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BLOG vom 11.10.2012


Hunde-Weisheiten und -Spezialitäten – international
Autor: Richard G. Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein D
 
Über Hunde ist gewiss schon viel geschrieben worden. Mich interessiert, was für eine Rolle Hunde bei anderen Völkern spielen. Das eine Extrem sind Hunde als Mahlzeit wie in Korea, Vietnam und südlichen Provinzen von China; den Konsum von Hundefleisch soll es auch in Malaysia, Myanmar (Burma), Laos, Ghana und im Kongo, in Teilen von Indonesien, Thailand und Osttimor geben. Wir rümpfen darüber die Nase; Tierschützer gehen auf die Barrikaden.
 
Als die Menschen in Frankreich zur Zeit der Französischen Revolution auf die Barrikaden gingen, waren Hunde auch hier in Europa ein Nahrungsmittel, vor allem als Notration; auch im Appenzeller- und Bündnerland sowie in einigen sächsischen Städten wurden bis zum Jahr 1900 Hunde verspeist. Hundefleisch liegt geschmacklich zwischen Rindfleisch und Wildbret. Nach islamischen und jüdischen Speisegesetzen ist der Verzehr von Hundefleisch nicht erlaubt, in Deutschland und Österreich ist er aus Tierschutzgründen verboten; in der Schweiz darf Hundefleisch privat gegessen, nicht aber gehandelt werden.
 
Trauernde Hunde
Ein Grund für das Verbot, Hunde zu essen, dürfte der emotionale Bezug zwischen Mensch und Tier sein. Es besteht die Ansicht, dieser sei gegenseitig. Als Begründung für diese These wird das Beispiel des Hundes aufgeführt, der sich auf das Grab seines Herrn niederlegt und lieber stirbt als dass er Nahrung von fremder Hand annähme. Es gibt Beispiele von „trauernden Hunden“ aus vielen Ländern.
 
Hündische Ergebenheit
Wer, wie auch der Autor persönlich, viele Jahre lang Hundehalter war, weiss, wie anhänglich ein Hund sein kann, in meiner Familie mehr zum Herrn als zur Frau des Hauses. Von mir liess er sich häufiger kraulen als von ihr. Mich hat diese hündische Ergebenheit häufig abgestossen. Die Natur des Hundes lässt ihn im Umgang mit Menschen der „seelischen“ Selbstständigkeit berauben; der Hund versteht sich in seiner Erfahrung als Besitz des Menschen. So kann der Verlust der Bezugsperson für den Hund so etwas wie ein Weltuntergang sein. Viele Hundebesitzer bezeichnen diese Ergebenheit mit „Treue“. Zu hoffen ist, dass für sie die Treue des Hundes nicht der menschlichen Treue gleichgestellt wird, aber das soll vorkommen. Erklärt wird die Treue des Hundes damit, dass der Mensch oder die Menschen, die für ihn sorgen, Ersatz für das Rudel des Hundes sind. Der Hund ist also nicht aufgrund von Einsicht, sondern aus Instinkt treu. Aus dem 14. Jahrhundert soll folgender Spruch stammen:
 
Gehorsam ist ihre erste Pflicht! Die Liebe einer guten Ehefrau muss der Treue eines Hundes gleichen. Alle Befehle des Mannes - und seien sie auch noch so unvernünftig - musste sie befolgen. (dabu)“
 
Nonverbale Gespräche
Nonverbal drücken sich alle Hunde der Welt gleich aus: Hunde stammen vom Wolf ab, und der lebt in Rudeln; das erfordert Kommunikation. Die Mimik ist beim Wolf – und daher auch beim Hund – recht gut ausgeprägt. Zeigt der Hund die Zähne (Leftzen hochziehen), drückt das in der Hundesprache entweder Aggression oder Angst aus. Welche Gefühlslage hinter den hochgezogenen Leftzen steht, ergibt sich erst aus dem Gesamtbild: Sind gleichzeitig die Ohren angelegt, hat der Hund meistens Angst. Hochgestellte Ohren in Kombination mit dem Zeigen der Zähne und begleitenden Lautäusserungen (drohendes Knurren) bedeuten, dass der Hund kurz davor steht, anzugreifen.
 
Ein weiteres Merkmal ist, wie der Hund seinen Schwanz hält; bekannt ist das Einklemmen zwischen den Beinen.
 
Er zieht den Schwanz ein“, bedeutet, der Hund (oder der Mensch?) gibt eine Auseinandersetzung auf und rennt davon.
 
Paul Auster bringt das Verhalten eines Hundes in seinem Roman „Timbuktu“ drastisch auf den Punkt: „Wenn du’s nicht fressen oder rammeln kannst, piss drauf!“.
 
Die Hundesprache
Für die „Sprache“ der Hunde gibt es in allen Sprachen verschiedene Bezeichnungen. Schon im Deutschen gibt es neben dem „bellen“ „kläffen“, „jaulen“, „knurren“ und „winseln“, je nachdem, was der Hund „ausdrücken“ will. Hauptsächlich hört sich das bellen wie „wau wau“ oder „wuff wuff“ an. Nicht so in anderen Ländern.
 
In Frankreich macht der Hund nämlich ouah-ouah, in Spanien guau, in Italien bau-bau und in England bow-wow. Rumänische Hunde sagen ham-ham. Der baskische Hund sagt zaun, der russische gav, während sich der estländische mit einem schlichten auh begnügt. Der türkische Hund macht kuçukuçu. Die lustigsten Hunde kommen aber aus Katalonien, sie bellen bup bup.
 
Streunende Hunde
In vielen Ländern der Erde gibt es Hunde, die niemandem gehören, sie laufen in den Städten umher und versuchen überall, Nahrung zu finden. In jedem Land wird mit dem Problem der streunenden Hunde anders umgegangen. Viele Tierschutzorganisationen kümmern sich darum. So war unser Hund aus einem Tierheim, das die Hunde aus Spanien holt. Dort werden sie getötet, wenn niemand sie haben will. Anderswo bemüht man sich um Kastrierung der Hunde. Das Problem dürfte schwer in den Griff zu kriegen sein. Man sollte keine streunenden Hunde anfassen, sie könnten Krankheitserreger auf sich tragen, auch wenn sie harmlos aussehen.
 
Redensarten
Es gibt viele Sprichwörter, Redensarten und Weisheiten zu Hunden. Hier ein paar, deren Autoren unbekannt sind:
 
• Schlafende Hunde soll man nicht wecken.

• Eines der Dinge, die nicht für Geld zu haben sind, ist das Schwanzwedeln eines Hundes.

• Das beste am Menschen ist sein Hund!
 
• Hunde glauben, sie seien Menschen und Katzen glauben, sie seien Gott.
 
• Hunde haben ein Herrchen oder Frauchen, Katzen haben Personal.

• Wer für die Katz arbeitet, kommt bald auf den Hund.

• Hunde, die bellen, beissen nicht.

• Was uns so fest mit Hunden verbindet, ist nicht ihre Treue, ihr Charme oder was es sonst noch so sein mag, sondern die Tatsache, dass sie nichts an uns auszusetzen haben.
 
Um besser vergleichen zu können, hier ein paar Sprichwörter zu Hunden aus Deutschland:

• Frisst der Hund viel grünes Gras, gibt es bald von oben was (Bauernregel).
 
• Wer mit Hunden ins Bett geht, steht mit Flöhen wieder auf.

• Faule Schäfer haben gute Hunde.
 
Zum Schluss Redensarten aus der ganzen Welt:
 
• Ein Hund ist ein Herz auf 4 Beinen! (Sprichwort aus Irland).
 
• Ein Hund wird sich an 3 Tage Freundlichkeit 3 Jahre lang erinnern, eine Katze wird 3Jahre Freundlichkeit nach 3 Tagen vergessen (Sprichwort aus Japan).
 
• Ein kluger Hund bellt nie ohne Grund (Sprichwort aus Frankreich).
 
• Einem alten Hund kannst du keine neuen Tricks beibringen (Sprichwort aus England).

• Lehre den Hund zu schnappen, und bald wird er dich beissen (Sprichwort aus Ägypten).

• Wer Hunde liebt, muss auch die Flöhe in Kauf nehmen (Sprichwort aus Sambia).

• Die grösste Liebe ist Mutterliebe, dann die Liebe eines Hundes und danach die einer Geliebten (Sprichwort aus Polen).
 
• Es ist schwer, einen so treuen Gefährten wie einen Hund zu finden ‒ hat ein Armer ihn aufgezogen, so wird er keinem Reichen je folgen (Sprichwort aus der Mongolei).
 
Der Hund ist klüger als die Frau. Er bellt seinen Herrn nicht an (Russisches Sprichwort).
 
Eines Hundes Treue währt ein ganzes Leben lang, die einer Frau bis zur ersten Gelegenheit (Spanisches Sprichwort).
 
Der hungrige Hund fürchtet den Stock nicht (Japanisches Sprichwort).
 
Wenn der Wolf erlegt ist, beissen ihn alle Hunde (Französisches Sprichwort).
 
• Ein schwanzloser Hund kann nicht zeigen, dass er sich freut (Albanisches Sprichwort).
 
Wenn sich im Paradies eine Menschenseele und eine Hundeseele begegnen, muss sich die Menschenseele vor der Hundeseele verneigen (Sibirisches Sprichwort).
 
Es ist schwer, einen so treuen Gefährten wie einen Hund zu finden; hat ein Armer ihn aufgezogen, so wird er keinem Reichen je folgen (Weisheit aus der Mongolei).
 
Ein Hund zur Hand ist besser als ein Bruder weit weg (Persisches Sprichwort).
 
Wenn du jedes Mal stehen bleibst, wenn ein Hund bellt, wirst du deine Reise nie beenden (Arabisches Sprichwort).
 
Kann man aus diesen Sprichwörtern auf die Denkweise und Mentalität der verschiedenen Völker schliessen?
 
Quellen
 
Hinweis auf weitere Hunde-Blogs
14.05.2005: Die Schönheitschirurgie ist auf den Hund gekommen
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