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BLOG vom 03.01.2006


Fitzebutze: Wann reisst Hampelmanns Geduldsfaden?
Autor: Emil Baschnonga
 
Der Hampelmann beschwört Kindheitserinnerungen herauf: „Ich bin ein kleiner Hampelmann, der Arm und Beine bewegen kann. Man hängt mich immer an die Wand, und zieht an einem langen Band.“
*
Eines Tages reisst sogar des Hampelmanns Geduld. Ein kleiner Bengel hat viel zu kräftig am Band gezogen. Sein Geduldsfaden ist zerrissen, und schlaff hängen des Hampelmanns Arme und Beine am Leib.
*
Die Welt ist bis auf wenige Ausnahmen zum Hampelmann der USA geworden. Wann reisst diesem Hampelmann endlich die Geduld?
*
Was kann man nicht alles aus einem Hampelmann machen? Wenn es das nicht schon gäbe, würde ich den Hampelmann zum Zapfenzieher umbauen und patentieren, und ihm erst noch eine Hampelfrau geben.
*
Ein Hampelmann mit Ambitionen wird zur Marionette.
*
Gott wird gern als Hampelmann behandelt, doch er bewegt sich selten – trotz aller Gebete.
*
Ungesehen hausen viele Hampelmänner im Gehirn der Ja-Sager.
*
Jeder Hampelmann ist ersetzbar. Mögen sich dies gewisse Politiker hinter die Ohren schreiben.
*
Als Hampelmann kommt man nicht vorwärts, auch seitlich nicht.
*
Inzwischen ist mein Hampelmann böse auf mich geworden. „Dass du mir einen Kinderreim beigibst, das will ich noch hinnehmen …“, schnaubte er, „aber meinen guten Ruf lasse ich nicht durch den Dreck ziehen. Erst noch ein Hampelmann der USA genannt zu werden! Das ist wirklich degradierend und unverschämt“, hampelte er aufgebracht. „Was bildest du dir ein? Das ist doch kein Benehmen! Ohne Hampelmann hättest du nicht einmal etwas ...“, er war derart aufgeregt, dass er im Satz stecken blieb, „ … zu schreiben“, beschloss er ihn.
 
Da kriegte ich Angst. „Ich weiss, ich weiss“, lenkte ich ein, denn ich wollte es nicht mit ihm verderben. Ich musste ihn beschwichtigen und ihm ein Trostpflästerchen verabreichen. Also suchte ich nach einem Vers, der ihm Ehre antut. Leider fand ich keinen. Vom Streit herbeigelockt, erscheint Detta und singt dem Hampelmann ein Liedchen vor:
Fitzebutze
Lieber, ssöner Hampelmann!
fing die kleine Detta an;
ich bin dhoss und du bist tlein,
willst du Fitzebutze sein?
Tomm!
(von Richard Dehmel)
Detta nimmt ihn in die Arme und tanzt. Vergnügt strampelt mein Hampelmann und tanzt mit.
 
Hinweis auf weitere feuilletonistische Blogs von Emil Baschnonga
29. 12. 2005: „Zeitmangel, wenn ein Jahr das Zeitliche segnet“
23. 12. 2005: „Eine Weihnachtsgeschichte: Das Bistro ,Zum Déjeuner’“
19. 11. 2005: „Londons königliche Parade – ein Blog aus der Vorzeit“
31. 10. 2005: „Die Gletschermilch und das Verhältnis zum Schutzengel“
30. 10. 2005: „Wie Mann heute zur Frau kommt – und umgekehrt“
25. 10. 2005: „Jüngstes Gericht: Hat das Lichterlöschen begonnen?”
22. 10. 2005: „Delete im Kopf: Gedächtnisschwund, Erinnerungslücken“
16. 10. 2005: „Le Passe-muraille: Luftschlösser sind gratis zu haben”
25. 09. 2005: „Gedanken über Wagnisse, Reflexe und Reflexionen“
06. 09. 2005: „Vom Lausbuben zum nützlichen Glied der Gesellschaft“
04. 09. 2005: „Bitte verirren Sie sich nicht: Unterwegs zur Lebensfreude“
28. 08. 2005: „Gute Geister fällig: Zurück zu Druden, Elfen, Gnomen“
19. 08. 2005: „Heimlich, still und leise: Philosophien über Furzideen“
02. 07. 2005: „Bitte wieder ein bisschen mehr Charles Dickens!“
21. 05. 2005: „Die Bedeutung von Schabernack, Musse und Spiel“
16. 05. 2005: „Schildbürger: Ist dumm gestellt = gescheiter gefahren?“
11. 05. 2005: „Zur Toleranz: Wo ein Wille ist, ist ein Weg, mein Weg“
26. 04. 2005: „Kurze und lange Lebensspannen: Stiche und Streiche“
22. 02. 2005: „Pilger-Irrfahrten der Sonnenanbeter nach Süden“
18. 01. 2005: „Verständnis für den alten Henry“
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