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BLOG vom 14.11.2006


EU-Wohlfahrt für Hilfsbedürftige: Zuerst sind wir dran ...
Autor: Emil Baschnonga, London
 
70 Mitglieder des Europäischen Parlaments, unter den Fittichen von Glenys Kinnock (www.glenyskinnock.org.uk), werden tolle Ferien in Barbados verbringen. Dort im exklusiven „Colony Club“ werden sie sich im wahrsten Sinn übers Thema Armut in der „Dritten Welt“ unterhalten.
 
Dieser Spass kostet die Steuerzahler rund £ 300 000 (rund 720 000 CHF). Die Zimmerpreise schwanken zwischen $ 357 und $ 657 pro Nacht. Zum Auftakt geniessen die Teilnehmer eine 4-stündige Kreuzfahrt mit dem „Harbour Master“. Diesem Schiff wird die längste Bar in der Karibik nachgesagt. Mit zum Programm gehören Besuche einer Rum-Brennerei, zum „8. Weltwunder“, die lange „limestone cavern“ (Kalkstein-Höhle) für die Frauen der Parlamentarier. Ein Gala-Empfang mit Tänzern und Calypso-Gesang gehören dazu. Obendrein erhalten die Parlamentarier einen Kostenbeitrag von £ 90 pro Tag, wiewohl dieser 5-tägige Ferienaufenthalt voll und ganz aus der öffentlichen Kasse bezahlt wird. Erfreulich für die Beteiligten: Derartige Anlässe finden 2 Mal im Jahr statt.
 
England ist voller wohltätiger Institutionen. Tagtäglich erhalten wir Prospekte und Briefe von ihnen, die zu Spenden auffordern. Es ist nicht ungewöhnlich, dass nur 10 % der Spenden die Bedürftigen erreichen. Der Rest geht auf Kosten der Administration. Diese ist sehr grosszügig und weitläufig definiert, damit die Wohltäter nicht darben müssen.
 
Jetzt, wo der Weihnachtstrubel beginnt und bis ins neue Jahr anhält, werden die privaten finanziellen Institutionen und Weltfirmen aus vollen Scheffeln nicht nur Gratifikationen – astronomische Beträge – an die Geschäftsleitung und „Top Performers“ verteilen, die Auserwählten zu Banketten geladen, wo Champagner wie Wasser fliesst und Kaviar mit der Suppenkelle geschöpft wird. Diese „fetten Katzen“ kommen zu ihrem Kater nach solcher Völlerei. Es ist zum Kotzen. Erst jetzt melden sich kritische Stimmen, sogar auf der Seite der britischen Regierung, solchen Unfug einzudämmen. Aber inzwischen ist die Party noch längst nicht vorbei.
 
Ab 1. Oktober 2006 wurde in England der Mindestlohn pro Stunde von £ 5,05 auf £ 5,35 erhöht. Die Empfänger solcher Schundlöhne können nur leer schlucken. Auch der Mittelstand wird von finanziellen Sorgen immer ärger bedrängt. Selbst wenn Eltern ihre Kinder in die staatlichen Schulen (in England keineswegs empfehlenswert) schicken, kostet nach letzten Studien ein Kind von der Geburt bis zum 21. Lebensjahr £ 180 100. Geniessen sie eine private Erziehung, klettern die Ausgaben auf £ 251 200, in den „Boarding Schools“ (mit Kost und Logis) sogar auf £ 310 600. Umgerechnet sind das jährlich zwischen £ 8776 und £ 14 790 pro Kind. Diese Ausgaben sind prozentual noch rasanter hochgeschnellt als die horrenden Hauspreise. Hinzu kommen kaum tragbare Steuern aller Art, Hypotheken (neuerdings bis 5 Mal das Jahreseinkommen), Beiträge an private Krankenkassen, weil das NHS (National Health Service) haushoch verschuldet ist und Krankenschwestern und Ärzte entlässt. Das Haushaltbudget schmilzt weg, selbst für jene Eltern mit einem Jahreseinkommen von £ 50 000. Die Kinder wollen natürlich mithalten und messen sich mit anderen, reicheren: Ein Handy, ein eigener Fernsehapparat, Labtops, DVDs, exotische Ferien usf. werden als selbstverständlich hingenommen. Die Schulden türmen sich. Eltern, die nicht den Riegel schieben, leben auf Borg, bis der Pfändungsbeamte kommt.
 
Indessen darbt nicht nur die so genannte 3. Welt draussen, sondern selbst im eigenen Land. Kein Schuldgefühl lastet auf dem Gewissen der Euro-Parlamentarier, geschweige denn auf jenem mit dem Wolkenkratzer-Einkommen.
 
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