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BLOG vom 07.12.2009


Als die alten Appenzeller so gefürchtet waren wie die Taliban
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG (Textatelier.com)
 
Afghanistan kenne ich nicht aus eigener Anschauung, den Schweizer Kanton aber schon. Zwischen den ehemaligen Appenzellern, die für ihre Freiheit und im Kampf gegen eindringende Mächte ihr Leben zu opfern bereit waren, und den heutigen Taliban gibt es offensichtliche Übereinstimmungen, wie noch darzulegen sein wird.
 
Afghanistan
Nur einmal – 1994 –, als eben die Taliban mit ihrem Aufstieg begannen, bin ich auf dem Flug von Indonesien nach Zürich in Kabul zwischengelandet. Meine Erinnerung ist die an eine einfache fliegerische Infrastruktur sowie an eine kahle, graue, abweisende und gebirgige Landschaft darum herum. Der Flughafen befindet sich auf fast 1800 Meter über dem Meeresspiegel – von einem Meer ist im Binnenland Afghanistan natürlich nichts zu sehen.
 
Über das geheimnisvolle Afghanistan habe ich viel gelesen, dieser Tage gerade das 2001 bei Droemer erschienene Buch „Taliban. Afghanistans Gotteskrieger und der Dschihad“ des pakistanischen Journalisten Ahmed Rashid, der 16 Jahre lang für die „Far Eastern Economic Review“ aus Afghanistan berichtete und das dortige Volk aus „tapferen, stolzen, ehrenwerten, grossmütigen, gastfreundlichen, anmutigen und schönen Männern und Frauen“, das zu „den aussergewöhnlichsten auf Erden zählt“, eingehend kennengelernt hat. Noch nie ist es einer fremden Armee gelungen, diesen islamischen Staat mit seiner Fläche von 652 225 km2, der also annähernd doppelt so gross wie Deutschland ist, zu erobern. Doch nur 10 bis 12 Prozent des Bodens sind nutzbar, meist an steilen Berghängen; Gebirge und Steppen dominieren. Der Hindukusch ist mit seinen 4500 bis 5000 Metern Kammhöhe viel höher als die Alpen und teilt das Land in 2 völlig verschiedene Teile.
 
Hier wurden seit Jahrhunderten Machtspiele zwischen Persern, Mongolen, Briten, Russen und Pakistani getrieben, und im Moment sind die USA und ihre in der Nato vereinigten Vasallen dabei, den Eroberungskrieg zu verlieren. Da sie zivile Opfer in der pakistanischen Bevölkerung, die oft mit den Taliban identisch ist, in Kauf nehmen, verlieren sie nicht nur den Krieg, sondern auch das Gesicht; in Deutschland hat dies im November 2009 eine innenpolitische Krise heraufbeschworen. Der deutsche Arbeitsminister Franz Josef Jung ist aufgrund des internen Drucks zurückgetreten. Jung musste die Konsequenzen aus Informationspannen nach einem verhängnisvollen Luftangriff nahe Kundus in Afghanistan ziehen, bei dem rund 140 Personen, darunter zahlreiche Zivilisten, getötet wurden. Damals war Jung noch Verteidigungsminister. Der oberste deutsche Soldat, Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan, und Peter Wichert, Staatssekretär im Verteidigungsministerium, waren schon tags zuvor vom neuen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg entlassen worden. Die Regierungskrise ist die Quittung dafür, dass sich Deutschland wieder als Kriegsnation profilieren wollte und am Hindukusch auch eigene junge Männer opfert.
 
Bisher haben rund 600 Soldaten der Alliierten in der euphemistisch so genannten „Operation Enduring Freedom“ (Operation andauernde Freiheit ...) ihr Leben verloren. Jung hatte die Dimensionen des Debakels heruntergespielt, wie dies die Amerikaner vorleben und in dieser Branche eigentlich nichts Besonderes ist. Und Barack Obama zeigt sich auch in diesem Fall unfähig, seine Wahlversprechen im Hinblick auf eine Befriedung der Welt auch nur annähernd einzuhalten – im Gegenteil. Er verstärkt die Truppenpräsenz und damit die Feuerkraft in Afghanistan und zieht auch die Nato-Länder ins Schlamassel noch tiefer hinein, verlangt Gefolgschaft, nicht einfach Partnerschaft. Die Nato-Länder bzw. jene 25 der 44 Nato-Länder, die an der ISAF beteiligt sind, haben deshalb lustlos mindestens 7000 zusätzliche Soldaten angeboten. Die ISAF ist die so genannte Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe, kurz ISAF (aus dem englischen International Security Assistance Force).
 
Die tapferen Afghanen nehmen das gelassen. Sie haben Weltreichen wie dem Britischen Empire und der Sowjetunion die Stirn geboten und dabei über 1,5 Mio. Menschen verloren; das Land wurde verwüstet, aber nicht erobert. Verkehrswege, die durch Afghanistan führen, verbinden Indien mit Innerasien, den Iran mit dem Vorderen Orient. Dass der Zorn der Afghanen, die unter sich, von den ausländischen Einflüssen aufgewiegelt, auch noch Bürgerkriege lieferten, gegen den Westen anwuchs, leuchtet ein. Zwischen 1979 und 1989 wurden die Guerilla-Gruppierungen (Mudschahidin), die gegen die Sowjets kämpften, von den USA, Pakistan und Saudiarabien unterstützt. Nachher (ab 1994) erstarkten die Taliban, die dann zusammen mit Al-Qaida zum Inbegriff des Bösen wurden; sie entstammen der grössten ethnischen Gruppe Afghanistans, den Paschtunen, und kontrollieren gut die Hälfte des Landes.
 
Dass der Westen ausgerechntet in Afghanistan seine eigene Freiheit und Sicherheit verteidigt, wie es der US-gesteuerte Informations-Mainstream suggeriert, ist natürlich ein höherer Blödsinn, Augenwischerei. Rashid: „Kernstück dieses Regionalkonflikts ist der Kampf um die riesigen Öl- und Gasvorkommen Zentralasiens – die letzten unangezapften Energiereserven der Welt. Von ebenso grosser Bedeutung ist der Konkurrenzkampf der Regionalstaaten und der westlichen Mineralölkonzerne untereinander. Es geht um den Bau der lukrativen Pipeline für den Transport der Energierohstoffe zu den Märkten Europas und Asiens.“ Der Autor fügt dann noch bei, Washington habe seit Ende 1995 das Vorhaben der US-amerikanischen Firma Unocal unterstützt, eine Gas-Pipeline von Turkmenistan nach Pakistan durch das von den Taliban kontrollierte Afghanistan zu bauen.
 
Grundsätzlich habe ich immer Sympathien für Nationen, die sich für ihre Unabhängigkeit einsetzen und sich gegen diebische Zugriffe von aussen, die auf eine Machtvergrösserung abzielen und von diebischem Rohstoffhunger motiviert sind, wehren. Und auch wenn die Taliban ohne Zweifel ihre dunklen Seiten haben, komme ich nicht umhin, ihrem Widerstand gegen brutale westliche Armeen, die ein ohnehin geschändetes Land aufs Neue zerstören und ein Massaker nach dem anderen anrichten, eine Sympathie zu empfinden. Denn auch die Schweiz hatte schon immer eine Verteidigungsarmee, die allerdings angesichts der heutigen wirtschaftlichen Raubzüge nichts nützt; diese sind die grössten Gefahren, derer sich ein reiches Land ausgesetzt sieht.
 
Appenzellerland: Die Schlacht am Stoss
Die Verteidigung gegen Angreifer hat in der Schweiz Tradition, wie mir am 26.11.2009 bei einer Fahrt von St. Gallen über Teufen–Gais und den Stoss (und weiter nach Altstätten SG im Rheintal) bewusst wurde. Ich schaltete auf dem Stoss Halt ein, um eines geschichtlichen Ereignisses zu gedenken: der „Schlacht am Stoss“ vom 17.06.1405. Auch sie hatte machtpolitische Hintergründe, die von Raubzügen begleitet waren. So wehrten sich die Appenzeller gegen den ausbeuterischen Abt des Klosters St. Gallen, Kuno von Stoffeln (1379–1411), was vorerst einmal zur Schlacht bei Vögelinsegg (1403) ausuferte,die zu einer Schlappe für den Abt wurde. Dieser suchte dann Unterstützung bei den Habsburgern, das heisst bei Herzog Leopold IV. von Österreich. Dieser beauftragte seinen jüngeren Bruder, Friedrich IV., die Appenzeller niederzumetzeln und die habsburgischen Herrschaftsgebiete zu mehren; die habsburgische Arroganz war damals für Europa ungefähr das, was heute die US-amerikanische für den Globus ist. Kirchenführer haben sich immer gern mit weltlichen Herrschern zusammengetan, um mit geballter Macht das Volk auszubeuten und niederzuhalten.
 
Ganz Taliban-mässig liessen sich die Appenzeller weder das eine noch das andere bieten. Sie wurden durch das Kloster St. Gallen ausgenommen, wie selbst der Innerrhoder Landammann Carlo Schmid (geb. 1950) bei der Jubiläumsansprache „600 Jahre Schlacht am Stoss“ am 18.06.2005 ausführte. Als Vertreter der Christlich-demokratischen Volkspartei CVP mit deren Nähe zum Katholizismus kann man ihm sicher nicht vorwerfen, besonders kirchenkritisch zu sein. Doch brach es dennoch wie folgt aus dem Appenzeller Urgestein hervor: „Mit der Schlacht am Stoss beginnen die staatliche Selbstständigkeit und das Selbstbestimmungsrecht seiner Bürger. Das Recht, die eigene Regierung zu wählen, sich eigene Regeln zu geben und das Mass der Steuern und Abgaben selbst zu bestimmen, das war es, das die Appenzeller erreichen wollten und wofür sie auch bereit waren, das Leben einzusetzen. Allerdings: Wäre die äbtische Regierung menschlich, wären die Abgaben an den Abt erträglich gewesen, hätten unsere Vorfahren kam gegen den Stachel der geltenden Ordnung gelökt und sich das Selbstbestimmungsrecht kaum als abstraktes Ideal erstritten. Die Behördliche Willkür und das Ausmass der Fiskallasten waren es, die die Appenzeller dazu führten, nicht einfach eine Verbesserung des herrschenden Rechts zu verlangen, sondern eine Ordnung einzuführen, bei der Willkür und Überforderung vom System her ausgeschlossen sein sollten.“
 
Die berühmte Schlacht am Stoss fand wenig unterhalb der Passhöhe statt. Die rund 400 Appenzeller Bauern liessen, als die schwer bewaffneten, müden Feinde aus dem Rheintal aufgetaucht waren, nach dem Vorbild der Schlacht am Morgarten Felsblöcke den Hang hinunterrollen und rannten dann, mit Hellebarden bewaffnet, auf die personell dreifach überlegene gegnerische Mannschaft los. Die Habsburger Truppen fanden auf dem nassen Gelände (auf dem Stoss ist ein Hochmoor) zu wenig Halt, hielten dem Angriff nicht stand und flüchteten dann ins Rheintal hinunter zurück. Die Habsburger verloren 330 Mann, die Appenzeller rund 20. Und fortan waren die Appenzeller im höchsten Ansehen als mutige, wilde Krieger, die sich wenig später auch über den Rhein Richtung Feldkirch und Bludenz bewegten und zusammen mit der Stadt St. Gallen den „Bund ob dem See“ schufen, der sich der Fürstengewalt entgegensetzte, seinerseits nun aber Raubzüge in angrenzende Gebiete unternahm und seinerseits gewisse dunkle Seiten entwickelte.
 
Kapelle, Denkmal, Restaurant
Auf dem Stoss (942 m ü. M., Gemeinde Gais AR, nicht zu verwechseln mit dem Stoos) ist heute eine Gedenk- bzw. Schlachtkapelle mit Dachreiter, auf dem ein an den Enden vergoldetes Kreuz sitzt, und an deren talseitigen Wand eine Gedenktafel das Geschehen beschreibt (siehe Anhang). Durch den vergitterten Eingang, der fast die gesamte Fassade unter dem Satteldach einnimmt, sieht man einen vergoldeten Krieger mit Hellebarde aus Mosaiksteinen sozusagen als Altarbild. Neben der Kapelle steht ein 170 Jahre alter Mammutbaum, der seinerzeit von einem Arzt aus England mitgebracht wurde und der in diesem rauen Klima überleben konnte.
 
Das von grossen Bäumen umrundete, seit 1905 dort aufgebaute, sich nach oben verjüngende, Obeliksk-artige Schlachtdenkmal seinerseits mit dem quadratischen Grundriss befindet sich östlich davon, wo der Hang steil gegen das Rheintal abzufallen beginnt. Eine Hellebarde und 2 Morgensterne zieren es im obersten Teil. Und an der alljährlich stattfindenden Stosswallfahrt bedanken sich die Appenzeller jeweils beim Allmächtigen dafür, dass er sie von der kirchlichen Herrschaft befreit hat.
 
Bei meinem Besuch zog gerade ein feuchter, eiskalter Wind vorbei, der eine Kostprobe davon gab, wie es hier oben meteorologisch zugehen mag. Und gerade fuhr die Schmalspurbahn Altstätten–Gais (Kürzel: AG) vorbei, wie immer seit 1911; von Altstätten bis auf den Stoss, wo ein Zahnstangenabschnitt endet, ist die rund 8 km lange Strecke eine Zahnradbahn. Die AG-Bahn wird von den Appenzeller Bahnen betrieben.
 
Um mich etwas aufzuwärmen, suchte ich im rund 300 Jahre alten Gasthaus Stoss, das direkt bei der Schlachtkapelle ist, Zuflucht. Es ist im Stil der typischen Appenzeller Bauernhöfe gebaut, eine Einheit aus Wohnteil mit anschliessendem Stall. Es ist fünfstöckig und hat reihenweise Sprossenfenster mit Läden, die mit einem Lederriemen heraufgezogen werden können. Der aufklappbare Oberteil der Fenster ist zum Teil mit gestickten Vorhängen versehen. Auf einer kleinen Tafel steht „Wirtschaft Stoss. Schützengarten“.
 
Hans Zellweger-Mösli servierte mir in der niedrigen Gaststube einen wärmenden Kamillentee. Hier ist alles wie früher, und der Telefonapparat läutete mit einer Lautstärke, wie sie nur die frühzeitlichen Bakelitkästen noch hervorbrachten. Hans Zellweger passt zum Interieur. Er ist ein richtiger, währschafter Appenzeller mit roten Backen; das Alter macht sich durch eine etwas eingeknickte Haltung bemerkbar. Er führt das Gasthaus, das sich seit Generationen im Familienbesitz befindet, zusammen mit seiner Frau, die hier aufgewachsen ist, vermittelt durch seine bescheidene, zutrauliche Art eine angenehme familiäre Atmosphäre. 2 Appenzeller Bauern waren ebenfalls in der Gaststube und erlabten sich an einem Bier bzw. einem Most. Einer von ihnen sagte, nachdem ich die Appenzeller für ihren Verteidigungswillen gerühmt hatte, eigentlich sollte man ja Konflikte friedlich lösen – ein grosses Wort, wie es auch gerade für Afghanistan Geltung haben müsste.
 
Ins Rheintal hinunter
Ich fuhr dann auf dem Fluchtweg der Habsburger ins St. Galler Rheintal hinunter, knapp 500 Höhenmeter überwindend. Die Soldaten mussten sich früher mit schwierigeren Wegverhältnissen abfinden. Der Strassenbau begann hier eigentlich erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Der alte Saumpfad (Karrenweg) folgte im Prinzip dem heutigen Bahntrassee und war also sehr steil.
 
Die moderne, kurvenreiche Strasse, welche das Appenzellerland mit dem Rheintal verbindet, ist breit und gut unterhalten. Zu ihr gehören viele Serpentinen, damit es gemächlicher abwärts (oder aufwärts) geht. Und der Blick ins Rheintal hinunter ist allemal ein Ereignis.
 
Vorweihnachtliches Altstätten
Die Stossstrasse führt dann mitten in die historische Marktstadt Altstätten SG hinein. Es nachtete ein, und einige Geschäftsinhaber waren mit der Installation der Weihnachtsbeleuchtung beschäftigt, was hier offenbar mit besonderer Inbrunst geschieht.
 
Das Kloster St. Gallen hatte früher auch hier stattliche Besitztümer. Um den „Hof der alten Stätte“, die „villa altsteti“, vor dem Zugriff des auf der rechten Rheinseite angesiedelten Grafen von Montfort (aus Götzis in Vorarlberg) zu schützen, liess Abt Berchtold von Falkenstein den Hof Altstätten mit einer Ringmauer einfassen, wodurch der Ort zur Stadt (Oppidum) erhoben wurde.
 
Die unter dem Stoss gelegene Stadt geriet selbstverständlich in den Strudel der Appenzeller Kriege und schloss mit den streitbaren Nachbarn einen Bund. Das erregte den Zorn der Österreicher. Deshalb liess 1410 Herzog Friedrich, der wohl noch psychisch unter seiner 5 Jahre vorher auf dem Stoss erlittenen Schlappe litt, in einem Rachefeldzug das Städtchen einäschern. In den folgenden Jahrhunderten wurde es zu all dem Elend von weiteren grossen Bränden heimgesucht – unter anderem 1567, als ebenfalls durch Brandstiftung 175 Gebäude zu Schutt und Asche wurden. Der Phönix Altstätten erhob sich dann aber besonders im 18. Jahrhundert aus der Asche, dank der Produktion und Veredlung von Leinwand-, Seiden-, später von Baumwollgeweben.
 
Als ein richtiges Städtchen empfindet man dieses Altstätten mit seinen anmutigen Laubenhäusern und der reich verzierten Altstadt, die eine Begegnungszone ist, noch heute. Die einzelnen, aneinandergebauten Häuser sind individuell, ergeben insgesamt aber doch ein geschlossenes Bild mit dem Reiz der vielfältigen Elemente. Die Dachgiebel sind mit bemalten Aufzugläden verziert. Gassen, Plätze, versteckte Winkel, Brunnen und schmiedeiserne Schilder vermitteln ein Schauvergnügen.
 
Die Religionen haben mit 2 Kirchen ihre Machtsymbole etabliert, mit der spätbarocken Pfarrkirche St. Nikolaus (1794/95) und der reformierten Kirche mit romanisch-gotischen Elementen (1904/06). Im südlich des Städtchens gelegenen Kloster Maria Hilf weilte von 1867 bis 1888 die 2008 heilig gesprochene Schwester Maria Bernarda Bütler (eigentlich: Verena Bütler), die aus Auw im aargauischen Freiamt stammte. Sie arbeitete sich hier von der Novizin bis zur Oberin empor und führte im Kloster verschiedene Reformen durch, bevor sie nach Ecuador und Kolumbien verreiste.
 
Mit besonderem Stolz verweisen die Altstätter auf das Naturschutzgebiet Bannriet, jene etwa 3 km südöstlich des Stadtkerns gelegene, 46 Hektaren umfassende, geschützte Riedlandschaft, wo einst Torf abgebaut wurde (www.pro-riet.ch). Doch war es für eine Besichtigung bereits zu dunkel. Meine Zeit reichte gerade noch für den Kauf eines Mandelfischs in der Feinbäckerei Pius Rist, der mich auf der Heimfahrt als ein Souvenir mit Bezug zur Ostschweizer Lebensart begleitete. Er wird zu den ausgesprochenen Süssfischen gerechnet ... In einem Mürbteig mit Fischform befindet sich eine delikate Mandelfüllung.
 
Ob die Mandeln dafür aus Afghanistan kommen – der Mandelbaum (Prunus dulcis) stammt aus Zentralasien –, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Aber irgendwelche Bezüge zwischen Appenzell und Umgebung einerseits sowie Afghanistan und Umgebung anderseits scheinen schon zu bestehen.
 
 
Anhang
Die Inschrift der Gedenktafel an der Schlachtkapelle auf dem Stoss
GELIEBTER LESER! DISE KAPEL THUT SAGEN JENE MERCKWÜRDIGKEITEN SO SICH ALLHIER ZUGETRAGEN. ANNO 1405 ZOGEN HERTZOG FRIDRICH VON OESTERREICH UND DER ABT CUNO VON ST: GALLEN MIT DEM GANZEN ADEL IM THURGAU SAMT IHREN VERBÜNDETEN SEESTÄDTEN 12000 MANN STARCK DURCH DAS RHEINTHAL GEGEN DIE APPENZELLER, UM SELBE GÄNZLICH ZU VERTILGEN. APPENZELL VERSAMLET SOGLEICH HIER IHRE 3 MAL KLEINERE MANSCHAFT, RUFT MIT ZUVERSICHT GOTT UM SEINEN MÄCHTIGEN BEYSTAND AN, UND SIHE, DER STOLTZE FEIND RUCKT DISEN BERG HINAUF, DIE APPENZELLER ABER NACHDEME SIE WEGEN GROSSER NÄSSE DIE SCHUHE AUSGEZOGEN, STÜRMTEN MIT HELDEN-MUTH AUF IHNE LOSS. HAUEN UND SCHLAGEN DERGESTALTEN, DASS, NACHDEM DAS SCHLACHTFELD 150 SCHRIT WEIT MIT BLUT GEFÄRBT, MIT TODTEN BELEGT, ENDLICH DER FEIND DIE FLUCHT ERGRIFFE. DAN KEHRTEN DIE SIEGENDEN APPENZELLER WIDER ZURUCK AUF DIESE WALLSTÄTTE, DANCKTEN DEM GÜTIGEN HIMMEL FÜR DEN SO GLORREICH ERHALTEMNEN SIEG, UND VERLOBTEN NEBST DISER KAPEL EINE FEYRLICHE PROZESSION VOM GANTZEN LAND DEN 14. MAY ALLJÄHRLICH ZU VERRICHTEN.
 
Anmerkung:
Bei der Zahl 12000 ist dem Graveur wahrscheinlich ein Fehler unterlaufen; laut allen anderen Quellen waren es „bloss" 1200 Mann, die von den 400 Appenzeller niedergerungen wurden.
 
 
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