Textatelier
BLOG vom: 24.04.2012

Abstand vom Weltgetriebe: Der Garten gewinnt an Farbe

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Die wochenlang anhaltende Sommerwärme hat dieses Jahr 2012 früh die Knospen getrieben und zum Platzen gebracht, besonders auch die der Reben. Viel Birkenblut hat aus den Ästen getröpfelt. Jetzt, im April, kamen wieder Kälte und Regen, sehr viel Regen. Die Primeln und Glockenblumen trotzen dem Wetterumschwung und entfalten ihren Blütensegen. Die Vögel sind mit dem Nestbau beschäftigt. Auch der Salat keimt. Nachtsüber decke ich die Keimlinge ab und schütze sie vor dem Frost – und enthebe mich damit der Mühe, nochmals zu säen. Die zarten Löwenzahnblätter bereichern unseren Salat, zusammen mit dem frisch hoch gesprossenen Schnittlauch, und sichern mir den Schlaf.
 
Der Fuchs macht täglich seine Runde durch den Garten. 2 neue Katzen durchstreifen ebenfalls den Garten, eine getigerte und eine mit fahlem Pelz. Zuerst waren sie sehr scheu, sind aber inzwischen zutraulich geworden. Eine lässt sich bereits von mir streicheln, von der Schüssel mit Milch angelockt. Die schwarze Katze mit einem weissen Brustfleck schmollt und fühlt sich von mir vernachlässigt. „Mache dir keine Sorgen“, ermuntere ich sie. Ich verlasse mich darauf, dass sie sich, wie zuvor an sonnigen Tagen, neben mir setzt, wie ich lese.
 
Die Blüten des Zwetschgenbaums (genauer: Damaszenerpflaumen), lösen sich, vom Wind erfasst, von den Ästen und fallen so weiss wie Schnee über die Beete. Die Blüten des wilden Kirschbaums beim Schuppen werden sie ablösen.
 
Dem Garten entspriessen viele Blüten von Pflanzen, die ich nicht benennen kann. Genau betrachtet, sind so schön wie die augenfälligeren. Ihr Nektar gehört den kleinen Insekten.
 
Es tut gut, bisweilen – dank der Natur – Abstand vom Weltgetriebe zu gewinnen. Wann werde ich endlich nach so vielen Jahren wieder zu den Alpen in der Schweiz hochsteigen, angelockt von der Alpenflora? In der Zwischenzeit genüge mir die Anhöhe in Wimbledon.
 
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