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BLOG vom 03.06.2016


Schweizer Hornkuh-Rebell: Lasst doch der Kuh ihr Horn

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 


Kühe mit Hörnern
 

Bei unseren Wanderungen im Südlichen Schwarzwald bin ich jedes Mal erfreut, wenn Kühe noch ihre Hörner haben. So konnten wir kürzlich auf einer Wiese nahe der Gemeinde Feldberg und auch bei Schönau friedlich grasende Kühe mit Hörnern sehen. Kühe mit Hörnern sind wahrlich eine Rarität.

80 % aller Kühe in Landwirtschaftlicher Haltung in Deutschland sind enthornt. Selbst auf Biobetrieben werden etwa 70 % der Tiere in der Milchviehhaltung von ihren Hörnern getrennt. Die Organisation Schweizer Tierschutz (STS) bestätigte, dass 9 von 10 Kühen in der Schweiz keine Hörner mehr haben. Bei Ziegen ist eine ähnliche Tendenz zu beobachten.

Warum tut man dieses den Tieren an? Landwirte äussern immer wieder, man könne so Hierarchiekämpfe vermeiden und Platz in den Ställen sparen. Die Kühe können in grösserer Zahl auf engerem Raum gehalten werden. Die behornten Kühe könnten sich verletzten und würden sogar eine Gefahr für den Landwirt darstellen, wenn dieser den Hörnern zu nahe kommt. Eine behornte Kuh passt eben nicht in den Stall moderner Agrarbetriebe mit Massentierhaltung.

Wenn ein Wanderweg durch eine Viehweide führt, könnte eine behornte Kuh auch einen unliebsamen  Zweibeinern verletzen. Ich bin überzeugt, dass eine solche Kuh auch nicht aggressiver ist als eine ohne Hörner. So mancher Wanderer flüchtete sich schon vor einer Kuh, die sich später als Stier erwies. Oft ist es so, dass sich der Mensch provozierend gegenüber Tiere verhält und diese sich das nicht immer gefallen lassen.

Einfluss auf die Milchqualität?
Das Horn ist in der Tat wichtig für das Sozialverhalten der Tiere. Die Hörner sind dazu da, um sich mehr Respekt gegenüber Artgenossen zu verschaffen. So manche Kuh will nur imponieren. Enthornte Tiere ersetzen das Imponiergehabe und Drohen durch gegenseitiges Boxen.

Laut www.uni.de ist das Horn wichtig für Verdauung und Stoffwechsel. Dieser Zusammenhang ist noch nicht eindeutig geklärt. Es könnte auch sein, dass die enthornten  Tiere unter Phantomschmerzen leiden.
Manche behaupten sogar, dass die Milchqualität  bei den behornten Tieren besser sei.
Milchbauern berichteten, dass in der Milch behornter Kühe weniger Allergene vorkommen.  Wie im Demeter-Journal nachzulesen ist, enthält nach Prof. Manfred Hoffmann die Milch mit Heu-Fütterung von Hörner tragenden Kühen ein höheres Redoxpotential. Je höher dieses Potential ist, umso mehr können freie Radikale im menschlichen Körper gebunden werden.
 
„Wer auf Milch von enthornten Kühen gänzlich verzichten möchte, sollte Milchprodukte von Demeter kaufen“, so ist unter www.univ.de zu lesen.

Das Enthornen wird bei den Demeterbetrieben  nicht praktiziert. Laut Demeter sind Hörner ein stark durchblutetes und mit dem Atemraum des Wiederkäuers verbundenes Organ. „Hörner sind wichtig für den Wärmehaushalt und Verdauung der Kuh. Den Biodynamikern geht es nicht allein um tierschützende Aspekte im Umgang mit ihren Hoftieren. Das Vermeiden von Schmerz und Leid ist ihnen selbstverständlich. Sie achten auf die Würde des Tieres.“

Als ich die Berichte über das Enthornen las, dachte ich mir im Stillen, dass Gentechniker sicherlich Kühe ohne Hörner einmal züchten werden (vielleicht auch ohne Schwanz). Christoph Metz, Demeter-Berater in Südbayern, hatte auch so einen Gedanken. Er bemerkte, dies wäre eine noch gravierendere Einmischung in das Ökosystem als das Entfernen der Hörner.“

Das Enthornen ist eine schmerzhafte Prozedur. Bei Kälbern werden die Hornauslagen mit einem Brenneisen ausgebrannt. „Kälber bis zum Alter von 6 Wochen dürfen ohne Betäubung enthornt werden. Bei älteren Tieren ist die Prozedur weitaus schmerzhafter und sollte eigentlich vermieden werden – kommt aber auch immer wieder vor“, so uni.de

Der Hornkuh-Rebell
Armin Capaul, Schweizer Bergbauer aus Perrefitte BE, kämpft schon seit 5 Jahren gegen das Abschneiden von Hörnern bei Kühen und Ziegen. 120 000 Unterschriften hat er schon gesammelt. Nun wird das Volk über die Zukunft der Hörner abstimmen.
„Wir nehmen die Schweizer Landwirtschaftspolitik auf die Hörner“, sagte Armin Capaul. Er meinte auch, wer das Enthornen für richtig hält, der soll es weiter tun dürfen. Er ist also gegen ein generelles Verbot, das er anstrebt.

Er möchte, dass die Bauern, die sich gegen eine Enthorung entscheiden, finanziell entschädigt werden. Capaul schweben pro Jahr etwa 500 Franken für jede Kuh und 100 Franken für jede Ziege mit Hörnern vor. Durch Direktzahlung an die Landwirte soll ein finanzieller Ausgleich für den erhöhen Bedarf an Platz in einem Freilaufstall erfolgen. Diese Regelung finde ich super.
Der Schweizer Bauernverband hat Capaul nicht unterstützt und noch keine offizielle Empfehlung ausgesprochen. Der Initiator hat für die Kampagne die Kosten selbst übernommen.

Ich bat Rita Lorenzetti-Hess mir Ihre Meinung zum Thema mitzuteilen. Wenn sie enthornte Tiere sieht, stimmt sie das traurig. Über Armin Capaul schrieb sie mir: „Ich habe die Hompage von Armin Capaul angeschaut. Dieser Mann ist ein Wissender. Ein Mensch, der mit dem Tier vertraut ist und es als Lebewesen anerkennt. Auf ihn  sollte man hören.
Für eine Volksabstimmung wünsche ich mir vor allem faire Vorarbeit. Mit Informationen, die nicht nur um den materiellen Gewinn kreisen. Das Tierwohl muss unbedingt miteinbezogen werden.

Internet
www.badische-zeitung.de (Bergbauer kämpft gegen Abschneiden von Hörnern und Bericht „Die Kuh braucht Hörner“: Biolandwirte diskutierten in Lembach über die gängige Praxis, den Kühen die Hörner zu entfernen)
www.uni.de  (Rubrik „Tierleben“, Bericht „Die Kuh ohne Horn“)
www.demeter.de
www.nzz.ch (Der Hornkuh-Rebell und weitere Publikationen)

 

Zeitschrift
Demeter-Journal, Nr. 02/2016: „Ist Tierhaltung noch sinnvoll?“ – „Heumilch tut Wiesen, Kühen und Menschen gut“.

 


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