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BLOG vom 07.04.2018


Der nachtaktive Biber ist Landschaftsgestalter

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 


Nagende Biber
 

Vorsicht ist geboten, wenn der Biber an einem Baum nagt. Er wagt sich auch an grössere Bäume. Sobald die sanduhrförmigen Nagestellen sich bilden, dauert es nicht mehr lange, bis der Baum umfällt. Die Biber sind schlau. Sobald sie beim Nagen ein leises Knacken hören, bringen sie sich in Sicherheit und warten, bis der Baum von selbst oder durch den Wind umfällt. Auf meinen Wanderungen entlang der Aare oder kürzlich im Wehradelta – die Wehra fliesst bei Wehr-Brennet in den Rhein – lagen einige bein- und armdicke Bäume wie angespitzte Bleistifte neben dem Wanderweg. 2 Stämme ragten in den Rhein und das recht am Weg befindliche Biotop hinein.

Walter Hess hat über den Biber am 16.03.2008 einen ausführlichen Blog verfasst. Titel: „Von Bibern, Biberfleisch, Bibergeil, Biberbauten und der Bibel“. Weitere Infos gab er im Rundbrief Nr. 6 („Biberstein, seine Biber und Bleistifte“) zum Besten. Aus diesem Grunde verfasse ich keine ausführlichen Abhandlungen über das scheue und nachtaktive Tier mit den mächtigen Nagezähnen.

In einer Wanderausstellung der Naturmuseen Olten und Thurgau wurde auf die Bedeutung des Bibers als Landschaftsgestalter hingewiesen. Hier ein Auszug:

 „Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten profitieren von seinem Wirken: Das Fällen von Bäumen lichtet die Bestände und fördert die Pflanzenvielfalt am Boden. Insekten nutzen die Kräuter als Wirts- und Nahrungspflanzen. Das Anlegen von Dämmen schafft neue Wasserflächen, in denen Libellen, Wasserinsekten, Amphibien und selbst Fische leben können. Wo der Biber Gebiete wieder verlässt, verlanden seine Stauseen; es bilden sich Moore und schliesslich Feuchtwiesen.“

 


Nagestellen an einem Baumstamm
 

Konzept Biber
Wie das Schweizer Bundesamt für Umwelt (www.bafu.admin.ch) berichtet, war der Biber Anfang des 19. Jahrhunderts fast ausgerottet. Ab den 1950er-Jahren hat man ihn wieder angesiedelt. Heute leben etwa 2800 Tiere in der Schweiz, in Baden-Württemberg sind 2500 und in Bayern 14 000 Biber zu Hause. Die in Bayern geschätzte Zahl ist die Hälfte des deutschen Bestands. In der Schweiz steht der Biber seit 1962 unter Schutz. In Deutschland sind die Biber streng geschützt.
Das BAFU hat ein Konzept entwickelt, das den Umgang mit dieser Art regelt. Der Biber kann Schäden an landwirtschaftlichen Uferwegen, Fuss- und Wanderwegen und an Hochwasserschutzbauten verursachen. Das Konzept des BAFU beinhaltet Präventionsmassnahmen und die Entschädigungen von Biberschäden.

Im Pro-natura-Magazin (4-1997) kann man unter dem Titel „Biber, beiss Dich durch“ nachlesen, wie man sich mit den wachsenden Biberbeständen arrangieren kann: „Die Schäden fallen für die Forstwirtschaft kaum ins Gewicht; in der Regel beschränkt sich der Biber auf wirtschaftlich uninteressante Gehölze unmittelbar am Ufer. Probleme gibt’s, wenn nicht ausreichend Weichhölzer vorhanden sind und plötzlich in einer Obstplantage oder in einer Pappelpflanzung Biber auftauchen. Mit Drahtgittern können Bäume gezielt geschützt werden.“

Wie unter Zeit Online nachzulesen ist, gab es in Bayern Ärger. Dort wurden Schäden an Fischteichen, Naturbädern (Äste von den Biberbauten verstopften Zu- und Abflüsse) und sogar im Englischen Garten in München registriert.
In Bayern gibt es Biberbeauftragte bzw. Bibermanager, die Präventivmassnahmen empfehlen. Wichtig ist, dass man einen von Biber gefällten Baum stehen lassen soll. Der Biber kann dann weiter nagen und sich von der Rinde und Blättern ernähren.

Biber als Fastenspeise
Der Biber kann heute froh sein, dass er nicht mehr verzehrt wird. Der Biber galt früher als willkommene Fastenspeise, weil er von der Kirche als Fisch erklärt wurde. Den Fastenden ist ja der Verzehr von Fisch in der Fastenzeit erlaubt. Es kursierten damals viele Rezepte mit Biberfleisch.
Der Jesuitenpater Charlevoix brachte die folgende rabulistische Definition zustande (zit. bei Walter Hess): „Bezüglich seines Schwanzes ist er (der Biber) ganz ein Fisch, und er ist als solcher gerichtlich erklärt durch die Medizinische Fakultät in Paris, und in Verfolgung dieser Erklärung hat die Theologische Fakultät entsprechend entschieden, dass das Fleisch an Fastentagen gegessen werden darf.“

Bibergeil als Heil- und Potenzmittel
Das moschusartig riechende Bibergeil (Castoreum) ist ein Sekret aus den Drüsensäckchen des Bibers. Es war als Heil- und Potenzmittel sehr gefragt. Der Biber nutzt das fettartige Sekret für die Fellpflege und zum Markieren seiner Reviergrenzen.
Apotheker Frank Hiepe teilte mir mit, dass Castoreum in der Homöopathie vorwiegend ab D4 (1:10 000) verwendet wird. Daher benötigt man sehr wenig Bibergeil. Die Tiere werden dazu gezüchtet. Für die Parfümherstellung wird ein synthetisches Castoreum verwendet.

 

Internet
www.bafu.admin.ch
www.zeit.de/2012/26/WOS-Biberkrach

Hinweise auf einen Blog von Walter Hess
16.03.2008:  Von Bibern, Biberfleisch, Bibergeil, Biberbauten und der Bibel 

Hinweis auf einen weiteren Biber-Artikel im Textatelier.com
Textatelier-Rundbrief 6: „Biberstein, seine Biber und Bleistifte“.

Literatur
Fellenberg-Ziegler: „Homöopathische Arzneimittellehre“, Haug Verlag,Heidelberg 1975.
Schmeil, O.: „Leitfaden der Tierkunde“, Verlag von Quelle & Meyer, Leipzig, 1924. Die SW-Abbildung stammt aus diesem Buch.

 


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