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BLOG vom 21.07.2012


Londoner Schnapsideen: Kriegsstimmung vor Olympia
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Im Gasthaus „Zur Lachmöwe“ werden mit Schnaps begossene Ideen zu Schnapsideen. In der Politik braucht es dazu nicht einmal Schnaps.
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Die Zeitungsenten ernähren sich von Schnapsideen und verbreiten Falschmeldungen. Auch 1.-April-Scherze sind eine beliebte Zeitungsente-Abart.
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Diese französische, satirische Zeitung „Le Canard enchaîné“ (gefesselte Ente) hat wenig mit Zeitungsenten zu tun. Sie nimmt sich der politischen Skandale an und bedient sich dabei des „Hoselupfs“, um Politiker auf den Rücken zu werfen, wie an den traditionellen Schwingfesten vom Älplern in der Schweiz praktiziert. Damit niemand auf eine Schnapsidee kommt, sei betont, dass dies bloss ein allegorischer Vergleich ist.
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Gewisse – bei Weitem nicht alle – Schnapsideen sind zum Lachen bestimmt. Doch wer sie als bare Münze nimmt, ärgert sich zünftig.
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Viele Erfindungen erweisen sich als Schnapsideen. Ein ohrenbetäubendes Gerät, das mit Pressluft die Herbstblätter aufwirbelnd heimsucht, hat mancherorts, besonders in den vornehmen Vorstädten, den bewährten Rechen oder Reisigbesen ersetzt. Und gesellt sich der herbstliche Wirbelwind hinzu, beginnt des Gärtners verbissener Kampf zwischen Technik und dem windigen Naturelement. Damit wird kein Laubhaufen geschaffen, sondern bloss ein Haufen Unsinn zerstreut.
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Ist ein Hagelwetter angesagt, erinnere ich mich an meine Zeit als Knabe, wurden in Basel Böllerschüsse in die geblähten dunklen Wolken geschossen (Hagelraketen zur Wetterbeeinflussung).Es hagelte dennoch – und erst noch stärker.
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Kaum wurde in England der Einsatz von Gartenschläuchen wegen Wassernot verboten, öffneten sich die Schleusen des Himmels monatelang mit verheerenden Folgen. So gehören auch langfristige Wettervorhersagen oft zu den Schnapsideen.
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Eine weitere Schnapsidee ist das Riesenaufgebot der britischen Wehrmacht, um die Olympischen Spiele vor Attentätern zu schützen. Diese Abschreckungsmassnahmen mit Soldaten, Kampfflugzeugen, Geschützen auf Wohnhäusern und erst noch eines der grössten Kriegsschiffe auf der Themse bedrohen Spieler und Zuschauer gleichermassen während eines allfälligen Attentats. Mag das mit ein Grund sein, weshalb es mit dem Verkauf von Eintrittskarten harzt? Die Nation sitzt hinter dem Fernseher, hat sich verschanzt. Viele Arbeitnehmer machen blau. Wer arbeiten möchte, erreicht, wenn überhaupt, erst nach Stunden seinen Arbeitsort im Verkehrsstau. Das Wirtschaftsleben stockt weiterhin – ausserhalb der Pubs.
 
Wird sich dieses kostspielige Massenspektakel als eine Schnapsidee 1. Ranges erweisen? Genau ein Tag nachdem die Wahl auf London fiel, hat ein von Terroristen angezetteltes Attentat viele Opfer gefordert … Die GB-Kriegsnation als Lakai der USA hat beide Nahostkriege mit schaurigen Verlusten unter der Zivilbevölkerung, verloren und dabei viel Hass geschürt. Bleibt sehr zu hoffen, dass die Engländer, Touristen und Teilnehmer heil entkommen.
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Es gibt Schnapsideen, die mit schlechten Witzen wetteifern, worunter die Empfehlung „macht Ferien zuhause“, verbunden mit dem neu dafür geprägten Wort „Staycation“. Viele Strassen, auch in Wimbledon, sind wegen der Olympischen Spiele (27. Juli bis 12. August 2012) gesperrt. Meidet Wimbledon, wird angeraten. Parkplätze im West End sind überfüllt. Meldungen wie diese erschweren den Zugang ins Zentrum von London: „Southern trains will continue to terminate at London Bridge with the interchange option for the Northern and Jubilee Line and Canon Street trains, but not Waterloo or Charing Cross." – „Staycation" bedeutet für viele Londoner: „stay put” (bleibe daheim). Vielleicht machen wir, kommt Sonnenschein, einige Spaziergänge im Wimbledon Common, falls dort keine Abwehrraketen platziert sind. So oder so werde ich mich nicht langweilen: Stoff zum Schreiben wartet mir auf …
 
P.S. In diesem Aufsatz wollte ich den Schnapsideen die heitere Seite abgewinnen. Das ist mir leider misslungen. Die Lachmöwe ist mir entflogen.
 
Hinweis auf weitere Blogs zu Olympischen Spielen in London
 
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