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BLOG vom 27.07.2011


Bitte keine Reklame! GB: Papierseuche nicht zu stoppen
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Der Aufkleber „Bitte keine Reklame!“ findet sich an manchen Briefkästen in der Schweiz. Viele Leute ärgern sich an Drucksachen aller Art, die ihren Briefkasten verstopfen.
 
Auch wir in London kriegen viel „junk mail“ (Postwurfsendungen), von der Royal Mail, entweder direkt oder durch die Royal Mail über die international vertretene „Spring Global Mail“ ausgeliefert. Das ist ein Bombengeschäft für die Royal Mail in der Grössenordnung von jährlich £ 17 Millionen für den direkten Versand von Massenreklame an Haushalte und Firmen, auf und ab im ganzen Land. Die Royal Mail liefert die dazu benötigte Adresslisten. Wer versucht, diesen Papierballast zu stoppen, ist machtlos. Überdies glaubt der Empfänger, die Post stamme allesamt aus England, dank des britischen Poststempels. Natürlich verteilt die Royal Mail in eigener Regie ebenfalls eine Flut von Drucksachen aller Art, seien es Kataloge von Versandhäusern, Bettelbriefe von unzähligen „Charity Shops“, also Wohlfahrtsorganisationen, die heutzutage in 1. Linie auf ihr eigenes Wohl bedacht sind, Lotterieangebote, Gratiszeitungen und viele, viele andere Werbebroschüren.
 
Diese Papierseuche muss natürlich entsorgt werden. Der Empfänger bezahlt für diesen Dienst als Teil der „Council Tax“. Und wo landet das Papier? Grösstenteils – tonnenweise – auf Abfallhalden. Nur ein kleiner Teil davon wird in England wiederverwertet. Das ist skandalös. Ein findiger Haushalter verwandelt diesen Papiermüll in Briketts. Damit heizt er seinen Ofen spottbillig.
 
Es ist ein kleiner Schritt vom „junk mail“ zu „scam mails“, die den Empfänger betrügen wollen. Besonders ältere Leute werden von diesen Fallenstellern betrogen. „Sie haben £ 22 000 Pfund gewonnen“, verheisst der Text, „der Scheck ist versandbereit!“. Der Empfänger wird zu einem Kauf eingeladen, etwa eine schäbige Türvorlage und anderer billiger Kram.
 
In einer Reportage wurde kürzlich berichtet, wie betagte Leute solche Sendungen kiloweise im Haus stapeln und über die Jahre viel Geld in die Taschen solcher Betrüger gestopft haben. Hier sei der elektronische „scam“ nur am Rande erwähnt, denn viele alte Leute sind mit solcher Elektronik überfordert. Adresslisten von anfälligen Leuten werden an andere „scumbags“ (Drecksäcke) weiterverkauft. Die Betrugsversuche breiten sich rasant aus.
 
Lokale Verteiler verstopfen die Briefkästen zusätzlich: Bald nimmt jedes lokale Curry-Restaurant an diesem Rummel teil, gefolgt von Immobilienmaklern, Kettenläden, worunter die Supermärkte vorherrschen, usw. Kommt die lokale Gratiszeitung ins Haus, flattert viel Reklame aus den Seiten, desgleichen auch die Reklamebeilagen, besonders in der Wochenendausgabe des „Daily Telegraph“ und anderen Sonntagszeitungen.
 
Ich spiele mit dem Gedanken, einmal wöchentlich die geballte Reklameladung mit dem Stempelaufdruck „Return to sender“ (zurück an den Absender) in den Postbriefkasten zu stopfen, denn mein Briefkasten soll kein Abfalleimer bleiben. Vielleicht füge ich die Steuererklärung hinzu …
 
Haben Sie wirksamen Rat, um diesem Reklameunfug beizukommen?
 
 
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