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BLOG vom 09.11.2012


Sauerland (2): Winterberg, Kahler Asten und Niederländer
Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein D
 
Der beliebteste Touristikort im Sauerland ist Winterberg. Winterberg ist bekannt für Wintersportaktivitäten, Bob- und Rodelrennsport. Für viele Niederländer sind das Sauerland und Winterberg das Ziel für einen Ferien- und Erholungsaufenthalt. Sie sind in wenigen Stunden erreichbar und bieten die Berge, die es in den Niederlanden nicht gibt.
 
Wir hatten ein 3-Tage-Arrangement im Waldhotel in Züschen, einem eingemeindeten Dorf, 7 km von Winterberg entfernt, gebucht. Die Bestätigung des Hotels zeigte uns an, dass das Hotelier-Ehepaar aus den Niederlanden stammt und den Familiennamen „Oranje“ trägt. So zeigte uns eine Tafel am Eingang des Hotels in niederländischer Sprache an, dass wir ins Restaurant und zur Rezeption eine Treppe nach unten gehen sollen.
 
Der Empfang war herzlich, unser Zimmer hatte einen kleinen Balkon und Aussicht auf ein Gästehaus und den dahinter liegenden Berg. Das Hotel wird meistens von Niederländern frequentiert – und das nicht nur im Winter, sondern das ganze Jahr über. Eine Tafel im Restaurant zeigte auf Niederländisch die Bitte von Luuk und Jaqueline an, das abendliche Dinner möglichst schon morgens zu bestellen.
 
Die touristischen Betriebe in Winterberg sind zu 20 % in niederländischer Hand. In Winterberg selbst kann man im Ort neben Deutsch vor allem Niederländisch und Flämisch hören.
 
Ein Vorteil für den Ort ist die Nähe zum zweithöchsten und bekanntesten Berg im Sauerland, dem Kahlen Asten. Obwohl der Langenberg genau 1 m höher ist, ist der Kahle Asten mit seinen 842 m, bei der der Turm mitgerechnet ist, der Berg, der die meisten Besucher anzieht. Der Berg trägt seinen Namen zu Recht: Der Gipfel ist kahl, nur mit Heidekraut und wenigen Bäumen bewachsen. Neben der Wetterstation gibt es ein Hotelrestaurant. Bei Schnee, der hier während etwa 3 Monaten im Winter liegt, kann man über einen Sessellift den Berg erreichen und dann abwärts fahren. Jaqueline, die Pächterin des Hotels, erzählte uns, dass an manchen Tagen die Sportler bis zu 20 Minuten am Lift anstehen, nach oben fahren und mit den Skiern in wenigen Minuten wieder unten ankommen, um sich wieder anzustellen.
 
Bei unserem Spaziergang oben auf dem Berg fiel mir die sinfonische Dichtung von Modest Mussorgski mit der Bezeichnung „Nacht auf dem kahlen Berge“ ein. Er hat das Stück 1867 komponiert, und es soll das Hexentreffen in der Johannisnacht darstellen, den Streit der Hexen, den Auftritt des Satans, eine schwarze Messe und den Hexensabbat. Zum Ende ziehen sich die Hexen wieder zurück, und alles beruhigt sich. So könnte ich mir auch eine Nacht auf dem Kahlen Asten vorstellen; alles ist still, nur der Wind bläst und säuselt, und ich warte auf das Erscheinen der Hexen.
 
Wir waren aber am helllichten Tag dort. Die Spitze ist auch mit dem Auto erreichbar, und am Vormittag wird der Parkplatz schnell voll. Die Besucher wollen von hier aus wandern oder einfach nur die herrliche Aussicht geniessen. In der Ferne sieht man weitere Bergrücken, deren Farbe von unten nach oben vom tiefen Schwarz zu hellerem Grau wechselt, die Veränderung zeigt die verschiedenen Höhen der Berge an, die alle mit Fichten bewachsen sind.
 
Winterberg nennt sich Luftkurort. Ganz in der Nähe der Einkaufsmeile hinter dem Kurgarten kommt man zu einer Attraktivität, die nur von wenigen Touristen besucht wird. Der Ort wird nämlich im Waldpark Helletal durch eine Schlucht geteilt, und die Schlucht verengt sich zu einer Klamm. Das Adjektiv „klamm“ bedeutet feucht, nasskalt, muffig und modrig, das Substantiv auch Abgrund und Kluft. Für unsere Wanderung traf beides zu, denn es hatte die Nacht vorher geregnet. In Serpentinen geht es 180 m abwärts. Unten fällt der Blick auf einen rauschenden Bach; rechts und links davon steigen die Berge nach oben. Die Sonne liess sich an diesem Tag nicht blicken, so dass nur wenig Licht zwischen den Erhöhungen nach unten gelangte. Nur das Plätschern der Helle war zu hören. Der Weg führt über eine Holzbrücke und eine weitere dahinter, die über einen Zufluss gebaut worden war. Mal hatte man den Bach direkt neben sich, mal stieg der Weg bergan, und er war nicht mehr zu sehen.
 
Was für ein Gegensatz zwischen Bergspitze und Klamm! Oben die freie Luft und der Rundumblick, unten das Gefühl des Bedrängtseins, des Eingesperrtseins. Über Holztreppen geht es wieder nach oben, und dort wird kräftig eingeatmet, denn die Enge ist überwunden!
 
Das Abendessen im Hotel war sehr schmackhaft. Als Aperitif gab es einen „Bessenjenever“, ein Schnaps mit schwarzen Johannisbeeren. Es folgte ein schmackhaftes Pilzgericht aus der regionalen Küche. Wenn man wollte, hätte man auch „typisch nederlands“ essen können, denn Luuk kochte selbst. Dazu darf im Sauerland ein Bier nicht fehlen, kommen doch das Warsteiner und das Veltins aus örtlichen Brauereien.
 
Die Rückfahrt am nächsten Tag war stark verregnet, wir aber schauten auf angenehme Tage zurück.
 
Quelle
 
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