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BLOG vom 30.09.2017


PMSG für die Schweinezucht: Qualvoller Aderlass bei Stuten

Autor:  Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 

Im ARD-Magazin Fakt im Juli 2017 wurde das lebensverachtende Geschäft mit dem Hormon PMSG (Pregnant Mare Serum Gonadotropin) erneut angeprangert (2015 wurde schon einmal darüber berichtet). Das Hormon wird aus dem Blut trächtiger Stuten gewonnen. Die Organisation „Animal Welfare Foundation“ hat den qualvollen Prozess der Serumgewinnung aufgedeckt.  In Südamerika (hauptsächlich in Uruguay und Argentinien) werden wild lebende Pferde von Gauchos in Pferche getrieben. Dann werden die trächtigen Stuten mit Knüppel traktiert, um sie so in Treibgänge zu bringen. Am Ende dieser engen Gänge steht eine Fixierbox. Dort wird ihnen innerhalb einer Woche bis zu 10 Liter Blut abgezapft. Das ist rund ein Viertel des Blutes eines Pferdes. „Es geht hier 11 Wochen, mindestens einmal pro Woche – dann sind die Pferde hinterher fertig“, sagte Tierschützer York Ditfurth von der Animal Welfare Foundation. Die entkräfteten Pferde werden ohne tierärztliche Versorgung sich selbst überlassen.

Wer den Film gesehen hat, war schockiert über diese Tierquälerei. Der erwähnte Tierschützer schätzt, dass Tausende Pferdeföten in Südamerika abgetrieben werden. Dies wir so praktiziert, damit die Stuten wieder trächtig werden.  30 % der Stuten überleben die Prozedur nicht.
Es gibt inzwischen synthetische Alternativen wie Altrenogest, Buserelinacetat, Gonadorelin. Auch wird überlegt, PMSG mit Hilfe gentechnischer Methoden zu gewinnen. Dann hört endlich die Pferdequälerei auf. Am besten ist natürlich, wenn man ganz auf das Hormon verzichtet. Dann hört auch die Tötung von Ferkeln auf. Am besten wäre die Abkehr von der Massentierhaltung.

Alles für die Schweinezucht
Wozu das alles? Das teure Hormon wird in der Schweinezucht eingesetzt. Es dient dazu, dass Schweine zur gleichen Zeit brünstig werden und gleichzeitig ihre Ferkel bekommen. Oft ist es so, dass die Muttersau die überzähligen Ferkel nicht ernähren kann. Überzählige Ferkel werden deshalb getötet.
Biobauer und Abgeordneter der Grünen Friedrich Ostendorff  schätzt, dass 1,3 Millionen Einzelgaben pro Jahr in Deutschland verabreicht werden. Ostendorff fordert zu Recht, dass PMSG aus der Sauenhaltung raus muss, „das gehört nicht dahin.“
Leider gibt es keine gesetzliche Regelung, um den Import von PMSG zu verbieten. Es gilt in der EU als tierisches Nebenprodukt.
Eine Pressesprecherin des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft erklärte schriftlich:
„Es ist nicht Aufgabe der Bundesregierung, die legale Anwendung zugelassener Tierarzneimittel zu bewerten, ausgenommen in Fällen, in denen mit weitreichenden und langfristigen Risiken für die öffentliche Gesundheit durch den häufigen Einsatz derartiger Mittel zu rechnen ist.“
Es ist also keine schnelle Lösung zu erwarten. Die politischen Mühlen mahlen langsam. Viele haben auch kein Interesse, etwas zu ändern.

Was Schweizer Tierärzte beobachteten
Das ist sehr lobenswert, wie Schweizer Konzerne reagierten. Die Konzerne Coop und Migros  entzogen ihren Produzenten das „Naturafarm“- bzw. „Terra-Swiss“-Label, wenn sie PMSG verwendeten.
Der Veterinärmediziner Felix Goldinger betonte in einem Gespräch mit FAKT, dass 2016 in seiner Praxis die Nachfrage von Tierhaltern nach PMSG-Medikamenten um 80 % zurückgegangen ist.
Berichte über den Skandal 2015 haben in der Schweiz für drastische Reaktionen gesorgt. Der Präsident des Schweizerischen  Schweinezüchter-Verbandes, Meinrad Pfister sagte zu FAKT, man habe damals zusammen mit Tierärzten Unternehmen aufgefordert, auf das Medikament zu verzichten.
Das Hormon wird in Uruguay und Argentinien seit rund 30 Jahren in sogenannten Blutfarmen aus Pferdeblut gewonnen. Das Hormon wird weltweit exportiert, auch in die EU. Der Import in die Schweiz ist im Januar 2017 eingestellt (Quelle: www.tierschutzbund-zuerich.ch). Ich frage mich, warum das in der EU nicht geht.

Ein Filialleiter reagierte
Was könnte man tun? Lebensmittelhändler und Verbraucher können etwas ändern. In der Schrift „Mein Hieber“ (03/17) weist Dieter Hieber, Filialleiter des Frischmarktes Hieber (Edeka) darauf hin, dass er Fleisch aus der Region bezieht. Er überzeugt sich, dass die Landwirte und Erzeuger vertrauenswürdig sind, wie die Tiere gehalten und gefüttert werden und welche Medikamente im Bedarfsfall zum Einsatz kommen. PMSG ist tabu „Diese Gewähr bin ich meinem Gewissen, meinen Kunden und dem Wohl der Tiere schuldig.“
Solche Filialleiter sollte es viel mehr geben. Man könnte auch ein Label „PMSG-frei“ einführen.
Auch der Verbraucher kann etwas tun. Der Verbraucher sollte sich genau informieren, woher die Produkte stammen und wie die Tiere gehalten werden. Er sollte auch nicht das Billigste kaufen (Abkehr von der Geiz-ist-geil-Mentalität).
Mit gutem Gewissen bezieht der erwähnte Filialleiter Fleisch von der Erzeugergemeinschaft Schopfheim-Gersbach.

Kommentare im Internet
Markus schrieb am 06.07.2017: Dieser Wahnsinn muss ein Ende haben und unsere Politiker müssen sich verpflichtet fühlen, diese Produktion an Massenfleisch zu stoppen. Funktionieren könnte das über höhere Preise, regelmässige Kontrollen und einer Artgerechten Tierhaltung in Bioqualität, die Standard sein muss! Die Geiz-ist-geil-Mentalität muss aufhören!

Gabriele Zastrow (06.07.2017): „Die perverse Quälerei muss aufhören. Wenn unsere Politiker davon wissen, sind sie nicht besser als die zweibeinigen Charakterkrüppel in Südamerika.“

Christiane Wittwer (06.07.2017): „Es ist ein unfassbares Leid, dass diese Tiere erleiden müssen! Ich bin zutiefst entsetzt. Die Tiere brauchen unsere Stimme, sie können sich nicht alleine wehren.“ (sie forderte Protestschreiben an den Minister für Landwirtschaft; es gibt inzwischen schon mehrere Petitionen).

Zitate über Tierquälerei

„Gott wünscht, dass wir den Tieren beistehen, wenn es vonnöten ist. Ein jedes Wesen in Bedrängnis hat gleiches Recht auf Schutz.“
(Franz von Assisi)

„Grausamkeit gegen Tiere ist eines der kennzeichnendsten Laster eines niederen und unedlen Volkes.“
(Alexander von Humboldt)

„Quäle nie ein Tier zum Scherz;
denn es fühlt wie du den Schmerz“
(Sprichwort)

„Wer plagt sein Pferd und Rind,
hält`s schlecht mit Weib und Kind.“
(Sprichwort)

„Die Grausamkeit gegen die Tiere und auch schon die Teilnahmslosigkeit gegenüber ihren Leiden ist meiner Ansicht nach eine der schwersten Sünden des Menschgeschlechts. Sie ist die Grundlage der menschlichen Verderbtheit.“
(Romain Rolland)

„Wer gegen Tiere grausam ist, kann kein guter Mensch sein.“
(Schopenhauer)

 

Internet
www.mdr.de („Der absurde Kreislauf der Tierquälerei“)
www.deutschlandfunknova.de („Qualvoller Aderlass“)
www.mdr.de („Erzeuger und Handel reagieren zögerlich auf PMSG-Skandal“)
www.mdr.de/kutur/stutenblut-schweinezucht-100.html („Pferdeblut in der Schweinezucht“)
www.hieber.de
www.srf.ch („Neue Pferdequälerei: Stuten leiden für unser Schweinefleisch“)
www.nzz.ch („Schweinezucht in der Schweiz: Verzicht auf Stutenblut“)
www.parlament.ch (Grüne Politiker schrieben an das Parlament, dieses antwortete).
www.wir-sind-tierarzt.de („PMSG raus aus der Sauhaltung. Fakten zur Debatte“)
www.tierschutzbund-zuerich.ch (Dossier Produktion von PMSG in Argentinien und Uruguay)

 


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