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BLOG vom 09.11.2015


An der Mosel (3): Das „Schwarze Tor“ und Thermen in Trier

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D


 

Dom St. Peter

Dom St. Peter
 

Wegen des regnerischen Wetters hatten wir am 3. Tag unseres Wanderurlaubs an der Mosel Trier auserkoren. Trier (Augusta Treverorum) wurde 17 v. Chr. gegründet und ist somit die älteste Stadt Deutschlands. Was uns erwartete, konnte ich schon im Vorfeld lesen. So gibt es in Trier 9 UNESCO-Welterbestätten. Die meisten sind römische Baudenkmäler, einige christliche Nachfolgebauten. Trier hatte schon 300 n. Chr. rund 80 000 Einwohner. Diese Zahl wurde erst im 20. Jahrhundert wieder erreicht (Ende 2013: 107 233).

Wanderführer Toni hatte den Tagesausflug nach Trier minutiös geplant. Er wies auf einen interessanten 9 km langen Rundgang durch die Innenstadt mit allen wichtigen Höhepunkten hin.
In der Nähe der Porta Nigra wurde parkiert, dann wanderten wir Richtung Hauptmarkt und von dort zum Dom, dann zur Liebfrauenkirche und anschliessend zur Konstantinbasilika. Die Porta Nigra hoben wir als Höhepunkt der Besichtigungen für den Schluss auf.

 

Das Innere der Konstantinbasilika

Das Innere der Konstantinbasilika
 

Die Hohe Domkirche St. Peter zu Trier ist mit seiner 1700 Jahre alten Geschichte die älteste Bischofskirche Deutschlands. Wir waren von den Ausmassen der Kirche überrascht. Mit einer Länge von 112,5 Metern und einer Breite von 41 Metern ist der Dom das bedeutendste sakrale Bauwerk abendländischer Baukunst. In der Kirche sind alle Stilepochen zu finden. Besonders interessant sind die 1974 und 1996 erbauten Schwalbennestorgeln von Johannes Klais (Bonn). Das Hauptinstrument ist über der Kanzel aufgehängt. Eine solche Platzierung war früher so üblich.

In den drei Krypten befindet sich die Heilig-Rock-Kapelle mit der Reliquie (Tunika Christi). Die 79-jährige Mutter Kaiser Konstantins soll die Reliquie auf ihrer Wallfahrt nach Palästina aufgespürt haben. Der Rock wird in einem klimatisierten Schrein aufbewahrt und zu besonderen Anlässen gezeigt. Nicole Hess schrieb in ihrem Mosel-Führer: „Nicht die Echtheit sei entscheidend betont man heute, sondern der symbolische Gehalt. Das nahtlose Gewand stehe für die Echtheit der Kirche.“
Auch die Echtheit des Turiner Grabtuches wird angezweifelt.

Unmittelbar neben dem Dom befindet sich die Liebfrauenkirche (1227-1260). Es ist die älteste gotische Kirche in Deutschland. Aus Zeitgründen konnten wir nicht das Innere in Augenschein nehmen. Aber bald kamen wir in eine ganz andere Kirche. Es war die Evangelische Kirche zum Erlöser (Konstantinbasilika). Ursprünglich war hier eine römische Palastaula. Im 4. Jahrhundert wurde diese als Audienzhalle der römischen Kaiser erbaut. Die Kirche entspricht nicht einer Basilika, sondern einer Saalkirche. Die Bezeichnung Basilika stammt vom Heimatforscher Johannes Steiner. Die Kirche wurde 1944 durch einen amerikanischen Luftangriff stark beschädigt und brannte völlig aus. Der Wiederaufbau erfolgte 1950. Man beschränkte sich auf die steinsichtigen Aussenwände und auf eine Holzkassettendecke. Auf der linken Innenseite der Kirche wurden moderne Zeichnungen und die 4 Evangelisten präsentiert.

Die Römische Thermenanlage
Nach einer Kaffeepause in einem Restaurant und Café gegenüber der Konstantinbasilika konnten wir gestärkt und aufgewärmt die weitere Route durch die Stadt angehen. Auf unserem Weg durch die Stadt standen nicht die Thermen am Viehmarktplatz oder die Kaiserthermen auf unserem Programm, sondern die Barbarathermen. Diese waren im 2. Jahrhundert n. Chr. die zweitgrösste Thermenanlage des römischen Reiches. Auf einem Besuchersteg konnten wir die Reste der Thermen gut einsehen. Die Beschilderung war hervorragend. Erstaunt waren wir über die Erfindungsgabe der Römer, die mit einfachen Mitteln die Räume beheizten. Auf einer Infotafel lasen wir dies: „Der Fussboden (suspensura) ruht auf kleinen Ziegelpfeilern und war sehr dick, um Wärme zu speichern. Die im Ofen (praefurnium) durch ein Feuer angeheizte Luft breitete sich in dem Hohlraum (hypocaustum) unter dem Fussboden gleichmässig aus. In den Wänden waren Hohlziegel (tubuli) angebracht, in denen zugleich die warme Luft aufstieg.“ Mittels dieser Technik war eine gleichmässige Temperierung der Räume möglich.
Das Wasser – insgesamt wurden 1250 Kubikmeter Wasser täglich benötigt – wurde in grossen Kesseln von ca. 12 m Höhe vorgeheizt und floss dann durch Bleirohre in die Becken des caldariums. Das Abwasser wurde durch Kanäle in die Mosel geleitet.
Das caldarium wurde durch ein Schwimmbecken (piscina) eingerahmt. Das Becken hatte eine Grösse von 11 x 20 m und war 1,30 m tief.

Römerbrücke und Tretradkräne
Nach Überquerung der stark mit Autos frequentierten Uferstrasse erreichten wir das Ufer der Mosel. Zunächst erblickten wir die Römerbrücke. Es ist die älteste Brücke Deutschlands. Die erste römische Moselbrücke war aus Holz (17 v. Chr.; dendrochronologisch datiert), dann folgte 45 n. Chr. eine steinerne Brücke. Die Pfeiler der heutigen Steinbrücke wurden zwischen 142 und 150 n. Chr. erbaut.

Am Moselufer sahen wir einen Zollkran und den Alten Kran. Es sind technische Denkmäler. Bei diesen Kränen handelt es sich um Tretradkräne. Mittels Menschenkraft (wie in einem Hamsterrad) wurden diese bewegt. Damit konnte man schwere Güter auf Schiffe verladen.

Noch einige Worte zum Wetter. Es war am Morgen auf der Fahrt Richtung Trier durch die Weinberge so kalt (+ 1.5 °C), dass wir den ersten Schnee an den Hanglagen sahen. In Trier war es etwas wärmer. An diesem Tag, der zeitweise regnerisch verlief, herrschte in Trier eine Temperatur um 5 °C.
Da ich immer wieder meine Kamera aus einer Innentasche des Anoraks zog und Fotos machte, bekam ich etwas gefühllose und kribbelnde Fingerspitzen. Immer wieder musste ich Wärme durch Reiben der Glieder hinzuführen. Auch pfiff uns am Moselufer ein kalter Wind um die Ohren. Ich freute mich schon insgeheim auf eine heisse Dusche im Hotel.

Wir sputeten uns, gingen am Kulturhaus der Borromäerinnen vorbei und suchten ein Restaurant auf. Die eine Gruppe ging in ein bodenständiges Lokal, die andere Gruppe verzog sich in die Altstadt. Der Treffpunkt wurde an der Porta Nigra vereinbart. Ich ging mit Bernd in ein Pfannkuchenbistro. Wir bestellten Apfelpfannkuchen. Wir waren von der Grösse überrascht (der Pfannkuchen wurde in eingeklappter Form auf einem grossen Teller serviert), so dass wir Mühe hatten, diese Speise zu verzehren.

 

Porta Nigra in Trier

Porta Nigra in Trier
 

Das „Schwarze Tor“
Von aussen betrachtet ist die Porta Nigra, das im Mittelalter „Schwarze Tor“ hiess, ein monumentaler und etwas düster wirkender Bau. Durch Umwelteinflüsse und Kleinorganismen wurden die ehemals weissen Sandsteinquader dunkel verfärbt. Beim Bau der 6 km langen Stadtmauer (160 bis 200 n. Chr.) wurde das Tor (Nordtor) eingefügt. Die mächtigen Sandsteinquader wurden ohne Mörtel, nur durch Eisenklammern, miteinander verbunden. Metallräuber im Mittelalter und Abbrüche setzten dem Bau zu. Ein christlicher Fundamentalist namens Simeon verhinderte den totalen Abbruch. Er liess sich nach seiner Pilgerreise ins Heilige Land als Eremit im Ostturm einmauern. Erzbischof Poppo (so hiess er wirklich!) liess das alte Stadttor zu einer doppelgeschossigen Kirche umbauen. Nur durch die Nutzung als Kirche konnte der Bau erhalten bleiben. Die Porta Nigra ist das besterhaltene römische Stadttor nördlich der Alpen.

 

Das Innere der Porta Nigra

Das Innere der Porta Nigra
 

Für 3 Euro Eintrittsgebühr entschlossen sich Toni und ich die Porta Nigra von innen zu erkunden. Das haben wir nicht bereut. In der Rundung des Westturms war eine Besonderheit zu sehen: Eingemeisselte römische Tagesdaten zu den Erbauungszeiten, an denen sich die Tagesleistung der Bautrupps ablesen lässt.

Die grossartigen Proportionen des Baus, mit seinen 3 Stockwerken, Wehrgänge (diese wurden als Kirchen-Seitenschiffe genutzt), Galerien, Gewölbe waren phänomenal. Wenn man so einen Bau sieht, muss man die alten Römer mit ihrem Erfindungsreichtum und ihrer Baukunst nur bewundern. Wir stiegen bis zum 3. Stock hinauf. Von hier oben hatten wir einen prächtigen Blick auf Trier.

Nach diesen ereignisreichen Exkursionen und Besichtigungen fuhren wir etwas unterkühlt in unser Domizil in Kröv zurück. Dort konnten wir uns mit einer heissen Dusche erwärmen.

Anmerkung: Im nächsten Teil berichte ich über die Burg Eltz und über Beilstein.

 

Internet
www.trier.de
https://de.wikipedia.org/wiki/Trier
www.trier-info.de


Hinweise auf Blogs über Wanderwochen

Hinweis auf Blogs über eine Wanderwoche an der Mosel
01.11.2015: An der Mosel (2): Hinkelstein und „Spitzhäuschen
27.10.2015: An der Mosel (1): Kröv, Riesling, Schiefer und Cochem

Hinweis auf Blogs über das Elbsandsteingebirge
15.07.2014: Elbsandsteingebirge 5: Labyrinth, Pfaffenstein, Barbarine
15.07.2014: Elbsandsteingebirge 4: Dresden u. der schönste Milchladen
13.07.2014: Elbsandsteingebirge 3: Balkon Europas, Schwedenlöcher
06.07.2014: Elbsandsteingebirge 2: Die Festung, die nie erobert wurde
03.07.2014: Elbsandsteingebirge 1: Klammen, Prebischtor, bizarre Felsen

Hinweis auf Blogs über die Bayernreise
11.11.2013: Unterwegs in Bayern (6): Ein imposantes Freilichtmuseum
19.10.2013: Unterwegs in Bayern (5): Das Oktoberfest hautnah erlebt
17.10.2013: Unterwegs in Bayern (4): Zugspitze, Absturz einer Chinesin
13.10.2013: Unterwegs in Bayern (3): Staffelsee, Ettal & Löffelschlagen
09.10.2013: Unterwegs in Bayern (2): Bad im heilsamen Moorschlamm
04.10.2013: Unterwegs in Bayern (1): Isny, Wieskirche, Bad Kohlgrub

Hinweis auf eine weitere Wanderwoche
28.07.2012: Südtirol 5: Enzianschnaps, Grantn-Marmelade, Heilkräuter
19.07.2012: Südtirol 4: Folterkammer, Geisterstube und Bruneck-Tour
19.07.2012: Südtirol 3: Harpfen, Messner Hütte, Pferdefant von Brixen
16.07.2012: Südtirol 2: Dolomitenseen-Perle, Terence Hill als Förster
13.07.2012: Südtirol 1: Weltberühmte Drei Zinnen in den Dolomiten

 

 


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