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BLOG vom 16.09.2013


Fingergesten – eine nicht immer stubenreine Symbolik
Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein D
 
Der deutsche Bundeskanzler-Kandidat Peer Steinbrück erregte die mediale Aufmerksamkeit, und das nicht nur in Deutschland, durch das Foto einer obszönen Geste in der Süddeutschen Zeitung. Er streckte aus der geschlossenen Faust den Mittelfinger nach oben. Er war aufgefordert worden, nonverbale Antworten auf Meinungen zu seiner Person zu geben. Zu Spitznamen, die ihm zuteil geworden waren, zeigte er diese Geste.
 
Sie wird allgemein als Beleidigung angesehen und symbolisiert den erigierten Penis mit dem darunter liegenden Hodensack und die Aufforderung, den Finger in den After einzuführen. Die deutsche Bezeichnung ist Stinkefinger. Diese Geste kann in Deutschland zu Geldstrafen führen, die in Beleidigungsklagen erstritten werden. Herr Steinbrück wollte damit seinen Unwillen ausdrücken. Das hätte er auch mit anderen Gesten tun können, z. B. mit der Geste, dass ihm diese Bezeichnungen in das eine Ohr hinein und aus dem anderen Ohr wieder hinaus gehen würden oder mit Handbewegungen, die zeigen, dass man das Gehörte hinter sich lässt, in dem man die offenen Hände über die Schultern bewegt. Jedenfalls ist eine solche Geste eines künftigen Kanzlers nicht würdig.
 
Übrigens kommt ist es beim bekannten Victory-Zeichen, dem ausgestreckten Zeige- und Mittelfinger in Form eines V, in manchen Ländern darauf an, ob der Handrücken dabei nach vorn oder zum Körper gewandt gezeigt wird: Beim ersteren entspricht dieses vor allem in Grossbritannien, Australien und Neuseeland dem Stinkefinger. Er kann noch gesteigert werden, wenn die Hand und der Zeige-, der Mittelfinger und der kleine Finger hochgehalten werden.
 
Während dieser Diskussion fiel mir ein Foto in die Hände, mit dem eine Ausstellung von Comenius Roethlisberger und Admir Jahic als First View mit der Bezeichnung Frieden Freiheit Alles in der Scope Art Show Juni 2011 in Basel CH angekündigt wurde. Das Foto zeigt eine von 326 wooden hands. Diese hölzerne Hand mit Handgelenk steht auf einem Podest, auf dem wiederum ein rechteckiger Block steht. Der Zeige- und der kleine Finger zeigen nach oben, Mittel- und Ringfinger sind abgeknickt und der Daumen weist gebogen nach ausserhalb.
 
Wikipedia erläutert diese Geste so:
 
Zeigefinger und kleinen Finger ausstrecken:
-- Mano cornuta („Teufelsgruss“ oder Hörnergeste) ‒ vulgäre Beleidigung oder Zeichen der Zugehörigkeit zur Heavy Metal- bzw. Rockmusik-Szene (dabei ist die Hand meist auf Kopfhöhe oder über der Stirn),
-- volkstümliches Zeichen gegen den bösen Blick.
-- Mitteilung, dass man sich kurzfristig von einem Ort zwecks Blasenentleerung entfernt (die Hand wird dabei vor dem Schritt gehalten ‒- Imitierung des Penis', Nepalesische Männer).
Gesten werden in verschiedenen Ländern häufig unterschiedlich interpretiert. Deshalb ist immer Vorsicht geboten, wenn man sie als Reisender anwendet. Sie könnten leicht als Beleidigung aufgefasst werden.
 
Ein weiteres Beispiel ist es, wenn Daumen und Zeigefinger zu einem Ring zusammen geführt und die anderen Finger abgespreizt werden. Während diese Geste ein Okay bei Tauchern, ein Lob in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeutet, ist sie in Italien eine grobe Beleidigung, da sie den After symbolisiert.
 
In Indien fand ich es interessant, wie mit den Fingern eine Zahl gezeigt wird. Ich bestellte 3 Chapattas und streckte – wie gewohnt – den Daumen, den Zeige- und Mittelfinger aus. Das führte zu Irritationen, denn die Menschen dort sind es gewohnt, mit dem Zeigefinger zu zählen anzufangen. Speisen annehmen, bezahlen oder Wechselgeld annehmen darf man immer nur mit der rechten Hand, die linke gilt als unrein, da sie beim Toilettengang benutzt wird.
 
Das sind nur einige der Gesten, die man sich merken sollte. Auf jeden Fall ist es sinnvoll, sich zu informieren, wie im Gastgeberland Gesten und auch die Körpersprache bewertet werden, um sich Unannehmlichkeiten zu ersparen.
 
Quelle
 
Hinweis auf ein weiteres Blog über Gesten
28.02.2013: Verständigung in Indien: Wenig Worte und viele Gesten
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