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BLOG vom 03.01.2005


So sind sie, die Engländer ... heute

Autor: Emil Baschnonga

Ein Auslandschweizer gerät oft in Zwiespalt. Greift etwa jemand in England die Schweiz an, verteidige ich mein Land notfalls mit der Hellebarde. In der Schweiz hingegen lobe ich England über alles. Dort ist plötzlich vieles viel besser als in der Schweiz ... Hier ist England mein Prügelknabe geworden, ganz einfach, weil ich jetzt in London bin.

Einst wurden Hosenträger mit dem Hosenbandorden ausgezeichnet. Heute wird jeder der Hose entquellende Bierbauch ausgezeichnet.

Von Kriegsbeinen auf in die nächste Schlacht: Fallbeispiel Irak.

Des Engländers Geographiekenntnisse reichen kaum über den Ärmelkanal hinweg. Sie kommen besser auf der anderen Seite des Atlantiks zurecht − als Anhängsel der Vereinigten Staaten.

Vor Bildung hat der Engländer einen Heidenrespekt, der an Einbildung grenzt.

Früher war England die Nation der “shopkeepers”; heute ist es die Nation der Immobilienmakler.

Der englische Neu-Neandertaler mit kurzgeschorenem Stiernacken ist heute zum Preisbullen erkoren. Das “bullying” (Einschüchtern, Tyrannisieren) nimmt folglich kein Ende.

“Stiff upper lip?” (Haltung bewahren). Damit wird jeder Unfug in Kauf genommen, begonnen bei übersetzten Preisen.

Erziehung ist inzwischen unbezahlbar geworden. Der Student wird mit einem Schuldenberg von rund £ 20 000 in die Arbeitslosigkeit entlassen.

Soviel Radau, soviel Krawall − einzig der Fussballspiele wegen!

Wie viel Menschenfracht lässt sich in die U-Bahn stopfen?

Wenn weniger Züge fahren, erhöht sich die Pünktlichkeit. Wahrlich, damit hat das Transportministerium Recht. Bald wird kein Zug mehr fahren, um 100 % Zuverlässigkeit zu erreichen.

Schnee oder nasses Laub genügt nicht mehr als faule Ausrede. Heute blendet das grelle Sonnenlicht den Zugführer so sehr, dass er auf der Strecke bleibt.

Wie wird man heute in England eine Persönlichkeit – eine so genannte „celebrity“ in der Politik oder sonstwo? Skandale braucht es und einige Semester im Gefängnis. “It really beggars belief” (…“nicht zu glauben”).

Wo entfalten sich in England die sozialen Vorzüge? In der Vorortsbahn hinter der „Financial Times“.
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