Textatelier
BLOG vom: 30.08.2017

Pilzfreunde jubilierten: Endlich Steinpilze gefunden

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 


Rast auf dem Toten Mann
 

Bei unseren letzten Wanderungen blickten die Pilzfreunde unserer privaten Gruppe mit Argusaugen in die Wälder, um Pilze zu entdecken. Oft wurden wir enttäuscht. Bei der vorletzten Tour im Endenburger Wald sahen wir nur wenige Pifferlinge. Pilzfreund Bernd von Rheinfelden hat ein gutes Gespür und exzellente „Pilz“-Augen. Er sieht essbare Pilze, wo wir keine oder nur ungeniessbare erblicken. Er berichtet immer wieder von grösseren Mengen Pilze, die er bei privaten Pilzwanderungen einsammelt. Bei Wanderungen mit der Gruppe hat man ja nie die erforderliche Zeit vom Weg abweichend in die Wälder hineinzugehen.
Aber am 15.08.2017 war es anders. Was wir bei einer Wanderung entdeckten, werde ich im folgenden Bericht schildern.

Am besagten Datum fuhren wir zu sechst über Oberried zum „Berggasthaus Stollenbacher Hütte“ (1092 m ü. M.). Dort begannen wir mit der Wanderung unter der bewährten Führung unseres Wanderorganisators Toni von Lörrach.
Das Berggasthaus liegt zwischen Zastlertal und Feldberg.

Wir wanderten linker Hand des Hofes in Richtung Skilift, dann ging es in einem sanften Bogen steil bergauf Richtung Hüttenwasen. Auf dem Weg dorthin entdeckte Bernd zwischen Gebüschen einen grossen Steinpilz. „Den hätte ich nie gefunden“, bemerkte ein Wanderer.  Bevor wir später in Richtung des Berges Toter Mann schlenderten, entdeckte ich einen schönen mittelgrossen Steinpilz im Waldboden. Ein Jubelschrei von mir folgte, dann konnte sich Bernd nicht mehr zurückhalten und wollte ebenfalls diese köstlichen Pilze finden. Wir suchten beide nach weiteren Pilzen und wir fanden immer mehr Braunkappen. Es wuchsen Steinpilze in fast allen Grössen heran. Auch auf dem weiteren Weg zum Toten Mann sahen wir weitere jüngere Pilze mit braunen und halbkugeligen Hüten. Wir konnten unser Glück kaum fassen. Ein besonders schönes und junges Exemplar bannte ich auf ein Digitalfoto.

 


Steinpilz von Bernd entdeckt
 
 


Junger Steinpilz
 

Der Steinpilz (Herrenpilz, Braunkopp, Doberniegel) ist ein guter Speisepilz. Die Pilze verfeinern Fleischspeisen, Saucen und Suppen. Der Steinpilz ist nach der Pilzexpertin Rose Marie Dähnke einer der ganz wenigen Pilze, die in kleinen Mengen roh gegessen werden können. Eine Haltbarmachung erfolgt durch Einfrieren, Einwecken und Trocknen.

Auf dem Toten Mann (1321 m ü. M.) hatten wir einen faszinierenden Blick auf den Schwarzwald. In der Ferne sahen wir diverse Windkraftanlagen. An einer anderen Stelle zählte ein Wanderfreund 15 Windräder. Dies bedeutet wohl für einige eine Verschandelung der Landschaft. Aber wir störten uns nicht daran, weil die Windräder weit weg waren.

Schaurige Legende
Über den Toten Mann gibt es eine Legende. Dazu ein Auszug aus dem Buch „Zastler – eine Holzhauergemeinde“ :
„Einmal hat dort oben ein Holzmacher einen Klotz spalten wollen. Aber ganz plötzlich als er sich im Spalt zu schaffen machte, ist die Schneide von der Axt herausgesprungen, das Holz hat sich zusammengedrückt und die Hand war eingeklemmt. Sofort hat der Holzmacher gezogen und gerissen, aber alles war umsonst. ‚Wenn ich nur den Mörschel (Axt) packen könnte, die Hand wollte ich mir abhauen’, hat der arme Mann geschrien. Aber er war zu weit weg. So ist der Mann schliesslich verhungert.“  Noch heute sagt man: „Droben beim toten Mann.“
Diese Geschichte ist auch in der Speisekarte der Stollenbacher Hütte erwähnt.

Nach einer kleinen Ruhepause wanderten wir über eine freie Anhöhe und dann bergabwärts in Richtung Erlenbacher Hütte. Kurz vor der Hütte liefen wir am Waldrand entlang und über eine  kleine moorige Wegstrecke wieder zur Stollenbacher Hütte zurück.

Nach über 2 Stunden Wanderzeit (plus 30 Minuten für die Pilzsucherei) und 220 Höhenmeter stillten wir unseren Hunger im Berggasthaus Stollenbacher Hütte. (www.stollenbcherhuette.de). Das Gasthaus liegt in einer unberührten Natur und in einer herrlichen Landschaft. Die Fläche wird heute von einer Weidegemeinschaft bewirtschaftet. Der Wirt Walter Schweizer ist gleichzeitig auch der Herder der „vierbeinigen Sommergäste“. Der gemütliche Berggasthof ist idealer Ausgangspunkt für Wanderer, Mountainbiker und Wintersportler.

Die meisten von uns assen Rührei mit Speck und Brägel (Bratkartoffeln). Zum Wirt sagte einer: „Hoffentlich sind hier keine holländischen Eier drin“.  Das war eine Anspielung zu den Fipromil-Eiern aus Holland und Belgien.
Der Wirt betonte, dass hier nur regionale Eier verwendet werden. In einem Prospekt war zu lesen, dass man sich hier mit feinen Gerichten aus der badischen Küche verwöhnen lassen kann. Der Wirt verwendet für die Gerichte hauptsächlich Produkte aus regionaler Erzeugung. Da waren wir alle beruhigt. Die Speisen schmeckten übrigens hervorragend.

Es war wiederum eine sehr schöne Tour mit Überraschungen. Noch nie hatten wir so schöne Steinpilze gefunden. Es war reiner Zufall. Zufälle gibt es immer wieder. Manchmal entdeckten wir zufällig seltene Pflanzen und Schmetterlinge. Diesmal waren es Steinpilze.

Literatur
Dähncke, Rose Marie: „200 Pilze“, AT-Verlag, Aarau, Stuttgart, 1994.

 


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