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BLOG vom 17.10.2014


Verbrecher-Karrieren: Kaspar-August und seine Bande
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
 
Was war seinem Vater eingefallen, ihn mit diesen 2 Vornamen, Kaspar und August, zu taufen? In der Primarschule wurde er deswegen immer wieder gefoppt. Obendrein hatte ihm seine Mutter eine wollene Zipfelmütze gestrickt. Sein gefühlsloser Klassenlehrer schalt ihn als „dummer Kaspar”, jedes Mal, wenn er einen Fehler machte, und gewann auf schäbige Art das Gelächter der Klasse.
 
Kaspar wuchs zum kräftigen Burschen heran. Im Pausenhof kriegten viele Spötter seine Fäuste zu spüren. Sie trugen Beulen nach Hause. Eltern beschwerten sich beim Rektor. Kaspar musste Strafaufgaben erledigen. Auch musste er während den Pausen das Klassenzimmer hüten. Aber das alles half nichts. Ob Kaspar oder August: Er wurde zum waschechten Flegel. Es kam soweit, dass er in eine Erziehungsanstalt eingewiesen wurde. Das behagte ihm, denn dort war er endlich unter seinesgleichen, gewann erstmals in seinem Leben Freunde und Respekt.
 
Kaspar gründete eine Bande, die in der Stadt Diebstähle verübte und Schaufenster einschlug. Die Polizei griff sie auf, doch konnte man wenig gegen Minderjährige ausrichten.
 
August schnitt den Zipfel von seiner Mütze und versah sie mit Augenschlitzen. Die Bande folgte seinem Beispiel und trug Tarnkappen, die sie übers Gesicht ziehen konnten. Mit 16 Jahren, der Schule entronnen, begann ihre Lehrzeit für Raubzüge. Ein aus dem Gefängnis entlassener Gauner, Maestro genannt, nahm sie unter seine Fittiche und brachte ihnen bei, wie man Schlösser knackt, Alarme ausschaltet und beschaffte ihnen die dazu benötigten Kenntnisse und Geräte. Augusts Lerneifer war erweckt – aus dem dummen wurde ein kluger August, doch auf dem schiefen Geleise.
 
„Wisst ihr, wo die Leute ihre Schätze verstecken ?”, fragte der Maestro und fügte hinzu: „Denn es ist wichtig, das ihr flink sucht und keine Zeit verliert.”
 
Im Haus eines Kumpans des Maestros wurden sie aufgefordert, nach versteckten Wertsachen zu suchen. „Das dauert viel zu lange!” bemängelte er ihre Anstrengungen. „Und ihr habt nicht einmal ein Viertel davon gefunden ...”
 
Beim Hauseingang griff er in ein Paar Gummistiefel und fand unter den Zwischensohlen eine Halskette, Broschen und Medaillen. Im obersten Küchenfach deutete er auf eine Blechschachtel, die keine Biskuits enthielt, sondern Goldmünzen barg. Die Suche erstreckte sich bis ins Schlafzimmer. Das sei immer wieder eine ergiebige Fundgrube, bemerkte der Maestro. „Frauen verstecken viel zwischen der Leibwäsche ...”
 
„Gelegenheitsdiebe machen viele Fehler. Schuhe mit Plastik überzogen hinterlassen keine Indizien im Garten und Haus. Mit den im Spital benutzten Plastikhandschuhen vermeidet ihr Fingerabdrücke.”
 
Hier seien einige weitere Tips, wie vom Maestro erwähnt wurden:
 
„Sichert euch Fluchtwege und lässt euch nicht überraschen.”
 
„Überwacht die Wohnstätten. Einer von euch kann als Pizza-Mann einen ersten Eindruck gewinnen und feststellen, wieweit der Wohnort abgesichert ist.”
 
„Jemand soll draussen diskret die Örtlichkeit überwachen und euch bei Gefahr übers Handy warnen.”
 
„Hinterlässt keine Sauordnung”.
 
Somit war die Bande wohl vorbereitet und gerüstet. Ihre Verbrecherlaufbahn konnte beginnen.
 
Der erste Raubzug begann im stattlichen Haus der Familie X in einem stillen Vorort der Stadt. Felix' Lieferwagen war hinter der Strassenecke parkiert. Zu dritt schlichen sich die Diebe ins Haus. Innert 10 Minuten hatten sie viele Wertsachen erbeutet und entkamen ungeschoren. Die Familie entdeckte den Einbruch erst 3 Tage später. Die Versicherung deckte den Schaden.
 
Auch dem 2. und 3. Einbruch war Erfolg beschieden. Die Bewohner verliessen ihre Wohnsitze um rund 7 Uhr abends. Felix folgte ihren Autos im Lieferwagen. Sie gingen in teuren Restaurants in der Innenstadt essen. So hatte die Bande ausreichend Zeit und konnte die feudalen Einfamilienhäuser ungestört durchsuchen und gleichentags noch das Diebesgut aufteilen, wobei dem Maestro die Hälfte zukam, denn es lag an ihm, das gesamte Diebesgut an Hehler zu verschachern. Die Bande begann, auf grossem Fuss zu leben.
 
Früher oder später kam es, wie es kommen musste: Sie wurden vom Hausbesitzer ertappt, der die Alarmtaste drückte. Kopf über Hals mussten sie beutelos fliehen. Hunde bellten in den Gärten der Nachbarhäuser. Der Anlasser von Felix' Lieferwagen versagte. Sie flohen panikartig zu Fuss. Eine Polizeistreife griff sie auf. Das Gericht verbrummte sie je zu 3 Monaten im Kittchen.
 
Dort hatten sie genügend Zeit, die sie zum Ausbau ihrer Verbrecherkarriere benutzten. Gefängnisse sind und bleiben Brutkästen für hartgesottene Verbrecher. Wieder auf freiem Fuss, bewaffnete sich diese Bande und verübte eine Serie von Gewaltverbrechen. Die Polizei beschattete sie während Monaten und erwischte sie wiederum. Kaspar-August und seine Bande wurden diesmal wegen Totschlags zu langen Gefängnisstrafen verurteilt. Sie hatten ihr Leben verpfuscht.
 
 
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