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BLOG vom 19.12.2017


Johann Peter Hebel, der Naturwissenschaftler

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 


Christian Wirth erklärte das Hg-Barometer
 

Die Initiative KUK-Krone und Kultur Kleines Wiesental liess das Jahr 2017 mit dem Vortrag „Johann Peter Hebel – einmal anders“ („Johann Peter Hebel, der Naturwissenschaftler“)im Wirtshausmuseum „Krone“ in Tegernau ausklingen. Der Referent Christian Wirth, an Hebels Geburtstag an einem 10. Mai geboren, war 40 Jahre lang Gymnasiallehrer für Mathematik, Physik und Chemie in Schopfheim und Schönau.

Trotz Schneetreiben fanden sich doch etliche Zuhörer in der Wirtshausstube ein. Hier wurde den Teilnehmern kräftig eingeheizt. Der mit Holz befeuerte alte Ofen mit langem Ofenrohr strahlte eine angenehme Wärme aus. Gegenüber der Theke nahmen die Gäste Platz.

Dr. Hans Viardot vom Verein zur Erhaltung des Gasthauses „Krone“ in Tegernau und Initiator der Frühschoppen-Veranstaltungen begrüsste die Gäste (darunter der Zeller Bürgermeister Peter Palme und den Schriftsteller Wernfried Hübschmann) und stellte den Referenten vor.

Dann legte Christian Wirth los. Er hatte für seine Experimente eine grosse Kiste mit Laborgeräten mitgebracht.

„Wetterglas“ von J. P. Hebel
Zunächst berichtete Wirth Interessantes über Hebel, den Verfasser der alemannischen Gedichte und Schöpfer der Kalendergeschichten. Als Redakteur der Zeitschrift „Rheinländischer Hausfreund“ beschäftigte er sich auch mit anderen aktuellen Themen. Darunter befindet sich eine besondere, ausführliche Betrachtung über das „Wetterglas“ oder Barometer, welches zur Hebelzeit in vielen Häusern zu finden war. Hebels Verdienst war es, wie Wirth betonte, dass er das Wetterglas sehr schön beschrieben hat, viel einfühlsamer und exakter als in manchen Lehrbüchern. Sogar Fachleute waren von der Darstellung begeistert. Hebel konnte deshalb die Anwendung genau beschreiben, weil er selbst Experimente durchführte.

Christian Wirth trug dann Hebels Geschichte „Belehrung über das Wetterglas“ vor. Im Laufe des Vortrags folgten die Geschichten „Kannitverstan“, „Der geheilte Patient“, „Der Barbierjunge von Segringen“, „Unverhofftes Wiedersehen“ und „Der Husar in Neisse“. Alle waren über die Gedächtnisleistung des Vortragenden überrascht. Er trug diese Geschichten und später noch andere wortwörtlich aus dem Gedächtnis heraus vor.

Besonders interessant war die Demonstration des Luftdruckes an Hand eines alten Quecksilber-Barometers, das zu Hebels Zeiten in Gebrauch war. Später folgte ein weiterer Versuch: Der Vortragende füllte ein Glasrohr mit Wasser, legte eine Papierscheibe drauf, drehte das Rohr herum und es floss kein Wasser heraus.
Die Zuhörer erfuhren, dass die Barometer Messgeräte zur Bestimmung des statischen Absolut-Luftdrucks sind. Es kann auch als Höhenmessgerät verwendet werden.

Auch über die Erfindungen wusste der Vortragende viel zu berichten. Hier ein kurzer Auszug: Evangelista Torricelli nahm die Studien von Galilei auf, experimentierte und entwickelte das Quecksilber-Barometer. Der französische Physiker René Descartes war es, der das System verbesserte, indem er eine Papierskala hinzufügte. Er war auch der Erste, der publik machte, dass der Luftdruck mit der Höhe abnimmt.

Wirth erwähnte auch die Magdeburger-Halbkugeln. Otto von Guericke konnte 1663 den Luftdruck mit diesen Kugeln nachweisen. 2 dicht nebeneinanderliegende Halbkugeln wurden luftleer gepumpt. Entgegengesetzt ziehende Pferdegespanne konnten die Halbkugeln nicht voneinander trennen.

Der Referent zeigte uns auf Tafeln die Funktion von  Barometern und Vakuumpumpen.

Wie stark der Luftdruck und sich schon ein luftverdünnter Raum auswirken, demonstrierte Wirth wie folgt. Er füllte in einem Metallkanister etwas Wasser ein, erhitztes dieses mit einem Bunsenbrenner und verschloss das Gefäß nach dem Sieden. Nach kurzer Zeit wurde der Kanister eingebeult. Diesen Effekt wurde durch Abkühlung des Gefässes mit kaltem Wasser noch deutlicher sichtbar.

 


Historisches Quecksilber-Barometer
 

Goethe-Barometer
Interessant waren auch die Hinweise zum Goethe-Barometer. Dieses ist ein mit Wasser gefülltes Barometer, das an der Unterseite einen nach oben hin offenem Schnabelhals (Tülle) besitzt. Es ist ein historisches Wetter-Messinstrument. Bei Hochdruck sinkt das Wasser in der Tülle, bei schlechtem Wetter (Tiefdruck oder bei steigender Temperatur) steigt es. Tropft es aus der Tülle, droht Unwetter.

Messungen des absoluten Luftdruckes sind mit dem Goethe-Barometer nicht möglich. Es können laut Wikipedia Luftdruckänderungen gemessen werden, die innerhalb einiger Tage auftreten.
Verschiedene Hersteller liefern auch heute noch das Goethe-Barometer. So Glasbläser Wilfried Markus von Rheinfelden (www.wilfried-markus.de). Dieses Barometer wird auch Goethe-Glas, Goethe-Wetterglas, Donnerglas oder Wetterglas bezeichnet.

 


Christian Wirth zeigte ein Experiment
 

Experimente für den Nachwuchs
Zum Schluss hatte Wirth noch eine Überraschung parat. „Diese Experimente eignen sich für eure Kinder“, war die Ansicht des Referenten. Im ersten Experiment zündete er ein Teelicht, das in einer Wanne mit etwas Wasser platziert wurde, an. Dann stülpte er ein leeres Glas darüber. Die Flamme des Teelichts brannte solange, bis der Sauerstoff aufgebraucht war. Und was beobachteten wir? Das Wasser aus der Wanne stieg im Glas etwas  in die Höhe.

Im zweiten Experiment füllte er ein Trinkglas mit Wasser, stülpte ein Taschentuch auf die Öffnung und drehte das Glas um. Es floss auf Grund des Luftdruckes kein Wasser aus dem Trinkglas.

Kleines Fazit
Die Zuhörer waren vom kurzweiligen Vortrag des ehemaligen Gymnasiallehrer Christian Wirth begeistert. Besonders gefielen die Experimente und die zu Gehör gebrachten Kalendergeschichten. Hier wurde altes Schulwissen aufgefrischt und so manch Neues übermittelt.

Unser Dank geht an den Referenten und an den Initiator des „Krone Frühschoppens“, Dr. Hans Viardot.

Blogs über die „Krone“ von Walter Hess und Heinz Scholz

25.08.2014: Kein Streit dank Holunder, und die Liebe wird immer toller
15.07.2012: Wie es Tegernauern gelang, die Stammtischkultur zu retten
25.09.2010: Gasthausmuseum: Flaschenstaub und schwingender Boden 

 


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