-Therapie) und Baum-Elixiere. Das Ganzheitliche Heilen mit diesen Baum-Elixieren wurde in der ARD-„Fliege“-Sendung im April 2005 vorgestellt (Infos unter: www.joyedition.com).

Apfelbaum
Der Apfel ist der „König der Früchte“ und erfreut sich bei jung und alt, bei Gesunden und Kranken einer immer grösser werdenden Popularität. Äpfel vermögen nicht nur den Appetit zu steigern, sondern Durchfälle (geriebene Äpfel) und Wasseransammlungen zu beseitigen, Cholesterin zu senken, Harnsäure abzutransportieren. Apfeltage eignen sich vorzüglich im Rahmen einer Diät zur Gewichtsreduktion.

Baumheilkundliche Anwendung: Der Apfelbaum wirkt sanft und vermittelt ein Gefühl der Fröhlichkeit und Jugendlichkeit. Gerade Menschen, die ihn nötig haben, meiden ihn. Es sind depressive und verbitterte Menschen. Er wird empfohlen bei Hautschwellungen, Geschwüren und Arterienverkalkungen.

Birke
Die Birke zählt heute zu den besten wassertreibenden Mitteln (Diuretica), die wir kennen. Die Förderung der Harnausscheidung geht ohne Reizung der Nieren vonstatten. Äusserlich wird Birkensaft oder Teer aus Birkenholz in Form von Salben bei Rheuma, Schrunden, Hautentzündungen, Hornhaut, Ekzemen, Flechten angewandt. In der Tiermedizin bei Räude, Hautschäden und Huffäule. Birkenwasser ist auch ein Mittel gegen Schuppen und Haarausfall.

Baumheilkundliche Anwendung: Immer wenn ich Birkenbäume sehe, freue ich mich und ich habe das Gefühl, es kommt Licht in meine Seele. Wer nervös oder infolge bitterer Enttäuschung lethargisch und unbeweglich ist, sollte zur Birke gehen. Laut René A. Strassmann entspannt die Birke und beruhigt die Nerven, ausserdem bringt sie wieder Beweglichkeit und Nachgiebigkeit zurück.

Eiche
Die Abkochung von Eichenrinde ist ein uraltes Heilmittel. Schon die alten Germanen verwendeten Buchenlaugen- und Eichenlohbäder. Sebastian Kneipp verordnete Umschläge oder Sitzbäder bei Mastdarmfisteln und Mastdarmvorfall.

Innerlich wird die Eichenrindenabkochung bei Durchfallerkrankungen verordnet und äusserlich in Form von Bädern und Umschlägen bei Frostbeulen, Analfissuren und Weissfluss und als Fuss- und Handbad bei Schweissfüssen und Schweisshänden.

Baumheilkundliche Anwendung: Die Eiche wird zur Stärkung eines geschwächten Körpers empfohlen. Erst kürzlich hörte ich von einer Bekannten Folgendes: Immer, wenn sie sich nach einer Krankheit oder Arbeitsüberlastung müde fühlt, geht sie zu einer Eiche und umarmt diese. Schon nach kurzer Zeit verspürt sie eine Kraft in ihren Körper aufsteigen, dass sie es kaum glauben mag.

Feigenbaum
Die Früchte des Feigenbaums wirken besonders gut bei chronischer Verstopfung.

Baumheilkundliche Anwendung: Der Feigenbaum ist besonders nervösen, überspannten und gereizten Menschen ans Herz zu legen. Der Baum kühlt, bringt Ruhe und Entspannung in den gereizten Körper.

Fichte und Tanne
Heute werden Extrakte von Koniferensprossen (Koniferen sind Nadelhölzer) hauptsächlich zur Linderung von Erkältungskrankheiten, Husten, Heiserkeit und als Einreibemittel bei Rheuma und Nervenschmerzen gebraucht.

Baumheilkundliche Anwendung: Wer unruhig, nervös und angespannt ist, sollte zu einer Fichte oder Tanne gehen. Er wird dann ruhig und ausgeglichen. Sie reinigen aber auch die Atemwege und stärken die Lungen. Strassmann betont, dass der alleinige Aufenthalt bei diesen Bäumen einen durchblutungsfördernden und nervenstärkenden Effekt bewirkt.

Holunder
Schon der griechische Arzt Hippokrates rühmte den Holunder als abführendes, schweisstreibendes Frauenmittel. Heute wird der Holunderblütentee verordnet bei fieberhaften Erkältungskrankheiten (Schwitzkur; oft in Kombination mit Lindenblüten). Sirup, Saft oder Mus wird gerne genommen zur Blut- und Darmreinigung. Es sind Kombinationsmittel im Handel, die bei akuten und chronischen Entzündungen der Nasennebenhöhlen zur Anwendung kommen.

Baumheilkundliche Anwendung: Wer jähzornig ist sollte einen Holunderbusch aufsuchen, da dieser besänftigend und kühlend wirkt. Er wird auch für Menschen empfohlen, die häufig mit Erkältungskrankheiten zu tun haben.

Kirschbaum
Das saftreiche Fruchtfleisch der Kirsche fördert die Verdauung, den Appetit, hilft beim Abnehmen und strafft eine zu schlaffe Haut. Der Tee aus Kirschenstielen wirkt entzündungshemmend, harntreibend und säureausscheidend. Dr. Eduard Hiepe, ehemaliger Stadtapotheker aus Zell im Wiesental (südlicher Schwarzwald), „fürchtete“ die Kirschenzeit. Er meinte, die Kirschenzeit sei schlecht fürs Geschäft. Warum? Nun, wenn die Leute viel Kirschen essen, dann haben sie weniger Beschwerden und machen um Apotheken einen grossen Bogen.

Baumheilkundliche Anwendung: Wer griesgrämig und traurig ist, der sollte einen Kirschbaum aufsuchen. Dieser Baum bringt Fröhlichkeit, stärkt Herz und Kreislauf.

Linde
Arzneilich wird die Lindenholzkohle bei Blähungen, Darmkatarrhen infolge Vergiftungen oder Infektionen verwendet. Der Tee ist sehr beliebt bei Husten, Katarrhen der Atemwege, bei fieberhaften Erkältungskrankheiten, bei denen eine Schwitzkur angebracht ist, bei Krampfzuständen des Magens und Darms, Nervosität, Schlafstörungen bei Kindern.

Baumheilkundliche Anwendung: Die Linde ist besonders gehetzten, unruhigen und unkonzentrierten Menschen zu empfehlen. Wer sich einige Minuten unter einen Lindenbaum setzt, der verspürt eine Beruhigung.

Rosskastanie
Arzneilich kommen Tinkturen und Salben bei Krampfadern, Ödemen, Wadenkrämpfen, Juckreiz, Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen, aber auch bei Unterschenkelgeschwüren, Venenstauungen, Venenentzündung, Hämorrhoiden, Couperose, Schwellungen und Verletzungen zur Anwendung.

Baumheilkundliche Anwedung: René A. Strassmann hat herausgefunden, dass das Aufsuchen solcher Bäume „zur Auseinandersetzung mit sich selbst“ führt. Sie vermitteln eine stille und angenehme Ruhe und entfalten eine nervenstärkende Ausstrahlung.

Wacholder
Beeren, Tee und Teepräparate werden gegeben bei Appetitmangel, Aufstossen, Völlegefühl und Sodbrennen. Auch bei Rheuma ist Wacholder – innerlich und äusserlich verabreicht − hilfreich. Wacholderöl wird bei rheumatischen Beschwerden mehrmals täglich eingerieben, und zwar auf dem warmen Gelenk oder Muskel, wie Prof. med. Volker Fintelmann betont. Die Wirkung ist dann effektiver.

Baumheilkundliche Anwendung: Empfohlen für Menschen, die den „Boden unter den Füssen verloren haben“, aber auch für solche mit Durchblutungsstörungen, kalten Gliedmassen und mit einer schlechten Verdauung.

Weide
Fertigarzneimittel mit Weidenrindenextrakt werden verordnet bei rheumatischen Beschwerden, fieberhaften Erkrankungen und Kopfschmerzen. In der Volksheilkunde kommen Umschläge, Bäder, Pflaster und Salben mit dem Extrakt bei neuralgischen und rheumatischen Schmerzen, bei Entzündungen, Hauterkrankungen und Fussschweiss zur Anwendung.

Baumheilkundliche Anwendung: Wer wütend und unausgeglichen ist, der sollte die kühlende und erfrischende Weide aufsuchen. Auch Gicht- und Rheumaleidende und Frauen mit starken Menstruationsbeschwerden suchen Hilfe unter einer Weide.

Fazit
Den Baumheiltherapeuten gebührt aufrichtiger Dank, da sie alte Weisheiten und altes Wissen wieder aus der Vergangenheit geholt und neue Erkenntnisse dazu gewonnen haben. Inzwischen liegen schon viele Erfahrungsberichte und Heilerfolge mit der „grünen Medizin“ vor. Wie wir gesehen haben, sollten wir froh sein, dass es so herrliche Gewächse wie die Bäume und Sträucher gibt, die unsere Gesundheit erhalten und Kranke wieder auf die Beine bringen.

Buchhinweis
René A. Strassmann: „Baumheilkunde“ (Begegnungen und Erfahrungen mit den Heilkräften der Bäume), AT Verlag, Aarau 1994.

Anmerkung: Diese Arbeit wurde im „Kneipp-Journal“ (2006-05) publiziert.

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