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BLOG vom 19.05.2010


Aus grauem Luftgebilde / tritt die Forschung trüb und milde
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein/AG CH (Textatelier.com)
 
Seitdem der Amerikaner Martin Cooper 1973 das Handy erfunden hat, gibt es Abklärungen, ob die Strahlungen dieses Geräts, das man direkt an den Schädel drückt, gefährlich seien oder nicht. Ausgerechnet der Kopf ist während der drahtlosen Gespräche den höchsten Strahlendosen ausgesetzt. Dabei handelt es sich um elektromagnetische Strahlung im hochfrequenten Bereich von 900 bis 1800 Megahertz. Mikrowellen können auch menschliches Gewebe erwärmen und verändern. Im Zweifelsfall fragen oder testen Sie Ihren Mikrowellenherd.
 
Die wissenschaftlichen Untersuchungsergebnisse decken je nach Studiendesign die gesamte Spannbreite von gefährlich bis ungefährlich ab – und neuerdings sogar bis zu gesundheitsfördernd. Man kann sich also aussuchen, welcher Gefährlichkeitsgrad seiner eigenen Befindlichkeit am besten zusagt.
 
Cooper träumte davon, das Handy gleich in den menschlichen Körper einzubauen, den Menschen auf seine Telefonnummer zu reduzieren und zum totalen, ständig Nonsens plappernden Kommunikationswesen zu machen. Ganz im US-Sinne zur Totalkontrolle der Menschheit. Wir sind auf dem Weg dazu. Weltweit gibt es bald einmal 5 Milliarden Handynutzer, die hinsichtlich ihres Standorts und ihrer Botschaften gut kontrolliert werden können. Es ist abzusehen, dass der Handy-Gebrauch weiterhin intensiv gefördert werden dürfte.
 
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die mit der Regie des Schweinegrippe-Welttheaters in den vergangenen Monaten einen himmeltraurigen Eindruck hinterlassen hat, gab 2000 eine grosse Studie in Auftrag, die den Namen „Interphone“ erhielt und 19 Mio. Euro kostete (zu einem kleinen Teil mit Geldern der Mobilfunkindustrie finanziert) – herausgeworfenes Geld, mit dem man gescheiter die lebenslustigen Griechen oder die Frühpensionisten in Frankreich unterstützt hätte. Wissenschaftler aus 13 Ländern haben sich daran gütlich getan.
 
Die Untersuchung ist nun abgeschlossen, und man ist sozusagen so schlau als wie zuvor, abgesehen von der Feststellung, dass das Risiko für die 2 wichtigsten Arten von Hirntumoren (Gliome und Meningeome) für Handynutzer nicht erhöht ist. Das hatte sich aus der Beobachtung der Fallzahlen von Hirntumoren bereits vorher ergeben, falls diese stimmen. Denn seit der breiten Einführung der Mobiltelefonie Ende der 1990er-Jahre haben sich die Trends bei den Neuerkrankungen mit Hirntumoren angeblich nicht verändert.
 
Aber selbst diese Feststellung ist in der Schwebe. Denn laut der „Interphone“-Studie, die am 18.05.2010 im „International Journal of Epidemiology" veröffentlicht wurde, liegt bei intensiven Handynutzern, also bei jenen, die häufig und lange herumtelefonieren, möglicherweise halt doch ein erhöhtes Risiko für Gliome vor, welche einen Zusammenhang mit dem Zentralnervensystem haben ... Unter den 10 Prozent der Studienteilnehmer mit der intensivsten Handy-Nutzung (mehr als 1640 Stunden bis zum Zeitpunkt der Befragung) stieg die Gefahr von Gliomen um 40 Prozent und die von Meningeomen um 15 Prozent. Dieses Resultat ist nach Ansicht der Mehrheit der Forscher auf „systemische Fehler“ zurückzuführen. Mit anderen Worten: Die Studie taugt zu rein gar nichts und darf deshalb als typisches WHO-Kind bezeichnet werden. Von dort ist erfahrungsgemäss nichts Schlaues zu erwarten.
 
Der Untersuchungszeitraum, aus dem die Patienten mit einem neu aufgetretenen Hirntumor diagnostiziert wurden, betraf die Jahre 2000 bis 2004. Die Beschädigung der Gehirne muss also bereits 1990 bis 1994 begonnen haben, als der Handyfunkverkehr noch in den Kinderschuhen steckte.
 
Und ein weiteres Resultat dieser Studie – Spass muss sein – passt in diese Geistes- bzw. Wissenschaftlerverirrungen: Bei allen Handynutzern ausserhalb der Gruppe der Vieltelefonierer sank das Krebsrisiko! Bei der Betrachtung der Gesamtzahl der Anrufe - also unabhängig von der Zahl der Stunden ‒ fanden die Forscher den bizarren Effekt sogar bei allen Nutzergruppen: Sie hatten ein geringeres Tumorrisiko als jene Menschen, die nie ein Handy benutzt hatten – so geht es halt im Statistik-Bereich zu und her. Damit haben die Handyanbieter ein wunderbares Werbeargument erhalten. Man wird sich also in Zukunft täglich fragen müssen, ob man genug mit dem Handy telefoniert habe ... genau so wie man auf der Hut sein muss, ob man genügend Wasser getrunken und sich genügend Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente einverleibt hat, um die Gesundheit über die Runden zu bringen.
 
Das Forschungsgeschäft läuft weiter: Im April 2010 startete in Grossbritannien eine neue Studie mit 250 000 Teilnehmern. Die Ergebnisse sollen bereits in 20 bis 30 Jahren vorliegen ...
 
Der Forscherpsalm
Der 1841 entstandene Schweizerpsalm hat die aktuelle Situation vorweg genommen: Darin tritt der „Hocherhabene, Herrliche“ im Morgenrot bereits im Strahlenmeer daher. Inzwischen hat das Strahlenmeer auch uns, das Fussvolk hienieden, überflutet, und die Alpenfirne röten sich gelegentlich wegen der Vulkanasche oder anderen Kleinstpartikeln, die auf irgendwelchen Wegen in die Atmosphäre gelangen. Auch daran dachte der weitsichtige Texter von „Trittst im Morgenrot daher“, Leonhard Widmer: 
„Aus dem grauen Luftgebilde
Tritt die Sonne klar und milde (...)“ 
Das reizt zum Weiterdichten: 
Der Nebelflor wird immer dichter,
umso länger die Gesichter.
Und die Handys strahlen, strahlen,
bis die frommen Seelen ahnen:
Ohne Forschernebel wär's zu helle.
Glaubt Studien also auf der Stelle. 
In meinem Alter, in dem sich (jedenfalls bei mir) die kritische Betrachtung des Geschehens Tag für Tag noch ausprägt, beobachtet man viele Zeitgenossen und Bekannte, die von unterschiedlichen Zivilisationskrankheiten dahingerafft werden. Dabei erstaunt mich seit Jahrzehnten, dass nie nach den Lebensumständen gefahndet wird, die diese oder jene Krankheit von der Leukämie bis zur ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) eigentlich ausgelöst haben könnten. Rund um Erkrankungen und Todesfälle wird keine Ursachenforschung betrieben. Man nimmt die Zunahme kurioser Krebsarten und anderer schleichender Zerfallserscheinungen des menschlichen Organismus, wie sie unser degenerierter Lebensstil mit sich bringt, wie ein Naturereignis hin, abgesehen von einigen Ablenkungskampagnen wie das Antiraucher-Getöse. Synthetik-Medikamente in allen Regenbogenfarben, tote Industriekost und dergleichen darf man in beliebigen Mengen schlucken und übers Handy stundenlang von seinen sich häufenden Arztbesuchen erzählen. So bleiben uns also noch gewisse Freiheiten erhalten.
 
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