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BLOG vom 09.11.2007


Sorry! Wenn Systeme kollabieren: Blogatelier und der Dollar

Autor: Walter Hess, Biberstein CH (Textatelier.com)
 
Falls Sie sich über den Ausfall eines wesentlichen Teils des Textatelier.com-Auftritts ab dem Donnerstagnachmittag, 8. November 2007, zirka 15.30 Uhr bis heute Freitag 10 Uhr geärgert haben sollten, mag es als schwacher Trost erscheinen, wenn ich Ihnen mitteile, dass das Ärger-Ausmass bei mir wahrscheinlich um einen Faktor 100 grösser war. Auf jeden Fall möchte ich mich für diese unverzeihliche Panne in aller Form entschuldigen. Als Publizist war es schon immer mein grösstes, ehrliches Anliegen, die Leserinnen und Leser ernst zu nehmen; denn sie sind das zentrale Ereignis, und offen zu informieren.
 
Auf meine sofortige Intervention beim Support der Hostpoint AG in CH-8640 Rapperswil antwortete Claudius Röllin: „Der Webserver/Dienst musste zu diesem Zeitpunkt neu gestartet werden, da er überlastet wurde. In einem solchen Fall kümmern sich unsere Techniker umgehend darum.“ Und dann war Schweigen. Ich hakte nach. Eine neue Antwort aus Rapperswil am frühen Abend:
 
„Bei Ihrer Anfrage handelt es sich um ein umfangreicheres Problem, um welches sich der 2nd Level Support gerne für Sie kümmert. Ihr Ticket wurde umgehend weitergeleitet. Sie werden so rasch wie möglich eine Antwort von unserem 2nd Level Support erhalten.“ Doch die 2. Etage schien bereits zu schlafen. Eine Antwort traf nicht ein.
 
Unser eigener Techniker Urs Walter, der die Webseite eingerichtet hatte, analysierte die Fehlerquelle beim Provider: Er fand den Fehler in der MySQL-Datenbank. Auf sie und damit auf die rund 1400 Blogs war kein Zugriff mehr möglich. Mir gegenüber sagte Urs, es habe diese Tabelle „verschnetzlet“ (zerhackt). Das hätte gerade noch gefehlt! Zum Glück gab es ein Update, eine Kopie des Inhalts. Um 10 Uhr am Freitagmorgen war alles wieder in Betrieb. Für all die Mithilfen bedanke ich mich sehr.
 
Lehre für uns alle Computerbenutzer: Sicherheitskopien machen! Sicherheitskopien machen!
 
Die geheimnisvolle Technik
Bei diesem stundenlangen, endlos scheinenden Theater bei verdunkelter Bühne ist mir wieder einmal bewusst geworden, wie hilflos man dieser grandiosen neuen Technik gegenübersteht. Wenn früher beim Velofahren die Kette aus dem Zahnrad fiel, konnte ich sie noch selber wieder einhängen. War die Kette zerrissen, brauchte es den 2. Level (den Ausdruck habe ich von Herrn Röllin soeben gelernt), den Velomechaniker. Das ging schnell; man konnte darauf warten. Die digitalisierten Systeme, welche die Mechanik steuern, sind inzwischen unüberschaubar, manchmal selbst für Fachleute, geworden. Die Elektronik durchwuchert alles. Das führt zu Verbesserungen, Vereinfachungen, aber wehe, wenn es nicht mehr funktioniert. Wer kommt noch draus? Wer ist zuständig? Wer ist verantwortlich? Am Schluss ist man froh, wenn einer kam, der das Problem orten und lösen konnte.
 
Der Dollar-Kollaps
Man kann das auf globale Systeme übertragen. Im Moment kollabiert gerade die Weltleitwährung Dollar; sie ist nicht mehr zu reparieren, nachdem das US-Leistungsbilanzdefizit im Jahr 2006 nicht weniger als 5,5 % des Bruttoinlandprodukts erreichte. Die Leitwährung, über die Amerika seine Schulden während Jahrzehnten exportierte, hat ausgedient, genügend Schaden angerichtet. Zudem hat das Bush-Regime, dessen besondere Begabung im Vergrössern der Schuldenwirtschaft und der globalen Chaos-Inszenierung besteht, sein letztes Vertrauen verspielt; selbst die allerdümmsten Kälber sind immer weniger bereit, den eigenen Metzger zu wählen und zu unterstützen (wobei ich die Intelligenz der richtigen Kälber noch nie angezweifelt habe).
 
Im Rahmen der Chaos-Inszenierung, der globalisierende Massnahmen und dann das schamlose Abkassieren folgen, sind im Moment gerade die verschärften Sanktionen gegen den Iran, der im Gegensatz zur aggressiven Israel keine Atombomben haben darf, und der drohenden Einmarsch türkischer Truppen in die gepeinigten Kurden-Gebiete (der PKK) im Nordirak im Zentrum, an dem die USA nicht interessiert sind, weil die Irak-Invasion schliesslich eine US-Angelegenheit bleiben soll, und schliesslich gibt es in der Umgebung von Kirkuk und Mosul Erdöl, das auch die Türken gern anzapfen würden.
 
Noch eine kleine Randnotiz zum Abkassieren: Der auf den US-Kreditskandal zurückgehende Abgang des US-„Topbankers“ (!) Charles Prince, Konzernchef der US-Grossbank Citigroup, wird voraussichtlich mit einer Abgangsentschädigung von 150 Mio. USD königlich vergoldet. Er verdiente dieses Riesenvermögen damit, dass die Citigroup etwa 17 Milliarden USD wegen des oberfaulen US-Hypothekenskandals abschreiben muss. Das ist Globalisierung in Reinkultur.
 
Die verharmlosend so genannte US-Hypothekenkrise hat in einem Teilbereich gezeigt, was die beliebten US-Gaunereien, auf die die ganze (Finanz-)Welt garantiert hereinfällt, auslösen können. Aber was bedeutet der noch viel folgenschwerere Dollar-Kollaps? Eine Folge davon sind zum Beispiel der dramatisch steigende Erdölpreis und die Flucht in andere Rohstoffe wie Edelmetalle, eine Folge des befürchteten Inflationsschubs, welche die Inflation selber gerade auch noch antreibt. Die schiefe Ebene, auf der die Amerikaner ihre Spiele auf Kosten der Weltgemeinschaft trieben, ist zur Steilwand mit Absturzgarantie geworden, gerade auch für die Spielanführerin USA, vor allem wegen der Ölpreishausse. Der dortige liederliche Umgang mit Rohstoffen ist bekannt – das Energiesparen wurde dem Bundesstaat Kalifornien sogar verboten, weil nationales Energieverschwendungsrecht vorgeht. Und die Wäsche ist von diesem hyperintelligenten Volk im Tumbler statt an der Sonne zu trocknen (SF DRS berichtete gestern in der Infotainmentsendung „10 vor 10“ darüber). Das war wirklich lustig.
 
Die Systeme sind so verworren und komplex, dass kaum noch Überblick möglich ist. Den Medien ist die Fähigkeit zum Erkennen des Wesentlichen weitgehend abhanden gekommen. Die Radio-DRS-Nachrichten berichten statt über den Dollarzerfall und dessen Folgen für die ganze Weltwirtschaft gerade über die Vorbereitungen der Fussball-EM 2008. Der schmelzende Dollar und dessen Folgen sind nicht auf ein paar einfache Sätze zu reduzieren und somit dem Volk nicht zumutbar ...
 
Zum Glück läuft jetzt unser Blogatelier wieder. Dieser Kollaps, durch eine Nachfrage-Überlastung ausgelöst, ist behoben. Wir haben weiterhin die Möglichkeit, Ihnen neben Vergnüglichem auch Nachdenkliches und Wesentliches zu bieten.
 
Nutzen Sie unsere Webseite ungeniert. Server-Überlastungen werden immer wieder gelöst werden. Da lassen wir nicht locker.
 
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