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BLOG vom 18.03.2018


Es duftet nach Bärlauch – Vorsicht vor Verwechslungen

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 

In den Wäldern der Schweiz, in Deutschland und in vielen anderen europäischen Ländern, schattigen Auen und auch in Gärten duftet es im März und April verführerisch nach Bärlauch (Allium sativum). Immer mehr Menschen sind ganz verrückt nach dem gesunden „Wildknoblauch“. Die Liebhaber der nach Knoblauch duftenden Pflanze sammeln die Blätter selbst, zaubern leckere Gerichte oder lassen sich in Wirtschaften von Bärlauch-Gerichten verwöhnen.

Schopfheimer Bärlauchstrasse
Unvergesslich ist eine Aktion des Wirtevereins Schopfheim vom März 2008. Der Verein hatte sich damals etwas Besonderes einfallen lassen: 16 Restaurants, 4 Bäckereien und 4 Metzgereien boten an der „Schopfheimer Bärlauchstrasse“ alle möglichen Kreationen zum Thema Bärlauch an. Die Bärlauchfreunde konnten sich in dieser Zeit mit kulinarischen Angeboten regelrecht satt essen.
Hans Glöggler vom Wirteverein Schopfheim und Besitzer des „Restaurants Glöggler“ und Autor der Schrift „Bärlauch – Medizin und Essgenuss“ wies darauf hin, dass auf dem Wochenmarkt Schopfheim demnächst Bärlauchsuppe und Bärlauchwürste angeboten werden.

Bärlauch ist gesund
Der Bärlauch wurde lange Zeit vernachlässigt. So findet man in älteren Kräuterbüchern keine oder nur vereinzelt Hinweise auf Anwendungen. Heute aber ist es so, dass der Bärlauch dem Basilikum in Sachen Beliebtheit den Rang abgelaufen hat. Der Bärlauch eignet sich als Salat oder Suppe sehr gut für eine blutreinigende Frühjahrskur. Laut Apotheker und BZ-Autor („Vorsicht Pflanze“) Frank Hiepe wird Bärlauch (frische Pflanze, Pflanzensaft, Kapseln) zur Vorbeugung von Arteriosklerose und Bluthochdruck und bei Magen- und Darmstörungen gebraucht.
Bärlauch enthält bis zu 89 % Wasser, Kohlenhydrate, Ballaststoffe, viel Kalium, Vitamin C (115 mg/100 g) und Schwefelverbindungen wie im Knoblauch. Die Flavonoide in der Pflanze wirken antibakteriell und antiviral. Der hohe Chlorophyllanteil sorgt beim Verzehr für geringeren Knoblauchgeruch.

 


Beliebt ist das Sammeln von Bärlauchblättern
 

Ernte von Bärlauchblättern
In Naturschutzgebieten ist das Sammeln der Bärlauchblätter verboten. Ausserhalb von Naturschutzgebieten ist das Sammeln für den Eigenbedarf erlaubt. Für grössere Mengen in natürlichen Beständen muss die Genehmigung der zuständigen Behörde (z. B. Forstamt) eingeholt werden. Sammler sollen die Blätter vorsichtig abschneiden und die  Zwiebelchen im Boden belassen. Liebhaber von Bärlauch können im Garten Bärlauch problemlos anbauen.

 


Herbstzeitlosenblätter mit Schachtelhalm-Fruchtstand
 

Gefährliche Verwechslung
Aufgepasst beim Sammeln! Unkundige verwechseln zuweilen die Blätter des Bärlauchs mit den Blättern der hochgiftigen Herbstzeitlose. Die Gefahr besteht deshalb, weil die Blätter der Herbstzeitlose manchmal zusammen mit den Bärlauchblättern im Frühjahr herauswachsen. Verwechslungen kommen auch mit dem giftigen Maiglöckchen vor. Frank Hiepe wies darauf hin, dass das Maiglöckchen oft in unmittelbarer Nähe des Bärlauchs wächst.

Wie das Schweizerische Toxikologische Informationszentrum (Tox) berichtet, gibt es pro Jahr in der Schweiz 15 Unfälle mit Herbstzeitlosen. Laut Tox-Direktor Hugo Kupferschmidt gab es sowohl echte, als auch mutmassliche Vergiftungen. Innert 48 Jahren wurden in der Schweiz 4 tödliche Vergiftungen und ein Dutzend mittelschwere bis schwere Fälle gemeldet.
In der Herbstzeitlose ist das hochgiftige Zellgift Colchicin vorhanden. Für den Menschen reichen weniger als 1 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht aus, um eine lebensgefährliche Vergiftung herbeizuführen.
Geringe Mengen von Colchicin in Tablettenform (o,5 und 0,6 mg/Tablette) kommen bei Gicht zur Anwendung.

Auch in Deutschland gab es etliche Vergiftungen. Frank Hiepe erwähnte anlässlich eines Interviews im Südwestfunk einen Vergiftungsfall.
Eine Frau sammelte eine Portion Bärlauchblätter, die einige Blätter der Herbstzeitlose enthielt. Sie kochte damit ihrem Gatten ein feines Süppchen. Der Mann überlebte dieses Mahl nicht.
„Ehepaar kannte Bärlauch nicht: tot“, titelte die „Badische Zeitung“ am 23.04.2004 von einem Fall einer Verwechslung. Das ältere Paar wurde tot in einer Wohnung in Reutlingen D aufgefunden. Im Kühlschrank entdeckten die Ermittler noch Reste von Herbstzeitlosenblättern, und sie vermuteten, dass der Mann die Blätter gesammelt und sie wegen seiner eingeschränkten Sehleistung verwechselt hatte.

 


Drei Pflanzen, die sich sehr ähnlich sehen. Foto ZVG
 

Unterscheidungsmerkmale
Bärlauch: Blätter sind elliptisch, haben einen Stil, duften nach Knoblauch. Zwei Blätter pro Pflanze wachsen einzeln aus dem Boden; weiße Blüten.

Herbstzeitlose: Blätter sind lanzettlich, ungestielt, geruchlos. 3 bis 4 fleischige Blätter pro Stängel, sie umfassen diesen tulpenartig. Violette Blüten erscheinen erst im Herbst.

Maiglöckchen: Blätter sind elliptisch, geruchlos. 2 bis 3 Blätter umfassen den Stängel, ähnlich der Herbstzeitlose; mehrere kleine, weiße Blüten hängen vom Blütenstil.

Wichtig ist, dass der Sammler richtig sieht. In der Vergangenheit kamen gerade bei älteren Personen Verwechslungen und Vergiftungen vor.
Vergiftungssymptome sind Brennen im Mund, Übelkeit, Erbrechen und schwerer Durchfall. Sofort den Arzt oder eine Vergiftungs-Informations-Zentrale in Freiburg (D) informieren. In der Schweiz kann man unter der Telefonnummer 145 Vergiftungen melden (Tox Info). Die Auskünfte sind unentgeltlich.

Hinweis: In einem gesonderten Blog folgen die Rezepte mit Bärlauch.

Internet
www.restaurant-gloeggler.de
www.badische-zeitung.de
www.srf.ch
www.toxinfo.ch
https://www.uniklinik-freiburg.de/giftberatung.html
https://www.wsl.ch (Karte der Verbreitungsgebiete in der Schweiz)
www.hortipendium.de/Bärlauchbestände

 

Literatur
Glöggler, Hans: „Bärlauch – Medizin und Essgenuss“, Eigenverlag Schopfheim 2008.
Hiepe, Frank: „In den Wäldern und Auen duftet es jetzt wieder nach Bärlauch“ („Achtung Pflanze“, www.badische-zeitung.de).
„Gefährliche Verwechslung: Maiglöckchen statt Bärlauch“
(www.srf.ch)
Scholz, Heinz; Hiepe, Frank: „Arnika und Frauenwohl“, Ipa-Verlag, Vaihingen 2013.

Weitere Blogs über Bärlauch
20.03.2008:  Bärlauch frisch vom Wald in die frühlingshafte Haute Cuisine 
05.05.2005:  Reaktionen auf Blogs (8): Bärlauchsüppchen bis CD-Players 
20.04.2005:  Bärlauch-Genuss statt via Herbstzeitlose ins Gras beissen 

 


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