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BLOG vom 11.05.2010


GB-Wahlen, gefolgt von perfiden politischen Mätzchen
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Ich hatte mir fest vorgenommen, nichts mehr über die Wahlen in Grossbritannien zu schreiben. Die ganze politische Scharade hängt mir zum Hals heraus. Dann tauchte unverhofft der PM Gordon Brown wie ein Strauchdieb aus dem Hinterhalt auf und machte meinen Vorsatz zunichte. So raffe ich mich abschliessend nur zu einer einzigen Blogseite zum britischen Wahldebakel auf.
 
Am 10.05.2010, kurz vor 5 Uhr nachmittags, holte ich meine Abendzeitung in Wimbledon und las die Überschrift „Cameron on the brink of No. 10“. Die Koalition zwischen den Konservativen und Liberal-Demokraten (Lib-Dem) schien weitgehend gesichert. Dann platzte die Bombe: Das Fernsehprogramm „The weakest link“ wurde durch eine Flut von politischen Nachrichten ersetzt.
 
Endlich hat Gordon Brown begriffen, dass er seinen Posten als Parteichef der Labour-Partei aufgeben muss. Gut und höchste Zeit, dachte ich. Aber dann kam der Haken: Er klebt wie ein Kaugummi an seinem Amt als Parteichef; denn, wie er sagte, wolle er zuerst – und das im letzten Augenblick – eine Koalition zwischen Labour und Liberal-Demokraten einfädeln, ehe er endlich abdanke. Das kann noch bis September 2010 dauern, bis der neue Parteichef bestimmt ist …
 
Gleichentags, genau 6 Uhr abends, verkroch sich das Labour-Gremium in seinem Bunker an der 10 Downing Street, um im nationalen Interesse ihr Angebot an Nick Clegg, Parteichef der Lib-Dem, vorzubereiten. Selbst mit der Liaison zwischen Labour und Lib-Dem fehlt beiden Parteien die Mehrheit im Parlament. So peilt Labour verzweifelt eine „Regenbogen“-Koalition an, im zusätzlichen Verbund mit etlichen Splitter-Parteien. Daraus sollte eine progressive und stabile Regierung im nationalen Interesse entstehen. Bla-Bla! (Immerhin fehlt dann im Regenbogen das Braun …).
 
Der Wahlspiegel hält fest, dass die Konservativen 93 neue Sitze gewonnen haben, doch mit insgesamt 308 Sitzen im Parlament fehlt ihnen knapp die Mehrheit. Labour hat 91 Sitze verloren. Damit verbleiben der Partei bloss 258 Sitze. Die Lib-Dem haben 5 Sitze verloren. Somit ist ihr Anteil im Parlament auf 57 Sitze abgesackt. Die Konservativen gewannen 36.1 % der Stimmen, Labour 29 % und die Lib-Dem 23 %.
 
Dem mit allen Mängeln eines vorwitzigen Schulbuben behafteten Nick Clegg fällt die Rolle als Königsmacher zu. Kaum lagen die Wahlergebnisse vor, bekannte er, dass seine Partei die Konservativen-Wahlgewinner unterstützen werde. Diese Aussage hat er inzwischen verdreht und sich in doppeltem Kuhhandel mit den Konservativen und Labour eingelassen. Es geht ihm darum, Konzessionen zu gewinnen – worunter an 1. Stelle PR. Zuerst verstand ich nicht was  PR – also Public Relations – damit zu tun habe, bis mir aufging, dass damit „Proportional Representation“ (Wahlrechtsreform) gemeint war.
 
Alle Parteien quaken fortlaufend über das Nationalinteresse. Sind denn die Politiker nicht ohnehin verpflichtet, das nationale Interesse zu wahren? Das sollte doch selbstverständlich sein. Allem Anschein aber nicht, erinnert man sich an den spektakulären Spesenbetrug ihrerseits, um ihre Taschen übers nationale Interesse hinweg zu stopfen. Wer unter ihnen das nationale Interesse erwähnt, ist im vornherein suspekt, meine ich.
 
Grossbritannien steckt tief im Schuldenloch und sollte allerdringendst das langjährige Wirtschaftsschlamassel anpacken und bereinigen. Stattdessen knobeln sie um politische Vorteile!
 
Meinen Landsleuten in der Schweiz ist die Wahl in Grossbritannien wohl ziemlich Schnuppe. Sie haben genug mit ihrer eigenen Landespolitik zu tun, von der eidgenössischen bis zur lokalen Ebene.
 
Fallen politische Ränkespiele in der Schweiz unter den Begriff „Vetterliwirtschaft“?
 
Nachtrag 
Der britische Premierminister Gordon Brown ist am Abend des 11.05.2010 von allen Ämtern zurückgetreten, und damit hat er den Weg für David Cameron freigemacht, so dass die Tories wieder an die Macht kommen, erstmals seit 13 Jahren wieder. Eine feste Koalition zwischen den Konservativen und den Liberal-Demokraten ist geboren – eine Zangengeburt.
 
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