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BLOG vom 12.03.2009


Der Dalai Lama, der die US-Geschäfte gegen China betreibt
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein CH (Textatelier.com)
 
Als ich am 11.03.2009 in der Online-„Welt“ von der Aufforderung des US-Aussenministeriums las, China solle seine Tibet-Politik überdenken und in einen Dialog mit dem Dalai Lama eintreten, hatte ich ein weiteres Indiz dafür, dass der göttliche, immer freundlich lächelnde Edeltourist ein Werkzeug der USA und insbesondere des US-Geheimdiensts CIA ist. Aus Anlass der Flucht des kuriosen Gottkönigs aus dem Tibet am 10.03.1959 hatte dieser wieder einmal kräftig gegen China eingeheizt: Die kommunistische Regierung in Peking habe so viel Leid und Zerstörung über die Region gebracht, dass sie für die Tibeter die „Hölle auf Erden“ geworden sei, sagte der 73-jährige Friedensnobelpreisträger an seinem 50. Fluchtjahrestag in Dharamsala (Indien) ohne jede Sanftmut. Die tibetische Religion, Kultur, Sprache und Identität stünden vor der Auslöschung. Damit stachelte er erneut die ganze Welt gegen China auf, wahrscheinlich im Auftrag der Amerikaner – das alles war ja wieder einmal so schön inszeniert, Schlag auf Schlag.
 
Man erinnere sich in diesem Zusammenhang an den 11.03.2008, als buddhistische Mönche mit Schlagstöcken und Eisenstangen durch Lhasa zogen, die Medienaufmerksamkeit im Vorfeld der Olympischen Spiele in Peking nutzend. Chinesische Häuser und Läden wurden geplündert und in Brand gesetzt. Der Dalai Lama behauptete dann, die marodierenden Mönche seien verkleidete chinesische Soldaten gewesen. In diesem Fall wären sie in der westlichen Berichterstattung wohl kaum weitgehend ausgeklammert bzw. wegretouchiert worden.
 
Im Hinblick auf die erneute Jubiläumsfeier habe ich dieser Tage das 2008 neu aufgelegte Buch „Dalai Lama. Fall eines Gottkönigs“ (Alibri Verlag, Aschaffenburg D) des Psychologen und Publizisten Colin Goldner gelesen. Er kennt sich in Tibet aus und nimmt sich der Psychokultgeschädigten an. Zu meiner Lektüre gehörten weitere Lama-kritische Schriften, zumal ich aus der westlichen Mainstream-Berichterstattung ausbrechen wollte, wie üblich.
 
Von Colin Goldner erfährt man einiges über die Hintergründe der Flucht: In Lhasa wurde 1959 das Gerücht ausgestreut, die Chinesen wollten den Dalai Lama in ihre Gewalt bringen oder gar ermorden, worauf sich die komplette Mönchskoterie aus den Gross-Klöstern Drepung, Sera und Ganden und viele Chusi-Gangdruk-Kämpfer vor dem Norbulinka-Palast versammelten, angeblich um ihren Gottkönig vor den Chinesen zu beschützen. Ein tibetischer Beamter, welcher der Zusammenarbeit mit China verdächtigt wurde, erlitt schwere Verletzungen und ein weiterer wurde ermordet und durch die Strassen Lhasas geschleift. Statt den Volkszorn zu beschwichtigen und zur Gewaltfreiheit aufzurufen, zog sich der Dalai Lama zum Gebet zurück, und auch seine Leibgarde griff nicht ein. Das zu tun blieb China vorbehalten. Laut dem Dalai Lama war der Massenaufruhr von den Chinesen inszeniert – Aussage gegen Aussage.
 
Der Dalai Lama befragte sein Staatsorakel, das ihm zur sofortigen Flucht riet, was dann geschah. Er nahm Mitarbeiter und von der CIA trainierte Guerillakämpfer, seine Mutter und 2 Geschwister mit; später stiessen noch etwa 350 tibetische Soldaten zur Karawane; demgegenüber liess Seine Heiligkeit das Volk ohne Identifikationsfigur zurück und damit im Stich. Die Chinesen hatten an der Verfolgung des Dalai-Lama-Trecks keinerlei Interesse, so dass dieser nach mehr als einer Woche die Klosterfestung Lhüntse Dzong nahe bei der indischen Grenze erreichte. Der geflohene Gottkönig erklärte sich selber zur einzig rechtmässigen Autorität von Tibet. Doch nur die Begleittruppe blieb in dieser Region zurück, und der verkleinerte Tross wurde an der indischen Grenze freundlich in Empfang genommen. In Tezpur waren ein Sonderzug bereitgestellt und die internationale Presse aufgeboten – eine stolze Propagandaleistung seiner in Indien ansässigen Brüder Thupten Jigme Norbu und Gyalo Thöndup, die sicher zahlreiche Helfer hatten. Die mehrtägige Bahnreise nach dem indischen Mussoorie wurde zum Triumphzug. Dort bezog der Dalai Lama das Birka House, die Ferienresidenz einer der reichsten indischen Familie, wo er mehrere Monate blieb.
 
Der US-Geheimdienst CIA finanzierte den Dalai Lama grosszügig. Der deutsche Autor Goldner: „Für den Auf- und Ausbau seiner Exilregierung einschliesslich der Koordination des tibetischen Guerillakampfs erhielt er bis Anfang der 1970er jährlich 1,7 Mio. USD überwiesen sowie zusätzliche 186 000 USD durch die CIA“ (Seite 165) – in der Summe waren es über 22 Millionen USD aus den CIA-Kassen. Zuerst leugnete der Dalai Lama beharrlich, diese CIA-Gelder empfangen zu haben, musste aber dann doch noch zurückkrebsen (Quellen: Mann, Jim: „CIA Gave Aid to Tibetan Exiles in '60s“, Files Show, in Los Angeles Times vom 15.09.1998, S. 12; Conboy, Kenneth/Morrison, James: „The CIA’s Secret War in Tibet“, Kansa 2002).
 
Der gesponserte Dalai betreibt also die US-Geschäfte gegen China, was so geheim auch wieder nicht sein müsste; die entsprechende Quellenlage ist üppig. Dennoch wird der Dalai dank der US-Propagandamaschinerie im Westen wie ein Popstar verehrt, und wenn immer er gegen China hetzt, unterstützen ihn seine Getreuen in aller Welt. Auf dem Bundesplatz in Bern versammelten sich am 10.03.2009 etwa 1000 Menschen zu einer Kundgebung gegen China.
 
Dabei geht es im Grunde jeweils um die Unabhängigkeit des Tibets, um die „echte Autonomie“. Dieses Gebiet kam 1904 unter britische Herrschaft und wurde 1907 laut einem Abkommen zwischen England, China und Russland zu einem chinesischen Protektorat, an dem auch der Umstand nichts änderte, dass der damalige Dalai Lama die Unabhängigkeit des Landes ausgerufen hatte. Völkerrechtlich sind solche Rufe nicht relevant.
 
Ich habe Verständnis für alle Unabhängigkeitsbestrebungen – denn der Drang zu Freiheit und Unabhängigkeit ist schliesslich auch eine schweizerische Nationaltugend, die man sich auch etwas kosten lassen darf. Doch würde man sich für den Tibet wünschen, dass sich die grauenvollen Zustände, die es dort vor dessen Übergang an England bzw. China gab, nicht wieder einstellen werden. Das Volk war durch den Klerus masslos ausgebeutet, legitimiert durch die buddhistische Karmalehre. Das Rechtswesen war korrupt (so die „Weltwoche“ vom 05.03.2009: „Die Legenden des Dalai Lama“).
 
Das Tibet-Studium hat mir zuvor kaum bekannte und höchst bedenkliche Seiten des (tibetischen) Buddhismus erschlossen, der mir bis vor kurzem als eine der wenigen friedlichen, vollkommen aufs Wohl der Menschen ausgerichteten Religionen erschien. Die tibetischen Klöster, Machtsymbole des Lamaismus, unterdrückten und pressten alles aus den armen Menschen heraus, was herauszupressen war, und sie kontrollierten die Untertanen eingehend. In den Berichten von Forschern und Entdeckungsreisenden aus dem späten 19. und dem frühen 20. Jahrhundert findet sich kaum ein positives Wort über das Klosterwesen und den Buddhismus tibetischer Ausprägung. Der britische Stabsarzt Austine Waddell nannte um 1895 das herrschende Mönchswesen eine „parasitäre Krankheit“ und „einen Deckmantel für die übelsten Formen unterdrückerischen Dämonenkults, durch den der bedauernswerte Tibeter in ständiger Todesangst vor den Angriffen tausender bösartiger Teufel sowohl in diesem Leben als auch im nächsten gehalten wird“. Mit der Zahlung nicht endender grosser Beträge an die Priesterschaft habe das Volk Unglück abwenden können … Die Hölle auf Erden war in Tibet also lange vor der chinesischen Zeit vorhanden.
 
In Meyers Konversations-Lexikon stand zu Tibet geschrieben, bei jedem Anlass brauche man den Dalai Lama als „Geisterbeschwörer, der dabei grosse Fertigkeit in höherer Gaukelei bekundet“. Und wenn die heutigen chinesischen Staatsmedien von wesentlichen gesellschaftlichen Fortschritten in der Himalaya-Region berichten, dürfte das in Anbetracht des geschichtlichen Hintergrunds seine Berechtigung haben. Und dass sich China aufgerufen sah, das tibetische Hochland vor dem Jahrestag des Volksaufstands praktisch abzuriegeln, womit die CIA-Dalai-Lama-Aktivitäten eingedämmt werden konnten, ist nachvollziehbar.
 
Der lächelnde Dalai Lama, der mit seinem Hofstaat „von einem Luxushotel zum nächsten jettet“ (Weltwoche) hat seine Glaubwürdigkeit bei jenen längst verspielt, die sich um Wissen bemühen und nicht einfach blind glauben. Es wird Zeit, dass man diesen Gottkönig, dessen Haupt von zahlreichen US-Ehrendoktorhüten gekrönt ist, auf die Erde herunterholt und ihn als US-Werkzeug entlarvt. Dass er sich bei seiner antichinesischen Propagandatätigkeit nicht scheut, zum Beispiel mit kaum belegbaren Vorwürfen, auch über chinesische Folterungen, zur Vergiftung der politischen Lage beizutragen, bestätigt dieses Mao-Zitat: „Religion ist Gift.“ Das Foltern ist heute den Amerikanern vorbehalten.
 
Der Dalai hatte 1954 im Teenageralter Mao Tse-tung, den damaligen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Chinas, besucht und war zu jener Zeit ebenso vom Kommunismus begeistert wie heute von den USA, die ja ein ähnliches zentral gelenktes System anstreben.
 
Auch Götter (und neuerdings auch der Papst) sind, wie man sieht, nicht gegen Irrtümer gefeit.
 
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