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BLOG vom 07.04.2017


Wort und Bild vom WDR

Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Deutschland

 

"Kaltluftzufuhrschnorchel" ist nicht nur ein interessantes Kompositum und Wortungetüm, sondern ebenso ein Begriff, der eine Geschichte erzählt:

Kalte Luft wird über einen Schnorchel zugeführt. Man könnte denken, dass man es mit einem Wetterphänomen zu tun hat, schliesslich wird von Experten für das Wetter von einem "Kaltluftvorstoss" mit der Meldung: "Kaltluft flutet einen Kontinent" und bei Taifunen über „Schnorchel“ gesprochen.

Damit hat unser Begriff aber weniger zu tun, es sei denn, das so bezeichnete technische Gerät wirkt sich Wetter verändernd aus. Eine Definition von " Schnorchel" ist: "eine ausfahrbare Röhre mit Ventil zum Ansaugen von Frischluft".

Auf der einen Seite wird also mit Hilfe einer Röhre kalte Luft angesaugt und auf der anderen Seite zugeführt.

Ich war in einem Raum, da gibt es gleich 2 solcher Schnorchel, in die Raumhöhe ragende Kästen, die auch noch sehr geräuscharm arbeiten müssen. Es handelt sich um ein Fernsehstudio des Westdeutschen Rundfunks in Düsseldorf, der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen.

Wenn Lichtverhältnisse geschaffen werden müssen, für die 25 Scheinwerfer mit einer jeweils hohen Wattzahl erforderlich sind, um einen relativ kleinen Raum auszuleuchten, muss die dabei entstehende Wärme durch Luft gekühlt werden, da sonst ein Arbeiten nicht mehr möglich ist. („Innerhalb einer Viertelstunde mit allen Leuchten stieg die Raumtemperatur auf über 40 Grad Celsius“).

Die Vielzahl der Leuchtkörper bei der Produktion von Fernsehbildern sei notwendig, um beispielsweise  „einen ’Heiligenschein’ über dem Kopf eines Politikers, der eine beginnende Glatze hat, zu vermeiden", wenn sie zu den Empfängern in die häuslichen Wohnzimmer übertragen werden.

Das erzählte uns die Dame, die beim WDR dem interessierten Publikum vor Ort zeigt und erläutert, wo und wie Sendungen produziert werden, die dann direkt ("live") oder „Zeit versetzt“ gesendet werden, und zwar sowohl Fernsehbilder als auch Hörfunk.

Es ist also eine Menge Technik im Spiel, im Studio stehen gleich drei auf geräuschlosen Luftpolstern gelagerte Kameras, die mit "Telepromptern" ausgestattet sind, von denen die Moderatoren ihren "selbst geschriebenen" Text jeweils auf Zeilen von 3 Wörtern ablesen können, und zwar so, dass der Zuschauer den Eindruck bekommt, der Moderator spricht quasi auswendig daher.

Es wird den Besuchern der Eindruck vermittelt, dass das Machen von Sendungen mit einem hohen Kostenaufwand für die Technik und mit viel Arbeit für die Redakteure und Moderatoren verbunden ist, bei letzteren "steigt der Stresspegel kurz vor der Aussendung stark an", besonders, wenn noch aktuelle Beiträge, "die reinkommen", mit einbezogen werden müssen. Denn die Moderatoren müssen nicht nur ihre Texte selbst schreiben, sondern auch noch fernsehbildgerecht geschminkt werden.

Schliesslich bezahlen die Bürger alle diesen Aufwand mit ihren (Pflicht-) Beiträgen.

Der WDR 2 in Düsseldorf ist unter anderem zuständig für die Nachrichtensendungen, wieder andere werden in verschiedenen Städten produziert, vor allem in Köln.

Meine Frage war, wo sie denn herkommen, die Aktualitäten, die in die Anstalt "reinkommen".
Wie ich vermutete, sind Nachrichtenagenturen dafür zuständig, wie etwa die dpa (Deutsche Presseagentur), die AP (associated press) und andere, häufig auch in der Regie von amerikanischen Agenturen. Diese Informationen werden dann zu "das Publikum ansprechenden und für ihn verständlichen " Nachrichten durch die Moderatoren umgeschrieben.

Wir haben es also mit einer Bearbeitung  und Sichtweise gleich von mehreren Seiten zu tun, den Journalisten vor Ort (oder "in der Nähe" des Geschehens), der Presseagentur, der Redaktion und den Moderatoren. Was dem Konsumenten aber tunlichst nicht vermittelt wird, er soll schliesslich den Eindruck bekommen, was berichtet wird, "stimmt" und sind "echte Fakten".

Auch die Auswahl der Informationen, die "immer zeitlich sehr nahe am Geschehen sein sollen" und der Entscheidung, dafür andere zu vernachlässigen oder gar nicht erst zu senden, lässt zu denken übrig.

Kann man da nicht ins Grübeln kommen? Eine der Damen, die uns durch die Räume der WDR-Zweigstelle führte, gab in einer persönlich mit ihr geführten Diskussion  zu, dass es aufgrund dieser Tatsache für den Endempfänger der Nachrichten immer sinnvoll sei, auch alternative Informationen aus anderen Quellen anzuzapfen.

Für mich persönlich ist das selbstverständlich. Dank des Internets kann ich andere Sichtweisen der Geschehnisse lesen, etwa von der Website "Neulandrebellen" oder der Seite "German-Foreign-Policy", um nur zwei zu nennen, die nicht "dem Mainstream" angehören.

Es scheint in den öffentlich-rechtlichen Anstalten eine gewisse Angst vor Falschmeldungen, so genannten "Fake News", umzugehen, also Informationen, die bewusst manipulieren und möglicherweise negative Redaktionen in der Bevölkerung auslösen sollen. Das Thema wurde auch hier wieder angesprochen und auf entsprechende Massnahmen dagegen hingewiesen.

Nach dem Verlassen des Gebäudes hatte ich das durchaus mulmige Gefühl, was denn nun in unseren Nachrichtensendungen "Fakt" und Wahrheit ist oder ob in jedem Fall zu bedenken sei, dass es sich immer um Halb- oder Teilwahrheiten handeln könnte und nicht zuletzt auch um manipulierende (?) Darstellungen der Ereignisse oder um deren Unterdrückung. Werden sie deshalb auch „Magazine“ genannt?

So fröstelte ich in der - im Gegensatz zur warmen Luft im Innern des Hauses - kühlen Aussenluft und musste an die Kaltluftzufuhr denken, die uns die Natur in dieser Jahreszeit ganz ohne Schnorchel  immer noch beschert.

 


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