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BLOG vom 18.04.2013


„Bachab schicken ...“ und „durch die Lappen gehen ...“
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Anträge und Vorschläge werden oft bachab geschickt. Wer mich einkesseln will, dem gehe ich durch die Lappen. Wer mich erwischen wollte, sagt dann: Er ist mir durch die Lappen gegangen – also entwischt. In diesem Zusammenhang ziehe ich das Wort Latten vor, die morsch sein müssen, damit man durch den Hag entkommt.
 
Sich bachab treiben zu lassen, ist bequem und spart Energie. Aber ein solches Verhalten wird gerügt, besonders von jenen, die glauben, dass man bloss mit heldenhafter Anstrengung sein Ziel erreiche – im Schweisse des Angesichts. Sich nutzlos abzurackern, ist das Los vieler Leute. Zum Glück merken sie das meistens nicht, wenn sie zähe und verbissen Steine aus dem Acker graben.
 
Gestern habe auch ich mich abgeplagt. Erstmals seit dem November 2012 startete ich den Rasenmäher, was mir viel Mühe kostete. Das Moos war im Rasen, nach den vielen Regentagen, aufgequollen. Die Antriebsräder des Mähers kamen nicht vorwärts. Ich musste mit aller Kraft nachhelfen, also stossen. Warum tat ich mir das an? Ein Gärtner mit einer stärkeren Maschine hätte diesen Rasen im Nu gemäht.
*
Viele eingebildete Ziele sind eigentlich Lappalien, um wieder das Wort Lappen, diesmal im erweiterten Sinne, aufzugreifen. Man könnte sie ohne Weiteres als belanglos abschreiben und bachab schicken. Verblendet und beeinflussbar, wie wir besonders in jungen Jahren sind, peilen wir imaginäre Ziele an, die ausserhalb unserer Reichweite bleiben. Bis wir dies einsehen, verlieren wir viel Zeit und Kraft.
 
Während ich das schreibe, wende ich mich der Fallstudie zu. Erst in gereifteren Jahren lernte ich allmählich zwischen bekömmlichen und abträglichen Zielen zu unterscheiden. Dabei verlässt man sich auf seine eigene Urteilskraft, wird unabhängig, statt Mündel zu bleiben.
 
Was sind bekömmliche Ziele? Sind sie sinnvoll? Mit der Frage nach dem Sinn wird viel Unsinn getrieben – Sinn und Zweck verknäueln sich leicht. Als Berater in eigener Sache sind jene Ziele für mich bekömmlich, die mit meinen Anlagen übereinstimmen und meinen Geist bereichern. Das klingt hochtrabend und muss mit einigen Hinweisen erklärt werden: Das Schreiben ist für mich eine Pflicht, die mir Freude bereitet. Das Lesen von Literatur (Sachbücher inbegriffen) oder das Lauschen von Musik fesselt und entspannt mich gleichzeitig und verjagt die Langeweile. Gerne beobachte ich die Natur – auch die Menschennatur … Das sind meine Latten, durch die ich entkomme. Was sind Ihre?
 
Sportliche Naturen beklagen das Schwinden ihrer Körperkräfte und wollen es lange nicht wahrhaben. Sie werden am Sonntag (21. April 2013) aus eigenem Antrieb am Marathon in London mithalten und als Nachzügler ihr Ziel erreichen. Aber sie haben es noch einmal geschafft! Hoffentlich haben sie sich ein Ersatzziel vorbehalten, wenn ihre Kräfte versagen und sie abdanken müssen. Das gilt auch für Spitzensportler.
 
Salme und Forellen können bachauf schwimmen. Die Natur hat es so für sie eingerichtet. Wo ein Talent, eine Berufung, vorherrscht, werden Altershürden übersprungen. Man denke dabei an Schauspieler, Künstler und Wissenschaftler.
 
Wo ein Antrag einem ernsten Anliegen entspringt, vom Gemeinnutzen statt Eigennutz getrieben, mag der eingangs erwähnte und bachab geschickte Antrag wie der Salm oder die Forelle, bachauf schwimmend, schliesslich obsiegen.
 
 
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