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BLOG vom 16.08.2012


Ostsee: Vorteile für Nichtschwimmer unter den Fischern
Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein D
 
Sie meinen, das Schwimmen und Baden im Meer gab es schon immer? Weit gefehlt! Thermalbaden in Kurorten war spätestens seit dem 17. Jahrhundert in Mode. Doch auf die Idee, in freier Natur zu baden, kam lange niemand. Mit der Aufklärung reformierte man auch die Medizin und die Ideen von Gesundheit und Hygiene. Bewegung in der Natur wurde empfohlen. So kam das Baden im Freien in Mode, und zwar nicht nur in warmen Quellen, sondern auch in offenen Gewässern. Kurz nachdem der Physiker und Schriftsteller Georg Christoph Lichtenberg 1793 „ein grosses öffentliches Seebad auch für Deutschland“ gefordert hatte, empfahl der Leibarzt des Rostocker Herzogs Friedrich Franz I. die Gründung eines Kurortes an der See. Er dachte an heilende Badereisen und stellte Baderegeln zur Gesundung und zur gesundheitlichen Vorsorge auf.
 
Der Rostocker Medizinprofessor Dr. Vogel hatte 1794 ein 18 Punkte umfassendes Regelwerk für gesundes Baden veröffentlicht, welches auch in unseren Tage eine gute Grundlage bildet: Nicht erhitzt oder mit vollem Magen ins Wasser gehen, desgleichen bei Unpässlichkeit und akuter Krankheit nicht gleich ins kalte Wasser springen, erst untertauchen, sich viel bewegen und gut abfrottieren.
 
Haffkrug, jetzt ein Ortsteil von Scharbeutz, nicht weit von Lübeck und seinem Stadtteil Travemünde an der Ostsee entfernt, feierte in diesen Tagen seinen 200-jährigen Badebetrieb und war damit neben Travemünde und Doberan bei Heiligendamm eines der ersten Ostseebäder der Geschichte. Vorher waren das Baden und Schwimmen im Meer verpönt. Auch die Fischer konnten nicht schwimmen. Unter den Fischern galt, wer ins Wasser falle, sei sowieso verloren, und die Unglücklichen, die schwimmen konnten, verlängerten damit nur ihr Leiden.
 
Haffkrug war damals ein kleines Dorf mit 162 Einwohnern und gehörte noch zu Dänemark. Ein findiger Dorfbewohner, Johann Knoop, erweiterte ein altes Wirtshaus für Übernachtungsmöglichkeiten und eröffnete das „Elisabethbad“ für die gehobene Gesellschaft. Um im Meer baden zu gehen, musste man über einen Badekarren zum Umkleiden verfügen, Männer und Frauen streng getrennt und sittsam gekleidet. Der Badekarren wurde dann mit Pferden bis zum Wasserrand geschoben, und so konnten die Herrschaften ihre Füsse ins Wasser setzen.
 
Um 1900 wurde die sich inzwischen zum Nobelhotel entwickelte Unterkunft aufgegeben und die ersten Privatunterkünfte wurden angeboten. Haffkrug wurde ein Familienbad.
 
Interessant ist, dass im Jahre 1900 auch die Kurtaxe erfunden wurde. Wer ins Wasser wollte, musste diese bezahlen, wenn nicht, wurden 30 Mark Ordnungsstrafe fällig, damals eine hohe Strafe. Die Kurtaxe ist geblieben, pro Tag zahlt man pro Erwachsener 4 oder 5 Euro.
 
Im Jahr 2011 gab es 105 000 Übernachtungen in Haffkrug. Der Ort lebt, wie alle Badeorte hier an der Ostsee, vom Tourismus, hauptsächlich in den Sommermonaten. Verglichen mit Scharbeutz, dem Timmendorfer Strand und Travemünde hat sich Haffkrug noch den Flair eines Familienbades bewahrt, es ist nicht so mondän, und die Preise sind erschwinglich.
 
Wir wohnen in Süsel, einem Dorf zirka 6 km entfernt, und zahlen für eine komplett eingerichtete Ferienwohnung inklusive Fahrradbenutzung 40 Euro am Tag. Wollen Sie direkt mit Aussicht auf die Ostsee wohnen, zahlen Sie etwa das Doppelte oder sogar mehr.
 
An sonnigen Sommertagen sind nicht nur die Parkplätze überfüllt, auch die Strandkörbe sind besetzt, und in der Lübecker Bucht tummeln sich viele Segelschiffe. An Wochenenden sind diese Badeorte beliebte Ausflugsziele von Hamburger Bürgern.
 
In diesem Jahr war das Wetter sehr launisch, die Temperaturen stiegen nur selten über 25 Grad C, und das Wasser war auch nicht besonders warm. So begnügen sich die meisten damit, am Strand in der Sonne zu liegen, Federball zu spielen oder mit den Füssen im Wasser zu flanieren. Nur die Kinder planschen gern im flachen Wasser. Die Strandkorbbesitzer klagen über ein mieses Geschäft und hoffen darauf, dass die zweite Augusthälfte und der September noch viele Sonnentage bereit halten.
 
Ich persönlich mag die Ostsee am liebsten ausserhalb der Saison. Nur wenige Gäste sind da. Viele Geschäfte sind geschlossen, es gibt keine Hektik, und man kann, wenn man will, stundenlang durch den Sand am Strand entlang laufen.
 
Internet
www.treffpunkt-ostsee.de › wissenswertesden strand erleben
 
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