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BLOG vom 18.11.2008


England lebt auf Pump, von Fiskalmätzchen gefördert
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Der englische Premier Gordon Brown will noch vor Weihnachten die Taschen der Konsumenten mit fiskalischen Mätzchen stopfen – eine vorübergehende Massnahme, damit Leute wieder die Läden aufsuchen und kaufen, kaufen bis sie umfallen. Das tut er auf Pump, denn die Staatskasse ist nicht nur leer, sondern um Milliarden überzogen – stark überschuldet. Woher kommen die dazu benötigten Darlehen, und wie lange kann es dauern, bis die Nation bankrott ist? Wer kann das bezahlen? Brown will damit die Lotterwirtschaft ankurbeln. Staatsausgaben von £ 15 Milliarden werden vorverschoben. Dafür erntet Gordon Brown viel Lob, selbst in der Presse. Aber die Schuldenflut –vielmehr Sintflut – wird nicht ausbleiben. Die Pleitegeier kreisen erwartungsvoll. Inzwischen werden Arbeitskräfte entlassen. Ihre Zahl wird sich in kurzer Zeit auf 3 Millionen erhöhen.
 
Die Banken sind vorderhand gerettet und werden jetzt staatlicherseits aufgefordert, den Kredithahnen wieder aufzudrehen, damit die Konsumenten Gordon Brown nachäffen können, nämlich auf Pump zu leben wie eh und je. Eh und je?
 
Seit Generationen wird vergessen, dass einst Leute zum Sparen ermutigt worden sind. Die Sparquote der Bevölkerung war ein Richtmass für den Wohlstand des Landes. Anschaffungen wurden auf Grundlage der Ersparnisse getätigt, sei es ein Auto oder eine Kamera. Auf Kredit zu kaufen war verpönt.
 
Der Schuldbrief gehört dem mass-, sinn- und grenzenlosen Globalisierungswahn ausgestellt. Wer setzt sich noch für vernünftiges, wirtschaftliches Masshalten ein? Beobachte ich die Leute beim Einkaufen in Wimbledon, stelle ich fest, dass sich längst nicht jedermann zum Geldverschleudern hinreissen lässt: die Pensionierten nicht und die meisten Familien ebenfalls nicht (mehr). Mangels Nachfrage wurde die Autoproduktion stark gedrosselt. Das Familienauto muss einige Jahre länger dienen. Der Kauf von Luxusgütern wird aufgeschoben.
 
Wie verhalte ich mich selbst als Konsument? Erstens akzeptiere ich den Titel „Konsument“ nicht. Ich bin und bleibe Kunde, ein wählerischer. Zweitens verhalte ich mich wie meine Eltern zuvor – zugegeben mit gewissen Eingeständnissen. Ich benutze mein Bankkonto, um Bargeld abzuheben. Die Kreditkarte benutze ich ausnahmsweise, etwa wenn ich einen Flug zwangsläufig online buchen muss. Meine Mutter trug, was am Ende des Monats übrig blieb, auf die Kantonalbank. Das Familienkonto blieb dabei immer in der Kreditzone. Dabei lebten wir keineswegs knauserig. Sie ging entweder auf dem Markt oder in der Bäckerei, im Käseladen am Spalenberg (Basel) einkaufen. Sie malte von Herzen gern Blumenaquarelle, wovon sie viele verschenkte und etliche verkaufte. Dieser Fonds war für gewisse Luxusausgaben reserviert, worunter für meinen Geigenunterricht. War ich als Bube mit dabei, gingen wir nachher einen Kaffee trinken und genossen etwas Patisserie.
 
Genug davon. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass der lokale Anbau von Saisongemüse, Obst, Kartoffeln, Rüben und die Produktion von Molkereiprodukten, Fleisch und Honig, Holz – und ja auch der Wein, von den Bauern und Herstellern als Familienbetriebe geliefert, ein fester Bestandteil der lokalen/regionalen Infrastruktur bleiben sollte, ohne dabei fanatisch zu werden.
 
Die Schweiz sollte sich nicht blindlings an den Galgen der Globalisierung ausliefern. Natürlich sind wir auf Importe angewiesen: Erdölprodukte, Stahl, Edelmetalle und was sonst noch immer. Unsere Exporte sind vorwiegend Veredelungsprodukte, seien es Uhren, Schmuck … Lieber nicht weiter aufzählen, sonst müsste ich in statistischen Jahrbüchern nachschlagen.
 
Besser wieder auf die kleine Masche umspuren, statt im globalisierten Morast zu versumpfen. Sie ist für alle erträglicher und einträglicher, auf Qualität abgestützt. Das Gütezeichen „Made in Switzerland“ ist es wert.
 
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