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Was hat es mit dem Humboldtstrom auf sich?

Ich interessiere mich für alle Aspekte der Geografie und wollte Sie schon lange fragen, was es eigentlich mit dem Humboldtstrom auf sich hat. Wie entsteht er eigentlich?
Nelly Knechtli*, CH-5023 Biberstein AG

Antwort: Der Humboldtstrom, der auch als Perustrom bezeichnet wird, ist eine nordwärts gerichtete Oberflächenströmung im Pazifischen Ozean vor den Küsten Chiles und Perus. Er transportiert kaltes und sehr nährstoffhaltiges Wasser aus dem Bereich der Antarktis der südamerikanischen Westküste entlang. Vor Chile und Peru bewirkt er einen grossen Fischreichtum; auch Meeresfrüchte aller Art finden dort günstige Bedingungen. Seinen Namen hat der Strom im Meer von Alexander Freiherr von Humboldt, der von 1769 bis 1859 in Berlin lebte, wenn er nicht gerade auf einer seiner grossen Reisen war. Der Naturforscher und Geograf erlangte durch seine auf Exkursionen gewonnenen Erkenntnisse Weltgeltung. Er schuf sogar neue Wissenszweige: Vulkanismus, Erdmagnetismus und Pflanzengeografie.

Für das Funktionieren des Humboldtstroms, der laut "Meyers Enzyklopädischem Lexikon" etwa 15 Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde bewegt, sind vorerst einmal die Westpassatwinde im Äquatorbereich zuständig. Sie treiben das an der Meeresoberfläche von der Sonne leicht erwärmte, ursprünglich eiskalte Wasser zuerst der südamerikanischen Westküste entlang und etwa auf Äquatorhöhe, von Äquatorialströmen (wie dem Äquatorial-Gegenstrom und dem Nord-Äquatorialstrom) abgedrängt, gegen Westen in Richtung der indonesischen Inselwelt. Ab jetzt wird der Humboldtstrom zum Süd-Äquatorialstrom. Unterwegs nach Südasien steigt die mit Verdunstungswasser gesättigte Luft auf, und es kommt häufig zu Regenschauern. Fast kreisförmig im Gegenuhrzeigersinn zirkuliert die Luft wieder zurück gegen Südamerika (Antarktisgebiet, Chile, Peru). Sie kühlt dabei ab, senkt sich zur Meeresoberfläche und treibt erneut von der Sonne leicht erwärmtes Oberflächenwasser und auch aus tieferen Schichten aufsteigendes kaltes Wasser aus der Antarktis der südamerikanischen Westküste entlang und dann wieder nach Westen gegen Indonesien, ein ewiger Kreislauf, von dem der Humboldtstrom nur ein Segment ist – ein Kreislauf, der auch Auswirkungen auf das meteorologische Geschehen rund um den Erdball hat.

Vor der peruanischen Küste beträgt die Wassertemperatur vielfach nur um 14°C, ein Umstand, der das Klima der Küstengebiete (viele Wüsten) beeinflusst und zu häufigen Nebelbildungen führt. Die Schwankungen der Oberflächentemperaturen des tropischen Pazifik bewirken u.a. auch das El-Niño-Phänomen (übersetzt: "das Christkind"), das in unregelmässigen Abständen jeweils um die Weihnachtszeit auftritt. Das Phänomen ist alle 2 bis 7 Jahre zu beobachten und kann 3 bis 4 Jahre andauern. In Mittelamerika und Ecuador sowie Peru kommt es dann zu ausgedehnten Trockenheiten.

Aber das ist eher schulbuchmässig vereinfachend dargestellt. In der Wirklichkeit ist alles unheimlich komplex. Wie die Wetterprognosen lehren, haben wir noch immer keine grosse Ahnung vom klimatischen Geschehen, unter anderem auch, weil es ebenfalls vom Weltraumwetter beeinflusst wird.

Eigentlich tröstlich, dass die Menschheit noch nicht alles fest im Griff hat.

W.H.

*PS.: Die Fragestellerin, Nelly Knechtli, stellte mir ihre Frage mündlich am 22. Juni 2002, 2 Tage nach ihrem 80. Geburtstag, bei einem Schwatz in unserem Garten. Weil sie aktiv geblieben ist, sich geistig und körperlich bewegt, dem Humboldtstrom nicht unähnlich, sind nicht Arztpraxen-Historien und Krankengeschichten ihr Lebensinhalt. Sie lebt heute allein, ist gesund, besucht Kurse der Senioren-Hochschule in Zürich, besorgt ihr Haus und ihren Garten vorbildlich: Ein Vorbild für ein mit Aktivitäten bereichertes Alter, fürwahr. Es ist motivierend und stimmt zuversichtlich, solche Nachbarn um sich zu wissen. Nelly Knechtli ist ein seltenes Kunststück gelungen: Sie hat ihr Leben fest im Griff und kennt keine Langeweile.

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