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BLOG vom 04.03.2018


Neger? Warum Neger?

Autor: Werner Eisenkopf, Runkel D

Eigentlich müsste man in gewissen Webseiten und Informationen, eine Warnung an Alle bringen, die allergrössten Wert auf eine superkorrekte Sprache, ohne einen Hauch von Diskriminierung oder Unkorrektheit. Nämlich dann, wenn sie womöglich in die Region des Rothaargebirges im Sauerland kommen. Diese Region liegt im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen, etwas nördlich von Siegen und südlich von Hagen. Grossräumig östlich von Köln aber westlich  bis west-süd-westlich von Kassel. Wer auch ohne Hund im Auto, vom Städtchen Altenhundem durch den Wald in Richtung der Kreisstadt Olpe fährt, ist als sprachlicher Gut- oder Korrektmensch irgendwann einem enormen Schock ausgesetzt. Auf einem profanen Verkehrsschild geht es rechts zu einem Ort ab und auf dem Schild liest man einfach so plötzlich NEGER!

Neger? Ja, Neger! Das steht dort einfach so auf einem Schild und niemand hat bisher offenbar diese sprachliche Diskriminierung erkannt und abgestellt. Der Ort war aber sicherlich nicht ein Geburts- oder gar Wohnort des verstorbenen Mainzer Karnevalisten Ernst Neger. Auch nicht der Herren Schwarz und Mohr, die einst zwei Häuser weiter in der Strasse meines Elternhauses im Westerwald wohnten. Beide hatten nichts mit Afrika zu tun, sondern waren lediglich Heimatvertriebene aus dem Sudetenland.

Wer die Geschichte des Fastnachtsliedes "Heile, heile Gänsje" erzählen will, dann kommt man einfach nicht um das Wort NEGER herum! Der singende Mainzer Dachdecker Ernst NEGER (1909-1989) konnte ja nichts für seinen Nachnamen! Er trug ihn sogar stolz und in Ehre. Zu dieser Zeit assen wir als Kinder auch gewisse MOHRENKÖPFE mit Genuss. Später brachte man uns bei, es müsse anstatt MOHRENKÖPFE nun korrekter NEGERKÜSSE heissen. Doch noch viel später, war auch das nicht mehr erwünscht und dasselbe Produkt aus leckerem Schaum, Bodenwaffel und Schokoglasur, musste plötzlich nunmehr SCHAUMKÜSSE genannt werden. Klassiker der Literatur und der Kinderspiele, wie ZEHN KLEINE NEGERLEIN waren plötzlich heikel.

Wer schon einmal im nordbayerischen Coburg war, weiss auch, dass der MOHR dort Teil des Stadtwappens ist. Dazu ist der Traditionsverein TANZSPORTGARDE COBURGER MOHR schon mehrfacher Deutscher Meister im Gardetanz geworden. Das sind nicht nur die beinschwingenden und immer lächelnden Mädels bei der Fassenacht, im Minikleidchen Perücke und Dreispitz, das ist professionelle Tanzakrobatik. Von Coburg in Nordbayern könnte man auf der Rückfahrt wegen Unwohlsein mal in Frankfurt am Main einen Zwischenstop machen und sich in der MOHRENAPOTHEKE entsprechende Medikamente kaufen. Aus Frankurt rausfahrend, könnte man über die Autobahnen in Richtung Wetzlar und weiter nach Siegen fahren. Von Siegen auf der Landstrasse durch einen Ort mit seltsamen Namen, nämlich WELSCHEN ENNEST fahrend, kommt man über KIRCHHUNDEM nach LENNESTADT in den Stadtteil ALTENHUNDEM. Von Altenhundem über Amt Bilstein auf der B55, dann westlich Richtung OLPE fahrend, steht auf einer sattelartigen Anhöhe, nun kurz vor der Kreisstadt Olpe dann der sprachliche Schock in Form eines Ortsschildes bevor. Rechts ab geht es hier nämlich nach NEGER!

Seit immerhin 1486 ist der Name NEGER dort nicht nur für den Ort selbst bekannt. Er ist sogar dreifach unterteilt in Unterneger, Mittelneger und Oberneger. Nicht mal ein Flüsschen, sondern eher ein Bach, dort entlanglaufend, heisst ebenfalls NEGER! Das NEGERWASSER fliesst in die Bieke und diese nach kurzem Lauf in den Biggesee. Vom aufgestauten Biggesee, gibt es einen Abluss, der auch Bigge heisst und in die Lenne mündet. Die Lenne fliesst nach Norden und mündet in die Ruhr. Hier ist natürlich der entsprechende Fluss gemeint, nicht die gleichnamige böse Krankheit. Die Ruhr wiederum fliesst durch das nach ihr benannte RUHRGEBIET und mündet bei Duisburg-Oberhausen in den RHEIN. Dort vereinigt sich das NEGERWASSER mit allen Wassern, die aus der Schweiz, über den Rhein in Richtung Nordsee abfliessen. Hier endet unser kleiner sprachlich "unkorrekter" Ausflug. Man möge dem Autor gerade noch einmal gnädig verzeihen ...

 


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