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BLOG vom 07.01.2011


Nachrichten aus England: Allerlei gefundene Fressen
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Der Konsument in der Beisszange
Der Konsument in England gerät auch dieses Jahr in die finanzielle Beisszange und wird noch viel härter als zuvor gebissen. Er muss für die britische Misswirtschaft zahlen – bluten ist das zutreffende Wort. Die Bänkler hingegen hocken nach wie vor auf ihren Boni-Pfründen. Bekanntlich haben die Grossbanken in ihrer unersättlichen Geldgier zum Loch in der Staatskasse mehr als nur ihr Scherflein beigetragen. Die Regierung hat sie aus ihrer finanziellen Klemme mit frisch gedruckten Banknoten gerettet. „Quantitative easing“ wird dieser Schummel genannt. Er soll die lahme Wirtschaft wieder ankurbeln.
 
Neue Hypotheken sind arg eingeschränkt und überwintern in den Bankverliesen. Benzin- und Heizölpreise sind in die Höhe geschnellt, ebenso die Bahnabonnements und Fahrkarten mit prozentual 2-stelligen Aufpreisen. Selbst ein Laib Brot kostet 20 Pence mehr. Auf den Studenten lastet ein Schuldenberg. Das Einkommen der Arbeitnehmer wird geschmälert. Firmen machen Pleite. Die Zahl der Arbeitslosen schwillt an. Kinderzulagen und andere Sozialbeiträge werden gekürzt. Hinzu kommt, dass die Mehrwertsteuer von 17,5 auf 20 % erhöht wurde. Wer mit seinem Auto in die Londoner Innenstadt fährt, bezahlt jetzt £ 10 (statt wie bisher £ 8) pro Fahrt für dieses Privileg, dank der erhöhten „congestion charge“. Die mageren Zinsen für Sparer sind unter der Inflationsrate. Fazit: Alles in allem eine monströse Lotterwirtschaft. Hier muss ich vom Thema ablassen und mich dem Fuchs zuwenden.
 
Der Monster-Fuchs in England
Der Stadtfuchs lebt feudal, wird grösser und fetter und erst noch frecher. In Maidstone in Kent wurde ein Fuchs in der Grösse eines Koyoten (Präriewolf) erlegt. Er wog 26 ½ englische Pfund (12 kg) – ein Prachtexemplar, fürwahr.
 
Nach den Festtagen beginnen sich die der Füchse dank der überfüllten Kehrichtsäcke, die in manchen Stadteilen auf den Strassen gestapelt liegen bleiben, festlich zu ernähren. Auch gut gefütterte Katzen und Tauben verschmähen sie nicht. Vergessen wir nicht die Hühner und Kaninchen, die mehr und mehr Städter im Hintergarten halten: ein gefundenes Fressen für Füchse. Kein Wunder, dass sich die Zahl der Stadtfüchse auf 34 000 vermehrt hat. In meinem Garten lebt so ein Monster-Fuchs und nimmt von mir keine Notiz mehr. Er hat Hundegrösse erreicht. Ich lasse ihn unbehelligt und hoffe nur, dass er die Katze unseres Nachbarn, die regelmässig in unserem Garten erscheint, nicht erwischt. Für die Igel wird er wohl wenig übrig haben.
 
Der Kampf gegen die Fettleibigkeit
In verdankenswerter Weise unterstützen u. a. der Nestlé-Konzern und Mars die 250-Millionen-Pfund-Initiative des Gesundheitssekretärs Andrew Lang, wonach Familien einen Gutschein von £ 50 erhalten sollen zum Kauf von Vollkornbrot und Reis, Tiefkühlbohnen und alkoholfreiem Bier. Die Gutscheine gelten auch für diese Produkte: je ein Bon von 25 Pence für „Ski Joghurt“, von Nestlé hergestellt, ein Bon von 50 Pence für „Uncle Ben’s“ Vollkorn-Reis, ein Mars Produkt.
 
Die Einzelhandelskette Asda macht ebenfalls mit und offeriert einen Rabatt von 20 % für Esstische. Das sollte die „Couch-Potatoes“ vom Sofa an den Familientisch zum gemeinsamen Essen bewegen. Ja, mehr Bewegung ist gesund … Neuerdings kommen Riesenbetten auf den Markt mit eingebautem Fernseher am Fussende. Das bewegt einzig die „Bohnenfürzchen“ unter der Decke. Ich glaube, dass diese Initiative überflüssig ist, da der Preisaufschwung für Nahrungsmittel die Fettleibigkeit drosseln hilft. Während ich das schreibe, träume ich von einer Sachertorte. Ich werde mich zu Fuss in die Confisérie machen; denn Bewegung muss sein.
 
Die Schweinegrippe aufersteht
Wie immer, kommt die Grippe im Winter, ausgerechnet, wenn der Impfstoff knapp wird. Von 1000 Einwohnern erwischen im Schnitt 124 Leute die Grippe in der einen oder anderen Form, sei es die H1N1-Sorte, oder von anderen Erregern ausgelöst, wie etwa dem Influenza-B-Virus.
 
Welcher Impfstoff wirkt gegen den „Drückeberger“-Virus, der am Sonntagabend aktiv wird?
 
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