Textatelier
BLOG vom: 14.01.2021

Glücksmomente bei einem Winterspaziergang

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 


Auf dem Lindenberg (Foto Elisabeth Faber)
 

„Der Winter mit seinen Schnee- und Eiskristallen ist der Bildhauer der Natur wie der Herbst mit seiner Farbenpracht der Maler.“
Karl Miziolek

Für viele Erwachsene und besonders für Kinder ist der Winter die schönste Jahreszeit. Sobald die ersten Schneeflocken fallen und als weisse Pracht die Erde bedecken, sind auch die Kinder nicht mehr in der warmen Stube zu halten. Sie ziehen Winterkleider an, nehmen den Schlitten oder die Schiausrüstung und schon geht es zum nächsten Hügel. Die Kinder sind glücklich, erzählen, singen und werfen die ersten Schneebälle. Die Freude ist natürlich in der Corona-Zeit etwas getrübt, da sie zusammen mit Freunden nicht unbeschwert herumtoben dürfen.

Einsame Glücksgefühle in Corona-Zeiten
Auch wir Erwachsenen sollten diese Jahreszeit in einem positiven Licht sehen, die warme Häuslichkeit verlassen und Spaziergänge bei jedem Wetter unternehmen. Das ist gesund. Gerade in der Corona-Pandemie ist das Luftschnappen in der freien Natur von großer Bedeutung. Allerdings muss man Corona-Regeln beachten. So dürfen wir jetzt nur alleine oder zu zweit die Natur aufsuchen. Wanderungen mit unserer privaten Wandergruppe sind nicht möglich. So unternahmen wir in den Jahren vor Corona ungefähr 45 Wandertouren pro Jahr. In diesem Jahr nach dem ersten Lockdown nur die Hälfte. Familienangehörige einer Familie dürfen jedoch auf die Piste. So geschehen am 10. Januar 2021. Da konnten die Enkel der Familie meiner Tochter mit Schlitten einen Berg bei Gresgen heruntersausen. Da kam Freude auf. Während dieser Zeit wanderte ich mit einem Kollegen durch die Landschaft um Schopfheim.

„Einsame Glücksgefühle in g´führiger Spur“ titelte die „Badische Zeitung“ am 11. Januar 2021. Tausende suchten Langlaufloipen im Schwarzwald auf. Für viele ist solch ein Rummel ein Graus. Es gibt jedoch menschenleere Spuren. Die natürliche Freiheit hat jedoch Grenzen. So sind Wald- und Wildgebiete für Langläufer tabu. Vorsicht! Ab 20 Uhr ist derzeit Corona-Sperrstunde. Empfohlen wird auch die richtige Wahl der Tageszeit, wie vor oder kurz nach der Mittagszeit, wenn nicht so viele auf der Spur sind. Die Aktivitäten sollte man nicht unbedingt auf das Wochenende legen. In Zufahrtsstraßen im Sauerland, dem Herz, Schwarzwald (z.B. Kandel) oder in Winterberg wurden Zufahrtsstrassen wegen dem grossen Andrang gesperrt. Überall waren die Parkplätze überfüllt.

 


Bäume im Gegenlicht (Foto Heinz Scholz)
 

Nicht nur Balsam für die Seele
Beim Winterwandern wird unser Immunsystem trainiert, das Atemsystem gekräftigt und der Kreislauf gestärkt. Eine Wanderung oder ein Spaziergang ist auch Balsam für unsere Seele. Man kann so richtig abschalten und auf andere Gedanken kommen. In Zeiten der Reizüberflutung mit bunten und schnellen Bildern sehnen sich die meisten Menschen nach Ruhe und Stille. So manchem fällt es schwer, sich aus dem Sog der Geschäftigkeit zu befreien.

Besonders schön sind für mich Wanderungen, wenn die Wintersonne mild leuchtet und die Schneekristalle im Gegenlicht aufblitzen oder der Raureif eine Märchenlandschaft in die Landschaft zaubert.

Auch die Schweizer Autorin Rita Lorenzetti aus Zürich-Altstetten hat positive Gedanken, wenn sie an den Winter denkt. Sie schrieb mir dieses:
„Auch ich liebe den Winter, den ich als reinigende Kraft empfinde. Ich laufe gerne auf Wegen aus, die dem Autoverkehr entzogen sind, und freue mich, wenn es unter meinen Füssen knirscht. Fasziniert bin ich, wie der Winter, in Zusammenarbeit mit dem Schnee, Stadtansichten und Landschaften neu erfindet und uns ungewohnte Silhouetten präsentiert. Da wird ja allem eine weiche Form verpasst, ein Polster oder eine Kappe aufgesetzt. Manchmal fühle ich, wie die Bäume unter den Lasten leiden. Aber ich erlebe oft auch mit, wie gut sie es verstehen, diese schon bei geringer Wärme locker abzuwerfen. Da sind sie mir ein Vorbild. Schon manchmal habe ich mich im rechten Augenblick an sie erinnert und es ihnen nachgemacht.“

 


Blick vom Lindenberg auf Wolken (Foto Elisabeth Faber)
 

Raus aus der warmen Stube
Ein Wintersparziergang bietet die Möglichkeit, eine andere Welt, die voller Überraschungen ist, kennen zu lernen.

Bei einer Wanderung im Schweizer Jura vor einigen Jahren konnte ich eine überwältigende Raureif-Landschaft auf mich einwirken lassen. So waren Blätter und Zweige, Bäume und Sträucher, aber auch Zäune mit dicken, bizarren Eiskristallen überzogen. Auch die Hagebutten bekamen ein filigran gezuckertes Aussehen. Zahlreichen Spuren im Schnee verrieten mir, welche Tiere hier in Wald und Flur leben. Wer entlang eines Bachlaufs schreitet, kann sich an Eisbirnen, Eiszapfen und andere Eisgebilden an tief zum Wasser herabhängenden Zweiten erfreuen.  Es sind in der Tat faszinierende Bilder, die eine beruhigende Wirkung ausüben. Alle diese Schönheiten der Natur, aber auch die Glücksmomente, die Spaziergänge oder Wanderungen bringen, bleiben den Stubenhockern verborgen. Also raus aus der warmen Stube und hinaus in die erfrischende Natur. Herrlich ist auch das Heimkommen, das Erwärmen, das Geniessen von einer Tasse Tee und das Entzünden von Duftkerzen, die eine heimelige Atmosphäre erzeugen.

Schöne Motive für Fotografen
Für Fotografen sind schneebedeckte Landschaften, Bäume, Denkmäler, aber auch vereiste Bäche, schöne Motive. Besonders schöne Fotos hat die Hobbyfotografin Elisabeth Faber von Freiburg geschaffen. Auf meine Frage, was sie bei den winterlichen Fotos empfindet, schrieb sie mir diese Zeilen:
„Einen Glücksmoment empfinde ich, wenn ich zum Beispiel wie auf dem Foto vom Lindenberg eine schöne Landschaft sehe und mich darauf konzentriere, sie zu fotografieren.“