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BLOG vom 06.10.2017


Der Wald ist eine Oase der Erholung

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 


Heilsamer Wald am Nonnenmattweiher
 

„Die Seele wird vom Pflastertreten krumm. Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden und tauscht bei ihnen seine Seele um. Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm. Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.“

Diese Worte von Erich Kästner kommen mir immer wieder in den Sinn, wenn ich mit Wanderfreunden durch die Wälder schreite. Diesen Spruch lasen wir auch kürzlich auf einer Tafel des Philosophenweges bei Schönau im Wiesental.

Kürzlich äusserte ein Wanderfreund, er ist immer froh, wenn er die enge Wohnung verlasse und durch die Wälder streifen kann. Das tut seinem Körper und seiner Seele gut. In der Tat ist ein Waldspaziergang Balsam für die Seele. Andere Waldwanderer bemerkten eine Steigerung des Selbstwertgefühls, einen Stressabbau, eine Nervenberuhigung und eine Hebung der Stimmung. Das kann ich vollumfänglich bestätigen. Dazu ein treffender Spruch von Ernst Ferstl:
„Die mit Abstand beste Nerven-Heil-Anstalt ist die freie Natur.“ Er wird wohl im Besonderen auch den Wald gemeint haben.

Renate Cervinka, Umweltpsychologin von der Universität Wien, fand heraus, dass der Wald die physische ebens0 wie die psychische Gesundheit von Menschen stärkt.
Der Entspannungseffekt kommt schon nach 5 Minuten Gärtnern, Spazierengehen  oder Angeln, wie Forscher um Jo Barton von der University of Essex herausfanden.

In letzter Zeit entdeckten etliche Autoren den Wald als Gesundbrunnen und schrieben darüber Bücher, wie „Die Wald-Apotheke“, „Sanfte Medizin der Bäume“, „Die Heilkraft des Waldes“, „Holzwunder: Die Rückkehr der Bäume in unser Leben“, „Die geheime Sprache der Bäume“ oder „Bäume für die Seele“. „Das geheime Leben der Bäume“ des Försters Peter Wohlleben hat einen Spitzenplatz der Bestsellerlisten für Sachbücher erreicht. Vor einigen Jahren gab es kaum Bücher zum Thema Wald. Was ich schon lange beisitze, ist die „Baumheilkunde“ von René A. Strassmann.

Die Redakteure von Gesundheitszeitschriften haben auch den Wald entdeckt. So las ich kürzlich in den „Gesundheits- Nachrichten“ (www.gesundheits-nachrichten.ch)  den Artikel „Sprechstunde bei Dr. Wald“ von Judith Dominguez. Auch in einer Ausgabe der Zeitschrift „Pronova“ meiner Betriebskrankenkasse (www.pronovabkk.de) war der Wald ein Thema. „Raus ins Freie! Waldbaden!“ war der Titel. Die Redakteure betonten, dass die Kombination aus gesunder Waldluft und Bewegung besonders wohltuend sei.

 


Der Wald ein Ort der Erholung
 

Es sind Phytonzide, die wirken
In Japan ist schon lange die Therapie shinrin yoku oder forest bathing („Waldbaden“) etabliert. Infolge der positiven Wirkungen von Waldspaziergängen wurden Wälder in Therapiezentren umgewandelt. In Outdoor-Kliniken kann man sich nach einer Voruntersuchung zum „Baden“ im Wald begeben. In den Wald-Therapie-Zentren werden Spaziergänge, Gesundheitsprogramme und geführte Wanderung angeboten.

Der japanische Mediziner Qing Li entdeckte, dass Spazierengehen im Wald die Entstehung von 3 verschiedenen Anti-Krebs-Proteinen und die Bildung von grösseren Mengen natürlicher Killerzellen (NK-Zellen) fördert. Diese NK-Zellen können Krebszellen aufspüren und attackieren.
Eine weitere japanische Studie brachte heraus, dass ein Waldspaziergang auch den Blutdruck und die Pulsfrequenz reduziert und den Stresshormonspiegel senkt.
Sogar der blosse Anblick eines Waldes beruhigt und reduziert Stresshormone.

Auch koreanische Mediziner  führten Studien durch. So konnten sie bei Waldspaziergängern eine Blutdrucksenkung, eine Erhöhung der Lungenkapazität und eine Verbesserung der Arterienelastizität beobachten. Diese Effekte wurden bei Stadtspaziergängern nicht gesehen.

Inzwischen sind auch europäische Forscher „aufgewacht“. Es sind etliche Forschungs- und Aktionsprogramme im Gange. Das Institut für Umweltentscheidungen an der ETH Zürich erforscht durch Befragungen die positiven Faktoren und Erholungsaktivitäten im Wald.

Auslöser der positiven Effekte sind die leichtflüchtigen Phytonzide, die von Pflanzen gebildet werden. Sie dienen zum Selbstschutz gegen Bakterien, Pilzen und Insekten. Es gibt auch bestimmte Pflanzen, die sich gegenseitig schützen. Dies wird schon im biologisch-dynamischen Landbau angewandt. Bestimmte Pflanzen werden gemeinsam in Beeten angebaut. Man kann dann auf Herbizide und Insektizide verzichten.
Wie schon in meinem Blog vom 15.06.2014 („Twitternde Eiche und die sich wehrende Tomatenpflanze“) erwähnte, können Pflanzen mit Duftstoffen (Phytonzide) kommunizieren. Sie sind auch befähigt, mittels Duftstoffe tierische Nützlinge anzulocken, die dann die Schädlinge auffressen. Offenbar kommunizieren bestimmte Tiere mit den Pflanzen. Ein beinahe unglaublicher Zusammenhang.

Auch der Mensch profitiert von den Phytonziden (ätherische Öle, z. B. Terpene), wenn er in den Wäldern herumläuft und diese einatmet. Wie das Zentrum-der-gesundheit berichtet, benötigt man bei uns keine Wald-Therapie-Zentren. Dafür sollten wir uns vom Bildschirm losreissen und einen Waldspaziergang machen.

Bäume reinigen die Luft
Der Wald hat jedoch noch mehr zu bieten, nämlich eine staubfreie Luft. Die Blätter und Nadeln sind nämlich befähigt, wie ein Reinigungssystem zu wirken. Schadstoffe und Staub werden aus der Luft herausgefiltert. Waldluft trägt nicht nur zum Wohlbefinden der Waldbesucher bei, sondern leistet vielmehr einen grossen Beitrag zum Klimaschutz, wie Forst-Baden-Württemberg (www.forstbw.de) berichtet. „Eine 100 Jahre alte Tanne bildet mit ihren rund 600 000 Nadeln eine Filteroberfläche von fast 15 000 Quadratmetern und siebt damit ganzjährig Dreck in Form von Staub, Bakterien und Pilzen aus der Luft heraus. Ein einziger Hektar Wald kann so pro Jahr bis zu 60 000 Kilogramm Staub aus der Luft filtern. Das reicht aus, um die Luft im Wald um 90-99 Prozent staubärmer zu machen, als in Grossstädten.“
Die erwähnte Tanne produziert pro Tag bis zu 13 Kilogramm Sauerstoff.

Bei unseren Wanderungen atmen wir mit tiefen Zügen die sauerstoffreiche und staubfreie Luft ein. Das tut unserem Atemsystem gut. Aber noch etwas anderes bemerkte ich, nämlich der Duft von feuchter Erde, Pilzen, Nadeln und vermoderten Blättern. Sogar gefällte Bäume strömen noch einen harzigen und terpenhaltigen Duft aus. Ab und zu kommen wir auch an kleinen Waldbächen vorbei. Das ruhige Dahinplätschern beruhigt ungemein. Auf jeden Fall sorgt der Wald für Ruhe, Genesung und inneren Frieden. Was hält uns eigentlich davon ab, einen Waldspaziergang zu machen.

Internet
www.welt.de
www.zentrum-der-gesundheit.de
www.hilfreich.de
www.spiegel.de
www.forstbw.de
www.pronovabkk.de
www.gesundheits-nachrichten.ch

 


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