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BLOG vom 27.01.2011


Detroit: Die sterbende Stadt des US-Automobilismus
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Alle Grossstädte haben ihre Elendsviertel: London, Paris, Brüssel unter vielen anderen anderswo, auch ausserhalb von Europa. In der sogenannten westlichen Welt finden sich die schlimmsten und traurigsten Slums in den USA. Darüber wird wenig berichtet. Amerika, einst als das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ bezeichnet, ist vom Schimmelpilz der Armut und des Zerfalls überwuchert und vermodert, indessen nach wie vor ein Trugbild des amerikanischen Wohlstands der Weltöffentlichkeit vorgetäuscht wird. Der Präsident und Seelsorger des Landes, Barack Obama, predigt von der hohen Kanzel über Menschenrechte und Demokratie. Während des letztwöchigen Staatsbesuchs des chinesischen Präsidenten Hu Jintao gab er jedoch andere Töne von sich: Die kommerziellen Interessen überwogen. Michelle Obama erschien knallrot kostümiert – in der Farbe der chinesischen Flagge. Lassen wir hier diese Scharade fahren und steigen kurz ins Getto von Detroit (Michigan) um.
 
Wer im „Google“ hinter „Detroit“ das Wort „Slum“ beifügt, erfährt, wie schlecht es um diese Stadt und Sitz der Automobilhersteller General Motors, Ford und Chrysler bestellt ist. 1950 zählte Detroit 1,8 Millionen Einwohner. Heute sind es noch knapp 1 Million. Der Anteil der schwarzen Bevölkerung beträgt gegenwärtig rund 81 %, die der weissen 12 %. Ganze Stadtteile sind wie ausgestorben: die Gebäude zerfallen, die Autos verrosten. Die Natur überwuchert Strasse um Strasse, wird wieder zur Prärie, währenddem die Leute auswandern. Die Stadt hat die höchste Kriminalitätsrate in Nordamerika. In einer Video-Rundfahrt („Tour of Detroit’s Ghetto“) durch die Ruinenlandschaft konnte ich durchs Autofenster das Trümmerfeld sehen. Kein Tourist soll sich dort zeigen. Das wäre lebensgefährlich.
 
Die Stadt entstand 1701, Ville d’Etroit (Stadt an der See-Enge) genannt, und diente zuerst als Handelsposten zwischen den Franzosen und den Indianern. Eine grandiose Architektur, vergleichbar mit Paris, wurde der Stadt nachgesagt. Davon gibt es kaum mehr Überreste, geschweige denn Indianer. Wahrend des 2. Weltkriegs wurde Detroit auch als „Arsenal of Democracy“ (Demokratie-Arsenal) bezeichnet, was merkwürdigerweise sogar bis auf den heutigen Tag für die gesamten Vereinigten Staaten getan wird ... Schlagworte haben ein längeres Leben als die Wirklichkeit.
 
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