Textatelier
BLOG vom: 12.01.2005

Gift im Salat – na und ...?

Autor: Heinz Scholz

Heute bemerkte ich im Reformhaus in D-79650 Schopfheim einen Anschlag, der sich innerhalb und ausserhalb der Eingangstür befand. Die Schlagzeile neben den weissen Zetteln lautete „Gift im Salat“. Dann folgte der Bericht aus der „Badischen Zeitung“ vom 14. 12. 2004:

„Blattsalat aus konventionellem Anbau ist nach einer Studie von Greenpeace in der Regel mit giftigen Pestiziden und Nitrat belastet. Keine der Waren aus dem Angebot von 6 grossen Supermärkten sei rückstandsfrei gewesen. Gut hätten bei dem Test der insgesamt 23 Salate allein 2 Bio-Salate abgeschnitten.“

Inzwischen entdeckte der Freiburger Toxikologe Wolfgang Reuter, der für Greenpeace Untersuchungen vornimmt, auch Giftcocktails in Obst und Gemüse aus konventioneller Landwirtschaft. Auch darüber erschien ein ausführlicher Artikel in der „Badischen Zeitung“ vom 29. 12. 2004. Diese Arbeit hing ebenfalls an der Pinnwand.

Auf die Frage, wie sich im Umfeld dieser eindrücklichen Warnungen Bio-Salate verkaufen, antwortete mir eine fachkundige, langjährige Verkäuferin des Reformhauses: „Trotz dieser Meldungen haben wir keinen Salatkopf mehr verkauft.“

Meine Meinung dazu liegt auf der Hand: Solche Pressemeldungen haben nur eine kurze Wirkung, da viele Verbraucher offenbar über ein schlechtes Gedächtnis verfügen. Andere legen sich auch eine Alibibehauptung zurecht. So sagte doch kürzlich eine Frau, die regelmässig grosse Mengen Lebensmittel bei einem Grossverteiler zu Billigstpreisen kauft, zu mir: „Was soll das Geschrei in der Zeitung, Gifte sind überall, auch in Bio-Produkten.“

Noch ein anderes Beispiel für das schlechte Gedächtnis der Konsumenten. Nach der Aufdeckung des BSE-Skandals ging der Umsatz von Fleisch und Fleischprodukten dramatisch zurück, was dazu führte, dass ein lautes Wehklagen bei den Fleischverarbeitern ausbrach. Bald konnten die Landwirte und Metzger jedoch wieder aufatmen. Der Verbraucher hatte die Horrormeldungen schnell vergessen und begann wieder mit Wonne, Fleisch zu verzehren. Auch die lästige Frage, woher die Schlachttiere stammen, drang immer weniger an die Ohren der Metzger.

Beim Salat ist Ähnliches zu beobachten: In den Supermärkten gibt es auch zur Winterszeit haufenweise Salate und Gemüse aus konventionellem Anbau − dabei gäbe es genügend Wintergemüse, das ebenfalls gesund ist und zur Jahreszeit passt. Obwohl die Frischprodukte sehr teuer sind und aus dem Treibhaus stammen, werden sie gekauft, was das Zeug hält. Ein Supermarktchef sagte einmal zu mir, er müsse diese Produkte in ausreichenden Mengen anbieten, da der Verbraucher diese zu jeder Jahreszeit wünsche, und an Kundenwünschen könne er mit dem besten Willen nicht vorbeigehen. Dass er dabei eine Portion Gift verkauft, muss er hinnehmen. Schliesslich ist das von den Behörden durchaus erlaubt.

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