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BLOG vom 25.11.2018


WWF-Report 2018: Artenschwund und Tiersterben

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 


Auch Wiesenvögel, Frösche, Bienen und Schmetterlinge sind
betroffen. Foto: Elisabeth Faber
 


Es ist kaum zu glauben. Die Menschen leben, als hätten sie 1,7 Erden zur Verfügung. Der unvernünftige Zweibeiner hat es geschafft, dass es 60 Prozent weniger Wirbeltiere seit 197o gibt. Pro Jahr sind das im Schnitt 2 %. Die Fläche des Regenwaldes ging in der letzten 50 Jahren fast um ein Fünftel zurück. Zudem wurden Millionen Tonnen Fisch gefangen. Monokulturen in der Landwirtschaft sind ein weiteres Indiz.

Der Mensch beutet die Natur gnadenlos aus. Kein Wunder, dass die Artenvielfalt abnimmt. Der neueste 150 Seiten dicke WWF-Bericht 2018 („Living Planet Report“) ist alarmierend. Schonungslos deckt der Report das Ausmass des menschlichen Raubbaus an der Erde und dessen Folgen auf. WWF (World Wide Found For Nature) publiziert seit 1998 alle 2 Jahre einen solchen Report. Daran beteiligt sich auch Global Footprint Network und die Zoologische Gesellschaft London.

Fachleute dieser Gesellschaften zählen Tiere, das Abwandern von Tieren und berücksichtigen 16700 untersuchte Populationen von mehr als 4000 Wirbeltierarten weltweit.

Feldlerche und Rebhuhn sind selten
So schrumpften die folgenden Bestände: der Irawadi Delphin, die Feldlerche, das Rebhuhn und der Stör. Durch monotone Agrarlandschaften sind auch Wiesenvögel, Frösche, Wildbienen und Schmetterlinge betroffen. Dies kann ich durch eigene Beobachtungen bei unseren Wanderungen und Exkursionen bestätigten. Auch die Feldlerche sehe ich kaum noch. In meiner Jugendzeit sah ich Lerchen, die steil mit schnellen Flügelschlägen nach oben flogen und dabei ununterbrochen sangen. Als wir kürzlich auf einer Wanderung im Markgräflerland 2 Rebhühner aufschreckten und sie dann davonflogen, war dies ein seltener und einmaliger Anblick.

Über den Zustand von Insekten, gab der Report keine Hinweise. Darüber berichtete ich schon in anderen Blogs.

Gründe für den Artenschwund
Schuld an dieser ganzen Misere sind die Aktivitäten des Menschen. Die Experten betonten jedoch, dass eine Trendwende noch machbar sei. Wichtige Schritte sind vorgedacht wie die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen im Pariser Klimaschutzabkommen. Diese Ziele müssen unbedingt bis 2030 umgesetzt werden.

Die Biologin Alexandra-Maria Klein, Professorin für Naturschutz und Landschaftsökologie der Uni Freiburg äusserte in einem „BZ-Interview“ dies: „Der Report zeigt auch, dass der Artenschwund konkrete Einflüsse auf uns haben kann. Die Nahrungsmittelsicherheit kann zum Beispiel in Gefahr geraten. Und viele Dinge können wir noch gar nicht absehen.“

Hanna Gersmann von der „Badischen Zeitung“ vom 31.10.2018 betonte, dass leider noch Regierungen weltweit ein angemessenes Handeln verweigern.  Als Beispiel nannte sie China, die den Handel mit Nashorn-Hörnern und Tigerknochen erlauben will, dann der neue Präsident von Brasilien, Jair Bolsonaro, will weiterhin Amazonas-Regenwälder abholzen lassen und der US-Präsident Donald Trump demontiert die Umweltpolitik der Obama-Ära.

Nach diesen Meldungen kam von China aufgrund von weltweiten Protesten eine Retourkutsche. Staatsratsmitglied Ding Xuedong betonte, der Handel und die Nutzung von Tigerknochen und Nashorn-Horn bleibt vorerst nicht erlaubt.

Weitere Gründe
In 2 Leserbriefen an die BZ wird die Ursache des Artensterbens mit weiteren Gründen in Verbindung gebracht. M. S. aus Staufen schrieb über den Fleischhunger: „Wir rauben den Wildtieren schlicht ihren Lebensraum, weil sich die Menschheit den Luxus leistet, viele Nutztiere zu mästen und zu töten, um diese dann als Fleisch zu verzehren.“ Dazu werden Regenwälder abgeholzt, um Flächen für Futterpflanzen zu schaffen. Noch ein Beispiel: In Mexiko werden Anbauflächen gerodet, um den Avocado-Anbau mit viel Wasser zu ermöglichen. Für ein Kilo Avocados sind 600 Liter Wasser nötig (Quelle: dpa-Meldung vom 06.11.2018).

F. D. von Freiburg hat eine andere Lösung des Problems, nämlich die Geburtenkontrolle weltweit. Ein Konsumverzicht ist kaum durchführbar. Je mehr Menschen auf dieser Erde geboren werden, umso höher der Konsum von Nahrungsmitteln, so der Leser.

Walter Hess weist in seinem Buch „Kontrapunkte zur Einheitswelt“ (Wie man sich vor der Globalisierung retten kann, mit Illustrationen von Fernand Rausser) schon 2005 auf den Verlust der ökologischen Vielfalt hin: „Der Einfluss der Intensivlandwirtschaft ist dramatisch. Laut Untersuchungen durch das deutsche Öko-Institut, die im Januar 2005 veröffentlicht wurden, bilden nur noch 12 Pflanzenarten und 5 Nutztierarten die Grundlage unserer Ernährung. 99,6 % der Kulturpflanzen bleiben hingegen ungenutzt und rund 2000 Nutztierarten sind derzeit vom Aussterben bedroht.“

Kleines Fazit
Es sind also trübe Aussichten für das Wohlergehen von Tier, Pflanze und Mensch. Als Umweltzerstörer ist der Mensch unschlagbar. „Der Mensch ist, ich gesteh´ es Euch, ein böses Lebewesen“, sagte einst schon Moliére.

Anhang:  Bedrohungsfaktoren laut WWF

  • Verschlechterung und Verlust von Lebensräumen (Landwirtschaft, Abholzung, Zerschneidung durch Verkehrswege, Verstädterung, Flächenverbrauch durch Energieerzeugung und Bergbau),
  • Übernutzung von Arten (Wilderei, Fischerei, Jagd, Tötung beim Beifang der Tiere),
  • Umweltverschmutzung (Ölpest; Umweltverschmutzung kann die Verfügbarkeit von Nahrung oder die Reproduktionsfähigkeit beeinträchtigen),
  • Invasive Arten und Krankheiten (Ausbreitung von Arten, die nicht heimisch sind. Durch Transport bringt der Mensch Krankheitserreger in neue Gebiete),
  • Klimawandel (Arten wandern bei steigenden Temperaturen in andere Gebiete. Ursache für veränderte Wanderung und Reproduktion z.B. bei Vögeln).

Die grosse Beschleunigung ist gegeben bei Verlust der Regenwälder und durch den ungezügelten Ressourcenverbrauch.

Internet

www.wwf.de
www.nabu.de
www.bund.net
www.badische-zeitung.de

Hinweise auf Blogs zum Thema

22.06.2017: Blütenarme Landschaft lässt Insekten hungern
08.09.2016: Schmetterlinge kämpfen um ihr Überleben

 


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