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BLOG vom 22.01.2006


Londoner Depeschen: Wale, Wahlen und die Folgen
Autor: Emil Baschnonga
 
Der verzweifelte Nördliche Entenwal, der sich am Wochenende in die Themse verirrt hatte, hatte Stress. Und die Helfer auch. Mit Hilfe eines aufblasbaren Pontons und einer Barke konnte er meerwärts transportiert werden, eine zirkusreife Nummer. Die Battersea-Brücke diente beim Verlad als Tribüne. Die Londoner zeigten sich tierliebend, taten manchmal fast zu viel des Guten. Der Wahl starb am gestrigen Samstagabend, 21. Januar 2006, leider auf dem Weg zum Meer. Es war zu viel für ihn. Ein kleinerer, desorientierter Wal starb ebenfalls.
 
Respektverlust
Zu viel ist auch, was einzelne Politiker manchmal bieten. George Galloway, Führer der englischen Respekt-Partei und Gewinner im heiss umstrittenen Wahlkampf (nicht: Walkampf) um den Londoner Bethnal Green Bezirk, hat allen Respekt verloren, ausser bei jenen, die ihren Spass am „Reality TV“ haben. Dort beugte er sich über den Schoss der TV-Hostesse und spielte die Milch leckende Katze und miaute dabei fortwährend. Dieser Vorfall hat ausgiebig die Runde in der Presse gemacht. So tief sinken Wale nie.
 
Das mag ja noch hingehen, denn die Engländer haben immerhin noch eine gewisse Schwäche für solche Käuze. Weniger verzeihbar ist, dass er seine Pflichten als „Member of Parliament“ arg vernachlässigte.
 
Schlimmer noch ist, dass Galloway im Durchschnitt für jede seiner wenigen Stimmabgaben im „House of Commons“ (britisches Unterhaus oder Parlament) £ 1500 einsackt; der Durchschnitt liegt bei £ 556. Die Parlamentsmitglieder erhalten nämlich zusätzlich zum Jahresgehalt von ungefähr 60 000 £ Spesenvergütungen für Sekretärin, Büro, Unterhalt, Reisespesen usf. – der Betrag hat einen Bezug zur Wahlbeteiligung. Und so hat Galloway den Gipfel des Ruhms als teuerstes MP (Member of Parliament) erklommen ...
 
Immerhin hat er mit seinem Spektakel seine Aussichten auf einen TV-Posten beachtlich verbessert. Er wird wohl bald auf diesen angewiesen sein.
 
Hinterziehung der „Council Tax”
John Prescott ist als Deputy Prime Minister am besten unter dem Spitznamen „2 Jags“ bekannt. Er hat einen offiziellen und einen privaten Jaguar. Ich selbst nenne ihn einen alten Wasserbüffel, weil er darnach aussieht und weil wir ja schon bei grossen Wassertieren sind.
 
Ausgerechnet dieser Hochtreiber der landauf landab höchst unbeliebten „Council Tax“ zahlt diese Steuer nicht. Im Whitehall wohnt er gratis in einem Appartement mit einem monatlichen Mietwert von £ 8500. Und er musste zugeben, dass er aus Vergesslichkeit vernachlässigt habe, die Council Tax zu bezahlen. Ein britischer Untertan kam ins Kittchen, weil er £ 500 schuldete, desgleichen eine alte Dame für einen noch viel geringeren Betrag … Eine „Charitable Trust“ (karitativer Fonds) kommt für Prescotts Council Tax in seinem Sitz in Dorneywood auf. Für sein Heim in Hull kann er die Council Tax zurückfordern.
 
Jetzt endlich wird er beim Schopf gepackt. Schon aus seiner Vorgeschichte hat John Prescott einen arg angeschlagenen Leumund. Vielleicht hat die Nation endlich genug von ihm.
 
Zum Glück lenkt gelegentlich ein am Westminster-Parlamentsgebäude vorbeischwimmender Wal von Politik und Politikern ab. Doch selbst für ihn war das alles unerträglich.
 
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