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BLOG vom 05.06.2019


Rostgänse auf Abwegen und auf Angriff

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 


Eine Rostgans
 

Kürzlich watschelte eine Rostgansfamilie mit 16 Küken vom Fluss Wiese ins Stadtgebiet von Schopfheim-Fahrnau. Als sie auf dem Nikolaus-Singeisen-Weg unterwegs waren, wurde die Polizei gerufen. Wie die Polizei augenzwinkernd bemerkte, hielten sich die Rostgänse nicht an die Straßenverkehrsordnung. Die Tiere wurden dann zusammen mit Spezialisten des Vogelschutzvereins bis zur Wiese geleitet. Zuvor war ein Jugendlicher mit lautem Geschrei des Ganters (männliche Gans) fliegend verfolgt worden, als er mit seinem Fahrrad vorbeifuhr. Passiert ist ihm aber freilich nichts.


Dazu Klaus Böttger, Vorsitzender der BUND-Ortsgruppe Schopfheim: „Sobald die Gänse mit ihren Jungen unterwegs sind und eine Bedrohung erkannt wird, greift der Ganter an, um die Familie zu beschützen.“ Dies sei besonders während der Brutzeit der Fall. Sobald sich Vögel, Fressfeinde und auch der Mensch dem Nest nähert, werden sie vom Ganter mit gestreckten Hals und gesenkten Kopf verscheucht.


Auf dem Golfplatz unterwegs
Die ausflugsfreudige Rostgansfamilie ist entweder auf der Wiese, besonders am aufgestauten Wasser am Fahrnauer-Kraftwerk oder auf dem Golfplatz in Fahrnau anzutreffen. Auch im letzten Jahr war eine Familie in der Nähe der Weiher des Golfplatzes unterwegs. Sie schienen sich nicht an den Golfern zu stören (und umgekehrt). In einigen Metern Entfernung zu den Rostgänsen frönten die Golfer ihren Sport. Klaus Böttger ist erstaunt, dass sich die Schopfheimer Rostgänse in belebten Bereichen schon seit Jahren aufhalten. Sie scheinen keine Scheu vor den Menschen zu haben. Es wurde sogar einmal zur Belustigung der Badegäste ein Pärchen im Schwimmbad gesehen. Sie halten sich sogar auf Häuserfirsten auf, wie zum Beispiel auf dem Dach der Friedrich-Ebert-Schule.


Rostgänse am Golfplatz
 

Frank Hiepe von Zell im Wiesental teilte mir ganz aktuell die Begegnung mit Rostgänsen auf dem Golfplatz in einigen Sätzen mit: „Sie haben sich an die Golfer und Greenkeeper so gewöhnt und lassen sich nicht von Golfbällen in ihre Nähe irritieren. Einmal wurde eine Rostgans von einem Ball getroffen. Der gerade anwesende Chirurg Prof. Henche nahm die Gans mit ins Rheinfelder Krankenhaus, röntge sie und stellte fest, dass der Golfball keinen wesentlichen Schaden verursacht hat. Er brachte die Gans wieder zu ihrer Familie in die Gewässer des Golfplatzes.“

Halbgänse sind Höhlenbrüter
Die intensiv rostbraun oder rostgelb gefärbten Tiere gehören zur Unterfamilie der Halbgänse. Sie sind einerseits gründelnde Enten der Seichtwasserzone und zweitens äsende Gänse auf Felder und Wiesen. Sie sind überwiegend Vegetarier. Sie futtern gerne Grünes und Samen von Pflanzen, verschmähen aber keineswegs Kleinkrebse, Würmer, Insekten, kleine Fische und Amphibien. – Sie sind Höhlenbrüter. Das Weibchen legt 8 bis 11, manchmal, wie jetzt in Schopfheim, bis 16 Eier. Die Eier werden vom Weibchen bebrütet, während der Ganter in der Nähe Wache hält. Die Jungen verlassen das Nest schon nach wenigen Stunden nach dem Schlupf. Mit etwa 55 Lebenstagen sind sie flugfähig.

Sie gelten als Neozoen in Europa
Die Rostgänse sind im nordwestlichen Afrika und in Asien zu Hause. So brüten die Rostgänse in Tibet bis in Höhen von 5000 Metern. Die europäischen Rostgänse gelten in Europa als Neozoen. Man geht davon aus, dass es sich um Gefangenenflüchtlinge und deren Nachkommen handelt. Sie sind wohl aus menschlicher Obhut geflüchtet oder ausgesetzt worden. Die Exotin gilt als problematisch, da sie einheimische Vögel verdrängt. Aber es gibt auch ein friedliches Zusammenleben. Auf dem Fluss Wiese sind Stockenten, Blässhühner und besonders im Winter der Gänsesäger zu beobachten.

 

Anmerkung: Ein ähnlicher Artikel wurde am 03.06.2019 im Regionalteil der „Badischen Zeitung“ publiziert.

 


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