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BLOG vom 20.01.2013


Schwarzwald, Hexenloch und die Tür zur Vergangenheit
Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein D
 
Jedes Jahr überlegen sich Johann und Gritta, wo sie im Sommer ihren Urlaub verbringen wollen, seitdem ihre Kinder aus dem Haus sind. Der Begriff Urlaub passt nicht mehr so richtig, seitdem beide den Lebensabschnitt erreicht haben, in dem sie nicht mehr arbeiten müssen. Sie sind „in Rente“. Ihre Bezüge reichen bequem für ein Leben, das nur noch wenige Wünsche offen lässt. Das Auto tut es noch eine Weile, und im eigenen Häuschen muss nichts mehr angeschafft werden. So bleiben nur noch die Kosten für das Wohnen und die Lebensmittel. Was übrigbleibt, wird für Mitbringsel zur Freude der Kinder und Enkelkinder und fürs Reisen ausgegeben. Viele schöne Reisen haben sie in den Jahrzehnten gemacht, in Deutschland und im Ausland. Jedes Jahr suchen sie sich ein neues Ziel, nur sehr selten fahren sie wieder dorthin, wo sie schon einmal waren. Sie sind beide noch „gut zu Fuss“, und man kann nie wissen, wie lange das noch so sein wird.
Johann kam auf die Idee, in den Schwarzwald zu fahren. Er war ihm nicht ganz unbekannt, hatte er doch ein paar Semester in Freiburg i. Br. studiert und in dieser Zeit einige Touren unternommen. In einigen schönen Ecken war er noch nie; der Schwarzwald ist gross.
 
Nach einigem Suchen im Internet fanden sie die Beschreibung einer alten Hütte abseits eines mitten im Wald gelegenen Dorfs mit Namen Hexenloch im Heubachtal in der Nähe des Bergbachs mit dem schönen Namen „Wilde Gutach“.
 
Gritta meinte zu Johann: „Das ist wieder typisch, Hänsel und Gretel im Wald beim Hexenloch! Und eine Hexenlochmühle gibt es auch. Da brauchen wir nur noch das Hexenhäuschen zu suchen!“
 
Per Internet und Mail-Kontakt buchten sie die Hütte für 2 Wochen. Da der Eigentümer in Freiburg lebte und nicht extra zur Hütte fahren wollte, schickte er dem Ehepaar eine genaue Beschreibung, ein Foto und die Schlüssel der Hütte. Alles Weitere würde sich finden. Da sie am Samstag anfahren wollten, wurde ihnen geraten, für das Wochenende ein paar Lebensmittel mitzunehmen.
 
Ein paar Tage vor der Reise im Juli ging es ans Packen. Bettwäsche sei vorhanden, hiess es, also reichten Handtücher, Waschlappen und Trockentücher. Die Kleidung sollte auch für kältere und auch regnerische Tage geeignet sein, denn dort im Schwarzwald könne es auch im Juli noch recht frisch und manchmal ungemütlich werden. Beide waren routinierte Packer mit viel Erfahrung, und gemeinsam überlegten sie, was sie alles mitnehmen sollten. Lesestoff gehörte dazu. Es gab nur ein Radio, und einen kleinen CD-Spieler für die langen Abende nahmen sie selber mit.
 
Da passte es in die Vorbereitungszeit gut, dass sie einen Flohmarkt besuchten. Dort fanden sie Lesestoff, und Johann stiess auf eine CD mit Schlagern der 1960er-Jahre, genau die Zeit, in der er sein Studium in Freiburg verbracht hatte. Zu Haus hörte Johann noch in die CD hinein. Wie viele Lieder er noch kannte und sogar mitsingen konnte! Alles wurde in den Koffern verstaut.
 
Am Samstagmorgen erwartete sie ein regnerischer Tag. Ab Montag sollte es aber besser werden. Johann fuhr den bepackten kleinen Kombi. Seit seiner Pensionierung hatte er es sich angewöhnt, selten schneller als 110 km pro Stunde zu fahren. In seinem Arbeitsleben war er täglich mit dem Auto unterwegs gewesen und hatte viele Tausend Kilometer „auf dem Buckel“. Er war gern schnell gefahren und mochte den Reiz, der davon ausgelöst wird. Oft war dies aber nicht auf die Lust an der Beschleunigung zurückzuführen, sondern weil die Termine eingehalten werden mussten. Das lag alles hinter ihm, jetzt wollte er es ruhig angehen lassen. Es kam nicht mehr darauf an, pünktlich anzukommen.
 
Die ersten Kilometer liefen gut, die Strassen waren nicht voll. Nur die Sicht im Regen erleichterte die Fahrt nicht gerade. Nach 200 km war etwa ein Drittel der Fahrt geschafft, und sie machten in einer Raststätte Pause.
 
Der Regen wollte nicht aufhören, es war diesig und ungemütlich. Sie waren froh, im trockenen Auto zu sitzen. Im Radio wurde klassische Musik gespielt, und das Ehepaar genoss es, zu raten, um welchen Komponisten es sich handelte und wie das Stück hiess. Manchmal wusste er es richtig, manchmal kam sie ihm zuvor.
 
Kurz hinter der Abfahrt nach Ludwigshafen gab es einen Stau. Er zog sich lange hin, Polizeiwagen bahnten sich den Weg durch die Kolonne; dann folgte ein Unfallwagen. Johann war an Staus gewöhnt, sie machten ihm nicht viel aus. Man konnte Musik hören, eine Banane essen und darüber sprechen, was denn so alles unternommen werden sollte.
 
Gritta wollte unbedingt einen Tag in Freiburg verbringen, Johann natürlich auch. Er wollte ihr zeigen, wo seine Studentenzimmer gewesen waren, mit ihr auf den Münsterturm klettern und durch die Altstadt laufen. Er war gespannt darauf, wie verändert die Stadt jetzt, fast 40 Jahre nach seiner Studienzeit, war.
 
Nach 2 Stunden ging es langsam weiter. Vom Unfall war schon nichts mehr zu sehen, nur ein verbeultes Auto stand auf der Standspur. Alle wollten es sehen, aber nachdem es passiert war, konnte Johann wieder auf seine gewohnte Geschwindigkeit beschleunigen.
 
Nach weiteren 2 Stunden musste noch eine Stärkung in einer Raststätte sein. Erst kurz vor 17 Uhr verliessen sie in der Nähe von Freiburg die Autobahn. Johann wollte unbedingt noch einen Abstecher nach St. Peter machen, eine wunderschöne Barockkirche. Während seiner Studienzeit hatte er eine Arbeit über dieses Bauwerk und seinen Baustil, dem Vorarlberger Barock, geschrieben. Er war damals gern hier herausgefahren, mit dem Bus von Freiburg aus, und hatte ganze Nachmittage in der Klosterkirche und in der Umgebung verbracht. Gritta wollte eigentlich sofort direkt in die Hütte, aber auch Hans nicht enttäuschen, so begeistert, wie er trotz der vielen Jahre nach seinem Studium immer noch von der Kirche schwärmen konnte. Die Klosterbibliothek im Rokokostil sei wirklich sehenswert, gab Gritta zu, „und die Kirche auch“. Nach einer Tasse Kaffee in der Klosterschenke, die bis vor einigen Jahren noch Ziel vieler Priesterschüler war, jetzt aber nur noch Touristen und Besucher des geistlichen Zentrums bewirtete, ging die Fahrt weiter.
 
Es wurde zunehmend steiler, kurviger, die Strassen enger. Sie fuhren weiter Richtung St. Märgen, verliessen den Ort. Weiter ging's nach Neuhäusle. Jetzt führte die Strasse, die immer enger wurde, in Serpentinen hinunter nach Glashütte. Dort suchten sie die kleine Strasse in Richtung Hexenloch. Eine Frau in einem schwarzen Umhang lief auf dem Bürgersteig. Johann hielt an, Gritta stieg aus und fragte nach dem Weg. Hinten rechts Richtung Mörderloch sollten sie fahren. Gritta sagte: „Wenn ich jetzt in einem Märchen wäre, hätte ich die alte Frau für eine Hexe gehalten, so alt und runzlig sah sie aus. Und eine Warze auf der Nase hatte sie auch.“ ‒ „Hat sie dich auch in ihr Haus locken wollen?“ fragte Johann grinsend. „Ach du,“ antwortete Gritta, „glaubst mir wohl nicht, was?“
 
Die schmale Strasse war zwar noch asphaltiert, aber holprig. Sie fuhren am Rand einer Schlucht entlang. Es war so diesig, dass sie nicht bis ins Tal sehen konnten. Langsam fuhren sie weiter, bis sie ein Wanderzeichen sahen. Das Mörderloch war erreicht, jetzt nach der Beschreibung, die sie vom Eigentümer erhalten hatten, sollten sie den nächsten Weg Richtung Wolfloch fahren. Langsam tasteten sie sich voran. Da war der Weg, 2 Spuren für die Reifen und in der Mitte Gras. „Wir haben es gleich“, sagte Johann, nicht nur um Gritta zu beruhigen, sondern auch sich selbst, weil kaum noch etwas zu erkennen war. Dann sahen sie am Hang die Hütte, die sie vom Foto her erkannten. „Endlich!“ Sie fuhren in die Einfahrt.
 
Ausser der Hütte war wenig sehen, rings herum nur dunkle Bäume, kein anderes Haus. Gritta kramte den Schlüssel heraus, die Tür ging auf. Es war wirklich elektrisches Licht vorhanden.
 
Die Küche war mit allem eingerichtet. Gemeinsam trugen sie die Gepäckstücke und den Korb mit den Lebensmitteln hinein. Sie machten sich mit dem Innenleben der Hütte vertraut. Es gab eine Dusche mit WC, eine kleine Wohnkammer mit Sofa und Tisch und ein Schlafzimmer mit einem Doppelbett. Der Eigentümer hatte sie darüber informiert, dass sie, sollten sie Wasser benötigen, vorher einen Schalter betätigen mussten. Dieser Schalter schickte Strom zu einer Pumpe draussen an einem überdachten Teich, durch den ein Bach plätscherte. „Dann bleibt der Teich frei von Blättern und anderem“, stellte Johann fest. Daraus bekamen sie dann Wasser zum Kochen und zum Duschen. Es funktionierte, das Wasser floss aus dem Hahn und Gritta machte für sie beide eine Kanne Tee.
 
Es war spät geworden. Johann drehte noch am Radio und bekam einen Sender. Sie hörten die Abendnachrichten. Der Wetterbericht sagte für morgen Besserung voraus. Dann gab es noch ein wenig Musik, Johann legte die CD auf, die er vor einigen Tagen erworben hatte. Wenn er nicht zu müde gewesen wäre, hätte er sogar noch ein Tänzchen mit Gritta eingelegt. Danach wollte er ins Bett. Auch Gritta kam ein paar Minuten später nach.
 
Mitten in der Nacht wachte Johann mit Druck in der Blase auf. Gritta schlief ruhig atmend neben ihm. Johann nahm seine kleine Taschenlampe und ging zur Toilette. Neben der Tür zum Bad gab es eine weitere kleine Tür, die er bei der ersten Erkundung nicht wahrgenommen hatte. Auf ihr war das gelbe Warnzeichen auf schwarzem Grund, das vor der Gefahr warnte, die von der elektrischen Installation ausgehen konnte.
 
Unter dem Warnzeichen sah er eine weitere Schrift: „Warnung! Wenn Sie diese Tür öffnen, werden Sie in der Vergangenheit sein!“ Johann lauschte. Hinter der Tür konnte er deutlich das Lied „The Sound of Silence“ hören. Er erinnerte sich, es war aus den 60er-Jahren und einer der grossen Erfolge von Simon and Garfunkel.
 
Es war unmöglich, es nicht zu tun. Er öffnete die Tür. Er war in einem Raum, der ihm merkwürdig bekannt vorkam. Ein alter Schrank, ein Schreibtisch, eine Kommode und ein Tisch, in der Ecke befand sich ein Waschbecken mit einem Spiegel. Hier hatte er gewohnt, sein Studentenzimmer in Freiburg vor mehr als 40 Jahren. Es war noch dunkel, ein wenig Licht von einer Strassenlaterne drang durch das Fenster. Seine Gedanken gingen zurück in die vergangene Nacht. Er war gerade von seinem nächtlichen Studentenjob zurückgekommen. 12 Stunden hatte er in der Uniklinik in der Intensivstation der Neurochirurgie Nachtwache gemacht. In dieser Nacht war ein junger Mann an den Folgen seines Motorradunfalls gestorben, und Johann hatte noch einige Stunden an seinem Bett wachen müssen. Immer wieder dachte er, der Mann würde noch atmen, denn er sah, wie sich die Bettdecke hob und senkte. Wahrscheinlich bildete er sich das nur ein. Der Mann war tot. Der Arzt hatte Leber- und Nierenversagen festgestellt und das Beatmungsgerät abgestellt. Nach einigen Stunden brachten eine Krankenschwester und er den Exitus auf einer Bahre in den Kühlraum im Keller. Der Arm des jungen Manns fühlte sich immer noch warm an. Johann verscheuchte die Gedanken, zog sich aus und fiel ins Bett.
 
Der Duft von frischem Kaffee und der Ruf von Gritta: „Aufstehen, Langschläfer, Kaffee ist fertig!“ riss ihn aus seinem Schlaf. Er lag in seinem Bett. Blitzschnell kamen ihm die Bilder der vergangenen Nacht in den Sinn. Sollte er alles nur geträumt haben? An der Tür neben dem Bad war zwar das Warnzeichen zu sehen, aber keine Schrift.
 
Beim Frühstück und auch danach erwähnte er die Sache mit keinem Wort. Gritta merkte zwar, dass Johann sehr ruhig und wenig gesprächsbereit war, sagte aber nichts. Die Dusche funktionierte auch und der Durchlauferhitzer sorgte sogar für angenehmes warmes Wasser.
 
Es nieselte noch, aber nicht mehr so stark wie am Abend zuvor. Gritta wollte noch nicht die Gegend erkunden, dafür hatten sie noch viele Tage Gelegenheit. Es war Sonntag, und sie wollte nach Freiburg ins Münster. Sie waren beide nicht gläubig, aber fanden nichts dabei, ein Stück einer Messe zu folgen, dem Gesang der Gläubigen und den Orgelklängen zu lauschen, den Duft des Weihrauchs zu riechen und alles auf sich einwirken zu lassen.
 
So stiegen sie nach dem Frühstück ins Auto und suchten sich den Weg über Land- und Bundesstrassen nach Freiburg. Er kam ihnen kürzer vor als sie es sich gedacht hatten.
 
Die Münsterkirche war gut besetzt. Die Messe war im vollen Gange. Sie schlichen sich hinein und setzen sich auf die hinterste Bank. Sie liessen das Geschehen auf sich wirken und sahen sich im Kircheninnern um. Sie waren schon in vielen gotischen Kirchen gewesen, und jede von ihnen hatte einen ihnen eigenen Charakter. Zur Kommunion verliessen sie die Kirche.
 
„Wir trinken jetzt noch eine Tasse Kaffee und dann geht’s rauf auf den Turm!“ Der Aufstieg ging langsam voran. Ihm kam es viel anstrengender vor als damals. Damals gab es Tage, wo er sogar 2 Mal den Turm erstieg, einfach so. Die enge Wendeltreppe im Turm verursachte ein Schwindelgefühl, das Johann „meinen Drehwurm“ nannte. Nach 207 Stufen erreichten sie das Turmzimmer. Sie entschieden sich, noch die 56 Stufen bis zur Plattform zu nehmen und von dort aus 46 m hoch bis zur Turmspitze mit der Kreuzblume hinauf zu schauen. Es war schön, besonders auch der Blick über die Stadt bis hin zu den neuen Stadtteilen, die es damals noch nicht gab, bis hinüber zum Kaiserstuhl mit seinen verschlungenen Terrassen, auf dem die Weinreben wachsen.
 
Der Tag verlief schnell, nach einem guten Mittagessen mit badischen Spezialitäten wurde ein Altstadtrundgang unternommen. Sie verweilten auf der Brücke über der Dreisam, auf der Johann auch oft gestanden hatte, und machten einen Spaziergang auf den Lorettoberg.
 
Am späten Nachmittag fuhren sie zurück zur Hütte. Der Weg war ohne den diesigen Regen und dank des guten Orientierungsvermögens von Gritta nicht mehr schwierig zu finden. Unten im Tal warfen sie ein Blick auf die Hexenlochmühle, ein altes Gebäude, das ein Restaurant beherbergte. Das Mühlrad wurde von der Gutach angetrieben. Die Hütte lag wirklich sehr einsam im Wald, ringsherum nur Bäume und die schmale Zufahrt. „Wo bekommen wir nur die Lebkuchen her,“ scherzte Gritta, „damit das Hexenhäuschen wirklich das ist, was in dem Märchen der Gebrüder Grimm beschrieben worden ist?“ ‒ „Wenn die Hexe heute Nacht nicht welche vorbeibringt, kaufe ich dir morgen welche!“ versprach Johann.
 
Beide waren müde und gingen früh zu Bett. Es war ein schöner Tag gewesen, und schnell schliefen sie ein.
 
Etwas weckte Johann. Der Mond warf ein wenig Licht ins Zimmer, und an der Wand sah er deutlich eine Gestalt, die ihm mit dem dünnen Finger einer Hand zuwinkte. Er stand auf, ging zur Toilette und sah, dass die Schrift wieder an der Tür zu lesen war: „Warnung, Tür zur Vergangenheit!“ Er öffnete und befand sich auf dem Münstervorplatz in Freiburg. Es war Nachmittag, und er setzte sich neben eine junge Frau, die zum Münster hinüber sah.
 
Sie trug Jeans, eine Bluse und hatte ihre mittelblonden Haare hinten zu einem Zopf gebunden. Ihr pausbackiges Gesicht gefiel ihm, und so fragte er sie, ob sie zum ersten Mal hier in Freiburg sei. Sie antwortete mit amerikanischem Akzent: „Ich nicht spreche Deutsch!“ Es war Leslie, sie war es wirklich! Damals hatte er sie angesprochen. Sie hatte dann ihr Zelt auf dem Campingplatz abgebrochen und war zu ihm in seine Studentenbude gezogen, erinnerte er sich. Alles lief ab wie damals. Diese Nacht verbrachte er nicht allein.
 
Am Morgen wachte er etwa zur gleichen Zeit wie seine Frau in ihrem Bett in der Hütte auf. „Du hast vielleicht unruhig geschlafen“, berichtete Gritta, „sogar komisch gestöhnt hast du!“ ‒ „Geträumt“, meinte Johann, „über alte Zeiten. Kein Wunder, nach dem Erinnerungstrip gestern.“ ‒ „War es schön?“, fragte Gritta etwas neugierig. „Ich glaube ja“, antwortete Johann, sagte aber nicht mehr. Träume waren regelmässiger Gesprächsstoff der beiden, Gritta träumte jede Nacht und erzählte darüber. Die Träume von Johann waren meistens direkt nach dem Aufwachen vergessen. Und wenn nicht, mochte er nicht darüber reden.
 
Für diesen Tag war eine Wanderung geplant. Das Wetter war gut, ein Rucksack mit ein wenig Proviant und Regenkleidung schnell gepackt, die Wanderschuhe angezogen, so gerüstet ging es los. Sie wanderten am Seitenarm des Heubachs entlang, der zeitweise wie eine Klamm in einem tiefen Tal eingebettet war. Hinter einer eingefallenen alten Mühle stürzte der Bach ins Wolfsloch. Sie erinnerten sich an eine ganz andere Klamm, durch die sie, frisch verliebt, gewandert waren, die Ruppertsklamm in der Nähe von Koblenz. Auch dort war es durch den vorangegangenen Regen noch glitschig gewesen, und sie hatten gut aufpassen müssen, um nicht auszurutschen. Nach einiger Zeit machten sie eine Pause und genossen die mitgebrachten Brote und den Obstsaft. Dann wanderten sie weiter. Auf einer Lichtung trafen sie ein altes Mütterchen, das Blaubeeren sammelte. Sie sprachen sie an; aber sie antwortete nur einsilbig in ihrem badischen Dialekt, von dem Johann und Gritta nur Bruchstücke verstanden. „Was hat sie gemeint?“, fragte Gritta ihren Mann. „Dort oben Richtung Neukirch soll es eine Buche geben, darin sei Christus eingeschlossen, habe ich verstanden“, antwortete er. Sie gingen weiter und kamen zum erwähnten Baum. Fast vollkommen in Rinde und Baum war eine steinerne Christusfigur eingewachsen. Ein Schild daneben berichtete, dass es der „Balzer Herrgott“ sei und dass dieser vor 150 Jahren an dem Baum gelehnt vergessen worden war. Wer ihn verehre, könne sich Tage danach an viele vergessene Ereignisse in seinem Leben erinnern.
 
Sie wanderten zurück zur Hexenlochmühle, kehrten in das Restaurant ein und speisten. Johann bestellte eine Flasche badischen Weins dazu, dem beide zusprachen. Es war nicht weit zu ihrer Hütte und ein wenig beschwipst gingen sie zu ihrem Domizil.
 
Johann legte die mitgebrachte CD auf und „Good vibrations“ von den Beach Boys und „Young girl“ von den Union Gap erklangen. Noch kurz vor dem Einschlafen summte er das letzte Lied „Young girl, get out of my mind …“
 
In dieser Nacht wachte er mit starkem Harndrang auf, nahm seine Taschenlampe und stürzte zur Toilette. Erleichert verliess er den Raum. Der Strahl der Lampe ging wieder zu der Tür mit der Warnung und wieder las er: „Warnung, Tür zur Vergangenheit“! Er konnte nicht anders; er öffnete und fand sich in seiner alten Studentenbude wieder. Leslie war auch da, ein gutes Gefühl durchfloss ihn. Er frühstückte mit ihr. Sie blieb im Zimmer, während er zur Hochschule musste. Das Seminar dauerte ihm viel zu lange. Er konnte sich nicht konzentrieren, immer wieder musste er an Leslie denken. Dann fuhr er zurück. Leslie hatte Spaghetti gekocht. Während des Essens hörten sie aus dem Kassettenrecorder „I got you Babe“ von Sonny and Cher. Nach dem Essen gingen sie entlang der Dreisam in die Stadt. Am Abend sagte Leslie, dass sie zu ihrem Freund fahren wolle, der einen Job bei der American Army in Karlsruhe gefunden hatte. Sie wollte am nächsten Morgen fahren. Es war für Johann wie ein Schlag vor den Kopf. Sie wusste nicht, ob sie zurückkommen würde. Sie gingen beide in sein schmales Bett, und bald war Leslie eingeschlafen. Johann lag noch lange wach.
 
Mit Kopfschmerzen wachte er im Bett in der Hütte auf. Gritta war schon im Bad. Kurze Zeit später sassen sie am Frühstückstisch. „Du machst ja eine Miene wie 10 Tage Regenwetter!“ meinte Gritta, „is’ was?“ Johann schüttelte nur den Kopf: „Was soll denn sein, Kopfschmerzen habe ich!“ ‒ „Es war wohl doch etwas viel Wein gestern Abend!“ sagte sie.
 
An diesem Tag war wieder eine Wanderung angesagt. Sie wollten die Gutachquelle besuchen. Mit dem Auto fuhren sie bis zu einem Parkplatz, der „Escheck“ hiess und wirklich, er war umgrenzt durch Eschen. Sie wanderten einen steilen Pfad hinauf zum Stöcklewaldturm. Von dort oben hatten sie einen wunderschönen Ausblick bis zum Feldberg, dem höchsten Berg im Schwarzwald. Leider verdeckten die Wolken einen Blick auf die Schweizer Alpen. Die Wanderung ging weiter zu einem historischen Galgen. 15 Hinrichtungen bis 1779 sind überliefert, 12 davon sollen Hexen gewesen sein. „Etwas gruselig ist es hier schon,“ meinte Gritta. Ein weiteres Stück oberhalb erreichten sie die Hubertuskapelle und die Gutachquelle. Hier entspringt das Flüsschen, das am Ende in den Rhein mündet. Sie mussten wieder abwärts ins Tal. An einer engen Stelle rutschte Johann plötzlich aus. Es ging alles ganz schnell. Kopfüber fiel er nach unten. Sein Sturz wurde durch einen Felsen gestoppt, gegen den er hart mit dem Kopf stiess. Gritta war ganz starr vor Schreck. Dann sammelte sie sich, stieg vorsichtig zu ihm hinunter. Johann war bewusstlos. Blut floss aus einer Kopfwunde über sein Gesicht. Nach einigen Minuten kam sie zu sich und rief um Hilfe. Oben an der Quelle waren noch andere Wanderer gewesen, die mussten sie hören.
 
Nach einigen bangen Minuten hörte sie Stimmen, sie rief. Ein Mann kletterte zu den beiden. „Ich rufe Hilfe,“ sagte er.
 
Diesmal war alles anders. Johann hatte nicht durch die Tür gehen müssen. Plötzlich fand er sich in seiner Studentenbude wieder. Leslie war weg. Er war wieder allein. Ein langer Studientag wartete auf ihn. Im Grundkurs hatte er auch einen Philosophieschein zu machen. Der Professor war ein liebenswürdiger älterer Herr. Johann wusste, er würde den Schein auch bekommen, ohne viel dafür tun zu müssen. Johann stieg auf sein Fahrrad und fuhr zur Pädagogischen Schule. Das heutige Seminar behandelte die Erkenntnistheorie von Immanuel Kant. „Sapere aude“ rief der Professor seinen Studenten zu, „wage es, vernünftig zu sein“. Die ursprüngliche Übersetzung hatte Kant zu „habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“, gemacht. Johann hörte kaum hin. Was soll der Verstand, wenn die Gefühle dich überwältigen, dachte er. Dann dozierte der Professor über Kant. „Nur weil wir Erfahrungen haben, erkennen wir die Welt. Wir konstruieren uns unsere Welt.“ Das war neu für Johann, er hatte immer geglaubt, die Umwelt, seine Erlebnisse stürzten auf ihn ein. „Und wenn wir träumen?“ fragte er. „Das können wir nicht immer unserer direkten Wahrnehmung zuordnen,“ war die Antwort, „aber bei den Träumen verarbeiten wir vorherige Wahrnehmungen und Erfahrungen. Es kann auch einfach Einbildung sein.“
 
Im Hintergrund hörte er Stimmen, die von Gritta und von einem Mann. „Was reden die da?“ fragt er sich, danach fiel alles wieder zusammen.
 
Gritta war, nachdem Johann auf einer Bahre geborgen worden war, mit nach Freiburg in die Unfallklinik gefahren. Nach einer ersten Untersuchung verlegte man ihn auf die Neurochirurgie. „Er hat ein kleines Blutgerinnsel im Gehirn,“ wurde ihr gesagt.
 
„Er muss operiert werden.“ Bange Stunden wartete sie vor dem Operationssaal. Dann kam die erlösende Mitteilung, dass die Operation gut verlaufen sei, Johann aber noch im Koma liege. Wann er aufwachen würde, könne man nicht voraussagen. Gritta verbrachte die inzwischen eingetretene Nacht an seinem Krankenbett. Ein Student mass jede Stunde seinen Blutdruck, seine Temperatur und seinen Puls. Zwischendurch unterhielt sich Gritta mit ihm. Sie erzählte ihm, dass Johann in seiner Studentenzeit auch diese Arbeit gemacht hatte, und zwar genau in dieser Abteilung, und es sei schon seltsam, dass er jetzt da im Bett liege. Gritta und Bernd, der Student, verstanden sich gut, und so nahm Gritta sich ein Herz, ihn zu fragen, ob er sie am Morgen mit seinem Auto zum Parkplatz fahren würde, wo sie den Wagen gestern zurücklassen musste. Das tat er. Danach lud Gritta ihn in der Hütte noch zu einem Frühstück ein, bevor er nach Hause fuhr. Er würde ab dem kommenden Freitag wieder in der Klinik Nachtwache machen.
 
Gritta fuhr täglich zur Uniklinik. Es waren nur 40 Minuten zu fahren, deshalb entschied sie sich, in der Hütte zu bleiben. Johanns Zustand war unverändert, die Werte waren normal, aber er war immer noch im Koma. Gritta war traurig, abends ging sie ein paar Mal in der Stadt essen, wanderte durch die Strassen und setzte sich an die Dreisam. Es war nicht schön, so ohne Johann. Die Ärztin gab ihr Mut, wenn er wieder aufwache, sei er der Alte, sagte sie ihr. „Er redet manchmal. Heissen Sie Leslie?“ „Leslie? Nein!“ sagte Gritta. Wohl seine alte Liebe von damals, dachte sie. Er ist auch nicht anders wie andere Männer.
 
Von ganz Weitem hörte Johann Stimmen. Er konnte sich nicht bewegen. Er fühlte etwas in seiner Nase und in seinem Arm. Er schlug die Augen auf und blickte auf eine junge Frau, weiss gekleidet. „Wo bin ich“, dachte er. „Ist das Leslie? Was hat sie an?“ Die Frau ging kurz weg, und dann hörte Johann die Stimme einer Frau. „Herr Richardt, hören sie mich?“
 
Johann bewegte seinen Arm und schlief wieder ein. „2 Frauen an meinem Bett?“, dachte er. Plötzlich fühlte er sich ganz klein. Er lag in einem Bett, am Rand sassen 2 Frauen, die er nicht kannte, und sein Vater. Sein Kopf tat weh. Lange starrte er die Gruppe an. „Johann, hörst du mich?“ fragte der Vater. „Jetzt nicht wieder einschlafen. Wachbleiben!“ Immer wieder fielen seine Augen zu. Nur langsam kam er zu sich. Er erinnerte sich, auf den Baum vor ihrem Wohnhaus geklettert zu sein.
 
Wieder hörte er eine Stimme. „Herr Richardt, wachbleiben!“ ‒ „Ich rufe Ihre Frau an, sie kommt gleich!“ ‒ „Wo?“ fragte er. „Sie sind im Krankenhaus in Freiburg!“ sagte die Frau. Wieder gingen seine Augen zu. „Ruhe, ich brauche Ruhe“, dachte er.
 
Gritta war gerade in der Hütte angekommen, als ihr Handy klingelte. „Ihr Mann ist wieder wach!“ ‒ „Kann ich zu ihm?“ ‒ „Kommen Sie morgen früh!“ ‒ „Ist alles in Ordnung?“ fragte sie. „Ich denke schon, wir werden morgen ein paar Tests mit ihm machen!“
 
In dieser Nacht schlief sie zum ersten Mal wieder durch. Es war kurz vor 8, als sie in der Klinik war. Der junge Student, der sie zu ihrem Auto gefahren hatte, kam ihr entgegen. „Er ist wieder wach“, sagte er. „Sie verlegen ihn heute auf die Krankenstation.“ ‒ „Was meinen Sie, wie lange muss er wohl noch dort bleiben?“ fragte sie. „Schwer zu sagen, ein paar Tage bestimmt.“ ‒ „Darf ich Sie etwas fragen?“ Bernd nickte. „Wenn er entlassen wird, will ich nach Haus. Er wird noch nicht fahren können und ich schaffe die Strecke nicht allein. Wollen Sie sich etwas dazu verdienen und uns fahren?“ ‒ „Gern,“ sagte Bernd, „nächsten Samstag geht es!“
 
Ein wenig bang ging sie zum Krankenbett. Johann sah blass aus, der Schlauch aus seiner Nase war entfernt worden, einen Urinbeutel benötigte er auch nicht mehr.
 
„Wie fühlst du dich?“ fragte sie. Johann war noch zu matt, um viel zu sprechen. „Gut“, sagte er. Sie erzählte ihm, was passiert war, wie er ausgerutscht und mit dem Kopf gegen den Felsen gestossen war.
 
Sie war so froh, dass er wieder wach war. Nach dem Mittagessen versuchte er vorsichtig, zur Toilette zu gehen. Gritta stützte ihn. Wackelig und langsam schafften sie es beide.
 
Am späten Nachmittag sagte Gritta: „Du musst dich noch ausruhen. Ich komme morgen früh wieder!“ Sie verabschiedeten sich, und bald nach dem Abendessen schlief Johann ein.
 
Am Donnerstag nach der Visite durfte Johann die Klinik verlassen. Er schaute sich um; viel hatte sich seit damals verändert. Die Fassaden waren erneuert worden, viele neue Gebäude waren hinzu gekommen. Sie machten einen kleinen Abstecher zum Schlossberg. Dort unterhalb hatte er ein paar Monate gewohnt, in einem Gästezimmer, das an Studenten untervermietet wurde. Er durfte nach 10 Uhr abends keinen Besuch haben und keine laute Musik hören. Der Vermieter hatte ihm damals erzählt, dass er viele Jahre in Australien als Dachdecker gearbeitet hätte, aber dann sei er doch aus Heimweh wieder zurück nach Freiburg gegangen. Es war erstaunlich, woran sich Johann alles erinnerte.
 
Abends in der Hütte bei einem Gläschen Wein fragte Gritta vorsichtig, wer denn Leslie sei. „Wie kommst du denn darauf?“ fragte Johann erstaunt. „Du hast ihren Namen gerufen, als du im Koma lagst.“ ‒ „Wirklich?“ antwortete Johann. „Die Geschichte mit Leslie ist so lange her, da kannte ich dich noch gar nicht. Hier in Freiburg.“ Johann erzählte Gritta, wie er Leslie kennen gelernt hatte, dass sie Amerikanerin sei und warum sie ihn verlassen hatte. „Hast du nachher noch von ihr gehört?“ fragte Gritta. „Nur noch eine Postkarte aus Albuquerque, das liegt im US-Staat New Mexiko,“ antwortete Johann, „kurze Zeit nachher.“ ‒ „Verstehe ich nicht,“ sagte Gritta. Sie hielt einen Moment inne.
 
„Dass du sie in deinem Koma rufst! Und nicht mich!“ schmollte sie. Johann antwortete nicht. Nachdenklich gingen beide schlafen.
 
In dieser Nacht schliefen beide durch und wachten erst spät auf. Sie frühstückten und machten einen Spaziergang. Langsam und vorsichtig gingen sie Arm in Arm durch den Wald. Sie lauschten den Vögeln und erschraken, als plötzlich ein Reh aus dem Dickicht heraus über den Weg lief. Sie sahen keine Menschenseele. Mittags gingen sie in der Hexenlochmühle essen. Es war sehr lecker, typisch badisch, „Feuriger Spätzletopf“ mit Hackfleisch, Zwiebeln und Chicoree. Die Schärfe erinnerte die beiden an ihren Urlaub in Indien.
 
Nachmittags packten sie schon einmal das zusammen, was sie nicht mehr brauchten. Sie wollten am kommenden Morgen gegen 9 Uhr los. Bernd, der Student, würde kommen, sein Auto hier stehen lassen und sie beide nach Hause fahren. Er sollte die Nacht im Gästezimmer verbringen und wollte am Sonntag wieder zurück nach Freiburg.
 
Beim Abendessen erzählte Johann Gritta von der Tür. Er zeigte sie ihr. Von einer Schrift darauf konnten beide nichts erkennen. Er erzählte ihr, wie er in seine Vergangenheit eingetaucht, und wie er Leslie wieder begegnet war. Gritta meinte, dass Johann Realität mit Traum und seine Erinnerungen an seine Zeit in Freiburg vermischt hatte, sie glaubte nicht  an den Schritt in die Vergangenheit. Die Geschichte kam ihr so märchenhaft vor. Sie lachte und schüttelte ihren Kopf: „Du klebst doch sonst so nüchtern an der Wirklichkeit. Ich verstehe deine Gedanken nicht mehr!“ Dann hatte sie eine Idee: „Wenn du heute Nacht wieder die Schrift an der Tür siehst, weckst du mich! Wir gehen dann beide durch die Tür in die Vergangenheit!“ Zum letzten Mal legte Johann die CD mit den alten Schlagern auf. Sie hörten sich „Summer in the city“ von der Band Lovin’ Spoonful, „Happy Together“ von The Turtles und „House of the rising sun“ von The Animals an. Dann gingen beide schlafen, die letzte Nacht in der Hütte. Es regnete, blitzte und donnerte. Die Blitze warfen Schatten an die Wand.
 
Als Bernd am Samstagmorgen zur Hütte kam, wunderte er sich, dass niemand da war. Er rief sie laut mit Namen, aber es gab keine Reaktion. Die Tür war geschlossen, durch das Fenster sah er einen Koffer, der wie die Reisetasche noch geöffnet dastand. Er wartete einige Minuten, vielleicht war das Paar ja noch ein kurzes Stück spazieren gegangen, es waren ja doch einige Stunden, die sie im Auto sitzen mussten. Als nach 20 Minuten noch niemand auftauchte, wurde er unruhig. Er fühlte, dass hier etwas nicht stimmte. Ein Schild im Fenster „Zu vermieten“ zeigte auch die Telefonnummer des Eigentümers an. Er rief ihn an, schilderte die Situation. Eine knappe Stunde später kam der Vermieter mit dem Schlüssel, und sie gingen in die Hütte. Alles war ruhig, nirgendwo waren die beiden zu finden. Aus einem Impuls heraus öffnete der Hausherr die Tür mit dem Warnzeichen neben dem Bad. Er schreckte zurück. Sie standen nicht, aber sie sassen oder lagen auch nicht, seltsam verbogen, beide in einer engen Umarmung. Die eine Hand der Frau lag auf dem Transformator, der für die Pumpe den Strom lieferte. Sie war schwarz..
 
Die Untersuchungen ergaben, dass das Paar einem Stromschlag erlegen war. Wahrscheinlich hatte der Blitz in dem Moment eingeschlagen, in dem sie in diesem kleinen Raum waren. Was sie dort zu suchen hatten, blieb allen ein Rätsel.
 
Hinweis auf eine weitere Erzählung von Richard Gerd Bernardy
25.10.2012: Gar nicht schaurig ist es, übers Hohe Venn (B) zu gehen
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